Fuge selber komponieren?

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Die Fuge ist eine besonders anspruchsvolle und kunstvolle Kompositionstechnik, an die sich Komponisten erst herangewagt haben, wenn sie sehr fortgeschritten waren.

Ich habe in meinem Leben ja einiges erlebt. Aber Schülern mit Basis-Kenntnissen von Musik - oder nicht einmal das - aufzugeben, eine Fuge zu komponieren, gehört zum Absurdesten, das mir je begegnet ist.

Ich habe mir gelegentlich viel Zeit dafür genommen, schwierige oder komplexe Fragen zu beantworten. Aber hier beschränke ich mich darauf Dir zu versichern:

Das ist unmöglich!

Wenn Dein Musiklehrer das ernsthaft anders sieht, schreibe ich ihm gerne einen Brief.

wir Können uns gerne austauschen, ich bin nämlich der gleichen Meinung. Mittlerweile habe ich schon das Hauptthema, den Comes und den 1. Kontrapunkt fertig

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funktioniert bei Dir Google nicht? Ich habe auf die Frage "Fuge komponieren" eine ganze Menge Links bekommen und einige erschienen mir sogar recht eingaengig und gut erklaert. Aber wenn Du zu faul bist zu Googeln, kann man Dir das schlecht in wenigen Worten erklaeren. Eine Fuge ist ziemlich komplex.

Aber einen Tipp gebe ich Dir: Eine Fuge ist eine Fortentwicklung des Kanons. Ein Kanon entsteht dadurch, dass zwei oder mehr Leute dieselbe Melodie singen (oder spielen - ein Kanon wie auch eine Fuge kann ja auch auf ein Instrument entstehen), aber zeitlich versetzt. Das heisst, einer faengt an, singt zum Beispiel 10 Takte, dann faengt der naechste von vorne an (waehrend der erste einfach weitersingt - und wenn er fertig ist, faengt er wieder von vorne an) und so kommt dann der naechste und der uebernaechste.

Nun zur Fuge - und wir nehmen als Beispiel den fuenfstimmigen Eingangschor zu Handel's "Dettingen Te Deum". https://www.youtube.com/watch?v=SW_WtCP0_58
Ungefaehr auf 1:00 h legt der Chor mit allen fuenf Stimmen gleichzeitig los: "We praize Thee, o God". Er wiederholt das - und dann, ungefaehr auf 1:16 h, beginnt die Fuge. Der Alt singt "We praize Thee, o God" - und dann setzen die Trompeten ein und nehmen die Melodie auf. Noch einmal ein gemeinsamer Einsatz des Chores, dann geht es richtig los: Der 1.Sopran singt die Melodie, der zweite Sopran folgt mit dasselbe, der Alt setzt ein (wenn mein Gedaechtnis mich nicht verlaesst. Es ist so verdammt lange her ich habe das als Knabensopran gesungen) - aber der Alt singt nicht wie bei ein Kanon genau dasselbe wie die Soprane, sondern hat die Melodie ein paar Toene tiefer. Und ihm folgen dann die Maennerstimmen Tenor und Bass - und sie singen tiefer als der Alt beziehungsweise der Bass singt tiefer als die Tenoere. Am Ende haben wir also fuenf Stimmgruppen, die alle dieselbe Melodie, aber in verschiedenen Tonlagen und zu verschiedenen Momenten singen. Und wenn jemand eine Fuge schreiben kann, ergibt sich daraus dann Harmonie. Und der ganze Segen folgt strenge Regeln.

Meister wie Handel und Bach (wobei man sagt, er hat die tollsten Fugen geschrieben) konnten aber noch mehr. Sie haben zum Beispiel innerhalb der Fuge die Melodie "komprimiert" und damit neue Formen gefunden oder sie haben die Fuge im "Krebsgang" komponiert - das bedeutet dann, die Melodie laeuft rueckwaerts. Und wenn Du von so etwas einmal die Partitur siehst, begreifst du warum ein grosser komponist frueher auch immer ein guter Mathematiker war. Es ist hochkompliziert, man muss dabei rechnen koennen wie ein Weltmeister, aber wenn man es kann, macht es (anscheinend) Spass. Ich bin nie ueber die Theorie hinaus gediehen, aber ich erinnere mich an eine Party mit Musikstudenten, bei der wir eine sechsstimmige Fuge, auf ein Serviette live komponiert, auf die Melodie von "Humpty Dumpty" uraufgefuehrt haben. ;)

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