Frage von kzumollegah, 46

War Kurt Schumacher (SPD) ein Nationalist?

Laut Konrad Adenauer war Kurt Schumacher (der Kanzlerkandidat der SPD von 1949) im Gegensatz zu ihm selbst ein "Nationalist" ( https://youtu.be/90EVIH4KZsc ab 22:50 ).

Hat jemand von euch eine Idee, auf welcher Grundlage diese Behauptung steht?

Ich weiß von Schumacher nämlich, dass er die Kommunisten/ Sowjets kritisiert, da es russische Nationalisten seien. Das macht den Nationalismusvorwurf recht unerklärlich.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte & Politik, 25

Ja, Schumacher war Nationalist!

Er befürwortete um jeden Preis eine deutsche Wiedervereinigung, selbst auf die Gefahr hin, dass Deutschland daraufhin in den sowjetischen Einflussbereich zu geraten drohte, dem sich ein neutrales Deutschland - eine der sowjetischen Bedingungen für eine deutsche Wiedervereinigung - nicht hätte entziehen können.

Hätte sich Schumacher durchgesetzt, wären in Deutschland Freiheit, Demokratie und Wohlstand bedroht gewesen. Anders als Adenauer ignorierte Schumacher nämlich die Gefahren, die von einem rücksichtslosen, verbrecherischen Diktator wie Stalin ausging, der nicht nur 1939 mit dem Verbrecher Hitler paktiert hatte, sondern auch nach 1945 bewiesen hatte, was er unter "Demokratie" verstand: Unterwerfung unter die Sowjetunion und Abschaffung von Freiheiten sowie Demokratie in den Ländern ihres Einflussbereiches zugunsten einer Diktatur kommunistischer, Befehle Moskaus unterwürfig befolgender Parteikader.

MfG

Arnold

Kommentar von earnest ,

Hier überzeichnest Du meiner Meinung nach.

Hast Du vielleicht noch den O-Ton Adenauer im Ohr? Des Herren, der (zum Wohlgefallen der USA) verhinderte, dass Stalins Angebot ernsthaft geprüft und ausgelotet wurde?

Ist aber wohl schon ein Fortschritt, einen Sozialdemokraten nicht als "vaterlandslosen Gesellen" zu verunglimpfen ...

Kommentar von ArnoldBentheim ,



Hier überzeichnest Du meiner Meinung nach.

Schumacher war nach der "communis opinio" der geschichtswissenschaftlichen Forschung zweifellos ein Nationalist - natürlich kein Chauvinist. Seine Reden und Schriften sind diesbezüglich eindeutig. Aber wenn du den Gegenbeweis führen kannst, dann gerne.

Hast Du vielleicht noch den O-Ton Adenauer im Ohr? Des Herren, der (zum Wohlgefallen der USA) verhinderte, dass Stalins Angebot ernsthaft geprüft und ausgelotet wurde?


In der heutigen Zeit mit unserem Zugang selbst zu ehem. sowjetischem Archivmaterial haben wir es natürlich leicht, Adenauer negativ zu beurteilen. Aber wenn man sich in das damalige Wissen hineinversetzt, dann weiß man, was Adenauer wusste: das rücksichtslos-gewalttätige Vorgehen der Bolschewiken seit 1917; Stalins Verbrechen, der Millionen Sowjetbürger weit vor dem Krieg auf dem Gewissen hatte; der mit dem Verbrecher Hitler einen Pakt geschlossen und mit ihm zusammen Polen überfallen und aufgeteilt hat; der nach dem WK II die osteuropäischen Länder einschließlich seiner deutschen Besatzungszone seiner Diktatur rücksichtslos unterworfen hatte. Und heute willst du Adenauer vorwerfen, dass er an die wundersame Wandlung Stalins vom Saulus zum Paulus in keinster Weise glauben wollte und konnte? Das kann nicht wirklich dein Ernst sein!

Ist aber wohl schon ein Fortschritt, einen Sozialdemokraten nicht als "vaterlandslosen Gesellen" zu verunglimpfen ...

Da gehen jetzt aber eindeutig die Pferde mit dir durch!  :-/




Kommentar von earnest ,

Immer langsam mit den jungen Pferden. 

;-)

Eine weitere Diskusion hat hier wohl keinen Sinn.

Daher möchte ich nur noch sagen: Die meisten Historiker sind sich heutzutage wohl einig, dass die damals in CDU-Kreisen übliche Verunglimpfung Schumachers ungerechtfertigt war und ist.

Ich werfe Adenauer "nur "vor, als rheinischer Schoßhund der USA Stalins Vorschläge weder ernsthaft geprüft noch ausgelotet zu haben.

Ansonsten können wir es wohl dabei belassen: Let us agree to disagree.

Gruß, earnest

Kommentar von Yankors ,

Na Ja,Na ja, das ist aber sehr starker Tobak ,mein Freund.Schumacher war ein  Nationalist, aber im absolut positiven Sinne.Dies obwohl er  unter dem Nationalismus des 3. Reiches sehr gelitten hatte.Er war kein Verfechter der Adenauer Doktrin und nur nach Westen ausgerichtet. Er war offen nach allen Seiten, nur um Deutschland moeglicherweise wieder zu einigen.Die Ostgebiete hatte er und auch Ollenhauer noch laengst nicht abgeschrieben.

Auf dem ersten grossen Schlesiertreffen nach dem Krige sagte er gemeinsam mit Ollenhauer in etwa " Verzicht ist Verrat, wer  wollte das bestreiten.Oppeln, Gleiwitz,  und Breslau sind deutsche Staedte und werde es wieder sein."

Ein grosser SPD Politiker und ein grosser Patriot

Tareq A.

Antwort
von joheipo, 25

Adenauersche Polemik. Immerhin war Kurt Schumacher Oppositionsführer.

Was an dem "Nationalismus"-Vorwurf in Wirklichkeit dran ist, wird hier einigermaßen erklärt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Schumacher#Patriotismus

Antwort
von earnest, 10

Das sehe ich ähnlich wie du.

Unerklärlich ist die Verunglimpfung des politischen Gegners seitens der Adenauer-CDU jedoch nicht. Der Alte war fast ein so schlimmer Holzer wie Franz-Josef Strauss.

Das passierte aus taktischen Gründen auch alle naselang. Sogar auf Wahlplakaten.

Gruß, earnest

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