4 Antworten

Schwieriges Thema.

Zunächst das Wort ist Autopoiesis oder Autopoiese.

Die griechischen Wurzeln des Worts liefern schon Hinweise auf die Wortbedeutung. Auto = Selbst; Poiesis = Schöpfung.

Ich werfe mal nicht mit großen Namen um mich, sondern erkläre kurz, dass diese Sicht behauptet, dass sich Systeme aus sich selbst erzeugen. Eine Zelle erzeugt sich aus sich selbst, das Bewusstsein (psychisches System), die Familie oder die Gesellschaft ebenso. 

Nehmen wir Familie als ein System, das für Soziale Arbeit bedeutsam ist. Familie definiert sich selbst (wer gehört dazu?) und schafft das Familienhafte durch die eigenen Handlungen. Beispiel: wenn der älteste Sohn den betrunkenen Vater (der aber getrennt lebt) verprügelt, sehen möglicherweise die anderen das als Teil ihres Familiensystems an, nicht aber die rechtliche Verpflichtung der Eltern, materiell für die jüngste Tochter zu sorgen.

Und wenn nun die Sozialarbeiterin X sagt: So geht das nicht. Oder: lassen Sie uns das mal bereden - Dann kann sie sich u.U. die Zähne an der Autopoiesis der Familie ausbeißen. 

Eine Schlussfolgerung für die Soziale Arbeit ist daher: Sozialarbeiterische Fachkräfte mögen glauben, dass ihre "Interventionen" "wirken", tatsächlich irritieren sie (nur) das System (was auch produktiv geschehen kann).

Die Antwort auf den zweiten Teil gibt's , wenn der erste verdaut ist.

Danke. Die erklärung ist echt gut und verständlich :-)

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Autopoiesis und Kybernetik zweiter Ordnung beziehen sich beide auf Veränderungen von Síchtweisen in der Systemtheorie.

Letzteres ergab sich aus der Einführung des Konzepts der Beobachtung in den Kontext dieser Theorie. Es lässt sich aus Aufforderung formulieren: Lasst uns doch bei unserer Beschäftigung mit Systemen mitdenken, dass wir Systeme beobachten.

Die (alte) Kybernetik, die K. der ersten Ordnung genannt wurde, hat es zwar getan, aber nicht bewusst bedacht. Ein einfaches kybernetisches System ist ein Thermostat an einem Heizkörper. Der Thermostat wird aufgedreht, heißes Wasser fließt in den Heizkörper, der Raum wird erwärmt, der Thermostat verringert den Zufluss bzw. stoppt ihn, wenn eine bestimmte Temperatur erreicht ist. Durch diese Rückkoppelung wird die Raumtemperatur gesteuert (kybernetes = Steuermann)

Nun beschäftigt sich die Kybernetik zweiter Ordnung mit etwas komplexeren System. Dort bekommt der Aspekt der Beobachtung eine stärke Bedeutung, da nicht nur simpel verglichen wird: Temperatur nicht erreicht - erreicht.

Nehmen wir wieder die Familie als Beispiel. Der älteste Sohn nimmt den Vater als Gefahr wahr. In der Familiensprechstunde heißt das dann etwas saftiger: "Der Alte wollte mir dumm kommen, dann hab ich ihm eine auf die Zwölf gegeben" ...

Als Sozialarbeiterin im Bewusstsein der Kybernetik der zweiten Ordnung soll ich mitdenken: Ich beobachte, dass die Familienmitglieder beobachten. Ist mein Beobachtungsschema von meinem institutionellen Auftrag geprägt, werde ich versuchen, die Gewalt zu verringern. Bin ich lebensweltorientiert unterwegs,  werde ich versuchen zu verstehen (s.z.B. https://www.gutefrage.net/frage/was-ist-der-unterschied-zwischen-lebenswelt-und-alltag-nach-thiersch?foundIn=list-answers-by-user#answer-194863439).

Anders gesagt: Schaue ich mir ein System wie diese Familie, vollziehe ich eine Beobachtung zweiter Ordnung. Nun kann ich mir vergegenwärtigen, dass meine (sozialarbeiterische) Art zu beobachten anders ist als die Beobachtung der Familienmitglieder untereinander. Erneut komme ich damit weg von einem naiven Verständnis von Intervention. Veränderungen in der Familie können auf diesem Hintergrund nur durch das Irritieren bestehender oder das Anregen neuer Beobachtungen entstehen. Dafür sind die Handlungskonzepte der systemischen Beratung entwickelt worden (s.z.B. http://www.amazon.de/Lehrbuch-systemischen-Therapie-Beratung-Grundlagenwissen/dp/352540185X/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1455882024&sr=8-3&keywords=Systemische+beratung).

Die Kybernetik zweiter Ordnung schließt an das Autopoiesis-Thema an - noch Interesse an einer Antwort?

hast du schon gegoogelt ?!

Ja es wird aber nicht aus der sozialen sicht erklärt. 

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