Frage von Fleckiii2015, 201

Wohnung trotz Heizung kalt + Fenster nass?

Hallo,

folgendes Problem: Wir leben in einer etwas älteren Wohnung, die jedoch letztes Jahr vollständig renoviert und saniert wurde. Jetzt bei der Kälte haben wir die Heizung auf Stufe 3 (auch Nachts) und Lüften mehrmals am Tag per Durchzugverfahren. Nachts jedoch, beschlagen die Scheiben trotzdem so extrem, dass jede Menge Kondenswasser an den Fenstern runterläuft und es ist kalt in der Wohnung, die Heizungen sind knallheiß! Die Fenster und die Balkontür sind gut versiegelt und sind dicht. Dies wurde auch durch einen Fachmann bestätigt... Ich weiß leider nicht woran es liegen könnte und wie man Abhilfe schaffen könnte :/. Hatte jemand von euch so etwas schonmal? Taugen diese Wärmefolien etwas, oder würde es helfen schwere Gardinen anzubringen? Danke und Grüße.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Onki73, 182

Der Mensch steht mit seiner Umgebung im (Wärme-)Strahlungsaustausch. Das ist die natürlichste Form der Wärme, denn die Sonne schickt sie in der Form auf die Erde.

In der Wohnung kommt es mehr auf warme Wandoberflächen an, als auf warme Luft. Wenn die Wände zu kalt sind, kann der Heizkörper ohne Ende Warmluft produzieren, der Mensch friert trotzdem, weil die kühlen Wandoberflächen für das Unbehagen des Menschen verantwortlich sind.

Ich gehe davon aus, wenn die fenster in Deiner Wohnung schon ständig nass sind, auch die Wände sehr feucht sind. Da die Wände mit der Raumluft in einem ständigen Feuchteaustausch stehen und nach Ausgleich bestrebt sind, wird die Raumluft auch durch hohe Wandfeuchten sehr feucht sein. Besorge Dir ein Hygrometer und messe die Raumluftfeuchte. Sie sollte 60% rel. Luftfeuchte keinesfalls überschreiten, ansonsten sind häufige Stoßlüftungen am Tage vorzunehmen (anfänglich alle 2-3 Stunden), um die Feuchte aus der Wohnung zu bekommen. Mit dem IR-Thermometer mal die Oberflächentemoeratur der Wand messen. Diese sollte nicht unter 14°C absinken (Daten des Raumes: 22°C / 50% rel. Luftfeuchte).

Durch eine hohe Wandfeuchte sinkt der Dämmwert der Waand stark ab. J.S. Cammerer hat diesen Zusammenhang mal an einer Ziegelwand ermittelt. Bei 4% Feuchte an der Wand (noch nicht fühlbar), ist die Dämmwirkung bereits halbiert. bei 10% Feuchte an einer Wand (spürbar kalt-feuchte Wand) ist die Dämmwirkung um 77% gesunken und bei 18% Feuchte an der Wand (Schimmelbildung) sind nur noch 10% der Dämmwirkung vorhanden. D.h. im letzten Falle lässt sich die Dämmwirkung verzehnfachen, wenn man die Wand trocknet.

Wichtig für die Wandtrocknung ist die Wärme auf der Wandoberfläche durch viel Wärmestrahlung. Dadurch wird die Luft davor erwärmt. In wärmer werdener Luft sinkt die relative Luftfeuchte ab, die Luft wird trockener. Die (Feuchte-)Differenz zwischen der eventuell vorhandenen Oberflächenfeuchte und der davor befindlichen trockenen Luft wird größer und die Wand wird schnell getrocknet.

Häufig wird der Wohnraum aber mit viel Warmluft beheizt. Der Heizkörper Typ 22 bietet z.B. ca. 25% Wärmestrahlung und 75% Warmluft. Die Warmluft kühlt vor der Aussenwandoberfläche aus, wobei die rel. Luftfeuchte steigt. Die Differenz zwischen der Feuchte der an der Wandoberfläche anliegenden Luftschicht und der Wandoberflächenfeuchte selbt ist kleiner, was eine langsamere Trocknung bewirkt. Bei ausreichend hoher allgemeiner Raumluftfeuchte (schlechte Lüftung) kann die Differenz auch gegen Null gehen (keine Entfeuchtung möglich) oder in den negativen Bereich (Befeuchtung der Wand). Letzteres wird vermutlich über einen längeren zeitraum der Fall gewesen sein, deshalb sind die Wände feucht.

Zur Herstellung der Behaglichkeit im Raum, muss also die Wand getrocknet werden durch häufiges Stoßlüften und gleichmäßige Beheizung des Raumes.

Hilfreich ist es weiterhin, wenn die Heizanlage durch geeignete Maßnahmen auf mehr Wärmestrahlung getrimmt werden kann. Dazu habe ich in meinen anderen Beiträgen viel geschrieben.

Grüße Onki73

Antwort
von DODOsBACK, 175

Die Feuchtigkeit schlägt sich an den Glasscheiben nieder, weil die Teperaturunterschiede dort am größten sind. Das bedeutet nicht, dass die Fenster undicht sind. Vermutlich sind sämtliche Außenwände nicht vernünftig gedämmt.

Stellt doch einfach mal Thermometer in verschiedenen Ecken auf und vergleicht die Werte. Ihr könnt den Vermieter zwar darauf ansprechen, er ist aber nicht automatisch verpflichtet, etwas dagegen zu unternehmen.

Als Mieter könnt ihr höchstens mobile Heizkörper aufstellen - die Wände von innen zu "isolieren", führt nur zu Schimmelbildung!

Antwort
von EvaChristina84, 160

Kann es sein, dass ihr zuwenig / zu kleine Heizkörper im Vergleich zur Wohnungsgröße habt?

Ihr solltet unterm Tag schon eine Wärme von ca. 20 -22 Grad in die Wohnräume bekommen.

Dann 3 x täglich 10 Minuten kräftig durchlüften - so sollte die Feuchtigkeit rausgehen.

Wenn das alles nix hilft, stimmt was mit der Wohnung nicht (würde ich so aus der Ferne vermuten).

Antwort
von Josefiene, 150

Sind das neue Fenster ? Wenn ihr Rollläden (Fensterläden) habt , lasse sie herunter , sie wirken dann isolierend. Gardinen nützen da nicht viel, weil die Luft dadurch noch weniger zirkulieren kann.

Kommentar von Fleckiii2015 ,

Hallo, danke für deine Antwort. Leider wurde das Haus bislang nicht mit Rollläden ausgestattet. Daher haben auch wir leider keine. VG

Kommentar von Josefiene ,

Gern geschehen ! Schade, dass keine Rollläden vorhanden sind, sie würden bestimmt einiges bewirken.

Antwort
von pharao1961, 130

Auf garkeinen Fall Gardinen, die sperren die Fenster von der Zirkulationsluft noch mehr ab. Hast du einen Hygrometer um die Luftfeuchtigkeit messen zu können?

Antwort
von Fleckiii2015, 110

Vielen Dank für eure Antworten :). Wir werden einen Hygrometer besorgen. Mal schauen was dabei heraus kommt! Ich konnte einiges lernen, vielen Dank dafür ;)

VG

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