PID Kant und Utilitarismus?

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1 Antwort

Hi, wenn ich die "Endergebnisse" meines Philostudiums nochmal reaktiviere ist mein Fazit in Kurzform: Kant wäre dagegen. Warum: weil er vom Prinzip her argumentieren würde. Warum argumentiert er mit einer Prinzipkonstruktion? Weil er erkannt hat, daß Unbestimmbarkeit (also das Bestehen eines Erkenntnishorizontes und damit einer Wissens- und damit einer Vorhersagbarkeitsgrenze für die Auswirkung einer Einzel- oder Detailentscheidung) selbst Teil der Erkenntnis im logischen Denken über ethische Systeme ist.  Und in diesem Grundansatz (der eigentlich schon ein Vorgriff auf den Kritischen Rationalismus ist und im Nachhinein als eine ethische Formulierungsvariante der "Heisenberg'schen Unschärferelation"  gesehen werden kann ist somit der Begriff Potential / Potentialität enthalten. Unbestimmbarkeit führt zwangsläufig zum Potentialbegriff.

Da nun z. B. niemand in diesem Sinne über den "Wert" eines behinderten Kindes entscheiden kann darf er es auch nicht. Punkt!

Und selbst mit den Maßstäben eines Utilitarismus wäre der mögliche "Nutzen" eines behinderten Kindes nicht darstellbar.

Und jetzt kannst du ja mal die Theorieversuche eines Bentham und seiner modernen Nachfolger im Rahmen des sog. "Konsequentialismus" mal dagegen halten.

Ich wette, daß du dann ganz schnell ganz viele verständliche Argumente finden wirst, die die letztgenannten "philosophischen Disziplinen" als das entlarven was sie sind: eine Reduktion der Philosophie auf einen nachträglichen politischen wie individualistischen Legitimationsbedarf  von, im Kern egoistischen Entfaltungsinteressen nach dem Motto: "Ups, das hab ich nicht gewollt,- das konnte ich ja nicht ahnen."

Hier werden einfach zwei unterschiedliche Arten von Verantwortungsethik deutlich über deren logische Qualität man sich einen Einblick verschaffen sollte:

Im ersten Fall die Aussage: die ethische Qualität eines Ganzen entscheidet sich am Umgang mit dem Einzelnen. Was im Einzelnen ungerecht ist kann keine Gerechtigkeit im Ganzen erzeugen so wie eine Matheaufgabe mit einem Fehler in einem Termelement keine richtige Aussage im Ergebnis erzeugen kann.

Im zweiten Fall wäre das möglich.

Deshalb ist für mich ein philosophischer Ansatz der zweiten Art auch nicht wirklich Philosophie sondern der Versuch, (Massen-) Psychologie aus pragmatischen (utilitaristischen) Gründen,- im Übrigen unabhängig von der Art und Weise der Erzeugung von Zustimmung, Wahrnehmung, Empfinden - als eine Form der "Psychologischen Ökonomie" und keine wirkliche Werte-Philosophie zu etablieren. -

Menschenrechte hätte man mit diesem Ansatz z. B. nicht formulieren können.

Ich hoffe ich konnte dir damit eine Strukturierungs- und Klärungshilfe zu deinem Arbeitsauftrag geben.

Natürlich aus meiner Sicht - selbstverständlich. ;-)

Gruß


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