Frage von Paulpaulchen, 81

Um so mehr Masse ein Objekt hat desto langsamer altert es?

Umso stärker man einen Objekt beschleunigt desto mehr Masse hat es. Um so höher die Masse, desto stärker die Gravitation.

Meine Frage nun: um so höher die Masse, desto langsamer vergeht die Zeit?

Antwort
von grtgrt, 41

Wird - relativ zum Beobachter - ein Objekt immer schneller (aus seiner Sicht also beschleunigt), so gewinnt es - nur aus Sicht des Beobachters - ständig auch an Energie. Zudem hat der Beobachter den Eindruck, die Zeit des Objekts würde zunehmend langsamer verstreichen.

Vorsicht aber: Die Geschwindigkeit des Objekts relativ zum Beobachter wird auch dann ständig größer, wenn der Beobachter sich in Gegenrichtung beschleunigt, das Objekt aber unbeschleunigt bleibt. 

Im Vergleich zueinander - aus Sicht eines Dritten, wenn der sich von beiden stets gleich weit entfernt hält - wird derjenige von beiden langsamer altern, der tatsächlich mehr Beschleunigung erfährt (Beobachter oder Objekt).

Kommentar von grtgrt ,

Nebenbei noch:

Einstein hat dafür plädiert, unter Masse stets nur Ruhemasse zu verstehen. Dieser Sprachgebrauch hat sich leider noch nicht ganz durchgesetzt. Ruhemasse jedenfalls ist nicht relativ.

Wer die relative Masse meint (im Sinne des alten Sprachgebrauchs), der sollte von Energie sprechen.

Kommentar von Astroknoedel ,

Naja, wenn man aber stattdessen von Energie spricht, dann kommen Missverständnisse wegen der Impulserhaltung auf.

Sag doch einfach: "Relativistische Masse ist messtechnisch bedingt, also Bezugssystemabhängig und ist ein scheinbarer Effekt bei zueinander relativ bewegten Bezugssystemen. Sie ist nicht "real". Die Masse (=Ruhemasse) ist allerdings allen Bezugssystemen gegenüber geich. "

Kommentar von grtgrt ,

Dein Vorschlag ist gut, aber ich bin auch bei Verwendung des Begriffes relativistische Masse schon angeeckt (manche mögen ihn nicht, aber Doppeldeutigkeit beseitigt er auf jeden Fall). 

Da wir unsere Gesprächspartner nicht anders machen können, als sie sind, müssen wir einfach nur wissen, dass Masse je nach Kontext als Ruhemasse oder als relativistische Masse (Energie) aufzufassen sein wird.

Nebenbei noch: Die relativistische Masse als die reale zu bezeichnen, ist richtig, denn sie ist ja nicht wirkliche Masse. 

Der Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit wird erklärt in http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr0-35 .

Leider ist dieser Unterschied aber kaum jemand bewusst, da unsere Umgangssprache "real" und "wirklich" - "Realität" und "Wirklichkeit" - als synonym verwendet. Im Englischen gibt es gar nur ein Wort für beides, was es noch schwieriger macht, die beiden Begriffe auseinander zu halten (es ginge, denn man könnte von reality bzw. true reality sprechen, aber leider denkt jeder, der einfach nur reality liest, zunächst an die umgangssprachliche Bedeutung des Wortes, d.h. an Wirklichkeit).

So wie jede Wissenschaft, verwendet auch Physik Fachsprache statt Umgangssprache. Dass die meisten Physiker mit ihrer Fachsprache recht schludrig umgehen, ist traurig, denn es verursacht immer wieder Missverständnisse.

Kommentar von Astroknoedel ,

Nun, Realität und Wirklichkeit...jedenfalls ein sehr interessanter Gedanke. Ich habe schon gehört, dass sich Irgenwie ja auch schon antike griechische Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt haben sollen (Platons Höhengleichnis).

In Platons Höhengleichnis sind die Schatten, die die Gefangenen sehen, die Realität, aber die tatsächliche Gestalt, die diese Schatten hervorruft, die Wirklichkeit, habe ich das so richtig verstanden ?

(Ob ich diese Auffassung teile, sei mal dahingestellt)

Kommentar von grtgrt ,

Ja, so scheint mir das richtig.

Kommentar von grtgrt ,

Wie der eine oder andere griechische Philosoph zu einer Meinung kam, die man mit Erkenntnissen der modernen Wissenschaft als richtig einsehen kann, ist erstaunlich - was wirklich zählt, sind jedoch die Meinungen anderer Wissenschaftler, etwa die von Niels Bohr (verstorben 1962):

http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr1896-52

Kommentar von Astroknoedel ,

Dazu siehe noch den (von mir selbst verfassten) Wikipediaartikel "Modellabhängiger Realismus"

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Modellabh%C3%A4ngiger_Realismus&s...

Kommentar von Astroknoedel ,

Dazu siehe noch den (von mir selbst verfassten) Wikipediaartikel "Modellabhängiger Realismus"

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Modellabh%C3%A4ngiger_Realismus&s...

Kommentar von grtgrt ,

Da Realität ein von unserem Verstand erzeugtes Bild der Wirklichkeit ist, muss es nicht verwundern, dass Realität nicht eindeutig ist: Es gibt eben viele Bilder der Wirklichkeit.

Antwort
von Zakalwe, 45

Also bei mir ist das definitiv nicht so. Ich lege immer mehr an Masse zu, aber die Zeit vergeht von Jahr zu Jahr schneller, nicht langsamer.

Antwort
von musikuss78, 21

Du vermischst das zwei Prinzipien der speziellen Relativitätstheorie ;)

Grundsatz ist ja, dass die Person oder der Gegenstand, je mehr er sich in Bewegung versetzt und sich an die Lichtgeschwindigkeit annähert 1. immer schwerer wird (Lichtgeschwindigkeit = unendliche Masse) und 2. die Zeit im eigenen Bezugssystem immer langsamer vergeht (Lichtgeschwindigkeit = Zeitstillstand).

Insbesondere zum zweiten sollte man noch das »eigene Bezugssystem« betonen. Für Dich, der sich sehr schnell bewegt, vergeht die Zeit langsamer. Für den Außenstehenden aber nicht. Deshalb wird auch davon ausgegangen, dass wenn man sich in Überlichtgeschwindigkeit bewegt, gleichzeitig in der Zeit rückwärts bewegen würde.

Es wird aber auch vermutet, dass die Reise über der Lichtgeschwindigkeit gar nicht funktionieren würde, denn beispielsweise würde ja dann Deine Masse größer als unendlich sein (was ja nach unserer Logik nicht möglich ist).

Eine Theorie bleibt aber auch - egal wie ausgefuchst sie ist - solange eine Theorie, bis sie bewiesen wurde. Wir haben uns ja noch nicht mal annähernd mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, geschweige denn, darüber ;)

Die Verbindung beider Elemente - also die Auswirkung auf die Masse und die Zeitdilatation - ist aber meiner Meinung nach eher ein Trugschluss. Beides funktioniert in Bewegung. Aber die Zeit vergeht ja nicht langsamer, weil man schwerer ist, sondern weil man sich schnell bewegt, vergeht die Zeit langsamer und man wird schwerer.

Du kannst also nicht sagen: Der Typ da bringt 120 kg auf die Waage, für den vergeht die Zeit langsamer :D Und ich, der nur die Hälfte wiegt, rase förmlich durch die Zeit. Das wäre maximal Zeitempfinden - und selbst das ist nicht abhängig vom Gewicht.

Kommentar von Astroknoedel ,

So, dann nehmen wir das mal auseinander:

Du schreibst:

"Grundsatz ist ja, dass die Person oder der Gegenstand, je mehr er sich
in Bewegung versetzt und sich an die Lichtgeschwindigkeit annähert 1.
immer schwerer wird (Lichtgeschwindigkeit = unendliche Masse) und 2. die
Zeit im eigenen Bezugssystem immer langsamer vergeht
(Lichtgeschwindigkeit = Zeitstillstand)
."

Erstmal gibt es keine absolute "Bewegung", da Bewegung immer relativ ist. Man kann Bewegung nur in Bezug auf andere Objekte definieren, nicht zum absoluten Raum.

Dein erster Punkt ist gleich dreifach falsch, denn

1. ist die relativistische Masse (sowie Zeitdilatation und Längenkontraktion) messtechnisch bedingt. Die relativistische Masse ist aber keine Ruhemasse, die tatsächlich "schwer ist", sondern rein rechnerisch bedingt, um die klassische Impulserhaltung beizubehalten.

2. kann man diese relativistische Masse auch nur in Bezug auf verschiedene Inertialsysteme formulieren.  Drei unterschiedlich relativ zueinander bewegte Inertialsysteme werden bei den jeweils anderen beiden unterscheidliche relativistische Massen messen.

3. merkt man im eigenen Bezugssystem (da man ja sich selbst in seinem eigenen Inertialsystem immer als ruhend definieren kann) davon nichts, denn wie gesagt, ist relativistische Masse abhängig vom Inertialsystem.

Dein zweiter Punkt ist ebenfalls falsch, denn

kann man diese (scheinbare) Zeitdilatation wieder nur in Bezug auf andere Zeivintervalle bestimmen, man kann nicht verallgemeinert sagen, dass die Zeit "langsamer vergeht". Man müsste eher sagen, dass Zeitintervalle in relativ zueinander bewegten Bezugssystemen unterschiedlich gemessen werden, das heißt, sie geht nur scheinbar langsamer.

Du scheribst noch:

Insbesondere zum zweiten sollte man noch das »eigene Bezugssystem«
betonen. Für Dich, der sich sehr schnell bewegt, vergeht die Zeit
langsamer. Für den Außenstehenden aber nicht. Deshalb wird auch davon
ausgegangen, dass wenn man sich in Überlichtgeschwindigkeit bewegt,
gleichzeitig in der Zeit rückwärts bewegen würde.

Auch hier gilt wieder die "relative Bewegung". Du wirst deine Eigenzeit ganz normal wahrnehmen, aber die Zeit des Außenraums verlangsamt wahrnehmen. Jemand, der sich im Außenraum befindet, wird seine Eigenzeit ebenfalls als normal empfinden, dafür aber bei dir die Zeitdilatation messen. Man kann nicht sagen, wer von den beiden sich in Bewegung befindet, da die beiden Inertialsysteme nach dem Relativitävsprinzip gleichbeechtigt sind.

Allerdings ist der letzte Satz insofern richtig, dass die Spezielle Relativitätstheorie Lösungen enthält, die Weltlinien beschreiben, welche sich zeitlich rückwärts ausbreiten. Ein entsprechendes Elementarteilchen würde tachyon heißen.

Du schreibst noch:

Eine Theorie bleibt aber auch - egal wie ausgefuchst sie ist - solange
eine Theorie, bis sie bewiesen wurde. Wir haben uns ja noch nicht mal
annähernd mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, geschweige denn, darüber ;)

Die Spezielle Relativitätstheorie wurde schon in den verschiedensten Experimenten (siehe Maryland-Experiment) nachgewiesen.

Außerdem werden in teilchenbeschleunigern teilchen auf bis zu 0,99c beschleunigt, sodass man dort auch die Auswirkungen der Speziellen Relativitätstheorie erkennen kann.

Aber die Zeit vergeht ja nicht langsamer, weil man schwerer ist, sondern
weil man sich schnell bewegt, vergeht die Zeit langsamer und man wird schwerer.

Siehe obige Erklärung. Genau das gleiche.

Kommentar von musikuss78 ,

Schön, dass Du das auseinander genommen hast :) Nur sagst Du genau das Gleiche, was ich auszudrücken versuche - nur eben 100mal schwerer.

Ich habe es versucht, dem Fragesteller so einfach wie möglich zu erklären. Daran ist ja nix falsch, oder? ;)

Aber mal schnell zum Teilchenbeschleuniger... Klar gibt es Experimente dazu. Nur kannst Du ja schlecht die Wahrnehmung des beschleunigten Teilchens aufnehmen, oder? Denn schließlich geht es ja um die Wahrnehmung des sich bewegenden Körpers im Außenraum ;) Ergo: Theorie.

Antwort
von kinglion6200, 40

Wenn du die Zeitdilatation versetehst würde es dir das einfacher machen^^aber ja wenn man sich an einem sehr Masse reichem Objekt befindet vergeht die für einen selbst langsamer im vergleich zu Objekten außerhalb des Bereiches , wenn man jetzt von gewaltigen massen spricht würde einem sie zeit selbst normal vorkommen aber alles um einen herum schneller , wie im Zeitraffer ablaufen . Hoffe das hilft dir weiter ;-)

Kommentar von Paulpaulchen ,

zu deutsch: Objekt a ist sehr Massereich. Objekt b ist der Betrachter. würde die Zeit bei Objekt a dann langsamer vergehen aus der Sicht von Betrachter b?

Kommentar von kinglion6200 ,

Ja auf deutsch gesagt ;p

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