Frage von Elfrun, 217

zwei Lampen an 2 Phasen aber nur ein Null-Leiter und ein Erdleiter?

Hallo, ich habe im Wohnzimmer (Altbau aus den 50ern) einen Lichtschalter mit zwei Wippen. An der Decke kommen zwei Phasen, aber nur ein Null-Leiter und ein Erdungskabel raus. Meine Frage: Kann ich an den zwei Phasen zwei unterschiedliche/separate Lampen anschließen, wenn ich ja die Null-Leiter und Erdleiter an den nur einfach vorhandenen Kabeln anschließe (z. B. mit Lüsterklemme)? Oder geht das nur mit einer Lampe, in der beispielsweise zwei Schaltkreise sind, wie in einigen Kronleuchtern?

Vielen Dank schon mal für die Antworten! :o)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von electrician, 191

Zunächst einmal nachmessen, ob die beiden aktiven Leiter (Phase) auch jeweils über eine Wippe des sog. Serienschalters geschaltet werden. Wenn ja, dann kannst Du normalerweise auch zwei getrennt Leuchten betreiben. Diese Schaltungen wurden früher gerne für Omas Lüster (Kronleuchter) verwendet, damit man entweder 1/3, 2/3 oder alle Leuchtmittel einschalten konnte.

Ganz wichtig: Der Neutralleiter (N) und der Schutzleiter (PE) müssen intakt sein und bei zwei getrennten Leuchten verzweigt werden, so dass sie an jeder Leuchte anliegen. Bei leitfähigen Gehäuseteilen ist der Schutzleiter am Gehäuse aufzuklemmen.

Ob alle Adern intakt sind, kannst Du mit einem 2-poligen Messgerät feststellen (Duspol oder DVM/Multimeter). Zwischen den Adern müssen folgende Spannungen vorhanden sein:

  • L(1) - L(2): 0 V (keine 400 V !!!)
  • L(1) - N: 230 V
  • L(1) - PE: 230 V
  • L(2) - N: 230 V
  • L(2) - PE: 230 V
  • N - PE: 0 V

Mit L(1) und L(2) meine ich die geschalteten Adern einer gemeinsamen Phase, nicht die Außenleiter L1 und L2!

Und nicht vergessen: NIE unter Spannung arbeiten, das kann tödlich enden! Vor der Arbeit zweifelsfrei die Spannungsfreiheit feststellen und die Anlage vor Wiedereinschalten sichern. Näheres findest Du unter "5 Sicherheitsregeln" im Netz.

Antwort
von Herb3472, 171

Ja, das geht, kein Problem.

Kommentar von PWolff ,

Und sei froh, dass du einen eigenen Schutzleiter hast. Das ist soweit ich weiß erst seit den 1960ern Vorschrift (für Neubauten / Neuinstallationen).

In meinen letzten beiden Altbauwohnungen hatte ich nur einen Nullleiter, der dann auch als Schutzleiter missbraucht wurde. Mit dem Erfolg, dass zwischen ("geerdeter") Waschmaschine und Wasserhähnen ca. 60 V Spannung standen (nachgemessen). Hat so "schön" gekribbelt, wenn ich bei nassem Fußboden im Bad den Wasserhahn angefasst habe (was ich natürlich vermieden habe, wenn ich dran gedacht habe).

Kommentar von Chefelektriker ,

Eine klassische Nullung ist Dir unbekannt.Richtig ausgeführt kribbelt da nichts,es sei denn Du hast in der Anlage selbst herumgepfuscht.

Null und Schutzleiteranschluß in der Steckdose werden gebrückt,da wird NICHTS mißbraucht.

Kommentar von weckmannu ,

Die 60V waren wahrscheinlich kapazitiv auf eine offene Ader gekoppelt. Mit einem empfindlicheren Meßgerät kann man da auch höhere Spannung messen.

Kommentar von Herb3472 ,

Wahrscheinlich war die Ursache eine kapazitive Einkopplung. Aber ist das nicht schon ein wenig weit weg von der Fragestellung?

Kommentar von germi031982 ,

Mit einem hochohmigen Multimeter...da kann man gern mal 60V messen die durch kapazitive Einkopplung aus parallel laufenden Leitungen eingestreut werden. Die 60V sind nicht belastbar, die brechen sofort zusammen, auch wenn man mit einem zweipoligen Spannungsprüfer rangeht sind die sofort weg. Deswegen sollte man mit einem Multimeter sowas nicht prüfen, die sind zu hochohmig für solche Messungen.

Und PEN, also Nullleiter, sind nicht verboten, die müssen nur mindestens 10mm² in Kupfer oder 16mm² in Alu haben. Damit fällt diese Anwendung in Wohngebäuden flach, außer im Hausanschlusskasten und in Verteilungen. In der Regel kommt nämlich ein Nullleiter vom Versorger, der dann erst im Haus in einen separaten Neutral- und einen Schutzleiter aufgetrennt wird. Seit 1973 (mit Übergangsfrist 1974 für bereits begonnene Installationen) müssen Schutz- und Neutralleiter separate Adern sein. Der PEN ist entweder durchgehend grün/gelb und an den sichtbaren Enden blau markiert, oder durchgehend blau und an den sichtbaren Enden grün/gelb markiert. Energieversorger sind von dieser Markierungspflicht entbunden.

Und mit Nullleiter meine ich den korrekten Nullleiter, und nicht den Neutralleiter! Das wird nämlich immer wieder falsch erzählt! Die korekten Bezeichnungen, alt und neu:

R: L1

S: L2

T: L3

Mp (Mittelpunktleiter), Mittelpunkt der Sternschaltung: Neutralleiter

SL (Schutzleiter): PE (Protective Earth, Schutzerdung)

Nullleiter: PEN (Kombination aus Neutral und Schutzleiter)

Und so wie es einen Mittelpunktleiter gibt, gibt es auch Außenleiter, auch Phasen genannt. Deren alte und aktuelle Bezeichnungen stehen ja oben.

PEN werden möglichst früh aufgetrennt, mittlerweile schon im Hausanschlusskasten (der ja verplombt ist und damit ist es nicht sichtbar). Das macht man weil PEN Störfelder erzeugen (EMV).

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