Pat Parelli, Monty Roberts etc., gut oder schlecht?

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10 Antworten

Ich habe eine gute Freundin, die auf der Equitana einen STand hat. Sie
ist also auch noch abends da, wenn das Publikum weg ist. Sie hat dann
die Gelegenheit, den Trainern für die Shows am nächsten Tag zuzugucken.
Wo also die Türen für das Publikum verschlossen sind.
Über Parelli und seine Instruktoren hat sie mir das letzte Mal gesagt: "Ich hab denen
lange zugeguckt. Mit Spiel und Pferdefreundlichkeit hat das nichts zu
tun. Das wolltest du nicht sehen, was da  abgeht."
Aber ich
lehne Parelli und Co, auch Monty Roberts auch ab. Ich "kenne" Linda
Tellington ganz gut, und sie finde ich sehr, sehr gut. Besser als
Parelli und Roberts. Um Lichtjahre besser.

Parelli und auch Roberts sind für mich Vertreter des veralteten Dominanzgeschwafels. Lies mal, was Mark Rashid, ohne Namen zu nennen, über sie sagt. ;-)

Ich habe eine gute Freundin, die eine fanatische Parellianerin war. Sie hat 1000e Euro ausgeben und täglich viel mit ihrem Pferd gearbeitet. Ja, ich gebe zu, im Vergleich zu ihrem Pferd ist meins ein verzogenes, ungezogenes Wildpferd. Ihr Pferd wackelte nicht mal mit den Ohren, wenn sie das nicht wollte. Wenn sie es verlud, konnte sie in 5 m Abstand daneben stehen und musste nur mit den Fingern schnipsen. Mein Pferd hätte mir nen Vogel gezeigt und gesagt: "Gib mir erst mal ein Leckerli,"

ABER: ich habe noch nie ein Pferd gesehen, das 24 Stunden am Tag so mürrisch aussah. Tot. Und wenn es seine Besitzerin kommen sah, ist es weggegangen.Wenn Pferde kotzen könnten, hätte es das getan. Ehrlich gesagt, ziehe ich da mein Pferd mit seinem eingeschränkten Gehorsam aber vor. Es fragt an: "Muss ich das?" Aber es macht einen fröhlichen Eindruck und kommt, wenn ich es rufe. Es geht nicht weg.

Dann allerdings kam die Wende. Meine Freundin verliebte sich. Und hatte plötzlich viel weniger Zeit für ihr Pferd. Sie hat es immer noch vorbildlich versorgt, aber nicht mehr täglich zwei Stunden mit ihm "gespielt". Das Pferd traute sich nach einiger Zeit wieder, mit den Ohren zu wackeln und der Gesichtsausdruck wurde täglich freundlicher. Es geht auch nicht mehr weg, wenn sein Frauchen kommt. Denn es weiß, es wird von Parelli nun verschont. Ich gebe zu, den Parelli Level 3 wird es nicht mehr haben, aber dafür ist es wieder glücklich.

Ne, Parelli ist nichts für mich. Die ganzen Dominanzvertreter - Ich Cheffe, du nix - mag ich nicht. Mark Rashid hat mal geschrieben (ohne Namen zu nennen ;-) 
Diejenigen, die es auf absoluten Gehorsam anlegen und die immer Chef sein wollen, haben in Wirklichkeit Angst und versuchen das durch Machtgehabe zu übertünchen.

und das glaube ich auf jeden Fall.

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Kommentar von Urlewas
23.08.2016, 15:32

Sehr interessant! 😃

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Roberts, Tellington, Parelli und wie sie alle heißen, sind Pferde-Menschen, die für ihren Umgang mit Pferden und ihren Ansätzen mit bestimmten Situationen umzugehen, bekannt geworden sind und es auch verstanden haben, das wirtschaftlich für sich zu nutzen und zu vermarkten. Sie und all die anderen Gurus, Lehrmeister, Halbgötter und Pferdeflüsterer haben Anhänger und Gegner ihrer jeweiligen Methoden und Ansichten. 

Generell stehen die meisten von ihnen für einen respektvollen Umgang mit Pferden, dafür, dass sie die "Pferdesprache" verstehen und vermitteln wollen und Missverständnisse und Fehler im Umgang beheben wollen. 

Bei Horsemanship geht es in der Regel um die Partnerschaft zum Pferd und den Pferde-freundlichen, respektvollen und kenntnisreichen Umgang, um gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Im Grunde ist Horsemanship erst einmal die Idee, zu lernen wie Pferde kommunizieren und diese spezielle Form des „Wer bewegt wen“ in der Pferdeherde zu adaptieren für das Training.

Diesen Grundsätzen bedienen sich eigentlich fast alle dieser bekannten Gurus und haben das zum Teil für sich erweitert und bestimmte Lehren daraus entwickelt. Man muss halt herausfinden, wessen Ansichten man teilt, was einem einleuchtet und was nicht. 

Pat Parelli zum Beispiel hat sich sieben aufeinanderfolgende Schritte überlegt, mittels derer man sich die Harmonie und Teamarbeit mit dem Pferd im Round Pen erarbeiten kann - die Seven Games, die von seinen Anhängern auch begeistert mit den Pferden durchgespielt werden - Kritiker bemängeln hier aber, dass dabei Gymnastizierung und letztlich auch ein Stückweit die Seele beim Training der sieben Spiele verloren gehen soll.

Monty Roberts zum Beispiel vertritt die These keinerlei Gewalt bei Pferden anwenden zu wollen. Aber seine Methoden sind im Prinzip nicht neu und wurden im Westernbereich oder bei den amerikanischen Ureinwohnern schon lange nach ähnlicher Methode angewandt. Im Rahmen seiner Show erleben die Pferde zwar keine physische Gewalt, aber starken physischen Druck und dass sie am Ende das tun, was vorher nicht möglich schien, hat viel mit der Stresssituation zu tun und ist wenig nachhaltig. Das weiß ich aus eigener persönlicher Erfahrung. Trotzdem ist auch einiges von dem, was er sagt richtig und anwendbar.

Wichtig ist, dass man nicht blind und sklavisch eine Methode befolgt, sondern immer wach und hinterfragend ist und sein Pferd und dessen Wohlergehen dabei im Blick hat. Einen respektvollen und Kenntnis-reichen Umgang mit dem Pferd streben wir schließlich hoffentlich alle an.

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Kommentar von Urlewas
23.08.2016, 12:32

Ich finde das immer etwas beschönigt. Monty Roberts jagt die Pferde beim join up gnadenlos herum, bei parelli werden die Pferde mit " schwiegermutterblick" eingeschüchtert.  - ist das nicht auch eine Form von ( zumindest psychischer) Gewalt? 

Ein gewisser Zwang ist überall dabei. Nur eben suptiler. 

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Grundsätzlich versteht man unter Horsemanship den Pferdegerechten Umgang mit dem Partner Pferd. Das bedeutet u.a. auch, daß das Pferd nicht vermenschlicht wird, sondern als eigenständiges, individuelles Wesen angesehen wird.

Du schreibst, daß die Pferde bei Roberts extrem gestresst werden. Das bezieht sich jedoch nur auf das Join-up. Roberts hat aber noch viele weitere Herangehensweisen, die auch dazu dienen den Stress vor bestimmten Situationen ab zu bauen. Sieht man das im Gesamtzusammenhang, sieht es nämlich schon wieder anders aus. Als Beispiel: Ein Pferd, daß nach dem Verladen bereits nassgeschwitzt auf dem Hänger steht hat jedesmal beim verladen Stress. Wenn man einmal diesen Stressfaktor beseitigt, hat das Pferd sein restliches Leben deutlich stressfreier.

Parelli hat auch einmal sehr "einfach" angefangen und im laufe der Jahre kamen viele Erkenntnisse dazu. Heute werden auch von Parelli 8 verschiedene Typisierungen (und damit unterschiedliche Lernverhalten)unterschieden. Der Nachteil bei Parelli ist, daß die Menschen erst ab Level 3 geschult werden. Für mich ist das aber der wichtigste Teil, denn genau bei der Körpersprache werden die meisten Fehler gemacht. 

Ich habe Kurse bei Parelli und bei Roberts mitgemacht (auch den Join-up gelernt) und war anfangs, wie alle, natürlich begeistert. Im laufe der Jahre habe ich allerdings genauer hingesehen und bemerkt, daß es viele Dinge gibt, die man gar nicht braucht, wenn man im Vorfeld nur 2-3Grundlagen konsequent durchführt.

Man muss verstehen, daß Roberts und Parelli ihren Ruf an völlig durchgeknallten Pferden erworben haben (!). Viele Dinge davon sind an "Hauspferden" einfach nicht adäquat - einige aber durchaus sinnvoll.

Da jedes Pferd eine individuelle Persönlichkeit ist, kann man eben auch kein Patentrezept bekommen. Es gibt einige Grundlagen, die bei allen Pferden funktionieren. Diese werden offenbar nicht gelehrt. Auch bei Parelli und Roberts vermisse ich die Begründungen für die Herangehensweisen. Denn auch dort wird gelegentlich nicht die eigentliche Ursache beseitigt sondern nur durch eine andere Lernerfahrung überdeckt.

Mein Tipp: Lerne alles, was Du lernen kannst. Ziehe Dich mit dem Wissen zurück und überdenke wie Dein Pferd darauf reagiert - und dann frage Dich warum es das tut. Nur wer die wahren Ursachen kennt, wird auch die passenden Antworten finden. Hüte Dich vor Verallgemeinerungen und laufe niemals einer Lehre hinterher.

LG Calimero

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Ich suche mir aus allem was ich irgendwo sehe oder höre oder lese oder lerne das heraus, was mir für meine Pferde sinnvoll erscheint. Ich habe also Elemente aller möglichen Lehren und meine eingenen Sachen (die sich im Laufe der vielen Jahren mit Pferden als gut erwiesen habe) und mache daraus ein Ganzes.

Auch reite ich nicht in einer bestimmten Form sondern nehme mir aus allen Reitweisen das raus was für mich stimmig erscheint. So habe ich einen spanischen Sattel, Einohrtrense und Ledergebiss mit sehr langen Westernzügeln und reite so einige Lektionen der Hohen Schule, mache aber auch viele Sachen, die aus dem Westernreiten oder der englischen Reiterrei entstammen.

Man kann alle lesen und angucken, was man davon verwenden will ist einem selbst überlassen. Stur nach jemand anderem würde ich nie arbeiten, da man selbst nie 100 % so sein kann wie jemand anders.

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Kommentar von Urlewas
23.08.2016, 12:46

Das ist schön, wenn man aus einer großen Schatzkiste reicher Erfahrung schöpfen kann! 

Nur ist es fur den Anfang vielleicht schwierig, wenn man in keinem Bereich wirklich wenigstens Grundlagen hat. Daher würde ich empfehlen, erst mal mit einer Methode zu beginnen, die vor Ort zu haben ist.

Wie hast denn Du eigentlich angefangen ( falls Du was aus dem Nähkästchen plauern möchtest...😉)? 

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Also ich hab mal eine DVD geschenkt bekommen von nem Horsemanship Typen (weiss leider nicht mehr wie der heisst) und habe sie mir angeguckt und erstmal nur eine von den vielen Sachen mit meinem Pferd gemacht. 

Fazit: mein Pferd ist an der Habd gestiegen, glücklicherweise nix passiert aber das war schon ein herber Schlaf für mich da meine Stute NIEMALS so etwas getan hat und vom Wesen auch das liebste Pferd ist das ich kenne. Es kann natürlich daran liegen dass sie ein VB ist und deshalb sensibler als andere aber der Typ (und damit auch ich)hat mit so viel Druck gearbeitet dass sie sich nicht anders zu helfen wusste und gestiegen ist. Hab die DVD sofort weggeschmissen und danach nur noch auf meinen Instinkt gehört. Habe nun ein Pferd das super auf meine Stimme hört und freudig und ohne Druck mitarbeitet. 

Ich bin der Meinung dass man nicht mit Druck arbeiten sollte sondern mit positiver Verstärkung! Natürlich sollte man dem Pferd nicht alles durchgehem lassen aber es auch nicht so stark psychisch bearbeiten... Ich bin froh dass meine Stute mir damals gezeigt hat was sie davon hält

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Ich mache mit meinen 2 Pferden seit etwa 5 Jahren Parelli. Im Grunde geht es darum, dass das Vertrauen zwischen Menych und Tier gestärkt wird und ohne, dass es auf irgendeine Weise mit Zwang zu tun hat. Meine Pferde wurden im Westernstil zugeritten, das hat aber keine wirkliche Bedeutung, da es egal ist in welchem Stil man reitet. Ich arbeite oft vom Boden aus, da es dort unzählige Möglichkeiten gibt, aber natürlich reite ich auch so oft es geht. Ich habe mir angewöhnt vor dem reiten die sieben Games zu spielen, da ich es einfach mag mich noch länger mit meinen Pferden zu beschäftigen. Ich habe meine Pferde jetzt so weit, dass ich praktisch nur noch mit Halsring reite oder mit Knotenhalfter. Am Boden arbeite ich entweder mit einem Knotenhalfter mit langem Strick oder ich lasse die Hilfsmittel komplett weg und arbeite nur mit meiner Körpersprache und Ausstrahlung (das mache ich im Roundpen). Ich kann dir Parelli nur empfehlen, da es eine extreme Bindung zwischen Pferd und Reiter herstellt. Zu Monty Roberts kann ich dir nichts sagen, da ich es noch nie ausprobiert habe.

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Am besten befasst du dich mit den Lehren und Biographien all dieser  Leute - und was Du dann als Gemeinsamkeit bei allen wieder findest, ist wirklich von Bedeutung.

Auch " Pferde wie von Zauberhand bewegt" gibt Einblicke, wie ein Mensch zu einem anderen Verständnis fur die Pferde fand. Schlussendlich solltest Du dann aber an einer Methode " hängen bleiben", in der Du Möglichkeit findest, regelmäsig geschult zu werden. Denn im Alleingang kann da einiges schief gehen, und fur das Pferd ist am wichtigsten, dass Du konsequent in einer Richtung arbeitest und es nicht verwirrst, indem Du alles Mögliche ausprobierst.

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Von all den genannten ist etwas brauchbares dabei, es gibt nicht nur den oder die eine wo alles perfekt ist, denn es gibt keine Generalbedienungsanleitung die für jedes Pferd gleich funktioniert. Pferde und deren Halter sind Individuen und genau so sollte sich der Umgang, die Erziehung und vor allem das Tempo gestallten. 

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horsemanship ist jede art, mit dem pferd umgang zu haben.

natural horsemanship geht dabei auf das natürliche verhalten und das individuum pferd ein.

ich kann dir ein anständiges buch empfehlen, wo du viel erfahren kannst, ohne dass der autor ein anhänger irgendeines "pferdegurus" ist oder auch überhaupt nur auf nach bestimmten personen benannte methoden eingeht.

peter pfister - ranchreiten

ist unbedingt lesenswert.

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Also ich habe Monty Roberts Live gesehen und fand es wirklich sehr interessant & gut und ich würde wieder zu einer Vorstellung gehen, weil man wirklich einiges lernt was ich zB beim Longieren auch übernehmen konnte :)

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Kommentar von Sallyvita
23.08.2016, 14:17

Nichts von dem, was die Pferde dort unter Stress zeigen, ist tatsächlich nachhaltig und zu Hause wieder abrufbar. 

Ich hatte selber mal eine verladeschwierige Stute, die tatsächlich das Show-Pferd zu diesem Thema bei Monty Roberts vor großem Publikum wurde. Und natürlich ging sie am Ende der Show in den Hänger...... 

Nach der Show half mir ein Mitarbeiter von M.R. mit Hilfe mobiler hoher Zaungitter die Stute zu verladen, mit deren Hilfe ich behaupte, man jedes Pferd in den Hänger bekommt, weil man den Fluchtweg abschneidet. Dieses Verladen hatte nichts mit dem zu tun, was noch eine Stunde vorher begeistert vom Publikum gefeiert worden ist und der Mitarbeiter sagte mir auch ziemlich mitleidig, dass ich jetzt nicht hoffen soll, dass das Problem gelöst sei.

Ich spreche ziemlich fließend Englisch und konnte mich deshalb gut mit M.R.s Mitarbeiter unterhalten, der mir erklärte, dass das eben in der Halle halt Show gewesen wäre, es jedoch nicht das Problem der Stute, das Trauma welches sie bei den Vorbesitzern erlitten hatte, würde beheben können. Und genau so war es dann auch.

M.R. ist ein guter Showman, der sich perfekt zu vermarkten versteht, der sich sicherlich mit Pferden auskennt und auch in vielem nicht falsch liegt. Doch traumatisierte, gestörte und schwierige Pferde therapiert man nicht nachhaltig im Hauruckverfahren. Das funktioniert einfach nicht.

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Kommentar von annaxcarina
24.08.2016, 21:01

Wie auch immer jeder hat seine eigene Meinung :)

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