warum wurde im alten athen plötzlich nicht mehr gewählt sondern gelost?

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Die Auslosung für Ämter ist nicht erst in der Zeit, als Perikles führender Politiker in Athen war, völlig neu eingeführt worden und außerdem gab es für einige Ämter weiterhin Wahlen. Das Losverfahren ist aber typisch für die entwickelte Demokratie im antiken Athen.

Schon in der von Kleisthenes gestalteten Frühform der Demokratie („Isonomie“ genannt) gab es Losung beim Rat der 500 (Reihenfolge, in der eine der 10 Phylen amtierte, und Bestimmung, wer von den 50 Mitgliedern aus einer Phyle den Vorsitz für einen Tag führte). Die Archonten (ἄρχοντες; Singular: ἄρχων [Archon]) verloren an Befugnissen und politischer Bedeutung. Ab 487 wurden sie nicht mehr gewählt, sondern unter Kandidaten ausgelost.

In der entwickelten Demokratie ist es zu einer Ausweitung des Losens gekommen. Dies betraf nicht nur die Bestimmung, wer im Rat der 500 (βουλή) amtierte, sondern auch, wer in den Gerichtshöfen urteilte, und viele weitere Ämter.

Daneben gab es Wahlämter für Tätigkeiten, die besondere Fähigkeiten und Kenntnisse erforderten (am wichtigsten waren die jährlich neugewählten 10 Strategen, außerdem wurden z. B. Finanzbeamte, Ratsschreiber und Leute für Bauaufsicht gewählt).

Die große Rolle des Losverfahrens ist Ausdruck der Wertschätzung von Gleichheit als demokratisches Prinzip. Dem athenischen Volk war politische Teilhabe (Partizipation) sehr wichtig.

Die Zuständigkeiten der Ämter waren auf viele verteilt und begrenzt. Die meisten Athener hielten den normalen Durchschnittsbürger für ausreichend fähig, diese Ämter auszuüben. Es gab eine Überprüfung auf Mindestvoraussetzungen (δοκιμασία [Dokimasia]), die vor allem den Besitz des Bürgerrechts und kein Vorliegen von Unwürdigkeit betraf. Die athenische Demokratie war eine direkte Demokratie und wollte Chancen auf ein aktives Teilnehmen an der Politik.

Das Losverfahren sorgte für:

  • Gleichheit unter den Bürgern mit Abwechslung von Herrschen und Beherschtwerden

  • Verhinderung von übergroßer Machtkonzentration und Machtmissbrauch

  • Vermeidung von Korruption (vor allem bei den Gerichten konnte so die Anfälligkeit für Bestechung eingeschränkt werden)

Zu dem Thema gibt es eine ausführliche Darstellung bei:

Jochen Bleicken. Die athenische Demokratie. 2., völlig überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 1994. ISBN 3-506-71901-7

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Stimmt. - Das UTB-Büchlein von Bleicken habe ich damals zur Examensvorbereitung benutzt; schön, dass es immer noch aktuell ist.

LG anima mundi

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Weil Perikles offenbar gemerkt hat, wohin Demokratie führt, bzw., dass das auch nur eine Art Glücksspiel ist. (Meine Vermutung).

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