Kann mir jemand die Systemtheorie in einfachen Worten erklären?

4 Antworten

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Die Systemtheorie soll helfen, die Welt besser verstehen und beschreiben zu können. Am Anfang stand die Beobachtung, dass sich einzelne Dinge oder Lebewesen scheinbar zu größeren Sinneinheiten zusammenschließen: die Planeten haben etwas miteinander zu tun, Fische und Fischreiher haben etwas miteinander zu tun, Eltern und Kinder haben etwas miteinander zu tun. Um diese Zusammenhänge besser begreifen zu können, kann man sie als „System“ bezeichnen: Planetensystem, Ökosystem, Familiensystem.

Das Gemeinsame an diesen Gebilden ist: Sie haben einzelne Elemente, und die Elemente haben Beziehungen zueinander. Dann gehört dazu immer eine Umwelt, von der sich das System unterscheidet. Und: Störe ich eines der Elemente, dann ist das gesamte System davon betroffen – mal mehr, mal weniger.

Systemtheoretiker glauben, dass sich viele verschiedene Phänomene auf diese Art beschreiben lassen – ein Industrieunternehmen ebenso wie eine Schulklasse, eine mechanische Uhr ebenso wie die Verkehrswege in einer Stadt. Immer gibt es einzelne Elemente, die durch Beziehungen untereinander verknüpft sind.

Ein soziales System entwickelt eigene Regeln für sich, nach denen es funktioniert. Das beinhaltet unter anderem, wer wem wann was sagt oder gibt, wer oder was zum System dazugehört oder nicht dazugehört, was das System erreichen will usw.

In der Systemtheorie werden noch allerlei weitere Eigenarten von Systemen beschrieben. Zum Beispiel, dass ein System mehr ist als die Summe der einzelnen Elemente. Ein Auto kann fahren, obwohl keines der einzelnen Bauteile fahren kann – und auch, wenn man Reifen, Blech, Motor und Schrauben zusammen auf einen Haufen legen würde, könnten sie nicht fahren. Auf die Beziehung der Teile kommt es an – beim Auto, im Tümpel, in der Fabrik und in der Gesellschaft. Typisch System!

Wenn es um die von Luhmann geht:

Die (moderne) Gesellschaft besteht aus verschiedenen Systemen, die aus Kommunikation bestehen (NUR daraus --> Menschen als solche sind irrelevant). Jedes System hat eine eigene Kommunikationsart mit eigenen Zielen (z. B. Macht in der Politik, Gewinn in der Wirtschaft) und kann die Welt nur aus seiner Sicht wahrnehmen. Die Systeme können einander eigentlich nicht beeinflussen. Weil es so viele verschiedene Systeme gibt, ist die Gesellschaft hochkomplex und unberechenbar. Und Systeme reproduzieren sich aus sich selbst, d. h., ein Kommunikationsakt löst einen neuen aus.

Das ist allerdings nur der absolute Kern (oder was ich dafür halte) und keinesfalls die einfache Version der ganzen Theorie.

Menschen als solche sind natürlich nicht irrelevant, sie gehören zur Umwelt des Systems und sind damit natürlich extrem wichtig. Ohne Bewusstseine kann man sich kaum Kommunikation vorstellen, also ist der Mensch sehr wohl relevant, ohne ihn würde keine Kommunikation stattfinden.

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Das ist es ja - die klugen Kopfe suchen ja selbst nach den einfachen Worten dafür, denn das wäre der Beweis für die Theorie. Es geht im Prinzip darum, dass unterschiedliche wissenschaftliche Zweige (z.B. Mathematik, Soziologie, Psychologie, Philosophie) nach dem gemeinsamen Nenner suchen, wo sich ihre jeweiligen Fachrichtungen aufs alltägliche Leben übertragen lassen. (Jeder Systemtheoretiker erschiesst mich jetzt, weil ich es so pauschal vereinfacht habe.)

"systemisches Denken" heißt z.B. vorausschauendes Denken...alle Eventualitäten der Zukunft in das aktuelle Handeln einzubeziehen

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