Woran scheiterte die Weimarer Republik?

3 Antworten

Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik werden in wissenschaftliche Darstellungen über die Weimarer Republik erörtert (z. B. in einer neuen Gesamtdarstellung bei: Ursula Büttner , Weimar : die überforderte Republik 1918 - 1933 ; Leistung und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Stuttgart : Klett-Cotta, 2008. S. 498 – 509). Für eine Urteilsbildung ist es günstig, sich mit der Zeit näher zu befassen und dabei auch mehrere Erklärungen und Deutungen zu vergleichen (aufgeführte Gründe und ihre Gewichtung).

Die Weimarer Republik ist nicht zwangsläufig gescheitert, auch wenn sie von Anfang an nicht besonders stabil, sondern gefährdet. Sie war erheblichen Belastungen ausgesetzt, die teils aus der Vergangenheit stammten, teils neu entstanden. Zu ihrem Ende hat nicht allein ein einzelner Grund geführt, sondern eine Anzahl verschiedener Ursachen und ihr Zusammenwirken.

Eberhard Kolb, Die Weimarer Republik. 7., durchgesehene und erweiterte Auflage. Oldenbourg : München, 2009 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte ; Band 16), S. 250 – 251 skizziert ein komplexes Ursachengeflecht:

  • institutionelle Rahmenbedingungen

  • ökonomische Entwicklungen mit ihren Auswirkungen auf politische und gesellschaftliche Machtverhältnisse

  • Besonderheiten der politischen Kultur in Deutschland (mitverantwortlich für weitgehende Republikferne der Eliten)

  • Veränderungen im sozialen Gefüge (Umschichtungen) ideologische Faktoren (autoritäre Tradition, extremer Nationalismus, Führererwartung und Hoffnung auf einen charismatischen „straken Mann“) massenpsychologische Momente (Erfolgschancen einer massensuggestiven Propaganda infolge kollektiver Entwurzelung und politischer Labilität breiter Bevölkerungskreise)

  • Rolle einzelner Personen (vor allem Hindenburg, Schleicher, Papen

Für besonders wichtig halte ich folgende Faktoren.

Von außen kommende Belastungen waren:

  • Versailler Vertrag und die Reaktion darauf: Der Versailler Vertrag nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg hatte ungünstige psychologische Folgen und führte zum langandauernden Problem der Reparationszahlungen, was radikalen Kräften Agitationsmöglichkeiten mit Angriffen gegen auf Kompromisse, internationale Verständigung und Einsicht in reale Bedingungen ausgerichtete Demokraten bot. Dolchstoßlegende (eine unzutreffende Darstellung, das deutsche Heer sei im Weltkrieg „im Felde unbesiegt“ geblieben und habe erst durch oppositionelle „vaterlandslose“ Zivilisten aus der Heimat einen „Dolchstoß von hinten“ erhalten) und Kriegsunschuldlegende (als Reaktion gegen den überzogenen Vorwurf der Alleinschuld) waren schädlich. Revolutionäre im November 1918 („als Novemberverbrecher“ verleumdet) und Demokraten wurden in einer Geschichtsfälschung als Schuldige abgestempelt und die Führungsschichten des Deutschen Kaiserreiches, vor allem die militärische Führung von ihrer Verantwortung entlastet und gerechtfertigt. Rechtsextreme Propaganda griff oft auf diese Legende zurück. Die Demokratie wurde mit der Niederlage verbunden.

  • Weltwirtschaftskrise: Der Börseneinbruch 1929 führte zu einer schweren Weltwirtschaftskrise, die in Deutschland eine hohe Arbeitslosigkeit verursachte. Die bestehenden sozialen Sicherungssysteme hatten Mängel und waren mit einem ausreichenden Abfangen überfordert. Die schlimme Lage und die Angst vor sozialem Abstieg (auch die Inflation 1923 war noch stark in Erinnerung) untergruben das Vertrauen in das politische System.

Die Explosivwirkung entstand allerdings erst durch Verbindung mit anderen Belastungen:

  • starke Stellung von Führungskräften des Kaiserreiches in Verwaltung, Justiz, Militär (Reichswehr) und Wirtschaft

  • antidemokratische Denken: beträchtliche Teile der Bevölkerung, auch gerade der Eliten, hatten eine antidemokratische Einstellung. Sie lag sowohl an nachwirkenden Traditionen, Strukturen und Mentalitäten aus dem monarchistischen Obrigkeitsstaat als auch in neuen Weltanschauungen. Im Spektrum rechts außen gab es keine Bejahung der Demokratie. Antidemokratisches Denken und autoritäre Neigungen bestimmten erheblich die politische Kultur. Dazu gehörte eine sehr nationalistische Ideologie mit Massenmobilisierung im Zeichen einer „Volksgemeinschaft“, die stark von Erlebnissen des Ersten Weltkrieges geprägt war, als auch eine kommunistische Bewegung, die mit einer Spaltung der Arbeiterbewegung und einer Bekämpfung deren gemäßigter Teile (über lange Zeit als Hauptfeind) durch die Kommunisten verbunden war. Die Kommunisten und der Bolschewismus in der Sowjetunion waren für rechte Gruppierung geeignete Schreckgespenster, um eine Kommunistenfurcht zu ihren Gunsten auszunutzen.

  • Strukturschwächen der politischen Ordnung/Verfassung: Die Verfassung war wertneutral und manche Prinzipien(parlamentarisch, präsidial und direkt) durchmischt. Die Demokratie war nicht als in ihrer Grundordnung nicht abzuschaffen gesichert und Grundrechte konnten außer Kraft gesetzt werden. Ein destruktives Misstrauensvotum gegen Regierung war möglich. Ein direkt gewählter Reichspräsident hatte eine große Machtfülle (vor allem Artikel 25 Auflösung des Reichstags, Artikel 48 Notverordnungen und Artikel 52 Ernennung und Entlassung des Reichskanzlers). Wenn es im Parlament (Reichstag) keine handlungsfähige politische Mehrheit gab, konnte der Reichspräsident eine entscheidende Rolle spielen. Mit Paul vom Hindenburg kam 1925 eine Person im Amt, die eher ein Ersatzmonarch war und kein Anhänger der Demokratie, außerdem hatten Gegner der Demokratie (Franz von Papen ist nur ein Beispiel) großen Einfluß auf ihn. Das Verhältniswahlrecht und das Fehlen einer 5%-Sperrklausel werden dagegen überschätzt. Die vielen kleinen Parteien waren Zeichen der Zersplitterung und Spaltung in Interessengruppen und politische Anschauungen sowie eines Mangels an klarer politischer Orientierung, hatten aber zusammengenommen kein allzu großes Gewicht. Bei einem Mehrheitswahlrecht hätten vermutlich zwar zunächst grundsätzliche Gegner der Demokratie weniger Abgeordnete durch Wahlen bekommen, aber später auch ihren Anstieg beschleunigen können.

  • Unterschätzung der NSDAP und ihrer Gefährlichkeit

  • Abbröckeln der Zusammenarbeit von Kräften der Mitte, in der Arbeiterbewegung verwurzelten Sozialdemokraten und im Bürgertum verankerten Parteien (vor allem Zentrum [politischer Katholizismus] und Deutsche Demokratische Partei [DDP, liberal], zeitweise auch andere wie die Deutsche Volkspartei [DVP; rechtsliberal-konservativ). Durch zunehmenden Druck verengten sich die Handlungsspielräume, aber nur ein Zusammenwirken mit Bereitschaft zu Kompromissen konnte eine regierungsfähige Mehrheit, die für die Beibehaltung der Demokratie eintrat gewährleisten. Der Rückhalt nahm ab. Es gab in Parteien, die vor allem auf die bürgerliche Mitte ausgerichtet waren, eine Bewegung nach rechts, die auch mit Tendenzen in der Wählerschaft in Verbindung stand. Dies begünstigte angesichts einer zunehmende Schwierigkeit, eine regierungsfähige Mehrheit im Parlament zusammenzubringen, die Neigung zu eher autoritär regierenden Präsidialkabinetten.

des is die beste antwort wert! :o soni drück auf den knopf da mit bester antwort! LOS :D und ich bin kommi unter besten antwortschnief ein traum wird wahr xD

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Die Herrschenden waren zu blöd, sich zu halten. Typisch Sozialdemokratie. Es geht schon wieder los! Warum lassen die sich durch Schmidt-Schnauze beraten. Da kommt immer nur Blödsinn raus. Was der so abläßt, ist schlimmer als krankhafte Ideologie!

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