Frage von fdhbk, 45

was versteht Epikur unter Freude?

kann mir jemand die frage beantworten die oben steht

Antwort
von berkersheim, 18

Ich sags mal in meinen Worten: Freude ist individuell sehr verschieden, kann körperlich sein aber auch geistig oder meist, eine Mischung aus beidem. Epikur war kein Purist, der nur auf körperliche oder geistige Freuden setzte. Um ihn besser zu verstehen, sollte man seine grundsätzliche Erläuterung immer Hinterkopf haben. Das Leben stellt uns ständig vor Probleme und Herausforderungen (in der Antike mehr als heute, weil es noch keine Sozialversicherungen gab und jeder mehr oder weniger auf sich alleine, seine Familie oder Freunde gestellt war). Und ganz im Sinne einer evolutionären Auffassung des Daseins sagt er: Egal ob Pflanzen oder Tiere oder Menschen, die Natur gibt jedem Signale, ob sein Handeln im Sinne des Überlebens richtig war oder das Überleben gefährdet hat. Das drückt sich für Pflanzen, Tiere und Menschen natürlich entsprechend ihrer Entwicklung komplexer aus. Beim Menschen erscheint die positive Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist in Freude, in Lust, in Zufriedenheit, in Bestätigung usw.. Hat man das Gefühl, dass man nicht auf dem richtigen Weg ist, empfindet man Leiden, Schmerzen, Unwohlsein, Ekel usw., eine ganze Palette von Empfindungen, die sich als eine Art natürlicher Bewertung einstellen.

Wenn Epikur von Freude spricht, dann steht das bei ihm für die ganze Palette positiver Empfindungen, die signalisieren, dass man im grünen Bereich ist. Jetzt kennt Epikur kein Entweder-Oder. Die Empfindungen des Menschen erstrecken sich über eine ganze Skala von Jubel und Ausflippen über sich stilles Freuen, über Zufriedenheit zu Unzufriedenheit bis hin zum Schmerz und Horror. Epikur bevorzugt die Mitte in der Skala, die überlegene Gemütsruhe, die abgeklärte Übersicht und Gelassenheit. Diese Position hält einem die meisten Reaktionen offen. Lässt man sich z.B. zu sehr auf die Lust ein, erkennt Epikur sofort, dass das in Abhängigkeit und Gier enden kann. Lässt man sich zu sehr auf Bedenken und Vorsicht ein, läuft man Gefahr, zur Marionette der Angst zu werden. Stille Freude und das Gefühl der Selbstsicherheit, die Probleme des Lebens im Griff zu haben sind von Epikur die bevorzugte Option.

Antwort
von Ottavio, 27

Genau, gut gefragt, es geht bei Epikur um Freude (Hedone), nicht um Lust, Poppen, Völlerei und Saufen. Wichtiger Bestandteil der Freude bei Epikur ist die Attaraxia, das Nichtaufgewühltsein der Seele, und das bewusste richtige Wählen der Freude, die man sich gönnt.

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