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Was ist so philosophisch an der Frage "Wenn im Wald ein Baum umfällt und niemand hört es...."?

gefragt von Dory1Dory1 am 03.10.2009 um 2:16 Uhr

"... macht er dann ein Geräusch?" ... Warum sollte er kein Geräusch machen? Das Geräusch kommt doch nicht erst dadurch zustande, dass es jemand hört. Oder habe ich den tieferen Sinn dieser Frage nicht verstanden? (Vermutlich letzteres - Also bitte um Aufklärung :)


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Vom Fragesteller als hilfreichste Antwort ausgezeichnet


holodeck
beantwortet von holodeck am 3. Oktober 2009 10:18
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Nun, dahinter steht die Frage "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?"
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Sprich es wird überlegt: kann es so etwas wie Objektivität überhaupt geben? Oder ist alles subjektiv und unsere Realität, die wir für wirklich halten, nichts weiter als das Ergebnis eines Kommunikationsprozesses?
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Dahinter steht die Frage: können wir objektive Aussagen über diese Welt machen (Ontologie) oder bewegen wir uns immer! nur im Rahmen unserer subjektiven Wahrnehmungs- und Denkkonstrukte.
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Für die Bewertung wissenschaftlicher Fragestellungen und Ergebnisse - auch und vor allem der Naturwissenschaften, deren Realitätsjunkies sich gerne im sicheren Hafen der Objektivität wähnen - ist das die Gretchenfrage schlechthin ... ist die Welt unabhängig vom Wissenschaftler so, wie er sie beschreibt oder ist die Welt das, was der Wissenschaftler beschreibt (...und in Wirklichkeit ganz anders?) Das würde nämlich auch bedeuten, Wissenschaft bestätigt und findet nur, was der Wissenschaftler denken kann. Das Undenkbare scheidet dabei aus ;-))
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Die Frage ist also eine uralte, als philosophische Tradition wurde hier z.B. der Solipsismus ausgebildet, der verkürzt gesagt die Aussage trifft: die Welt gibt es nicht. Alles ist subjektiv, entsteht und existiert nur im Kopf.
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Spätestens mit der Heisenberg'schen Unschärferelation hielt das Phantom des Beobachters Einzug in die Naturwissenschaften und kratzte erheblich an dem Mythos, die Welt würde sich dem Wissenschaftler in einem Abbildungsverhältnis von 1:1 und gänzlich unabhängig von ihm erfassen und beschreiben lassen. Vielmehr wurde deutlich: bereits die Anwesenheit eines Beobachters nimmt Einfluss auf das Beobachtete, sprich, verändert es.
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In der Folge bildete sich die philosophische Schule des Radikalen Konstruktivismus heraus ... dieser sagt in Abgrenzung zum Solipsismus: es mag eine Welt da draußen geben (umfallender Baum) - wir können nur über diese Welt keine objektiven, von uns losgelösten Aussagen machen (Geräusch), da jeder menschliche Beobachter den Beschränkungen seines Schädels (Wahrnehmungsorgane, Nervensystem, Wahrnehmungsfilter) unterliegt; aus diesem kann er nicht heraus.
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Alles was wir von dieser Welt wissen können, ist demnach allerhöchstens eine Landkarte. Nie das Gebiet selbst.
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Und insofern wird klar, dass Realität kein objektives sondern ein relationales Phänomen ist. Ein soziales wenn man so will. Demzufolge stellt sich wissenschaftstheoretisch auch viel weniger die Frage nach Wahrheit-Unwahrheit, sondern nach der Nützlichkeit oder der Passung von Forschungsansätzen und Ergebnissen... es gibt verschiedene Landkarten Deiner Heimatregion ... die eine ist vielleicht nützlich zum Fahrradfahren, eignet sich aber keineswegs zum Autofahren und vice versa.
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Wer das erkannt und verinnerlicht hat, ist frei, anders zu denken, neue Wege zu gehen ... jenseits vom wissenschaftlichen Mainstream. Jeglicher Wissenschaftenstreit, die Ausgrenzung von innovativen Wissenschaftlern, die neue Wege gehen, die Phänomene einbeziehen, die als "irreal" gelten ist letztlich ein Kampf dieser beiden Weltanschauungen.
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Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 16:54

ok das muss ich erstmal in Ruhe verdauen.. danke und DH ;)

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 3. Oktober 2009 17:27

;-))

Kommentar von A20ac76738b8c10939b9e87ce3153ef2smallOhmygod am 4. Oktober 2009 13:01

"Jeglicher Wissenschaftenstreit... ist letztlich ein Kampf dieser beiden Weltanschauungen." - Sehr interessante Ansicht! Als "großes, störendes Rauschen" würde ich aber da einfügen wollen, daß in diesem Streit die Lügner/Leugner (eher bei den "Schul-"Wissenschaftlern zu finden) und die Spinner (eher bei den sog. "Para-Wissenschaftlern") noch eine Rolle spielen.

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 4. Oktober 2009 14:30

Nein ... wir haben es hier lediglich mit dem Grad der Ausprägung zu tun, die Ebenen der Beschreibung klar zu unterscheiden. Bewege ich mich im Rahmen zeit-raumgebundener kausalattribuierender Denkansätze oder im Rahmen kybernetisch-informationstheoretischer Erklärungsansätze. Und kann ich als Wissenschaftler zwischen diesen Ebenen in Abhängigkeit von der Fragestellung wechseln. Oder schließe ich von vorneherein alles aus, was in ein klassisches Ursache-Wirkungs-Schema meines jeweiligen Fachgebietes nicht hineinzupassen scheint.
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Die Landkarten der Welt in unseren Köpfen, die zeichnen wir. Ebenso die Grenzen. Wenn wir es jedoch sind, die diese Grenzen einzeichnen ...
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Schliemann wurde lange als Spinner verlacht ... seine "Landkarte von Troja" war einfach mal eine andere als der angesehenen Wissenschaftler seiner Zeit.
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Schliemann ließ sich davon nicht beirren und fand Troja ... und einen sagenhaften Goldschatz noch dazu.

Kommentar von A20ac76738b8c10939b9e87ce3153ef2smallOhmygod am 4. Oktober 2009 15:04

Na gut, ich wollte auch eher aufzeigen, daß unseriöse oder voreingenommene Leute den Fortschritt/Erkenntnisprozeß erheblich stören können, weil sie eben nicht so sauber trennen, wie Du. Ich denke, es gibt genug "schul-wissenschaftliche" Erkenntnisse, die wundersam und unvorstellbar sind (Teilchen- und Astrophysik), so daß die Leute dort offen sein sollten und genug "Parawissenschaftler", die lieber eine Feindschaft pflegen (oder Trost oder Aufmerksamkeit wollen), so daß sie ebenfalls nicht offen sind für die meist viel einfacheren Erklärungen der "Schulwissenschaftler".

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 4. Oktober 2009 15:18

Aber ja doch ...
ich bin ein großer Fan von Brian Greene und seinen Strings ;-))
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Wissenschaftler wie Popp mit seinen Biophotonen, die habe ich allerdings auch schon zu Zeiten ernst genommen und als zukunftsweisenden Ansatz betrachtet, als seine Kollegen ihn noch als "esoterischen Spinner" diffamiert haben. Inzwischen ist der Mann international rehabilitiert. Und wenn ich dann so wunderbare Dinge lese, wie das hier:
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Letztlich sind Biophotonen wohl ein Phänomen der Quantenphysik. Denn viele Erforscher der subatomaren Sphäre vermuten, dass unser gesamtes materielles Universum auf Information basiert. Der Wiener Quantenphysiker Anton Zeilinger, dem als erster die Teleportation von Lichtteilchen experimentell gelang, bekennt: "Richtig vorstellen kann ich mir auch nicht, was bei diesen Vorgängen jenseits von Zeit und Raum vor sich geht." Gleichwohl könne man "Lichtteilchen als reine Information betrachten."
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http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,370918,00.html
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... vermuten, dass unser gesamtes materielles Universum auf Information basiert...
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... das ist ein Satz, den muss man sich einfach genüsslich auf der Zunge zergehen und wirken lassen.
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Passt doch als Denkansatz auch wunderbar zu unserer Frage: "Wie kommt ein geistiger Vorgang in die Gene?"


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valentin301
beantwortet von valentin301 am 3. Oktober 2009 08:01
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Das ist genauso philosophisch wie die Frage: „Wäre es im Weltall dunkel, wenn es keine Augen gäbe, die das Licht sehen?“

Antwort: Ja, denn die Begriff „Helligkeit und Farbe“ sind Sinneswahrnehmungen, subjektives Empfinden in unserem Gehirn. Objektiv ist nur das elektromagnetische Spektrum mit einer riesigen Bandbreite an Wellenlängen vorhanden, von dem wir aber mit unserem Sinnesorgan Auge nur einen winzigen Ausschnitt als Licht wahrnehmen.

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Ähnlich ist es mit den Schallwellen (Ultraschall etc.), auch eines umstürzenden Baumes, die erst durch unsere Ohren und durch Verarbeitung in unserem Gehirn zu einem Geräusch werden.

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Und sich vorzustellen und zu wissen, dass erst durch unser „Da sein“ diese Empfindungen Gestalt annehmen, ist eine wahrhaft philosophische Frage…..

Kommentar von A20ac76738b8c10939b9e87ce3153ef2smallOhmygod am 3. Oktober 2009 10:55

Nun - ob diese Betrachtung viel hilft, finde ich aber zweifelhaft und einfach nur eine Definitionsspielerei, denn dann sage ich einfach:

OK, es gibt kein Geräusch, aber es gibt Schallwellen. (Ist der Unterschied jetzt so gravierend?)

Übrigens könntest Du nach Deiner Definition behaupten, daß Tote aus ihrer Sicht nie gelebt haben...

Kommentar von Ad65d0c46b6732d942d609fc80ee2289smallvalentin301 am 3. Oktober 2009 11:56

Genau aus diesem Grunde ist es ja Philosophie, lieber Ohmygod, eine Denk- und Definitionsspielerei mit ernstem Hintergrund, denn wobei sollen diese Betrachtungen wohl sonst helfen? Damit soll der Unterschied zwischen objektiver und subjektiver Wirklichkeit deutlich gemacht werden. Denn was sind Schallwellen? Rhythmische Stöße von Molekülen gewissermaßen. Wenn man so will, sind sie in gewissen Sinne objektiv und "real". Was aber ist ein Geräusch? Das entsteht in unserem Kopf durch Umwandlung von einem äußeren Reiz in eine Wahrnehmung und Empfindung in unserem Neuronennetz im Gehirn. Das ist subjektiv und kann auch mit ganz anderen unterschiedlichen Empfindngen und Gefühlen verbunden sein. Wenn aber niemand in hörbarer Nähe des fallenden Baumes ist, dann kann er doch kein Geräusch machen, weil nirgendwo die Empfindung: "oh, ein Geräusch, das ist bestimmt ein fallender Baum" entsteht. Eine philosophische Betrachtung eben.

Kommentar von A20ac76738b8c10939b9e87ce3153ef2smallOhmygod am 3. Oktober 2009 12:09

In meiner biologischen Denkweise drängt sich mir übrigens sofort auf, was da alles an Leben im Wald ist und daß auch massenweise Tiere dort das Geräusch hören und es somit auch ohne uns Menschen existiert. Also empfehle ich den Philosophen, für das Beispiel bitte irgendetwas Sterileres als einen Baum im Wald zu nehmen... Wie wär's mit einer Kugel, die in einem leeren Raum auf den Boden fällt? Ach so, für die Schallwellen aber bitte die Luft nicht entfernen! Im Vakuum gibt's kein Geräusch!

Kommentar von Ad65d0c46b6732d942d609fc80ee2289smallvalentin301 am 3. Oktober 2009 12:23

Daran dachte ich auch schon, das "niemand" hatte ich auf alle Lebewesen mit Ohren bezogen! Und die Luft brauchen wir natürlich, der Urknall war ja deshalb auch kein Knall. Aber das üblichere Beispiel ist auch das mit dem Licht im Weltall und den Augen, das ich beschrieb, aber wenn Dory unbedingt den Baum umwerfen will, geht das auch mit dem... :-))

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 3. Oktober 2009 15:11

Damit soll der Unterschied zwischen objektiver und subjektiver Wirklichkeit deutlich gemacht werden
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Was können wir über objektive Wirklichkeiten aussagen? Das ist die große ontologische Frage dabei. Und so, wie es grad aussieht, nichts. Die objektive Wirklichkeit ist Illusion, eine mächtige zwar, dennoch, es gibt sie nicht. Wirklichkeit, Realität, kann nur verhandelt werden ;-))

Kommentar von Ad65d0c46b6732d942d609fc80ee2289smallvalentin301 am 3. Oktober 2009 15:16

Holo, ich gebe Dir ja im Prinzip recht, es hat mich auch gejuckt, noch etwas mehr zu schreiben, aber ich wollte hier keine grundsätzliche Diskussion über die Wirklichkeit provozieren, sondern bei der Frage bleiben und nicht alles in Frage stellen.

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 3. Oktober 2009 15:20

Ach so ;-))

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 3. Oktober 2009 15:19

Edit und genauer ... die Annahme, wir könnten objektive Aussagen über die Wirklichkeit machen ist eine Illusion.
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Das, was wir als "objektiv" bezeichnen, ist nichts weiter als "intersubjektivität".

Kommentar von A20ac76738b8c10939b9e87ce3153ef2smallOhmygod am 4. Oktober 2009 13:14

"Die objektive Wirklichkeit ist Illusion"; "was wir als "objektiv" bezeichnen, ist nichts weiter als intersubjektivität" - vielleicht sollte ich hier auch nicht in diese Diskussion einsteigen, aber ich bin ziemlich überzeugt von der (also absoluten) Objektivität/Realität der vollkommen unabhängig erfahrbaren "Intersubjektivität". Schon eher bin ich davon zu überzeugen, daß das nur ein kleiner Ausschnitt der Realität ist und daß es natürlich viele wahre Dinge gibt, die wir nicht wissen und auch solche, die wir nicht wissen können (obwohl mich das ärgert, aufgrund meiner Konstruktionseigenschaften nicht über den verdammten Tellerrand schauen zu können).

Kommentar von Ad65d0c46b6732d942d609fc80ee2289smallvalentin301 am 4. Oktober 2009 13:34

Ohmygod, danke für Dein Statement. Ich bin geneigt, mich eher Deiner Meinung anzuschließen, würde aber das "absolut" herausnehmen. Holo jedoch ist ein radikaler Vertreter des gleichnamigen Konstruktivismus, und während wir zwei uns dort oben über das Geräusch eines fallenden Baumes unterhalten haben, hat sie in ihrer Antwort die Existenz des Baumes als solches in Frage gestellt.... das ist natürlich etwas frustrierend... :-))) Ich konnte ihr deshalb diesmal kein DH geben...

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 4. Oktober 2009 13:48

Aber nein, Valentin ... die Existenz des Baumes in Frage zu stellen, das wäre Solipsismus.
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Nochmal: der Radikale Konstruktivismus stellt die Existenz des Baumes nicht in Frage. Er sagt lediglich: wir können über diesen Baum keine von den subjektiven Voraussetzungen des Beobachters losgelösten objektiven Aussagen treffen.
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Ich weiß nicht mehr, von wem dieser Ausspruch stammt, es könnte Norbert Wiener gewesen sein: Subjekte treffen subjektive Aussagen. Objekte treffen objektive Aussagen. Nur dumm, dass Objekte keine Aussagen treffen.
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Der Radikale Konstruktivismus fordert die Unterscheidungsfähigkeit heraus, auf welcher Ebene der Beschreibung wir uns gerade befinden. Wann macht also die Trennung Subjekt - Objekt Sinn, ist nützlich, und wann ist sie nicht nützlich.
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Wenn ich gegen einen Baum renne, dann werde ich mir weh tun und habe vermutlich eine dicke blaue Beule. Auf dieser Ebene ist also die Subjekt-Objekt Konstruktion ausgesprochen nützlich für meine körperliche Unversehrtheit.
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Wenn ich jedoch versuche, jene Kreisbahnen zu beschreiben, auf denen Information übermittelt wird, jener berühmte Unterschied, der einen Unterschied macht - in unserem Beispiel die "ein Baum fällt um und macht ein Geräusch" - komme ich nicht mehr umhin, die Trennung Subjekt-Objekt aufzuheben. Anderenfalls durchtrenne ich die Kreisbahnen der Informationsübermittlung willkürlich und mache die Dinge nicht nur unerklärlich, sondern auch die Fragestellungen sinnlos.
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Das ist die Ökologie des Geistes ;-))

Kommentar von Ad65d0c46b6732d942d609fc80ee2289smallvalentin301 am 4. Oktober 2009 14:18

Und wenn ich das jetzt einfach so mir vorstelle: Ich jogge durch den Wald, er steht voller lauter morscher Bäume, außer mir kein Lebewesen mit Ohren weit und breit. Ich renne gegen den Baum, hole mir meine Beule und renne schnell weiter. Der Baum schwankt und erst wenn ich außer Hörweite bin, fällt er um.... dann ist er also real und macht dann kein Geräusch wenn er umfällt.... ist ja niemand mehr da.... Und die Trennung Subjekt-Objekt muss ich nicht machen.So o.k.?? Ist vielleicht etwas konstruiert, aber das magst Du doch..... :-))

Kommentar von 36ea780fa5d85085cafc9a9842944636smallholodeck am 4. Oktober 2009 15:42

Valentin ... Du bewegst Dich auf der Ebene der Kausalattribuierung. Ursache --> umfallender Baum --> Wirkung --> Geräusch.
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Informationstheoretisch blendest Du damit das Subjekt als wesentliche Relaisstation dieses Vorganges aus, indem Du das Geräusch als "objektive Entität" betrachtest (ich gehe einmal davon aus, dass Du mich schlichtweg herausforderst, alldieweil ich von anderswoher ja weiß und dies auch Deiner Antwort partiell bereits zu entnehmen ist, Du mir darin durchaus folgst). Das nun mag für bestimmte Fragestellungen, sagen wir "Lärmschutz im Joggingwald von Valentin", durchaus nützlich sein.
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Tatsächlich ist es jedoch so - und ich sag jetzt mal in meiner Welt, denn es geht im radikalkonstruktivistischen Sinne nicht darum was ist wahr, was ist objektiv, sondern was ist wann und in welchem Kontext eine nützliche Betrachtungsweise - gäbe es keine Subjekte, gäbe es auch kein Geräusch. Das Geräusch ist eine vom Beobachter hinzugefügte Qualität, die sich im Rahmen von physikalischen Modellkonstrukten denkender Gehirne bewegt. Die Kausalkette hingegen eine durch einen Beobachter willkürlich vorgenommene Interpunktion. Der reduzierte Ausschnitt eines wesentlich komplexeren Vorganges, genannt Realitätskonstruktion.
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Das mag nun im Falle unseres Baumes auch gar nicht weiter dramatisch sein ... es gibt jedoch andere Fragestellungen, auch und vor allem in der Biologie, Stichwort Ökologie, wo die Trennung von Subjekt und Objekt als Denkstil ausgesprochen dramatische Folgen hat: indem beispielsweise tropische Regenwälder ungehemmt zu Zahnstochern und Frühstücksbrettchen verarbeitet werden.
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Wie schreibt unser allseits geschätzter Herr Bateson so schön: "hat man diese Einstellung zur Natur ... dann gleicht unsere Überlebenschance der eines Schneeballs in der Hölle".

Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 16:58

Danke dir..


AriGold
beantwortet von AriGold am 3. Oktober 2009 04:15
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Das ist eine sehr alte Frage, die aus dem fernöstlichen Raum kommt. Ziel der Frage war es nicht, sie mit ja oder nein zu beantworten, sondern sie als Einleitung zur Meditation zu benutzen.


Diese Frage erinnert mich ein wenig an Schrödingers Katze, dem Gedankenexperiment des Österreichischen Physikers Erwin Schrödinger.

Im Zusammenhang mit dem Baum soll geklärt werden, ob sich der Baum überhaupt in einem bestimmten Zustand befinden kann, solange er nicht beobachtet wird. In Anlehnung an Schrödingers Katze könnte er gleichzeitig noch halb stehen und halb gefallen sein. Natürlich sagt einem der gesunde Menschenverstand hier, dass dies Unsinn sein muss, aber in der Quantentmechanik ist dieser Zustand durchaus möglich. Ohne nun lange zu schwafeln, läuft es auf folgendes hinaus:

Vor der Messung/Beobachtung kann keine Aussage über den Zustand des Baumes und somit auch die Existenz des Geräuschs getroffen werden.

Kommentar von Ad65d0c46b6732d942d609fc80ee2289smallvalentin301 am 3. Oktober 2009 08:38

Servus Ari, ich glaube aber, hier geht es wohl eher um die Frage nach dem Geräusch als den Zustand des Baumes und um die Überlegung: Gibt es ein Geräusch ohne ein Ohr und ein Gehirn? Ich behaupte mal: nein, es gibt kein Geräusch, obwohl es Schallwellen gibt, denn der Begriff Geräusch ist mit einem wahrnehmenden Gehirn verbunden.

Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 16:58

Danke.. DH!


goodboy21
beantwortet von goodboy21 am 3. Oktober 2009 02:17
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Ich dachte immer, das wäre eine Scherzfrage ;-)

Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 02:17

Kommt mir auch immer so vor.. aber neulich habe ich ernsthaft eine durchaus ernstgemeinte Diskussion darüber mitbekommen..


anonym
beantwortet von dantes am 3. Oktober 2009 02:17
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Den Blödsinn habe ich auch noch nie verstanden. Ich glaube dafür bin ich zu arg Realist und physikalisch gebildet.


oenothek
beantwortet von oenothek am 3. Oktober 2009 02:18
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Soll heißen:

was du nicht weißt.... macht dich nicht heiß....

In china ist eben eine Rikscha in ein Reisfeld gekracht....

na und ???

Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 02:20

Achso das is nur so'n Spruch à la ".. und in China fällt 'n Sack Reis um"? :D .. ok dann macht es schon eher sinn ;)


corvettedrv
beantwortet von corvettedrv am 3. Oktober 2009 02:24
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das philosofische an dieser frage ist genauso zu verstehen, das es keinen interessiert.......genauso wenn jemand auf eine äußerung erwiedert.." das interessiert mich so viel, als wenn in china ein sack reis umfällt"

Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 02:25

ja anscheinend.. danke ;)


laurel
beantwortet von laurel am 3. Oktober 2009 02:18
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Habe ich auch nie verstanden.

Der tiefere Sinn ist wohl: Hat ein Ereignis wirklich stattgefunden, wenn es keine Zeugen dafür gibt?

Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 02:22

Wobei ich auch diese Frage eindeutig mit ja beantworten würde .. :\


Marat
beantwortet von Marat am 3. Oktober 2009 02:19
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Wieso hört es niemand? Die Vögel und Ameisen werden es schon hören. Der Wald braucht uns nicht.

Und damit sind wir bei der Philosophie. Wir sollen uns nicht für den Nabel der Welt halten.

Kommentar von 97e4a8275fc43e59371369b7344634bdsmallMRmaniac am 3. Oktober 2009 02:21

duuu ameisen können nicht hören

Kommentar von 71f83354889636a8f675aa367210489esmallMarat am 3. Oktober 2009 02:23

... aber spüren.


Warlordfw
beantwortet von Warlordfw am 3. Oktober 2009 02:36
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Hmh, nein es kann kein Geräusch geben, wenn keiner da ist. Ein Geräusch ist eine Empfindung. Der Schalldruck ist natürlich da, aber erst ein höherer Organismus wandelt diese Schallwellen in das um, was wir Geräusch nennen. Also: Keiner da - keine Verarbeitungsmöglichkeit - kein Geräusch.

Kommentar von 1da013680736e6766e253eb1fa4d4866smallDory1 am 3. Oktober 2009 02:56

Ok das müsstest du mir erklären.. was meinst du mit "höherer Organismus"?.. und es geht also nur um die Begriffsdefinition von "Geräusch"? Ich sehe irgendwie immernoch keine Philosophie in dieser Frage..

Kommentar von E3b38dff81e3a7e44bee49f0e017a69asmallWarlordfw am 3. Oktober 2009 14:14

Der umfallende Baum ist nicht direkt das Geräusch. Es entstehen Schallwellen und die werden von unserem Gehör als Geräusch wahr genommen, also umgewandelt. Damit wollte ich jetzt nicht die philosophische Sicht davon erklären, sondern es nur schildern, wie es EIGENTLICH ist^^. Die Frage kann man wohl auf unzählige Arten interpretieren und deswegen ist es eine gute Frage zum Philosophieren. Sei es nun: "Gibt es Gott? Gesehen hat ihn noch keiner, aber der Glaube sollte stark genug sein um nicht an seiner Existenz zu zweifeln" oder "Die Menschen sind nicht der Mittelpunkt dieser Welt. Es geschehen auch Sachen, ohne dass wir diese Ereignisse beeinflussen können oder überhaupt bemerken" oder "In China ist ein Sack Reis umgeflogen" oder.... wie gesagt. Eine klare und eindeutige Antwort gibt es da nicht. Die Antwort muss jeder für sich selbst finden.


anonym
beantwortet von Aprilkind am 3. Oktober 2009 02:38
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philosophie eben, kannst nix machen außer den Senf dazugeben.


Tobias87
beantwortet von Tobias87 am 3. Oktober 2009 13:54
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Ich interpretiere das als Beispiel für die Frage, ob die Welt an sich existiert oder nur für das Subjekt, womit in letzterem Falle das Geräusch, das für niemanden existiert, da niemand es hört, tatsächlich nicht existieren würde.

Eine andere Interpretationsmöglichkeit wäre, dass herausgehoben werden soll, dass letztlich keine sicheren Aussagen über etwas, das nicht beobachtet werden kann, keine definitiven sicheren Aussagen getroffen werden können. Wir folgern daraus, dass alle Bäume, deren Umfallen beobachtet wird, erkennbar dabei ein Geräusch machen, dass auch der Baum X beim Umfallen ein Geräusch macht. Die theoretische Möglichkeit, dass Baum X aufgrund irgend einer Ausnahme doch kein Geräusch macht, kann aber nicht völlig ausgeschlossen, sondern nur für absolut unplausibel erklärt werden.


oenothek
beantwortet von oenothek am 3. Oktober 2009 02:21
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Genau nur ein sinnfreier Spruch den keiner braucht......wie so viele hohle Phrasen....


anonym
beantwortet von AM240968 am 3. Oktober 2009 02:27
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Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder, In der Masse geht der Einzelne unter, weil alle nur auf die Gesamtheit der Masse achten.


aliman12
beantwortet von aliman12 am 3. Oktober 2009 18:59
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nichts philosophisch sind nur Sachen die das leben oder dich betreffen


anonym
beantwortet von DocBernd am 6. Oktober 2009 11:25
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Die scheinbar naiv gestellte Frage hat ja eine wahre Lawine ausgelöst. Dabei komme es mir so vor, als ob letztlich wieder das alt bekannte Kommunikationsproblem den Anlass dazu liefert. Es dürfte den meisten Beteiligten doch wohl klar sein, dass jedes Wesen in seiner eigenen Subjektivität gefangen ist und insofern seine höchst private Realität in sich trägt. Doch um sich mit anderen Wesen überhaupt gezielt auszutauschen muss es eine verbindliche Ebene der Kommunikation (einen gemeinsamen Zeichenvorrat und gemeinsame Regeln der Zuordnung dieser Zeichen) nutzen oder ggf. gemeinsam herstellen. Wir müssen uns daher, um nicht ständig aneinander vorbei zu reden, auf eine sprachliche Kunstebene begeben, die von allen akzeptiert wird – ganz unabhängig davon, wie unser persönliches Universum aussieht. Und dazu ist es praktisch, eine von uns unabhängige Realität zu postulieren. Das Hauptproblem der Philosophie besteht m. E. darin, dass ihre Anhänger ständig neue Kommunikationssysteme kreieren und für verbindlich erklären, ohne dass andere ihnen darin allgemein zustimmen.


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