Ist meine gedichtsanalyse gut?

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1 Antwort

Für mich ist das keine Interpretation, sondern Analyse und (unbelegte) Meinung.

Die Deutungshypothese in der Einleitung trifft den Kern des Gedichts nicht.

Das Problem an deiner Interpretation ist, dass du sprachliche Mittel herausfindest und nennst, sie aber nicht interpretierst und deine Deutung nicht am Text belegst.

Interpretieren heißt (in der Rezeptionsästhetik), dass man das eigene Verständnis darlegt und am Text belegt, um es nachvollziehbar zu machen. Es geht darum zu zeigen, dass ein Text ein bestimmtes Verständnis hergibt.

Deine Analyse und dein Verständnis des Gedichts sind für sich grundsätzlich passend; aber du hast den Bezug zwischen den Analyseergebnissen und deinem Verständnis/Eindruck nicht hergestellt.

Beispiel: Du schreibst, dass es für dich so eng wirke, dass du Platzangst bekommest. Das hast du richtig gut wahrgenommen! Aber warum wirkt das so für dich? Welche sprachlichen Mittel bewirken die Enge? Nicht nur die Wortwahl, sondern auch die umarmenden Reime in der ersten und zweiten Strophe und der doppelt umarmende Reim in der dritten und vierten Strophe (efggfe - g wird von f umarmt und e umarmt f und damit auch g); Sätze, die sich über Zeilen erstrecken und damit Zeilensprünge entstehen lassen; ein neuer Satz beginnt mitten im Vers, da gibt es keine Pause.

Du schreibst von Vergleichen, nennst sie auch, arbeitest aber nicht heraus, dass Mensch und Gebäude sich ineinander verschränken: dünn wie Haut, zwei Fassaden Leute, Häuser fassen sich an, Gewürgte.

Zu deinen Analyseergebnissen:

  • Der Trochäus ist nicht durchgängig.
  • Es werden nicht zwei Menschen als Fassaden bezeichnet, sondern in den Straßenbahnen sitzen die Menschen so dicht und blockartig wie zwei Fassaden: Es "sitzen zwei Fassaden Leute" steht da; nicht: Es sitzen zwei Fassaden.
  • Deine Interpretation der Fassaden gibt der Text meines Erachtens nicht her.
  • Deine Aussagen zu den expressionistischen Gedichten sind nicht haltbar.
  • Dass in der letzten Strophe jeder Vers ein "Und" enthält, ist mir nicht aufgefallen - und ich wüsste auch nicht, warum es mir auffallen sollte; es hat für mich keine Funktion, es ist kein Mittel, um etwas zu verdeutlichen.

Die letzte Seite hat mit dem Gedicht nichts zu tun und ist reine Spekulation.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Gute Antworten sind nicht selbstverständlich. Gern geschehen

Danke für deine ausführliche Antwort. Btw die Letzte Seite bezieht sich auf eine Aufgabe von meiner Klassenarbeit sonst hast du völlig recht. Ich werde diese Interpretation neu schreiben. Ich wusste nie wirklich was ich falsch gemacht habe, da meine Lehrerin mir nur Rückmeldungen wie „seltsam“ und „was?“ gegeben hat. Vielen Dank.

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@User4799

Was "Interpretation" bedeutet, habe ich erst lange nach meiner Schulzeit (und nach 4 Deutschlehrkräften, die uns die Gedichtinterpretation näher bringen sollten) verstanden. Immer habe ich gehofft, dass ich das schreibe, was die Lehrkraft hören will, weil ich nicht wusste, was von mir erwartet wird.

Dabei ist es eigentlich simpel: Man versucht, dem eigenen Verständnis auf den Grund zu gehen. Stell dir diese Fragen: Was verstehe ich? Warum verstehe ich es so, wie ich es verstehe? Was steckt sprachlich im Text, dass ich es so verstehe?

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