Archäologie Beruf,Studium?

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2 Antworten

Die Dauer des Studiums ist vom angestrebten Abschluss abhängig.

Für den Bachelor brauchst du mindestens 6 Semester, damit wirst du hinterher aber keinen Blumentopf gewinnen. Im Anschluss also mindestens ein Masterstudiengang, nochmal mindestens 4 Semester. Im Optimalfall anschließend noch eine Promotion, je nach privater Situation ist hier von zwei Jahren bis zur Unendlichkeit alles drin.

Generell solltest du im Vorfeld überlegen, in welche Richtung es gehen soll. Klassische Archäologie, Vorgeschichte, Provinzialrömische Archäologie, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit stehen unter anderem zur Verfügung, daneben gibt es noch ein paar exotischere Teilbereiche.

Die Stellensituation im Fach ist alles andere als gut, am ehesten eine Chance auf eine Stelle im Fach hast du, wenn du eine Teildisziplin wählst, die im Inland vertreten ist. Egal, in welche Richtung es gehen soll: Ohne eine extrem hohe Frustrationstoleranz bzw. die Bereitschaft, trotz Frust weiter zu machen, hohe Leistungsbereitschaft, ein erhebliches Quentchen Glück und gelegentlich auch mal die Bekanntschaft der richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt kommt man in der Regel nicht weit.

Zu den Beschäftigungsfeldern erlaube ich mir, mich selbst zu zitieren:

Wie der Alltag eines (im Fach tätigen ;) ) Archäologen aussieht, ist
stark davon abhängig, wo er arbeitet und in welcher Funktion. Das kann man
hier natürlich nur stark verallgemeinert und verkürzt wiedergeben.

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Jemand mit einer klassischen universitären Laufbahn verbringt

seine Zeit mit der Vorbereitung von Seminaren und Vorlesungen, einem
Schwung Bürokratie und zu einem kleineren Teil mit der Vorbereitung
undDurchführung von Projekten, sei es nun in praktischer oder
theoretischerForschung. Auch hier kann es natürlich anders aussehen,
wenn man eine spezielle Position an der Uni bekleidet, beispielsweise
als Grabungstechniker oder als Betreuer für ein spezielles Projekt.

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Ein Archäologe in einer Behörde (Stadt- oder Kreisarchäologie,
Landesamt für Denkmalpflege) kümmert sich um Anträge
(Grabungserlaubnis), stellt Bescheide aus, sorgt für die ordnungsgemäße
Durchführung von Grabungen, kontrolliert Grabungsberichte. Dazu
kommthäufig auch Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Pressearbeit,...). In
einigen Gebieten schaffen es diese Archäologen, auch selbst
Grabungendurchzuführen, das wird jedoch immer mehr zur Ausnahme, weil
die Verwaltung der immer zahlreicheren Grabungen immer mehr Zeit
beansprucht.

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In einer Grabungsfirma ist die Tätigkeit stark von der Position innerhalb der Firma abhängig.

Als einfacher Mitarbeiter gräbt man, wäscht Funde, arbeitet je nach
Qualifikation an der Dokumentation mit, vermisst, zeichnet, photographiert. In größeren Grabungsfirmen gibt es häufig Spezialisten für einzelne Teilgebiete.

Der Grabungsleiter kümmert sich um die Abläufe auf der Grabung,
sowohl organisatorisch als auch wissenschaftlich. Er ist meist die
Schnittstelle zwischen Auftraggeber, Behörden und Grabungsteam. Ob er
dazu kommt, selbst mitzugraben, ist von der Organisation der Firma und
der Grabung abhängig. Er kümmert sich um die Dokumentation und verfasst
im
Anschluss den Grabungsbericht. Er ist derjenige, der nach der Grabung
am Schreibtisch sitzt und unter Umständen recherchiert. Zwischen Leitung
und Mitarbeiter gibt es diverse Hierarchiemodelle.

Der Inhaber einer Grabungsfirma kann selbst eine Grabung betreuen
oder sich schwerpunktmäßig darum kümmern, die Firma am Laufen zu halten.

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Archäologen in Museen kümmern sich um die Präsentation von Funden und
Befunden, sie verwalten die Sammlung des Museums, konzipieren
Ausstellungen, leisten Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier gibt
es Spezialisierungen.

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Ich für meinen Teil bin Freiberuflerin und als solche wissenschaftliche Dienstleisterin.

Ich habe keine Firma, sondern arbeite allein. Ich führe Prospektionen
und kleinere Grabungen durch, betreue Bauprojekte im Bereich von
Bodendenkmälern. Alle Funktionen einer Grabungsfirma liegen bei mir, mit
Ausnahme der Betreuung von Mitarbeitern, weil ich keine habe (oder
zumindest nur für bestimmte Projekte). Nach der Grabung geht es an die
Berichterstellung. Außerdem mache ich anthropologische Auswertungen für
Grabungen, die andere Firmen durchgeführt haben. Ich erarbeite
Ausstellungen, biete gelegentlich Kurse an der Volkshochschule an, halte
Vorträge. Ehrenamtlich kümmere ich mich um den lokalen
Archäologieverein. Dazu kommen diverse Publikationsprojekte (die in der
Regel im Fach nicht bezahlt werden) und noch diverses andere.

Was man als Freiberufler macht, ist aber stark von der eigenen
Qualifikation abhängig (an vielen Unis lernt man wenig, was man
hinterher in der Praxis brauchen kann), aber auch von der Auftragslage.
Ich sitze beispielsweise seit einigen Jahren mehr am Schreibtisch als
auf Grabungen, weil ich einige größere Aufträge an Land gezogen habe.
Draußen bin ich derzeit nur für Stammkunden oder Projekte, die mich
reizen.

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Die meisten Stellen gibt es sicherlich bei Grabungsfirmen, das
sind aber auch die Stellen, die jämmerlich bezahlt sind. Man kann nicht
selbst über seine Projekte entscheiden, ist im Zweifelsfall bei Wind und
Wetter draußen, die körperliche Arbeit ist nicht ohne. In den übrigen
Bereichen ist die Zahl der pro Jahr freiwerdenden Stellen sehr
überschaubar, wobei auf jede freie Stelle Heerscharen von Bewerbern
kommen.

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Die Studienmöglichkeiten im Berufsfeld Archäologie umfassen mehr als nur den "Archäologen." 

Wenn Du Dich auf Ausgrabungen spezialisieren möchtest bietet sich der Studiengang Grabungstechnik-Feldarchäologie an der HTW Berlin an. 

Willst Du hauptsächlich mit den archäologischen Funden selbst zu tun haben empfiehlt sich das Studium als Restaurator im Schwerpunkt Archäologisch-Historisches Kulturgut: http://krg.htw-berlin.de/studium/studienschwerpunkte/

In diesen Bereichen sind die Berufsaussichten auch um einiges besser weil es weniger Konkurrenz gibt. 

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