Einge Fragen zur Spanischen Wirtschaftsordnung?

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Hallo, die Wirtschaftsordnung ist die gleiche wie in Deutschland bzw. der EU.

Es gab viele Arbeitslose, weil die Immobilienblase platzte, dadurch Immobilien an Wert verloren, unverkäuflich waren, eine Kreditklemme aufkam, die Leute keine Kredite mehr bekamen, dadurch fiel der Bausektor zu Boden, mit ihm die Zement-, Möbel- und Handwerksbranche, dann die Auto- und LKW-Branche, die Banken selbst etc.

Diese ist aber überwunden. Seit vielen Monaten fährt Spanien wieder ordentliches Wachstum ein und die Arbeitslosenzahlen gehen stetig zurück. In Deutschland hat sich dagegen eine Immoblase gebildet. Wenn ich eines gelernt haben: jede Blase platzt mal. Je länger sie andauert, umso schlimmer.

Was Solarstrom angeht, hast du was falsch verstanden bzw. sind haufenweise Gerüchte im Umlauf. Was die Leute zahlen ist ein Stromanschluss, welcher Pflicht ist, wenn man Strom verbraucht. Zahlst du die Grundgebühr, kannst du Solarstrom erzeugen, wie du willst.

Versicherungen gibt es in Spanien ebenso. Bei "normalen" Versicherungen ist es sogar so, dass diese weitaus mehr abdecken als in Deutschland. Z.B. haben KFZ-Versicherungen immer Pannenhilfe, Rechtschutz etc. mit inbegriffen. Du zielst aber m.E. eher auf die Sozialversicherung ab. Die ist in Spanien Pflicht. D.h. es geht in Spanien nicht, dass z.B. Selbständige oder Großverdiener sich privat versichern und nicht in die Sozialkassen einzahlen. Konkret kann sich jeder privat versichern, aber man muss in die Sozialversicherung einzahlen, egal ob selbständig oder Millionär. Das ist solidarischer. Zudem sind so Privatversicherungen auch sehr günstig, weil sie nicht alles abdecken müssen, sondern zusätzlich sind.

Spanien ist ein sehr solidarisches Land. Ein Vergleich zu Deutschland fällt oft schwer, weil die Parameter verschieden sind. In Spanien hilft die Familie aus. Der Familienzusammenhalt ist sehr stark. Auch haben Spanier normalerweise Eigentum (Immobilien). Kaum jemand mietet (im Vergleich zu Deutschland). Man verlässt sich nicht auf den Staat. Wenn einem Bettler an der Ecke die Brille kaputt geht, dauert es keine halbe Stunde, bis ihn einer zum Brillenladen begleitet und ihm eine kauft (sollte es sich jetzt nicht um einen agressiven Bettler handeln). Spanien ist weltweit das Land mit den meisten Organspendern. Zudem wird neben (Geld-) Spenden auch viel persönlicher Einsatz gezeigt: im Sommer nehmen viele Familien die Kinder- und Enkelkinder der Tschernobylkatastrophe auf oder Kinder aus Westsahara (vormals Spanisch-Sahara), um die Eltern zu entlasten und den Kindern ein paar unbeschwerte Monate zu bieten (meist den kompletten Sommer über, die Sommerferien sind in Spanien 3 Monate).

Auch werden oft Bruttoverdienste verglichen, wo die Steuerlast in Spanien lächerlich klein ist. Ein Normalverdiener bekommt den überwiegenden Großeil seiner gezahlten Lohntteuer im Lohnsteuerjahresausgleich zurück und die Sozialversicherung geht (bis auf unter 10 Euro) komplett zu Lasten des Arbeitgebers (30%).

Ebenso der Schuldenvergleich: Spanier haben vorwiegend Eigentum.

Eine allgemeine Soziale Marktwirtschaft gibt es nicht. Von Sozialer Marktwirtschaft spricht man, wenn eine Wirtschaftsverfassung gewisse Merkmale wie relativ freien Wettbewerb und sozial ausgleichende staatliche Eingriffe gibt. Beides fällt in allen Ländern, auch in Spanien sehr verschieden aus. Der Wikipedia-Beitrag zur Wirtschaft in Spanien ist sehr lang, zeigt aber auch, wie sehr die heutige Wirtschaft von der langen besonderen Historie Spaniens geprägt ist. Dass sich Katalonien und das Baskenland von Restspanien abkoppeln wollen, liegt auch in der Wirtschaftsgeschichte und der Wirtschaftsstruktur begründet.

Dabei sind Katalonien und das Baskenland die Gewinner, als unter Franco fast die gesamte Industrie in den Norden verlagert wurde.

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