Vorträge im Biologisstudium?

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Solche Details hängen sehr stark von der konkreten Fakultät ab. Denn letztendlich ist jeder Studiengang pro Fakultät ein eigenes Konzept mit eigenen Inhalten und Schwerpunkten - und unterschiedlichen Umgangsformen. In der einen Hochschule hältst du fast jede Woche irgendein Referat und in der anderen ist die Verteidigung deiner Thesis das einzige wichtige Referat.

Ich habe ebenfalls naturwissenschaftlich studiert und hatte in den Fachsemestern jeweils vier oder fünf Referate zwischen 10 und 30 Minuten. Allerdings wurde mir dank Coronakrise die Verteidigung erlassen.

Ich möchte zu deinem Problem noch ein paar Dinge aus eigener Erfahrung sagen:

Ich habe jetzt schon in meiner kleinen Klasse schreckliche Panik vor Referaten

Das kenne ich nur zu gut. Ich konnte mehrere Nächte nicht schlafen, wenn ein Referat anstand. Ich stand dann zitternd vorne, stotterte mir eins zurecht und war hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung, es möge bald vorbei sein und der Erwartung, dass gleich alle anfangen zu lachen.

und im Studium sitzen ja 10-mal so viele Leute.

Einmal ist das Studium wirklich etwas ganz anderes als die Schule. Das kann man nicht wirklich vergleichen. Und zweitens verschlimmert eine Vermeidungstaktik das Problem.

Die Karten sind komplett neu gemischt, wenn du dich zum Studium einschreibst. Niemand kennt dich. Niemand hat dir gegenüber Vorurteile. Alle lernen einander ganz neu kennen. Das ist an für sich mal eine tolle Gelegenheit, alte Gewohnheiten zu durchbrechen und mit einigen wenigen Tagen, an denen man sich zusammenreißt, einen positiven Ersteindruck zu vermitteln, der erstmal bestehen bleibt.

Außerdem seid ihr eine Interessensgemeinschaft. Ihr seid alle aus freien Stücken dort. Ihr wollt alle dieses Studium machen, weil es euch interessiert. Das heißt, wenn du ein Referat hältst, hast du nicht wirklich ein Publikum von unwilligen Menschen, die halt warten müssen, bis irgendein langweiliges Referat zu Ende ist. Sondern du hast Leute vor dir, die wirklich etwas lernen wollen, auch über das was du gerade erzählst! Und nicht zuletzt weiß jeder, der sich im Vorfeld ein Bisschen übers Studieren informiert hat, dass es Einzelgänger verdammt schwer haben. Man braucht einander. Und jeder sieht zu, dass er den Kreis seiner "Lernpartner" vergrößert.

Du wirst nicht drumherum kommen, immer wieder Referate zu halten. Sei es, dass du dem Vorstand monatlich deine Ergebnisse vorstellen musst. Sei es, dass du eine Idee hast und dein Vorgesetzter sagt "komm' mit in die Besprechung mit dem Boss und stelle es ihm vor". Sei es, dass du dich plötzlich in der Öffentlichkeitsarbeit wiederfindest und z.B. Schülergruppen durch das Meeresaquarium führst.

Es ist wirklich schlecht, wenn du erst in der Arbeit lernst, Referate zu halten. Das einzige, was noch schlechter wäre, wäre wenn du dir bis dahin angewöhnt hast, Referaten aus dem Weg zu gehen und das auch noch als Erfolgserlebnis zu empfinden. Auf diese Weise kann es je nach Arbeitsstelle passieren, dass du plötzlich komplett weg vom Fenster bist.

Was rede ich - Arbeit? Dein Studium endet mit einer Thesis - oder sogar einer zweiten, wenn du einen Masterabschluss anstrebst. Eine Thesis will verteidigt werden, d.h. du stehst als Referent vor dem Prof, erklärst was du gemacht hast und dieser nimmt hinterher deine Arbeit auseinander und stellt alles infrage. Blöd, wenn dich schon die Gesamtsituation in die Knie zwingt und der Prof deine Unsicherheit so interpretiert, dass du dir selbst über Fehler in deiner Arbeit bewusst bist.

Besser, du übst das mit den Referaten während des Studiums. Bei mir wurde da der Fokus stets auf die fachliche Vorbereitung und Richtigkeit gelegt; wenn mal jemand vorne einen Aussetzer hatte, gab das keinen ernsten Abzug. Wenn du also fachlich gut vorberetet bist, ist schon viel gewonnen.

Das ist es auch sonst, denn du fühlst dich sehr viel sicherer, wenn du weißt dass du sehr gut vorbereitet bist. Ich habe das so gemacht, dass ich mich sehr viel mehr vorbereitet habe, als eigentlich nötig gewesen wäre. Wenn ich zehn Minuten referieren sollte, habe ich erstmal genug Stoff für 30-40 Minuten zusammengetragen. Und das habe ich dann auf die zehn Minuten reduziert - okay, es wurden oft eher 12-13 ;). Aber das hat den großen Vorteil, dass mich nichts in Bredouille bringen kann: Jemand hat eine Frage? Kein Problem, ich weiß es. Ich habe etwas vergessen zu erwähnen? Kein Problem, fülle ich die Zeit eben mit einer anderen Info. Der Dozent kennt sich aus und will mich mit tiefergehenden Fragen ins Schwimmen bringen? Kein Problem, ich bin entsprechend vorbereitet.

Ich weiß über etwas wahnsinnig gut Bescheid und teile euch jetzt ein Bisschen davon mit. Mit dieser Attitüde ging ich in die Referate hinein. Dazu natürlich noch ein paar Ratgeber gelesen, wie man gute Referate hält - und plötzlich merkte ich, dass meine Referate gut sind. Mitstudenten sagten mir, es sei spannend gewesen und sie hätten gerne mehr erfahren. Es gab Lob von Dozenten. Hey, auf diese Art kann das mit den Referaten echt Spaß machen! :)

Sowas kannst du natürlich nicht haben, wenn du dem Ganzen nach Kräften aus dem Weg gehst.

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