Frage von habeinefrage10, 68

Ist Geschichte vor allem eine Frage der Perspektive?

Hallo zusammen. Ich beschäftige mich gerade mit einem Artikel von Martin Sabrow in dem es um die Zäsur, also sozusagen die Wendepunkte in der Geschichte, geht. Es geht darum, ob Geschichte eine Frage der Perspektive ist. Ich würde gerne wissen, ob euch dazu Argumente einfallen, als zu er These.

Und auch, ob es so etwas wie die historische Wahrheit geben kann.

Antwort
von luteka, 31

Es gibt harte historische Fakten, die feststehen. Zur Wahrheit gehört jedoch noch mehr: Beweggründe, Ziele, Einflüsse, die sich nicht ganz klar festnageln lassen... es gibt die Wahrheit zwar, aber sie wird kaum je restlos ans Licht kommen.

Nach jedem Krieg wird gefragt, wer daran schuld ist. Dazu gibt es selten eine eindeutige Antwort - selbst wenn alle Fakten mit eingerechnet werden könnten, was unrealistisch ist, dann fehlen noch all diese weichen Faktoren, die man im Nachhinein unmöglich rekonstruieren kann.

Je nach Zeitalter und Nation werden dann bestimmte Fakten betont und andere ausser Acht gelassen. Während und gleich nach dem Kalten Krieg wurde in den USA die UdSSR als der Teufel persönlich dargestellt, während man heute zugibt, auch Amerika verhielt sich beispielsweise im Vietnamkrieg nicht heldenhaft. 

Einerseits braucht es eine gewisse zeitliche Distanz zum Geschehen, um es objektiver beurteilen und auch die Handlungen der eigenen Partei kritisch hinterfragen zu können. Andererseits gibt es je länger je weniger Zeitzeugen, die Details nicht nur zu Fakten, sondern auch zu Motiven usw. beisteuern können. Aus diesem Grund kann zu den meisten historischen Begebenheiten nie die ganze Wahrheit erfahren werden.

Kommentar von habeinefrage10 ,

Danke für die sehr gute Antwort! Was meinst du genau mit weiche Faktoren?

Kommentar von luteka ,

Motive/Beweggründe, Ziele, Emotionen, Informationsstand zum Zeitpunkt einer Entscheidung, Beeinflussung durch andere Personen... all diese schwammigen Details, die auch eine Rolle spielen, wie sich Geschichte entwickelt, aber die man (insbesondere im Nachhinein) nie ganz genau klären kann.

Antwort
von SoVain123, 38

Natürlich gibt es die historische Wahrheit.
In welches Licht eine Tatsache gerückt wird (Also gut oder schlecht) hängt von der Perspektive ab.

Antwort
von versus00, 23

Ja, es ist eine Frage der Perspektive. Deswegen stimmt z.B. der Satz "Wir können aus der Geschichte lernen" nur bedingt. Was wir aus der Geschichte lernen, hängt von den Schlüssen, die der Geschichtsvermittler aus ihr zieht, ab.

Das wurde bei uns im Geschichtsstudium gleich am Anfang thematisiert.

Antwort
von wolfgang11, 13

Ja.

Der 2. Weltkrieg und danach. Das gesamte deutsche Volk wurde als ein Volk von Nazis bezeichnet. Nur diejenigen nicht, die man brauchen konnte.

Ein Beispiel. Die gesamte Crew von der Entwicklung der V1 und V2 (von Braun und seine Mannschaft) wurden in die USA gebracht, wo sie die großen Helden der Raumfahrt wurden.   

Antwort
von Fontanefan, 5

Vgl. dazu Wikipedia zu Geschichtsperspektive:

 "Man kann Geschichte aus der Perspektive der Herrschenden und der Beherrschten sehen, aus der von Reich und Arm, von Einheimisch und Fremd, vom Innen einer Gruppe her oder vom Außen her, aus der Sicht der Männer oder der Frauen, der Mehrheit oder der Minderheit. Dabei kann es sehr fruchtbar sein, als heuristischen Ansatz eine einzelne Perspektive zu wählen, ein differenziertes Geschichtsbild muss aber multiperspektivisch sein."

Antwort
von hundarss, 18

Ich würde sagen :Ja.

Es ist ja bekannt, dass die Wikinger bis zum heutigen Kanada übergesiedelt sind.Trotzdem wird Kolumbus als der Entdecker Amerikas genannt.

Die Chinesen haben auch erst vor kurzen die westliche Geschichte für ihre Falschdarstellung kritisiert.Laut China waren schon mehrere hundert Jahre vor den Europäern chinesische Händler in Afrika unterwegs.Die haben dort bloß nichts erobert.

Antwort
von josef050153, 5

Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben.

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