Was passiert bei einer Reaktion von Chlorwasserstoff und Wasser?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Bei einigen Antworten geht manches durcheinander; zunächst einmal ist es nicht ganz einfach, das gasfärmige HCl in ein Reagenzglas zu bekommen, aber nehmen wir an, es klappt (Gedankenexperiment), dann werden die Wassermoleküle bis zu einem maximalen Massenanteil von ca. 36 % (abhängg von Druck und Temperatur) zu Hydronium-Ionen, die wir vereinfacht als H3O(+) kennzeichnen, protoniert. Zusammen mit den verbliebenen Chloridionen bildet sich Salzsäure. Bitte merken: Erst in Verbindung mit Wasser wird aus Chlorwasserstoff, das die "Experten" von der I.U.P.A.C. für mich nur durch eine Überdosis an Chablis nachvollziehbar als Hydrogenchlorid bezeichnet haben wollen, Salzsäure, also:

H2O + HCl ---> H3O(+) + Cl(-)

Chlorwasserstoff, das die "Experten" von der I.U.P.A.C. für mich nur durch eine Überdosis an Chablis nachvollziehbar als Hydrogenchlorid bezeichnet haben wollen

Tja, das ist nun mal der systematische Name nach Red Book 2005. Haben Sie die gleichen Probleme mit Schwefelkohlenstoff und Kohlenstoffdi-(oder bis-)sulfid?

0
@cg1967

Zunächst einmal: Die chemische Nomenklatur ist Teil der Fachsprache des Chemikers und diese ist nicht tot und abgeschlossen, sondern entwickelt sich weiter und lebt in den Betrieben und Laboratorien, nicht am Runden Tisch der IUPAC, die gut daran täte, weise Zurückhaltung zu üben.

Nun zum CS2: Die Voranstellung des Nichtmetalls hat in der Nomenklaturgeschichte alte Wurzeln, man denke nur das Bromsilber alter Photographen, Urgroßmutters Doppeltkohlensaures Natron, ... Warum kann man dann nicht festlegen, diese Schreibweise bei flüchtigen binären Verbindungen beizubehalten, um sie gegenüber den kristallinen Landessprachmetall+Latienstammnichtmetall+id abzugrenzen. Also weiter Schwefelkohlenstoff!

Welche grotesken Formen der Vereinheitlichungsfetischismus der IUPAC annehmen kann, zeigt zum Beispiel die Behandlung flüchtiger Nichtmetallwasserstoffverbindungen in Analogie zum Methan. Dass aus dem Phosphin Phosphan wurde, macht vielleicht noch Sinn, aus dem guten alten Ammoniak wurde Azan (verspätete Wiedergutmachung für den guillotinierten Lavoisier?) - Bauchweh- aber was nun mit H2O ( Dihydrogenoxid?), oder besser Oxan (schon besetzt durch Dioxan), also dann Hydran, ernsthaft empfohlen:

Schreiben wir also die Klassik um: Goethes Gesang der Geister über den Hydranten, klingt eher nach Brecht; vielleicht gehe ich zum Getränkemarkt und frage nach einem Kasten Mineralhydran ("Wir sind doch keine Chemikalienhandlung"). Ja merken die Damen und Herren der IUPAC denn nicht, dass sie ein Lachnummer nacher der anderen liefern. Diese Kabarettisten kann und soll doch niemand mehr ernst nehmen, wozu ich hier aufrufe!

0
@cg1967

Was das, pardon die I.U.P.A.C. so an Schwachsinn praktiziert haben, zeigt sich auch am Beispiel des guten alten Schwefelwasserstoffs, der als Hydrogensulfid bezeichnet wurde. Dummerweise ist dieser Name aber schon durch die SH^(-) Ionen besetzt. Also wäre die Alternative gewesen, H2S als Hydran zu bezeichnen. Ändern wir also auch die Übersetzung der Genesis "und der Geist Gottes schwebte über den Hydranen" vielleicht sogar Hydranten, klingt nach moderner Lyrik. Oder soll ich etwa beim Discounter einen Kasten Mineralhydran kaufen, dann bekomme ich zurecht den Hinweis: "Wir sind doch kein Chemikalenhandel." Finden Sie albern, ok mag sein, dann will ich noch mit einem IUPAC -Schwachsinn anfangen. Eigentlich musste es seit Jahrzehnten für Na2SO3 Natriumsulfat-IV und Na2SO4 Natriumsulfat-VI heißen. Ein Chemiearbeiter, der in der Schule nicht aufgepasst hat und vielleicht eine Tonne Natriumsulfat-VI, das gute alte Glaubersalz, zu entsorgen hat, gerät an einen Sack, der korrekt (zum Glück nicht, ein Gedankenexperiment) mit Natriumsulfat-IV und spült ihn in den Abfluss: Die armen Fischlein japsen. Ok, ok, die konventionelle Nomenklatur mit -id und -it hatte auch ihre Schwächen, ich gebe aber zu bedenken, dass die chemische Nomenklatur eine in Jahrhunderten gewachsene lebende Sprache der Chemiker ist, die in Jahrhunderten gewachsen ist und die sich verändert hat, wer kennt heute noch Manganchlorür, dem MnCl2 oder Ferrosulfat als FeSO4?

Zum CS2, ja ich bekenne mich zum Schwefelkohlenstoff, statt Kohlenstoffdisulfid, di?, ok unter bestimmten Umständen kann man auch Kohlenstoffmonoxid-, also CS Moleküle erzeugen:

https://vdocuments.site/kohlenstoffmonosulfid-im-thermischen-gleichgewicht.html

Für die Praxis ist es aber einfacher, die Uralt-Nomenklatur (alte Fotografen arbeiten bei Kunstabzügen durch aus noch mit Bromsilberpapier) für solche Stoffe zu verwenden, die überwiegen molekular strukturiert sind (CS2) ist bei Raumtemperatur flüssig, dann bleiben Stoffe, die auf Stamm des lateinischen Namens + id, it, -at ionisch aufgebauten, also bei Raumtemperatur festen Stoffen vorbehalten.

Völlig hirnrissig ist die IUPAC - Empfehlung, Oxidationszahlen mit Römischen Zahlen zu kennzeichnen. Nickel bekäme im Ni(CO)4 nämlich die Null, die die alten Römer gar nicht kannten, oder wie sieht es mit dem Stickstoff im Natriumazid NaN3 aus. -1/3 in Römischen Zahlen auszudrücken, ist schon eine echte Herausforderung, denn die alten Römer kannten auch die Bruchrechnung in der heutigen Form nicht.

Man könnte ein Büchlein über den IUPAC - Blödsinn schreiben, der sich zu recht so schwer tut, akzeptiert zu werden. Auch Fachsprachen sind lebendig, jeder, der eine Sprache lernt, weiß, dass die unregelmäßigen Verben die häufigsten sind, ähnlich ist es mit der lebendigen Sprache im Labor. Lassen wir uns doch diese herrliche Wissenschaft nicht ins Korsett einer aufoktroyierten Nomenklatur zwängen. Sollen die Herren (bestimmt sind auch Frauen dabei, doch sicher eine kleine Zahl, sonst käme nicht so ein Unsinn heraus) ruhig die schöne Landschaft am Genfer See bei einem gut gekühlten Chablis genießen, und zu Fragen der Nomenklatur weise schweigen. Für Frankophone ist es schon schwer genug, da kommt noch das Problem hinzu, dass die Komplexität der Benennung chemischer Verbindungen eigentlich einer polysynthetische Sprache bedarf, da gibt es bei romanischen (wie auch slawischen) Sprachen erhebliche Probleme.

0

Na Chlorwasserstoff ist doch HCl, also Salzsäure, Wasser H2O. Wenn du dir HCl vorstellst, ist das Chlor mit außen drei Elektronenpaaren und einem freien Außenelektronen, der dann den Wasserstoff bindet. Der Sauerstoff aus dem H2O hat 6 Außenelektronen, zwei freie Paare und zwei weitere freie, die sich mit dem Wasserstoff verbinden. H2O ist jetzt partiell negativ geladen, das heißt, dass das Sauerstoffatom die Elektronen mehr anzieht und deshalb eine negative Ladung hat. Genauso beim HCl-Molekül, bei dem das Chloratom auch negativ geladen ist. Genauso sind dann die Wasserstoffatome partiell positiv geladen. Das negativ geladene O-Atom zieht jetzt den positiven Wasserstoff des HCl-Moleküls an. Da aber das freie Außenelektron des Wasserstoffs an den Chlor gebunden ist, geht nur das Proton über, ein Protonen Übergang findet statt. Der Chlor behält das eine Elektron und ist jetzt also einmal negativ geladen. Das Wasser hat so ein Proton mehr, es ist einmal positiv geladen. Das entstandene Chor-Ion nennt man Chloridion, das Wasser-Ion Hydroniumion. Diese Reaktion ist eine Reaktion mit Protonenübergang, die Säure-Base Reaktion. HCl ist die Säure, da es Protonen abgibt, es agiert als Protonendonator, das Wasser ist der Protonenakzeptor, es nimmt Protonen auf. Passieren wird da nicht viel glaub ich. Das ganze hat jetzt nur einen sauren Ph-Wert, was man mit einem Indikator feststellt. Das liegt dann an den Hydroniumionen.

Aber ich weiß nicht, man sagt doch immer "Erst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das ungeheure!" Also vielleicht erst das Wasser, dann HCl.

was passiert wenn ich zuerst Chlorwasserstoff in ein Reagenzglas tue und dann das Wasser?

Die Temperatur steigt im System (sofern Du dies praktisch schaffst. Ich würde Wasser vorlegen und HCl einleiten)

Und warum passiert etwas (chemisch gesehen)

Weil sich Chlorwasserstoff exotherm in Wasser löst. Chemisch gesehen: Hydrationsenergie. Die Energie, welche durch die Bindung der Ionen an das Wasser freigesetzt wird übersteigt die Bindungsenergie im HCl-Molekül.

Chlorwasserstoff ist ein Gas. Es ist besser erst Wasser und dann HCl einleiten, dann bekommst du Salzsäure

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – gelernter Diplom Chemiker

Im Wasser wird der Chlorwasserstoff praktisch komplett in Chlorid- und Wasserstoffionen gespalten. Er dissoziiert.

Was möchtest Du wissen?