Kafka - Hauptthemen in seinen Werken

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Nachdem hier immer noch keine Antwort geschrieben wurde, wage ich mal, meinen Senf dazuzugeben, obwohl ich bestimmt kein Literaturexperte bin.

Zu deiner Zusammenstellung fällt mir so nichts weiteres mehr ein an Stichworten. Wichtige Themen, die fast überall bei Kafka auftreten, sind Zwecklosigkeit allen Bemühens und Unausweichlichkeit des Schicksals, obwohl immer wieder das Gegenteil behauptet wird.

Zu Machtlosigkeit des Individuums würde ich sagen, dass sie bei Kafka eher einer Obrigkeit gegenüber ist, und zwar einer Obrigkeit, deren Existenz und Autorität nicht angezweifelt wird (oder werden darf?), die nicht fassbar ist und deren Wille völlig undurchschaubar ist. Und egal, was der Mensch tut, er tut nie das Richtige.

Das passt wunderbar zu einer tradierten Religion, deren eigentlichen Inhalte inzwischen in Vergessenheit geraten sind, aber auch zu einer verkorksten Vater-Sohn-Beziehung. (Die Gesellschaft würde ich bei Kafka nicht als Obrigkeit sehen, nur als ihr Werkzeug.)

Wenn ich an die Auslegung der Torhüterparabel ("Vor dem Gesetz") durch den Geistlichen im "Prozess" denke, scheinen mir Kafkas Parabeln auch nicht dazu gedacht, eine einzige eindeutige Deutung zu erhalten, sondern mehrere sich widersprechende mögliche Deutungen, sodass im Endeffekt die Verunsicherung noch erhöht wird. Ich würde wagen, dies auch auf die einzeln erschienenen Parabeln Kafkas anzuwenden.

vielen Dank! :)

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ich finde es wichtig zu erwähnen, dass kafka, obwohl er ein expressionist war, kein typischer war. Er hat sich niemals über seine Lebenssituation beklagt. Er hat es hingenommen und versucht daraus das beste zu machen. Er hat die Situtation analysiert und veruscht zu verstehen, welchen Teil Schuld er daran trägt. Zum Beispiel war er krank, er hatte Tuberkulose. Aber das lässt sich in seinen Arbeiten nicht erkennen. Andere Expressionisten, wie Trakel oder Lasker-Schüler hätten wahrscheinlich ihr Leid beklagt, dass sie in einer auswegslosen Situation stecke und sie so unschuldig und bedauernswert sind.

Kafka wollte nie bedauert werden. Er wollte als ganz normaler Mensch gelten und so behandelt werden. Dazu zählt natürlich auch, dass man ihn nicht unterdrückt, so wie sein Vater es wohl getan hat. Wichtig ist aber auch, dass er ein Problem mit seinem Vater hatte und nicht etwa, wie viele fälschlicherweise behaupten, mit seiner ganzen Familie (seine Schwestern gehörten zu seinen wichtigsten wenigen Bezugspersonen)

So und noch eine Sache: Parabeln von Kafka sind immer als große Chiffre zu betrachten. Also eine Situtation wurde komplet in eine andere "Sprache" verschlüsselt. Sein Schreibstil ist deshalb, obwohl er extrem klar und einfach schein, hochkomplex.

Alles was ich geschrieben habe, ist natürlich nur eine Interpetation. Ich kann mir nicht sicher sein, kann wohl niemand. Gerne würde ich Kafka fragen...

Ich mag Kafka!

Liebe Grüße, Ich1995

danke für die ausführliche antwort:)

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