Frage von Lavendelauge, 115

Warum bezeichnet man 1933 als Machtergreifung?

Damals hat ja die NSDAP mit Adolf H. die Macht "übernommen". Offiziell spricht man jedoch von der "Machtergreifung". Weshalb wird hier von der Machtergreifung geprochen?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 52

"Machtergreifung" ist der falsche Ausdruck, der in der heutigen Geschichtswissenschaft nur noch als traditionelle Konvention gelegentlich verwandt wird.

In Wahrheit fand damals eine "Machtübertragung" an Hitler und seine Unterstützer statt, zu denen insbesondere konservative Kräfte und ganz besonders der wichtigste Entscheider im Reich, Reichspräsident von Hindenburg, gehörten. Auch der Beschluss eines sog. "Ermächtigungsgesetzes" - mit der Folge zwar nicht der formalen, aber faktischen Suspendierung der Reichsverfassung von Weimar - war nicht zwangsläufig oder von den Nazis erzwungen, sondern folgte, bereitwillig von denselben Kräften zugelassen, im Prinzip den gesetzgeberischen Vorschriften der Verfassung des Deutschen Reiches. Hindenburg hat das Gesetz bereitwillig in Kraft gesetzt.

MfG

Arnold

Antwort
von furkansel, 115

Ja eigentlich wurden sie ja gewählt. Die nazis selbst haben es als eine Machtergreifung bezeichnet weil das glorreicher klingt. So isse bis heute geblieben.

Kommentar von Hegemon ,

Die NSDAP wurde nicht gewählt. Sie hatte in freien Wahlen nie die absolute Mehrheit.

Kommentar von PatrickLassan ,

Das höchste Ergebnis bei Reichtagswahlen  waren 43 %, wenn ich mich nicht sehr irre,

Kommentar von Hegemon ,

Richtig. Das war März 1933. Erstens war das immer noch nicht die absolute Mehrheit. Zweitens fanden diese Wahlen bereits unter dem Terror des Regimes statt. Der Wahlkampf der politischen Gegner der NSDAP war per Notverordnung ausgehebelt.

In den letzten freien Wahlen kam die NSDAP auf 33%. 67% der Wähler haben die NSDAP also nicht gewählt.

Kommentar von Haldor ,

Aber mit der DNVP zusammen hatte die NSDAP die absolute Mehrheit, und wer die DNVP wählte, die mit der Hitlerpartei zusammengehen wollte, wählte Hitler.

Kommentar von furkansel ,

wie haben sie denn dann anfangs vor der Abschaffung der weimarer Republik denn regiert? Minderheitsregierung?

Kommentar von earnest ,

Nein, so ist es nicht "bis heute geblieben".

Der Begriff "Machtergreifung" ist heutzutage heftig umstritten. Ein passenderer Begriff: "Machtübertragung" - Hindenburg servierte Hitler die Macht, als er ihn zum Reichskanzler ernannte.

Zum Thema "gewählt" hast du schon korrigierende Kommentare bekommen.

Kommentar von furkansel ,

och höre aber immer noch überall nur Machtergreifung. einzig im Unterricht wurde gesagt dass es eigentlich keine machtergreifung war.

Antwort
von Haldor, 31

Man kann m.E. schon von Machtergreifung sprechen. Schon der 30. Januar 1933 wird als Tag der Machtergreifung bezeichnet. Warum? Die SA marschierte auf den Straßen, Hitler war eigentlich die letzte Möglichkeit, da alle anderen Reichkanzler gescheitert waren. Hindenburg blieb also keine andere Wahl, als den Führer der stärksten Reichstagsfraktion zu ernennen. Die eigentliche "Machtergreifung" fand mit dem Ermächtigungsgesetz am 23./ 24. März 1933 statt. Die Abgeordneten wurden derart eingeschüchtert (durch Hitlers Drohrede: "Sie können jetzt wählen zwischen Krieg und Frieden!" - Sa und SS brüllten von den Rängen des Reichstages: "Wir wollen das Ermächtigungsgesetz, sonst Mord und Totschlag!" - Ein Abgeordneter sagte hinterher, sie hätte befürchten müssen, sofort am Ausgang verhaftet zu werden, falls das Ermächtigungsgesetz nicht angenommen worden wäre. Als einzige Fraktion stimmte die SPD gegen das Ermächtigungsgesetz. In der Tat wurden viele von ihnen später verhaftet, einige auch umgebracht). Die Nazis hatten also mit ihren eigenen Methoden der Erpressung und Einschüchterung selbst die Initiative ergriffen, die absolute Macht im Staate zu ergreifen, d.h. die Legislative auf die Hitlerregierung zu übertragen. 

Kommentar von earnest ,

Hindenburg hätte durchaus eine andere Wahl gehabt - er wollte sie aber nicht wählen.

Antwort
von Hegemon, 77

"Machtergreifung" ist ein Begriff der NS-Propaganda, der sich bis heute gehalten hat. Tatsächlich wurde die Macht vorsätzlich auf die Nazis übertragen - übrigens gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung.

Antwort
von ciubacka, 96

Die Einsetzung Hitlers als Reichkanzler am 30.01.1033 feierten die Nazis halt als "Machtergreifung" - der Begriff klingt so herrlich martialisch und paßte in das NS-Repertoire.

Die eigentliche, endgültige Machtergreifung erfolgte erst am 23. März des Jahres, als das Ermächtigungsgesetz die gesamte Staatsgewalt auf Hitler übertrug.

Rein theoretisch hätten die Nazis nach dem 30. Januar auch wieder rausfliegen können, denn am 5. März gab es die Reichstagswahlen. Leider sind sie nicht rausgeflogen.

Antwort
von FragaAntworta, 91

Weil er sich die genommen hat.

Kommentar von Lavendelauge ,

Aber bei Angela Merkel spricht man ja auch nicht von einer Machtergreifung. Da gibt es doch sicherlich genauere Gründe, warum man das damals so bezeichnet hat, auch wenn man das allgemein so ausdrücken kann - aber soweit denken dass er sich dem Begriff nach die Macht genommen hat kann ich dann auch alleine xD

Soweit ich es bisher verstanden habe war ja nur sein erster Versuch an die Macht zu kommen illegal, der zweite allerdings legal.

Kommentar von FragaAntworta ,

Natürlich, deswegen auch:

Begriff und Bedeutung

Obwohl "Machtergreifung" keine spezifische NS-Vokabel ist – die Nationalsozialisten sprachen meist von "Machtübernahme", "nationaler Erhebung" oder "nationaler Revolution" –, ist dieser spätere Begriff doch kongenial, denn er umschreibt die feste Überzeugung Adolf Hitlers (1889-1945) und seiner Anhänger, die erstrebte umfassende Macht, wenn sie erreicht wäre, nie wieder aus der Hand zu geben. Dabei war der Vorgang gegenüber der Verfassung der Republik in der Sache durchaus illegal, doch betonten die Nationalsozialisten, auch durch den Begriff "Machtübernahme", stets die (formale) Rechtsförmigkeit des Regierungswechsels. Trotzdem bedeutete dies die Vernichtung der Demokratie in Deutschland. Darum handelte es sich bei Hitlers Machtübernahme im Reich, die zwar formaljuristisch legal erfolgt war, nicht um einen der sonst häufigen Regierungswechsel (obwohl diese Sicht weit verbreitet war: nicht wenige seiner Gegner meinten, Hitler werde schnell scheitern und einer neuen Regierung Platz machen), sondern tatsächlich um einen säkularen Vorgang, der durch die Umgestaltung des Staates auch tief ins gesellschaftliche Leben eingriff. Die Darstellung der "Machtergreifung" muss deshalb neben der unmittelbaren Regierungsübernahme besonders auch die gesellschaftlichen Auswirkungen betrachten, was man damals und heute als "Gleichschaltung" bezeichnet hat.

Quelle:https://www.historisches-lexikon-bayerns.de

Finde ich ganz gut beschrieben. Aber ich dachte, kurz und bündig reicht auch.

Antwort
von Sansibar007, 98

Keine Ahnung! Die Partei wurde ordentlich gewählt. (Objektiv betrachtet)

Kommentar von andre123 ,

Das stimmt zwar, aber zur Machtergreifung wurde es , als durch das Ermächtigungsgesetz die Handlungsfähigkeit des Parlamentes aufgehoben wurde

Kommentar von Mastrodonato ,

Die Partei wurde insofern nicht "ordentlich" gewählt, da sie keine Mehrheit hatte und im Januar 1933 der Stern der Nazis am Sinken war. Hitler wurde von Hindenburg ernannt. Die Wahlen vom März 1933 kann man schon nicht mehr als regulär bezeichnen.

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