Frage von Humanoid98, 277

Medizin studieren bei der Bundeswehr, Erfahrungen?

Hallo, hat jemand von euch Erfahrungen mit einem Medizinstudium bei der Bundeswehr gemacht? Welche Anforderungen muss man erfüllen und verpflichtet man sich wirklich zu 15 Jahren Dienst auch im Ausland? Danke für jede hilfreiche Antwort

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 19Sunny96, 193

Um mal mit den ganzen Halbwahrheiten aufzuräumen, die hier kursieren: Du bist Offizier und Soldat. Erst in zweiter Linie Arzt. Dein Abitur sollte sich schon mind. im durchschnittlich guten Bereich befinden, aber deutlich wichtiger ist, was du im AC in Köln bringst! Da habe ich so einige mit einser Abi scheitern sehen. Also gute Noten reichen bei Leibe nicht!

Man verpflichtet sich als Soldat auf Zeit im Sanitätsdienst - anders als in den meisten Offizierslaufbahnen - jedoch für mindestens 17 Jahre (Verlängerung bei FA-Wunsch möglich).

Mit einem Auslandseinsatz kannst du mit fast einhundert Prozent rechnen.

Und ja, ich weiß wovon ich rede. Bin selbst SanOA.

Kommentar von Racing210 ,

Wie gestaltet sich denn nach dem Studium der weitere Werdegang bzgl. Facharztausbildung? Hat man Chancen auf einen Wunsch-Facharzt oder wird der überwiegende Teil für die gesamte Dienstzeit als Truppenarzt eingesetzt? Danke!

Kommentar von 19Sunny96 ,

Wenn man sich durchschnittlich gut anstellt, sammelst du genug Punkte im Credit Point System. Diese entscheiden am Ende, ob du deinen gewünschten FA bekommst, oder nicht.

Es ist unwahrscheinlich, dass man durchgehend in der Truppe versauert. Eigentlich kommt man recht viel rum! Und das auch in den verschiedensten Gebieten. So kann es auch passieren, dass man als Arzt mal in der Verwaltung/Organisation arbeitet.

Man kann also sagen, dass es durchaus extrem abwechslungsreich ist. Man kommt viel rum und wenn man sich nicht ganz dämlich anstellt und sich ab und an auch mal körperliche/soldatisch betätigt, gibt es keine Probleme. Dann bekommt man in der Regel auch seinen FA ... es sei denn man würde gerne Gynäkologe werden ...

Kommentar von Racing210 ,

Vielen Dank für die Antwort! Es ist in der Tat eine sehr schwierige Entscheidung... viele Punkte sind sehr positiv (abwechslungsreicher Beruf, vielfältige Verantwortung zu übernehmen, Menschen in großer Not zu helfen, wie ich finde) doch ist das einzugehende Risiko meines Erachtens nach hinsichtlich der Umsetzung der eigenen Vorstellungen größer als auf zivilem Wege.

Dahingehend ist es schön, hier einmal die Meinung eines Sanitätsoffiziers direkt zu lesen, schließlich kursiert im Internet die gesamte Spannbreite von Meinungen herum, auf der einen Seite liest man von besseren Weiterbildungsmöglichkeiten, auf der anderen Seite wiederum davon, dass diese gar nicht angeboten werden. Das ist leider verwirrend...

Die Entscheidung über die Facharztvergabe ist wie ich erfahren habe bedarfsabhängig, kann man davon ausgehen, dass der Bedarf in Richtungen wie der (Einsatz-)Chirurgie oder Innernen Medizin stets größer ist als vergleichsweise in der HNO, mit anderen Worten, dass bei erstgenannten die Chance höher ist seine Wunsch Richtung zugesagt zu bekommen?

Kommentar von 19Sunny96 ,

Das wollte ich mit dem Extrembeispiel vom Gynäkologen verdeutlichen. Ja! Die Wahl ist extrem bedarfsabhängig. Gynäkologie wird man zum Beispiel eher nicht bekommen! Wohingegen Anästhesie und Chirurgie deutlich verbreiteter sind. Dazu muss man aber erwähnen, dass die BwKs alle auch ihre Disziplinen haben! Also auch als HNO oder Dermatologe kann man durchaus Chancen haben.

Antwort
von Roqsta, 189

Ich meine es sind sogar 19 Jahre die du dich verpflichten musst.
Wenn du dich für die Bundeswehr entscheidest, bist du in erster Line Soldat. Zum Aufgabenbereich eines Soldaten gehört ein Auslandseinsatz definitiv dazu, gerade als Fachpersonal wie Arzt kann dies durchaus auf dich zukommen.
Des Weiteren solltest du dir im Klaren sein, dass du gerade als Arzt dort hin musst, wo eine Vakanz besteht, sprich du füllst eine leere Stelle. Die kann natürlich überall sein.

Antwort
von grubenschmalz, 149

Du bist Soldat und Offizier. Natürlich bist du da auch im Ausland. Auch als Arzt. Gerade als Arzt.

Antwort
von asimov23, 214

Ja wenn du dich verpflichtest dann für die volle Zahl der Jahre, wenn du es abbrechen soltlest, dann musst du alles selbst nachzahlen. Ich hab keine Erfahrung damit aber eine Freudnin fängt das jetzt auch an :) 

Kommentar von Humanoid98 ,

Wie viele Jahre sind das genau? weißt du das vielleicht? Danke schonmal :)

Kommentar von 19Sunny96 ,

17 Jahre mindestens. Nach oben (z.B. bei Facharztwunsch) offen.

Antwort
von SmartTim98, 165

Als erstes muss ein exzellenter Abiturschnitt (oder eine Schwerbehinderung, bzw. eine Gleichstellung zur Schwerbehinderung) vorliegen. 

Man „verpflichtet“ sich zu einer vorgeschriebenen Zeit, kann aber auch ganz normal kündigen (und muss dann natürlich Geld zurückzahlen). Eine Auslandsverwendung wird definitiv vorkommen.

Kommentar von 19Sunny96 ,

Und Sie glauben, dass man mit Schwerbehinderung eingestellt wird? 

Oder habe ich Sie falsch verstanden?


Und nein, man kann mit Sicherheit nicht "ganz normal kündigen".

Kommentar von SmartTim98 ,

Mit einer anerkannten Schwerbehinderung muss man nicht den selben Abischnitt erreichen. Eingestellt wird man (mit der geeigneten Art der Behinderung) mit einer deutlich größeren Wahrscheinlichkeit, da eine Schwerbehindertenquote von 5% erfüllt werden muss und zusätzlich jeder Schwerbehinderte, der über das normale Auswahlverfahren reinkommt, ebenfalls eingestellt wird. 

Und doch: Man kann ganz normal kündigen, dass wird von der Bundeswehr nur nicht gerne gesehen. Man beantragt einfach zum 01.03. die Entlassung aus dem Soldatenverhältnis (und der Antrag darf nicht abgelehnt werden) und kommt zum 01.03. nicht mehr zum Dienst.

Kommentar von 19Sunny96 ,

Wow, wie unzureichend Sie sich doch informiert haben ... 

1. Allzu schwer, kann/darf die Behinderung wohl kaum sein! Was soll man denn mit nem invaliden Soldaten?! Außerdem ist die Bundeswehr kein Wirtschaftsunternehmen! Auch die Polizei wird nicht einen Haufen voller Schwerbehinderte einstellen.
Es sei denn Sie können eine Behinderung aufführen, die die Arbeit als Soldat nicht behindert ....

2. Informieren Sie sich doch noch mal etwas genauer darüber, wie man aus seiner VERPFLICHTUNG rauskommt. Einfach sagen:" Auf Wiedersehen, habe keinen Bock mehr." klappt mit Sicherheit nicht!!
Sollte man unerlaubt dann einfach abwesend sein, verweise ich auf §§15, 16 und 18 WStG.

Kommentar von SmartTim98 ,

1.) Sie haben eine absolut diskriminierende Einstellung gegenüber Schwerbehinderten. Den meisten von denen sieht man die Behinderung nicht einmal an, weshalb die Bundeswehr sie mit großem Dank einstellt.

2.) Wenn man sich zur Rückzahlung verpflichtet, ist eine fristgerechte erzwungene Entlassung aus dem Dienstverhältnis möglich.

Kommentar von Apfelkind86 ,

Was du schreibst, gilt höchstens für zivile Laufbahnen, darüber reden wir hier aber nicht.

Wer Arzt bei der Bundeswehr werden möchte, wird Offizier und damit Soldat. Entsprechend muss man tauglich sein. Schwer behinderte sind ganz sicher nicht für den Soldatenberuf tauglich und werden daher ausgemustert.

Auch eine vorzeitige Kündigung ist keineswegs möglich! Nur ein (sehr unwürdiger) Weg über eine nachträgliche Kriegsdienstverweigerung oder über den Psychologen! Dann muss man allerdings seine Ausbildung zurückzahlen, das ist korrekt.

Kommentar von SmartTim98 ,

Ich kenne persönlich drei schwerbehinderte Soldaten (A11, A14, A16), die alle die normale Offizierslaufbahn mit dem Eingangsamt A9 begonnen haben.

Kommentar von 19Sunny96 ,

Würde ich dann auch sagen. Dann führen Sie doch bitte ohne jegliche Angabe von Personalien mal die Art der Behinderung an! 
Und nein, das hat nichts mit Diskriminierung zu tun. Schwerbehinderte sind nunmal einfach nicht tauglich. Fertig aus. Damit diskriminiere ich niemanden.

Fristgerecht und erzwungene Kündigungen gibt es einfach nicht!!! Informieren Sie sich, bevor Sie so einen Käse in die Welt setzen. Man kann natürlich nach wie vor unehrenhaft entlassen werden, was aber wenig mit einer ordentlichen Kündigung zu tun hat. Der Weg über den Psychologen ist auch noch eine Möglichkeit, wie Apfelkind86 bereits richtig erwähnte. Dies geht aber meist entweder mit der Dienstunfähigkeit o.Ä. einher. Auch über den StOPf gibt es Wege und Möglichkeiten (nicht wirklich ehrenhafte ...) aus dem Dienstverhältnis entlassen zu werden. Diese enden aber nach wie vor oft beim Psychologen. Zumindest meistens...
Alles logischerweise einhergehend mit Rückzahlungen - sehr hohen Rückzahlungen!
Aber so wie du es dargestellt hast gibt es eine fristgerechte, ordentliche Entlassung aus dem Dienstzeitverhältnis definitiv NICHT. Und das ist einfach mal Fakt. Da braucht man gar nicht weiter zu diskutieren.

Kommentar von Apfelkind86 ,

Sorry aber das ist einfach Quatsch.

Soldaten werden höchstens weiter verpflichtet, wenn sie ihm Rahmen eines Auslandseinsatzes ihre Behinderung bekommen haben. Es wird kein körperlich nicht gesunder Mensch als Soldat eingestellt und man kann auch nachträglich noch entlassen werden:

Ein Soldat auf Zeit ist zu entlassen, wenn er dienstunfähig ist. § 44 Abs. 3 Satz 2 und Abs. 4 gilt entsprechend.

§55 II Soldatengesetz

Ein Berufssoldat ist in den Ruhestand zu versetzen, wenn er wegen seines körperlichen Zustandes oder aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung seiner Dienstpflichten dauernd unfähig (dienstunfähig) ist. Als dienstunfähig kann er auch dann angesehen werden, wenn auf Grund der in Satz 1 genannten Umstände die Wiederherstellung seiner Fähigkeit zur Erfüllung seiner Dienstpflichten nicht innerhalb eines Jahres zu erwarten ist.

§44 III Soldatengesetz

Und da möchtest du nun erzählen, man würde von vornherein dienstunfähige Soldaten einstellen? Und ja: Dienstfähig bedeutet für einen Soldaten auch, dass er seine sportlichen Leistungen ablegen und kämpfen kann! Denn das unterscheidet den Soldaten vom Beamten.

Du kennst höchstens Beamte mit Behinderungen!

Kommentar von SmartTim98 ,

Bitteschön: Zwei der Soldaten sind (wie auch ich, daher kenne ich sie nämlich) gut eingestellte Typ-1-Diabetiker und der andere hat große Magenprobleme (Organe sind „nicht an der richtigen Stelle“). 

Kommentar von 19Sunny96 ,

Daran sieht man wieder, was Sie sich zusammenlügen. Wenn Sie einen Blick in die ZDv 46/1 werfen würden, hätten Sie folgendes gefunden: "Diabetes mellitus, unabhängig von Typ und Schweregrad". T VI wird ausgemustert. Diese sind DEFINITIV keine aktiven Soldaten (mehr). Schon gar nicht in jüngerer Zeit eingestellt.
Organe auf der falschen Seite nennt sich Situs inversus. Diese Leute leiden sehr häufig an Lungenentzündungen und anderen, mit der Anatomie einhergehenden Beschwerden. Solche Leute werden aufgrund ihrer meist krankheitsreichen Vorgeschichte nicht eingestellt. 
Bei letzterem entscheidet aber nach wie vor der Gesundheitszustand über den Tauglichkeitsgrad.

Kommentar von SmartTim98 ,

Dann wissen Sie es natürlich besser, als die Personen, die selbst davon betroffen sind (und jetzt unter anderem gerade im Nordirak stationiert sind).

Kommentar von 19Sunny96 ,

Jaja, ist gut. ;) 
Fakt ist: Heutzutage wird definitiv kein Mensch mit Schwerbehinderung mehr als Soldat eingestellt.
Außerdem wüsste ich nicht, seit wann Diabetes als Schwerbehinderung gilt ... lasse mich da gerne aufklären!

Kommentar von SmartTim98 ,

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung schreibt Folgendes: Als schwerbehindert gilt, wer täglich mindestens vier Insulininjektionen benötigt, deren Dosis je nach Ernährung, Bewegung und Blutzucker selbst angepasst wird. Hinzu kommt, dass die Lebensführung gravierend beeinträchtigt sein muss.

Kommentar von 19Sunny96 ,

Letzteres ist so gut wie IMMER in der Definition von Schwerbehinderung. Na gut, je nach Extremfall mag das vllt. sein. Wenn man aber weiter liest, erkennt man, dass es einen extremen Interpretationsfreiraum gibt. Das heißt, dass das lediglich ein genereller Rahmen ist.
Jede Erkrankung kann demnach - abhängig von der Gradation - als Schwerbehinderung zählen. Ob/wie ausgeprägt der Diabetes der benannten Person ist, kann man leider schlecht riechen...

Kommentar von SmartTim98 ,

Das stimmt sicherlich: Unser Versorgungsamt (in dessen Zuständigkeitsbereich die Gradfestsetzung von mir und den genannten Soldaten liegen) erteilt praktisch jedem Diabetiker (Typ 1) einen Grad der Behinderung von 50, spätestens nach dem ersten Widerspruch. Mein Diabetologe hat gesagt, dass selbst ich (Hba1c ständig zwischen 6,1 und 6,5) von diesem Versorgungsamt einen Grad von 50 bekommen würde, und es ist geschehen.

Kommentar von 19Sunny96 ,

Den Grad wird wohl eher ein Mediziner feststellen.
Achso, Sie sind also selbst Diabetiker? Dann haben Sie sich so eben selbst disqualifiziert! Schauen Sie bitte mal in die ZDv 46/1! 
Ihrer Argumentation darf keineswegs besonders Acht geschenkt werden. 
Ihrem Namen zu entnehmen dürften Sie noch nicht allzu lang Soldat sein. Da jedoch in jüngster Zeit definitiv keine Diabetiker eingestellt werden, haben Sie sich wohl selbst ins Knie geschossen.

Kommentar von SmartTim98 ,

Dann möchte ich bitte ein Wort von mir zitiert haben, in welchem ich schreibe, dass ich Soldat bin...Ich bin Beamter einer obersten Bundesbehörde, aber kein Soldat. Und ich kann insofern zustimmen, dass die beiden mir bekannten Soldaten, die Diabetiker sind, seit vielen Jahren Soldaten sind (seit ca. 15 Jahren und ca. 25 Jahren) und nicht gerade „neu eingestellt wurden“.

Kommentar von 19Sunny96 ,

Naaa alsoo da sind wir wieder!
Diese Menschen sind auch mit Sicherheit nicht im Wissen über den Diabetes eingestellt worden. Wenn man schon 25 Jahre dabei ist, ist man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Berufssoldat. Diese können aufgrund ihrer Erkrankung nicht ausgemustert bzw. aus dem Dienstverhältnis entlassen werden.
Dagegen habe ich absolut nichts einzuwenden. Aber es gibt weder neu eingestellte Soldaten mit Diabetes noch irgendwelche zu erfüllenden Behindertenquoten in der Truppe!
Und mit dieser Erkenntnis: Over and out!

Kommentar von Apfelkind86 ,

Jetzt wird es immer bizarrer. Denn solch kranke Menschen würden niemals in den Auslandseinsatz geschickt werden, auch dafür braucht man eine gesundheitliche Eignung, die natürlich strenger ist.

Was bitte, soll ich in einem Krisengebiet mit Soldaten, die mir im Ernstfall nicht den Rücken frei halten können, weil dem einen gerade seine Insulinration von einer Granate zerfetzt wurde und der andere gerade unter seinen falsch geordneten Organen leidet?!? Operation "Menschliches Schild" oder wie?

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