Inwiefern ist das Gedicht "Prometheus" von Goethe ein Spiegel seiner Zeit?

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2 Antworten

Prometheus rebelliert nicht gegen die Götter, das ist der übliche Fehler.

Rebellieren heisst ja, dass man eine Autorität in Frage stellt. Das setzt allerdings voraus, dass man diese Autorität als Autorität anerkennt, sonst würde man sie ja gar nicht anfechten wollen.  

Wenn du das Gedicht aber genau liest, fällt dir sicher auf, dass Prometheus ganz im Gegenteil die Autorität von Zeus gar nicht anerkennt. Er stellt ihn zugleich mit Kindern gleich und betont dann vor allem, dass Zeus nur im Himmel herrscht, dass er aber auf Erden kein Herrscher ist, sondern einer, der von den Schwächen und Leiden bestimmter Menschen lebt und zehrt.

Daher:

Musst mir meine Erde

Doch lassen steh'n,

Und meine Hütte,

Die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Glut

Du mich beneidest.

Welche Autorität würde denn seine Untergebenen um etwas "beneiden"??

Nun zu deiner Frage: Ein Werk ist nie der Spiegel seiner Zeit, sonst ist das kein Werk. Ein echtes Werk macht Konturen einer Zeit deutlich, die sonst nicht zu erfassen sind.

Prometheus macht insofern deutlich, dass die Menschen des ausgehenden 18. Jahrhunderts sich nicht mehr auf transzendentale Wahrheiten berufen sollen, sondern die Welt und das Menschsein mit eigenen Mitteln zu denken und zu verstehen haben.

Das bringt Goethes Prometheus in die Nähe von Kants "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen".

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Sturm und Drang: die Jugendgeneration hat gegen die Erwachsenengeneration rebelliert, und Prometheus rebelliert ja auch gegen die Götter und hat ein großes Maul.

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