Warum steigt bei einem Leistungsbilanzüberschuss der Kapitalabfluss ins Ausland?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Ich will es mal ganz vereinfacht in einem 2 - Länder - Modell ausdrücken. Wenn es einen Leistungsbilanzüberschuß gibt, liefert das Land A mehr Waren an das Land B, als umgekehrt. Irgendwomit muß Land B nun diese Waren bezahlen, da es aus seinen Exporten nicht genügend Einnahmen hat und somit ein Defizit. Theoretisch kann das Geld nur aus Land A kommen. Also müßte Land A Land B das Geld leihen - das ergäbe dann eine negative Kapitalbilanz, weil aus A mehr Geld rausfließt als hereinkommt. Land B verschuldet sich also demanch bei Land A bzw Land A investiert in Form von Anleihen in Land B Das an sich ist ist schon der simple Grundgedanke auf dem die Zahlungsbilanztheorie fußt. Das VWL - Studium war doch nicht ganz umsonst und manchmal kann man es auch ganz einfach ausdrücken. Mit freundlichen Grüßen Nasdaq

Im übrigen gilt das Ganze nur bei statischen Wecheslekursen. Auf mittlere Sicht relativiert sich dies in der Praxis durch den Wechselkurs. Daher auch seit ewigen Zeiten Wechselkurssteigerungen der D- Mark / EUR, abgehsenn von kurzfristigen Schwnakungen.

Mit freundlichen Grüßen

Nasdaq

0

Hey vielen Dank für das Modell, die einfachsten Antworten sind oft die besten ;-).

Übertragen auf die reale Welt verstehe ich die Tatsache das der Nettokapitalabfluss einer Volkswirtschaft stehts den Nettoexporten entsprechen muss jedoch noch nicht ganz.

Wenn BspW. ein Export von Deutschland nach den Niederlanden stattfindet, so findet ein Handeln zwischen zwei Ländern statt deren Leistungsbilanzen jeweils einen Überschuss aufweisen. Worin besteht den nun die Notwendigkeit, dass sich die Niederlande gegenüber Deutschland verschulden müssen? Ist es nicht möglich das die Niederlande einen direkten Zahlungsausgleich aus ihren eigenen Überschüssen leisten und dadurch ggf. die Leistungsbilanz ins Gleichgewicht gebracht wird?

Für einen Volkswirt muss die Frage sehr trivial sein, wäre jedoch wirklich super wenn du mir helfen würdest ;-)

1

Naja, verschiedene Antworten auf eure Fragen (wenn ich das richtig verstanden habe)

"Ein Zusammenhang bleibt mir bislang unklar: Die Exporte werden doch bezahlt. So wird das Kapital doch lediglich von Sachwerten in Geld umgewandelt. Es fließt doch nix ab. Es wird doch nur getauscht. Warum ist das also ein Problem"

Die Exporte werden eventuell aber nicht sofort bezahlt, sprich, ein Land nimmt Schulden beim anderen Land (in irgendeiner Form) auf (weil es halt jetzt nicht bezahlen kann). Wenn das verschuldete Land dann aber pleite geht, verfallen die Forderungen, siehe Griechenland. Es ist also immer ein Risiko dabei. Aber auf der anderen Seite kann man so eine Absicherung für die Zukunft schaffen, nach dem Motto: ich produziere gerade jetzt über, das andere Land benötigt momentan Waren, kann aber jetzt nicht bezahlen, aber vielleicht in Zukunft, wenn es mir schlecht geht und dem anderen Land besser. Dann lebe ich von dem Geld, das ich jetzt erarbeitet habe, das andere Land produziert mir das dann, was ich benötige und baut so seine Schulden ab.

Und der Abfluss war so gemeint, dass während der Produktion Geld in die Waren gesteckt wurde. Dieses Geld fliesst jetzt in Form von Waren ins Ausland, es fehlt jetzt also im Inland. Wenn Geld ins Ausland wandert, wird es im eigenen Land nicht mehr investiert, es werden so auch Arbeitsplätze vernichtet, das Wirtschaftswachstum gebremst/verringert, etc.

Quelle: http://www.economag.de/pdf/385_economag_Petersen_Dez2010.pdf

Grundsätzlich bedeutet Leistungsbilanzüberschuss Kapitalzufluss. Es ist wohl gemeint, dass Deutsche bei einem großen Leistungsbilanzüberschuss Vermögen im Ausland bilden, dadurch ergibt sich dann der Abfluss.

Nein Kapitalabfluss, da das Geld für die erwobenen Güter ja irgendwo her kommen muß. Dsa allerdings kann in Form von Krdeiten geschehn, was umgehrt wiederum einer Anlage im Ausland entspricht.

0

"Warum fließt Kapital aus Deutschland ab, wenn BMW seine neuen 7er in die USA exportiert und sich das gut bezahlen lässt?"

Hierbei besteht eine Begriffsverwechslung aus der Statistik. Eine Zunahme der Nettokapitalexporte (das bei steigenden Warenexporten aufgrund der doppelten Buchführung auftritt) bedeutet in der Buchführung, eine Zunahme der Forderungen gegenüber Ausländern. (siehe auch z.B. im Wiki unter Nettokapitalexport)

Nettokapitalexport bedeutet also hier, dass der Käufer in den USA BMW in Deutschland Geld schuldet. Es bedeutet NICHT dass Kapital aus Deutschland in die USA wandert (was davon unabhängig allerdings natürlich durch z.B. Kredite aus Deutschland an die USA geschehen sein mag, etwa im Falle von Nasdaqs 2-Länder Beispiel zwingend). Der Begriff Nettokapitalexport wurde hier also mit dem Begriff Kapitalabfluss verwechselt (was häufig geschieht und für Missverständnisse sorgt), es sind aber unterschiedliche Dinge.

Im Rahmen des magischen Vierecks stelle es ein Ziel der Wirtschaftspolitik dar, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht, das heißt eine ungefähr gleiche Höhe von Ein- und Ausfuhren, zu erreichen.

Der Grund hierfür ist, dass ständige Exportüberschüsse mit einem dauerhaften Kapitalabfluss einhergehen. 2006 betrug dieser laut Deutscher Bundesbank 151 Milliarden Euro. Im Jahr 2007 steigerte sich der Fehlbetrag auf 236 Milliarden Euro.[6] Entsprechend nimmt das Auslandsvermögen der deutschen Volkswirtschaft laufend zu.

Gemäß der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung besteht folgender Zusammenhang: Zahlungsbilanzsaldo = 0 = Leistungsbilanzsaldo + Kapitalbilanzsaldo + Devisenbilanzsaldo. Sofern also die Notenbank Differenzen zwischen Leistungsbilanzsaldo und Kapitalbilanzsaldo nicht durch Devisentransaktionen ausgleicht, sind Leistungs- und Kapitalbilanzsaldo gegengleich. Daher bedeutet ein hoher Nettoexport (die Differenz zwischen Export und Import) zugleich einen starken Kapitalabfluss. Solche „Nettoexporterfolge“ deuten daher unter Umständen auf einen unattraktiven Investitionsstandort hin. Die Nettoinvestitionen Deutschlands, welche die Grundlage wirtschaftlichen Wachstums bilden, sind bereits 2004 auf ein historisches Tief von 2 bis 3 % gefallen (siehe Grafik). Allerdings liegt die Nettoinvestitionsquote auch in den USA, ein Land, das seit längerem einen negativen Außenbeitrag aufweist, niedrig.

Folgendes Beispiel stellt den Zusammenhang dar: Nehmen wir vereinfachend an, die Kapitalbilanz (KB) sei gegengleich zur Leistungsbilanz (LB) (stimmt nur bedingt da die Devisenbilanz berücksichtigt werden müsste). Außerdem gilt S (Sparen) = I (Investition) und des weiteren gilt für Nettoinvestitionen (NI) = Bruttoinvestitionen (BI) − Abschreibungen (D) + Kapitalbilanzsaldo (KB). Wird Kapital exportiert, so sinken - bei gegebenen Ersparnissen S - die Nettoinvestitionen. Wenn aber LB = -KB, dann kann man auch schreiben: NI = BI − D − LB. In Worten formuliert heißt das, ein Leistungsbilanzüberschuss senkt ceteris paribus die Nettoinvestitionen. Die Höhe der Nettoinvestitionen bestimmt aber zum Wesentlichen den eingeschlagenen Wachstumspfad.

Bewertet man nun die Frage der Kausalität zwischen Leistungsbilanz und Kapitalbilanz im Sinne einer Henne-Ei-Problematik, so stellen sich zwei mögliche Sichtweisen dar:

Exporterfolge führen zu einer negativen Kapitalbilanz, niedrigen Nettoinvestitionen und in Folge dessen zu schwachem Wachstum.

Oder entgegengesetzt:

Der Abzug von Kapital führt zu geringer Inlandsnachfrage und zugleich erhöhter Auslandsnachfrage. Der Absatz folgt der Nachfrage was zu Exportüberschüssen führt. Die Nettoinvestitionen sind gering, ebenso wie das Wachstum.

Die zugrunde liegende Problematik wurde schon von Eugen Böhm von Bawerk vor über 100 Jahren analysiert: Die Kapitalbilanz regiert die Handelsbilanz. Bawerk war als Finanzminister wegen einer negativen Handelsbilanz besorgt - weniger wegen eines Verlustes an Devisen, sondern wegen einer steigenden Auslandsverschuldung.


wiki

Es tut mir leid, aber ich verstehe das überhaupt nicht! Warum fließt Kapital aus Deutschland ab, wenn BMW seine neuen 7er in die USA exportiert und sich das gut bezahlen lässt? Es kommt so doch Kapital ins Land!

0

Leistungsbilanz = Export - Import

Überschuss bedeutet daher mehr Exporte als Importe. Somit fließt mehr ab, als rein. Hoffe das ist klar.

ja, aber die exporte werden ja bezahlt...so gesehen kommt wieder mehr geld rein...

0
@Nithical

Vielen Dank für die vielen guten Antworten. Ein Zusammenhang bleibt mir bislang unklar: Die Exporte werden doch bezahlt. So wird das Kapital doch lediglich von Sachwerten in Geld umgewandelt. Es fließt doch nix ab. Es wird doch nur getauscht. Warum ist das also ein Problem?

0

Übertragen auf die reale Welt verstehe ich die Tatsache das der Nettokapitalabfluss einer Volkswirtschaft stehts den Nettoexporten entsprechen muss jedoch noch nicht ganz.

Wenn BspW. ein Export von Deutschland nach den Niederlanden stattfindet, so findet ein Handeln zwischen zwei Ländern statt deren Leistungsbilanzen jeweils einen Überschuss aufweisen. Worin besteht den nun die Notwendigkeit, dass sich die Niederlande gegenüber Deutschland verschulden müssen? Ist es nicht möglich das die Niederlande einen direkten Zahlungsausgleich aus ihren eigenen Überschüssen leisten und dadurch ggf. die Leistungsbilanz ins Gleichgewicht gebracht wird?

Für einen Volkswirt muss die Frage sehr trivial sein, wäre jedoch wirklich super wenn du mir helfen würdest ;-)

0

weil die menschen, dann im ausland investieren...wie zb. in deutschland

gib mal in google ein: Kapitalabfluss deutschland leistungsbilanzüberschuss...dann auf seite 9

Was möchtest Du wissen?