Gesellschaftskritisches Lied von Trailerpark?

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Trailerpark - "Fledermausland"

„Und das Wohnmobil hat Räder, verdammt, 
doch wir kommen hier nicht weiter, das ist Fledermausland.
Bei uns siehst du keine Züge durch die Gegend fahren
doch wir warten ungeduldig auf die nächste Bahn“

Das kollektive „Wir“ kann nicht weiter, da es sich im „Fledermausland“ befindet. Dies ist eine intertextuelle Assoziation auf den Film „Fear and Loathing in Las Vegas“: In der Anfangsszene fahren die beiden Hauptpersonen der Geschichte in einem offenen Cabrio durch die Wüste von Nevada und konsumieren bewusstseinsverändernde Drogen. Einer der beiden beginnt dann anscheinend zu halluzinieren, sagt „Das ist Fledermausland“ und schlägt mit einer Fliegenklatsche um sich.

Das „Fledermausland“ ist daher zu verstehen als eine Art Drogenrausch, dem sich das kollektive „Wir“ ausgesetzt sieht. In diesem Sinne steht das „Wir“ nicht nur für die Musiker, sondern zugleich auch für die Rezipienten, die Zuhörer des Liedes, die dadurch angesprochen werden. Dieses „Wir“ befindet sich im „Fledermausland“, also im Drogenrausch, und kann nicht weiter, obwohl es sich eigentlich seiner Mobilität bewusst ist. Diese Diskrepanz wird auch im Musikvideo visualisiert.

Der einzige Ausweg scheint eine Bahn zu sein, auf die das „Wir“ vergeblich wartet, da dort keine „Züge durch die Gegend fahren“. Diese Bahn steht symbolisch für eine helfende Hand, auf die das „Wir“ wartet. In unserem sozialdemokratischen System bildet diese helfende Hand der Staat, der es nach Aussage des Liedtextes nicht schafft, dass alle Menschen den „Anschlusszug“ an die Gesellschaft erwischen.

Ich denke das „kannst du die Berge nicht erreichen“ richtet sich an Menschen, denen ein Aufstieg (aus der Wagenburg, dem Elend) nicht möglich ist. Sie werden auf den Ausweg, Drogen zu konsumieren (“ hol den Schnee zu dir“, Schnee = Kokain) hingewiesen.

Kritik: Zum einen geht es um den eigenen, bewussten Drogenkonsum, der ein Weiterkommen verhindert und zu innerer Wut führt. Zum anderen geht es gegen den Staat, der nicht in der Lage ist, den Drogenkonsum aufzuhalten, da er nicht genügend Institutionen (metaphorisch: „Bahnhöfe“) für den Kampf gegen den Drogenkonsum bereitstellt.

Die Handlungsanweisung verbirgt sich zwischen den Zeilen: „Wir warten ungeduldig auf die nächste Bahn“, obwohl „keine Züge durch die Gegend fahren“ bedeutet, dass die Angesprochenen (das „Wir“) nicht warten sollen auf den Zug/Staat/die helfende Hand, sondern sich selbst auf den Weg machen müssen, dem Drogenkonsum absprechen und sich wieder der eigenen, vorhandenen Mobilität bewusst werden. Denn: „Das Wohnmobil hat Räder, verdammt.“

LG Tasha

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