Fragen an Leute mit Asperger?

11 Antworten

Ich bin 23 Jahre alt, weiblich und ebenfalls Aspie mit Diagnose.

1&2: Sinne: Ich bin eine totale Mimose mit alles Sinnen. Wenn in einem schummerigen Raum das Licht angemacht wird, tut das in meinen Augen weh. Ich kann meine eigene Kleidung nicht ausblenden, sondern fühle sie die ganze Zeit und vom Essen wollen wir gar nicht erst anfangen. "Jetzt mit neuer Rezeptur" auf einer Packung kann mir nicht nur den Tag, sondern gleich den ganzen Monat verderben.
Ich sehe Muster ausgesprochen gut, z.B. die funktionellen Gruppen, die alle auf einer Seite dargestellten Moleküle gemeinsam haben, oder so etwas in der Art. Und das durch mein Studium ständig.
Vergleich: Für einen Aspie eher heftig, nicht so schlimm wie viele andere Autisten.

3: Mimik, Gestik, Stimmlage: Das kommt darauf an, wie gut ich die Person kenne - die Mimik von meinen nahen Verwandten habe ich gewissermaßen auswendig gelernt, bei Fremden kann ich mich nur an solchen Dingen wie lächeln=fröhlich entlang hangeln. Gestik fällt mir deutlich schwerer als Mimik.
Vergleich: Aspie-typisch.

4: Ironie & Sarkasmus: Auch das ist bei mir personenabhängig. Interessanterweise kann ich das bei den MEISTEN Menschen besser auseinander halten, wenn ich sie besser kenne, aber bei meiner besten Freundin schaffe ich es bis heute nicht.
Vergleich: Eher Aspie-typisch.

5: Mit Fremden sprechen: Kann ich über "meine" Themen völlig problemlos - meine Bachelorarbeit auf einer wissenschaftlichen Konferenz vorzustellen, ist ein Klacks. Ich werde auch nicht besonders nervös, wenn ich Vorträge halten soll. Aber Smalltalk? Eher weniger, auch wenn ich mir da ein paar "Skripte" angeeignet habe, die ich durchspielen kann.
Vergleich: Meine Mama sagt, The Big Bang Theorie ist keine Sitcom, sondern ihr Leben - das sagt schon alles, oder?

6: Schulfächer: Ich war eigentlich in allem richtig gut - außer Sport, in Sport war ich absolut grottig - durch meine Koordinationsschwierigkeiten kann ich bis heute nicht Fahrrad fahren. Am meisten Spaß hatte ich aber in den Naturwissenschaften und studiere jetzt auch eine.
Vergleich: Na ja, für einen Aspie hatte ich vermutlich recht wenig Probleme in der Schule - gemobbt wurde ich, wie viele von uns auch eine Weile - im Sport bin ich wohl sogar für einen Aspie eine Niete. Wie viel davon allerdings vom Autismus und wie viel von meinen rein körperlichen Krankheiten kommt, ist natürlich so die Frage ...

7: Interessen: Naturwissenschaften, vor allem wie das Gehirn funktioniert, Science Fiction und Fantasy

8: Spielen mit anderen Kinder: Ich habe mit meinem 3 Jahre jüngeren Bruder gespielt - Lego, Playmobil und auch Rollenspiele - ich bin heute noch LARPerin, weil Rollenspiele toll sind, um Soziale Interaktion zu üben, und das Agument, dass Autisten das nicht können, ist meiner Meinung nach Blödsinn, da ich noch zwei weitere Aspies und einen atypischen Autisten in der Szene kenne.
Mit anderen Kindern außer meinem Bruder habe ich aber nur gespielt, wenn meine Eltern mich dazu überredet haben und im Kindergarten habe ich mich eigentlich nur mit mir selbst und den Erzieherinnen beschäftigt.

9: Routine & Veränderung: Das ist ein wenig unterschiedlich - mache Routinen sind so wichtig, dass es ohne einfach nicht geht, andere können im Notfall auch schon einmal unter den Tisch fallen. Aber ich kann mich mit vielen Veränderungen irgendwie arrangieren, nur die Nutoka von Aldi Süd muss ich mir nach Norddeutschland importieren, da hier alle Schokocremesorten eklig schmecken.
Vergleich: Meiner Psychologin zufolge komme ich mit Veränderungen erstaunlich gut klar, was sicher auch an den vielen Umzügen als Kind liegt, die mich da etwas "abgehärtet" haben, oder so?

10: Telefonieren: Nein. Ich weiß nie, wann ich dran bin, unterbreche meinen Gesprächtpartner ständig und finde es unangenhem. Mit meiner Mama ist es okay. Über Skype ist es noch schlimmer. Außerdem verstehe ich Leute am Telefon schlecht, wenn die Verbindung nicht wirklich absolut hervorragend ist.
Vergleich: Aspie typisch.

11: Gerechtigkeit: Für mich muss es immer nach meinem Gerechtigkeitssinn gehen - der sich nicht immer zu 100% mit dem anderer Leute deckt. Ich erkenne es eigentlich gar nicht, wenn andere Leute mich anlügen (na gut, wenn jemand sagt, er hätte ein Raumschiff, würd ich was merken) und ich hasse es extrem, selbst Lügen zu müssen. meinen Freunden und meiner Familie gegenüber bin ich auch schonungslos ehrlich, aber ich hab gelernt, wann ich in der Öffentlichkeit der Höflichkeit halber meine Klappe halten oder sogar zu einer Notlüge greifen sollte.
Vergleich: Ich schätze, für einen Aspie kann ich ziemlich gut Lügen, bin aber nicht stolz drauf ...

Die Vergleiche sind alle nur meine Schätzungen, bis auf den bei den Veränderungen, nach dem, was ich von anderen Autisten kenne und darüber gelesen habe.

Viele Grüße

1. Ja gibt es. Ich habe vor allem Probleme damit, Geräusche auszublenden und mich (auch in einer scheinbar ruhigen Umgebung) zu konzentrieren. Ich mag es nicht von Leuten zufällig berührt zu werden. Wenn ich vorher weiß, dass die Person mich gleich berühren wird (z.b. bei einer Umarmung) ist es okay. Allerdings gibt es auch Personen, bei denen ich Berührungen generell nicht ertrage.

2. Das Beschriebene würde eher auf Schizophrenie hinweisen, nicht auf Asperger. Wenn du damit meinst, dass einem Details auffallen, die anderen vllt. nicht aufgefallen wären dann ja, dass kommt vor.

3. Stimmlagen kann ich eig. ganz gut deuten, bei Gestik kommt es darauf an, wie alltäglich mir diese begegnet. Bei der Mimik kann ich (meistens) die großen Überkategorien wie Wut, Freude, Angst und Trauer voneinander unterscheiden. Was ich nicht kann ist Trauer von Müdigkeit oder Wut von Genervtheit unterscheiden, sprich die "Grautöne" unter den Gefühlen.

4. Ich verstehe Ironie/Sarkasmus eig. recht zuverlässig. Außer wenn es sein kann, dass das Gesagt ernst gemeint ist. Es muss also schon sehr sichtbar als Blödsinn gekenntzeichnet sein.

5. Nein, und das stört mich extrem. Ich kann partout kein Gespräch am Laufen halten, geschweige denn eines beginnen. Ich weiß nie worüber ich reden soll und was den anderen interessiert. Deshalb unterhalte ich mich vorzugweise mit Leuten die sehr viel von sich aus erzählen.

6. Ich bin sehr leistungsstark in Deutsch und Biologie. Mathe und Fremdsprachen sowie Sport sind dagegen echt ein Problem für mich.

7. Ich interessiere mich schon seit dem Kindergarten sehr stark für den canis lupus familiaris

8. Ich hatte im Kindergarten nur eine Freundin und das hat mir auch gereicht. Von der 2-6 Klasse hatte ich keine festen Freunde, weil meine damalige Klasse nicht gut mit mir ausgekommen ist. Gespielt habe ich also eher für mich allein.

9. Einige Routine sind sehr wichtig für mich und dürfen auch nicht verändert werden. Bei anderen Veränderungen komme ich aber auch gut zurecht, es kommt immer drauf an. Außerdem plane ich gerne alles ganz genau, speziell Fahrstrecken ect.

10. Ich hasse telefonieren. Wenn es doch mal sein muss, brauche ich absolute Ruhe um mich herum, sonst verstehe ich den anderen schlichtweg nicht.

11. Gerechtigkeit ist mir sehr wichtig. Ungerechtigkeit ist auch eins dieser Dinge, worüber ich mich immer maßlos aufregen könnte. Lügen tue ich auch, aber sehr selten. Es geht mir einfach nicht gut dabei.

Hoffe ich hab nichts vergessen. LG

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – diagnostizierter (Asperger-)Autist

das mit dem zufällig berühren, muss ich bei mir auch noch hinzufügen. Ich habe bei dem Punkt mehr an schmerzhafte-Reize als an unangenehme gedacht ^^'
Also Umarmungen sind zwar ok aber ich fühle mich unwohl dabei.

Die "Grautöne" der gefühle kann ich auch oft nicht unterscheiden, aber die normalos auch nicht.
Ich wurde schon so oft angesprochen was denn passiert sei, wenn ich einfach nur Müde war etc.

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@Mamuschkaa

Ja das kenne ich. Mir wird dauernd gesagt, ich würde traurig oder abweisend gucken. Finde ich sehr schade, weil die Leute sich dadurch nicht trauen(?) mich anzusprechen.

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@Revic

Ja ! Das kenn ich auch. Oder die meinen, ich sei depressiv, obwohl ich nur einfach so gucke *lach*

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Also ich bin 13 und habe eher einen leichten Asperger Syndrom, d.h. dass die Symptome nicht all zu extrem bei mir sind (oder nur einige).

1. Ich habe sehr große Probleme, wenn ich Schüler höre, die vielleicht meinen Namen bei deren Gesprächen erwähnt haben. Blick- und Körperkontakt kann ich bei Leuten, mit denen ich wenig oder gar nichts zu tun hab gar nicht ausstehen.

2. Im Moment hatte ich solche Situationen nicht, oder erinnere mich nicht daran.

3. Also bei Mimik und Gestik habe ich nichts großes bei mir erkannt, außer, dass ich vielleicht Emotionslos aussehe oder wie andere es sagen "traurig", "einsam", etc. Meine Stimmlage verändert sich schon öfters, zb. ist meine Stimme recht leise und sanft, wenn ich unter Bekannten oder Fremden bin, aber sonst, bei sehr guten Leuten ist meine Stimme eher energisch und betont viel.

4. Ich hasse es wenn jemand sehr sarkastisch oder ironisch zu mir ist. Sarkastisch, weil ich mich ziemlich beleidigt fühle und Ironie, weil die Ironie von den meisten Leuten einfach albern und unlogisch ist!

5. Wenn ich es muss, dann ja, aber eigentlich HASSE ich Fremde und HASSE es mit denen zu reden.

6. Zwar bin ich in mündlichen nicht wirklich perfekt, aber ich bin im Moment sehr gut in Sprachen lernen, Kunst, Philosophie und evtl. Biologie und Chemie, auch wenn es dort sehr oft Gruppenarbeiten gibt, aber meine Versuchsprotokolle waren immer gut gelungen.

7. Ich interessiere mich sehr über Experimentieren (Chemie/Bio), Sprachen und Kunst.

8. Ich war noch 7 oder 8 wo ich das Letzte Mal mit anderen gespielt hab. Meistens waren wir draußen und haben Bewegungsspiele, Rollenspiele oder mit Spielzeugen gespielt.

9. Für mich ist es sehr wichtig meinen Tag zu planen, immer genau pünktlich da zu sein und nichts zu vergessen (obwohl das leider oft passiert). Ich hasse Veränderungen, die meinen Leben ändern konnten, zb. Umziehen, Schule wechseln, andere Orte besuchen etc.

10. Ich telefoniere nur mit besten, wahren Freunden, aber sonst hasse ich es Klassenkameraden oder wen weiß ich zu Telefonieren.

11. Ich bin meistens ehrlich zu Leuten, auch wenn die Wahrheit manchmal wehtut, aber besser als Lügen und erwischt werden. Icb Lüge aber ab und zu bei extremen Notfällen. 

Hallo, ich bin 64, männl. und seit 9 Jahren diagnostiziert:

zu Frage:

1.Ich habe eine olfakatorische Reizfilterschwäche, bei zu vielen Gerüchen
will mein Magen unbedingt rückwärtsessen, Zudem kann ich (leichte)
Berührungen im Gespräch nicht zuordnen, diese taktilen Empfindungen
stören stark!

    2. Sicher kann ich keine Dinge sehen oder hören, die andere nicht sehen könnten. Aber NTs können diese offenbar ausblenden, so dass sie diese nicht mehr wahrnehmen. So z.B. Hintergrundmusik, diebei mir immer präsent ist und stört. Oder Unregelmäßigkeiten in der Anordnung von Dingen, die offenbar niemanden außer mir stören.

    3.Wenn ich den Gegenüber gut kenne, dann bin ich auch in der Lage, dessen Mimik, etc. zu deuten. Das geht aber über die kognitive Schiene, nicht intuitiv.

    4. Auch hier ist wieder die Informationslage entscheidend. Witze, die ich einmal gehört habe, kenne ich bleibend.

    5. Fremde anzusprechen z.B. auf der Straße geht so gut wie gar nicht!

    6. Naturwissenschaftliche Fächer sowie Mathematik.

    7. Es interessieren mich fast alle Fachgebiete, aber nicht der Inhalt der
    Regenbogenpresse. Auch welcher Schauspieler welche Rolle hatte und mit
    welcher Kollegin er derzeit liiert ist, interessiert mich nicht im
    Geringsten!

    8. Als Kind war ich entweder beim Spiel alleine, wobei
    Lesen noch wichtiger war; ansonsten (anspruchsvolle) Spiele (Schach,
    Kanaster, Skat) mit Erwachsenen

    9. Seit über 40 Jahren frühstücke ich jeden Tag das Gleiche . . . . . . .

    10. Telefonieren ist Folter, sowohl angerufen zu werden als auch anrufen.
    Geht nur in absoluten Notfällen. Außer im beruflichen Kontext, denn da
    war ja nicht ich es, der telefonierte, sondern ich sprach mit dem
    Anrufer in meiner beruflichen Position (IT-Leiter).

    11. Sehr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Zum Thema Lügen ein Leitsatz meiner Mutter zu mir: "Ich soll zwar immer die Wahrheit sagen, aber ich soll die Wahrheit nicht immer sagen!"

    Weitere Details auf meiner Website www.as-tt.de

Es ist  halt wirklich sehr unterschiedlich. Deswegen ist es ja auch so schwer Asperger zu diagnostizieren.

Das ist nicht so eindeutig wie bei einem Knochenbruch, Herzfehlern oder Masern.

wobei ich 4 mal zu jemanden gesagt habe, er sei Autist.
3 davon wurden danach als Autisten diagnostiziert, der letzte wurde nie getestet.
aber einer von den dreien wurde später wieder end-diagnostiziert.

wobei inzwischen gibt es "Asberger" nicht mehr als Diagnose.
Seit ein paar Jaaren werden alle unter "Spektrum autistischer Störungen" zusammengefasst.

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