Epoche des Sturm und Drangs

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Also einen richtigen Grund gabs meiner Meinung nach nicht. Ums einfach auszudrücken der Sturm und Drang ist ungefair 1785/86 einfach aus der Mode gekommen. Den Abschluss dieser Epoche bildeten Schillers sogenannter Mannheimer Zeit und Goethes "erste Weimarer Periode". Schiller verstummte als Künstler für ein knappes Jahrzehnt und Goethe reiste nach Italien ab. Als Schiller und Goethe sich dann schließlich mit neuen Werken nach 5 bzw. 9 Jahren wieder meldeten, hatte sich ihr Stil radikal verändert, und von dem jugendlichen Sturm und Drang war einfach nicht mehr viel übrig geblieben. Auch die restlichen Vertreter des Sturm und Drang sind rasch nach Goethe und Schillerverstummt. Und die Aufmerksamkeit der Literatur wandte sich wieder der französischen Aufklärung zu.

Im Grunde haben Schiller und Goethe irgendwann keinen Bock mehr gehabt sich um die im Sturm und Drang elementaren Fragen zu kümmern und haben sich der so genannten Klassik gewidmet.

Da man ausser den Beiden kaum jemanden aus der Epoche wirklich ernst genommen hat, obwohl es schon auch andere gute Autoren gab (Jakob Michael Reinhold Lenz z.B.) starb mit deren Abkehr davon im Grunde auch gleich der Sturm und Drang...

Kurz gesagt: Goethe und Schiller wurden zu alt um noch stürmen und drängen zu können. ;-)

Sturm und Drang (1767- 1785)

Begriff

Die Sturm- und Drang-Zeit ist eine nach dem Schauspiel "Sturm und Drang" (1776, ursprünglicher Titel "Wirrwarr", von Chr. Kaufmann umbenannt) von F.M. Klinger bezeichnete geistige Strömung in Deutschland, die von der Mitte der 60er bis zur Mitte der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts zu datieren ist.

Historischer Hintergrund Ausgelöst wurde diese vorwiegend von 20- bis 30jährigen getragene Bewegung durch den Protest gegen die Denk- und Lebensformen der Aufklärung, z.B. gegen den einseitigen Rationalismus, gegen die Regel- und Normengläubigkeit, auch gegen die erstarrten Konventionen der ständischen Gesellschaftsordnung. Diese jugendliche Revolte blieb politisch völlig wirkungslos. Jedoch erwiesen sich die Gedanken und Vorstellungen der zur politischen Inaktivität verurteilten Hauptvertreter dieser Richtung als sehr wirkungsvoll für die Literatur der späteren Epochen, für die Klassik ebenso wie für die Romantik, für G. Büchner, für Naturalismus und Expressionismus bis hin zu B. Brecht.

Weltbild und Lebensgefühl

Der Widerspruch des Sturm und Drang zum Geist der Aufklärung wird vor allem darin sichtbar, dass der Wert des Gefühls, des Triebs und der Spontaneität höher eingeschätzt wurden als Verstand und Vernunft. Daraus ergab sich eine neue Erfahrung und Wertung der Natur, die als Urquell alles Lebendigen und Schöpferischen, auch im Menschen selbst, vergöttert wurde. Die Vollendung des naturhaften Individuums war für den Sturm und Drang das Genie, der Inbegriff der schöpferischen Kraft: das Genie bedarf der Regeln nicht, es trägt alle Regeln in sich und erweist sich als gottähnlich. Als Prototyp eines dichterischen Originalgenies galt der schwärmerisch verehrte Shakespeare; aber auch Homer, Pindar, F.G. Klopstock und, aus den eigenen Reihen, dem jungen Goethe brachte man besondere Bewunderung entgegen. Die Hochschätzung der Individualität wirkte sich auch auf das Geschichtsverständnis aus: man bemühte sich um eine Erfassung der unverwechselbaren Eigenart der einzelnen Völker, Kulturen und Sprachen vom Ursprung her und zeigte im Zusammenhang damit besonderes Interesse für frühe Dichtung und Volksdichtung. Der philosophische Mentor des Sturm und Drang, Johann Gottfried Herder, kritisiert weniger die Inhalte der aufklärerischen Philosophie (Licht, Verstand, Zweifel, Gedankenfreiheit ...), als die "mechanische, kalte Welt" voller Haß gegen alles "Wunderbare und Verborgene", in deren "Papierkultur Herz und Kopf" getrennt seien. Das Herz (Leidenschaften, Phantasie und Imagination) wird als das dem Menschen bestimmende Element anerkannt. Es geht darum, die Trennung zwischen den "Intellektuellen" und dem "gemeinen Volk" aufzulösen; dies impliziert die Forderung, die ständischen Verhältnisse umzugestalten oder zumindest grundlegend zu reformieren. Kritik am Bürgertum wurde besonders von dem plebejisch-romantischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau formuliert und von den Autoren des Sturm und Drang leidenschaftlich geteilt: der gesellschaftliche Fortschritt, Privateigentum und bürgerliche Wirtschaft verurteilen die Menschen dazu, sich unweigerlich vom "Naturzustand" zu entfernen. Herder kritisiert vehement den Außen- und Seehandel (Sklaverei, Ausbeutung...) und den europäischen Kosmopolitismus, der die nationalen Identitäten zerstöre. Dem gegenübergestellt werden die patriarchalische Gemeinschaft der biblichen Zeit und die organische Gemeinschaft der frühen Kulturen, in der die Menschen noch nicht durch die Trennung von Hand- und Kopfarbeit und durch Klassen von Herrschenden und Beherrschten getrennt wurden. Mehr unter Einzeldarstellungen

(Aus: literaturknoten.de)

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