Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ei - und Spermienzelle?

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Unterschiede sind in der Größe und der Anzahl zu finden. Spermien werden mit Einsetzen der Fruchtbarkeit in großer Zahl und üblicherweise lebenslang produziert (Spermatogenese). Sie sind klein und wenig energiereich. Zur gemeinsamen Zygote (also dem Verschmelzungsprodukt aus Spermium und Eizelle nach der Befruchtung) trägt das Spermium im Grunde genommen nur seine Erbinformation bei, in der Regel gelangen nicht einmal die Mitochondrien in die Zygote, weshalb mitochondriale DNA (Mitochondrien haben eine eigene und vom Zellkern unabhängige DNA) in der Regel ausschließlich maternal vererbt wird.

Eizellen dagegen sind groß (die menschliche Eizelle ist fast einen Millimeter im Durchmesser groß und damit nicht nur eine der größten Zellen des menschlichen Körpers, sondern schon mit bloßem Auge sichtbar) und energiereich - man beachte nur mal, wie energiereich ein einzelnes Hühnerei ist. Dafür werden vom weiblichen Körper nur wenige Eizellen produziert, üblicherweise reift davon bekanntlich im Monat nur eine einzelne Eizelle in ihrem Follikel heran. Und das passiert auch nur eine begrenzte Zeit lang, von der Pubertät an bis zur Menopause (Wechseljahre). Die Eizellen werden dabei bereits vor der Geburt von den Eierstöcken gebildet, sind aber noch nicht ausgereift. Ab Beginn der Pubertät differenziert sich schließlich, durch den hormonellen Zyklus gesteuert, jeweils eine Eizelle zu ihrer befruchtungsfähigen Form aus.

Dieses Ungleichgewicht in der Anzahl, der Größe der Gameten (das ist die Sammelbezeichnung für Spermien und Eier, im deutschsprachigen Raum ist auch der Begriff Geschlechtszellen oder Keimzellen gebräuchlich) und dem Investment in die gemeinsame Zygote wird von Biologen als Anisogamie bezeichnet und erlaubt gewissermaßen bei bisexuellen Arten (das sind Tierarten, bei denen es zwei unterschiedliche Geschlechter gibt) überhaupt erst "männlich" und "weiblich" zu definieren - denn nicht immer haben Tiere eindeutig erkennbare unterschiedliche Geschlechtsmerkmale ausgebildet und schon gar nicht sind diese stets zueinander homolog. Der "Penis" der Säugetiere ist evolutionär gesehen ganz anders entstanden als der "Penis" bei Insekten.

Gemeinsamkeiten der Gameten sind, dass beide in speziellen Drüsen, den Gonaden produziert werden (beim Mann als Hoden, bei der Frau als Eierstock oder Ovar bezeichnet) und nur einen einfachen (haploiden) Chromosomensatz aufweisen. Bei der Befruchtung werden diese beiden haploiden Chromosomensätze schließlich in der Zygote zu einem gewohnt dilpoiden Chromosomensatz zusammengefügt.

Ein weiterer Unterschied auf genetischer Ebene ist, dass Eizellen (bei Säugetieren) stets ein X-Chromosom beisteuern. Spermien können entweder ein X- oder ein Y-Chromosom haben, womit das Geschlecht (XX (homozygot) wird weiblich, XY (hemizygot) männlich) durch das die Eizelle befruchtende Spermium festgelegt wird (bei Vögeln ist es umgekehrt, die Geschlechtschromosomen werden dort als W und Z bezeichnet. Weibchen sind hierbei hemizygot (WZ), die Männchen sind homozygot (ZZ).

Darüber hinaus sind Spermien in der Regel beweglich und besitzen hierfür einen zur Fortbewegung geeigneten "Schwanz" und eine mehr oder weniger längliche Form, Eizellen sind dagegen unbeweglich und von rundlicher Form ohne einen "Schwanz". Spermien besitzen außerdem ein zusätzliches Zellorganell, das Akrosom (Kopfkappe). Es enthält verschiedene Enzyme, welche die die Eizelle umgebenden Schutzhüllen auflösen und dem Spermium den "Zutritt" zur Eizelle ermöglichen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Ist zwar lange her das, dies beantwortet wurde, aber trotzdem muss ich dir mal mein Lob aussprechen! Echt super und detailliert erklärt!

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