Frage von zacefronswifey, 162

Gibt es im Buddhismus wirklich einen Himmel und eine Hölle?

Meine Mutter redet ständig davon, dass man in die Hölle kommt, wenn man quasi die 5 Grundregeln des Buddhismus nicht befolgt und wenn man viel Gutes tut, man in den Himmel kommt. Außerdem nennt sie auch einen "Gott."

Aber es ist doch so, dass es eine Wiedergeburt ist und diese quasi als "neue Chance" gilt für einen. Man wird wiedergeboren, weil man im vorigen Leben gesündet hat und man hat nun die Chance, ein sündenfreies Leben zu führen und endlich ins Nirvana zu kommen. Außerdem gibt es doch keinen Gott, sondern nur Buddha, der aber meint, dass man an keinen Gott glauben soll, weil dies nur viel mehr Leid bringen würde.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 79

Ich bin Buddhist und äußere mich mal dazu.

Meine Mutter redet ständig davon, dass man in die Hölle kommt,

Laut der Lehre des Buddhismus gibt es mehrere Daseinsbereiche, in die man hineingeboren werden kann.

  • Höllenwesen
  • Hungergeister (Preta)
  • kämpfende Dämonen (Asura)
  • Tiere
  • Menschen
  • Himmelswesen/Götter (Deva)

Diese Vorstellung wird aber eigentlich nur im Volksglauben buddhistisch geprägter Länder wirklich wörtlich genommen.

Du wirst diesen Glauben "wenn du im Leben gierig bist, wirst du als Hungergeist wiedergeboren" also eher bei Asiaten treffen, die halt so erzogen wurden, aber kein tiefergehendes Verständnis von Buddhas Lehre haben müssen.

Ich persönlich halte als Buddhist überhaupt nichts von solchen Drohungen - der Mensch soll nach Buddhas Lehre aus eigenem Willen entscheiden, welchen Weg er gehen will und nicht, weil die Mutter solche Schauergeschichten erzählt.

Viele moderne Buddhisten sehen diese "Daseinsbereiche" lediglich als Symbole für eine bestimmte Grundhaltung des Geistes an.

Hier habe ich das mal ganz anschaulich erklärt, wie ich finde

https://www.gutefrage.net/frage/wenn-es-die-wiedergeburt-wirklich-geben-sollte-w...

Jetzt weiter im Text

Man wird wiedergeboren, weil man im vorigen Leben gesündet hat

Im Buddhismus gibt es keine "Sünden" wie im Christentum, also so etwas wie Verbrechen gegen göttliche Gebote. Es gibt lediglich "Fehlverhalten".

Das klingt vielleicht nach Haarspalterei, aber ich halte diesen Unterschied für wichtig, weil sonst viele Menschen ihre christliche Vorstellung von "Sünde" auf den Buddhismus projizieren.

"Fehlverhalten" hat natürlich negative Auswirkungen, aber diese Folgen sind keine Bestrafung für eine Sünde, sondern einfach das Ergebnis der Tat.

Wenn ich mit einem Messer herumspiele und mich schneide, dann ist das keine Strafe für die "Sünde", nicht konzentriert gewesen zu sein, sondern einfach die Folge meiner Unachtsamkeit.

Der Begriff "Sünde" lässt immer den Gedanken dieses Strafenmodell aufkommen, das es im Buddhismus nicht gibt.

und man hat nun die Chance, ein sündenfreies
Leben zu führen und endlich ins Nirvana zu kommen.

Wobei das eigene Eingehen ins Nirvana nicht das Ziel aller Buddhisten ist, sondern der Mahayana-Buddhismus darauf verzichtet.

Die Wiedergeburt selbst ist ja aus buddhistischer Sicht nichts positives - vielleicht ist "Chance" da vielleicht etwas zu optimistisch formuliert.

Außerdem gibt es doch keinen Gott, sondern nur Buddha, der aber meint, dass man an keinen Gott glauben soll, weil dies nur viel mehr Leid bringen würde.

In den buddhistischen Schriften ist von Himmelswesen die Rede, die nicht nur bei der Geburt des Buddha Blüten herabregnen ließen, sondern auch bei seinen Lehrreden zugehört haben sollen.

Rational gesehen sind diese Götter natürlich nichts anderes, als die Übernahme von ein paar nicht-buddhistischen Glaubensvorstellungen, um den Menschen damals den Buddhismus schmackhafter zu machen.


Symbolisch stehen diese "Götter" für Angst und Neid, da sie ständig fürchten müssen, ihren hohen Status zu verlieren. Außerdem neiden diese Götter sich einander ihre Macht.

Buddha sagte, es gäbe Fragen, über die nachzusinnen nutzlos wäre und sogar zum Wahnsinn führen könnten, weil sie ohnehin nicht zu beantworten sind - darunter auch die Frage nach dem Leben nach dem Tod, der Schöpfung usw.

Er lehnte also die Existenz Gottes nicht ab - allerdings widerspricht die Vorstellung eines allmächtigen, ewigen Wesens grundlegenden Lehren des Buddhismus.

Man kann diese "Devas" einfach als kulturelles Beiwerk verstehen, oder aber, wie in meinem Link beschrieben, als Symbol für eine bestimmte geistige Grundverfassung.

Fazit:

Wenn deine Mutter an einen allmächtigen Gott glaubt und meint, ihre Kinder mit Erzählungen über negative Karma-Folgen und schmerzvolle Wiedergeburten erziehen zu müssen, dann hat sie - bei allem gebührenden Respekt - Buddhas Lehre meiner Meinung nach nicht verstanden.

Antwort
von cyracus, 31

Es gibt viele Glaubenssysteme, in denen warnend etwas über die "Hölle" verbreitet wird. Absicht ist damit, die Menschen davon abzuhalten, in irgendeiner Weise schädigend (in Worten und Taten) zu handeln und zu wirken. - Naja, und einige Glaubenssysteme haben ganz eigene Regeln, in denen behauptet wird: Wenn gegen die von diesem Glaubenssystem aufgestellte Regeln verstoßen wird, ereilt einem auch derartig übles (das ist oft so bei Sekten, in denen der Sektenführer über seine "Anhänger" macht ausüben will - dazu zähle ich aber nicht den Buddhismus).

Für viele mag es hilfreich sein, solch Denk- und Handlungsvorgaben zu haben. Wenn solche Regeln und Vorgaben aber vordergründig dazu dienen, Menschen zu ängstigen und in ihrem (gesunden) freien Willen zu beschränken, finde ich das schon mehr als fragwürdig.

Wir sind hier in einer Art Schule, in der wir lernen, die vollumfängliche (= überpersönliche) Liebe zu leben. Dazu gibt es ein sehr schönes universelles Gesetz:

Du darfst alles tun
nur nicht
jemanden verletzen
weder andere noch dich selbst.

Nach diesem Gesetz zu leben klingt erstmal babyleicht. Folgt man dem aber, merkt man schnell, dass es sich um eine Meisterschaft handelt.

So wie wir im Laufe unseres Lebens lernen, wie das menschliche Zusammenleben gut "funktioniert" oder funktionieren soll zum besten aller Beteiligten, so lernen wir auch von Leben zu Leben. - Insoweit hast Du recht mit Deinem Gedanken, dass wir mit jedem neuen Leben auch eine neue Chance haben.

Ich gehöre zu denjenigen, die sich an frühere Leben erinnern. - Lies dazu meine ausführliche Antwort an Fentyfenty auf die Frage

Warum können sich nur so wenige Leute an ihr damaliges Leben erinnern?

https://www.gutefrage.net/frage/warum-koennen-sich-nur-so-wenige-leute-an-ihr-da...

Möglicherweise hilft es Deiner Mutter, an "Hölle" zu glauben, vielleicht gibt ihr dieses "Glaubensgerüst" Sicherheit. - Weil es ja Deine Mutter ist, ist es vielleicht nicht ganz leicht, dies mit etwas Abstand zu betrachten. Bestenfalls gelingt es Dir, dass Du Deiner Mutter ihren Glauben lassen kannst und Dich selbst davon insoweit frei machst, dass Du Dich nicht ängstigen lässt.

Wenn wir in einer Inkarnation Übles getan haben, ist es ja wichtig, dass wir auf Seelenebene daraus lernen. Erst einmal erkennen wir nach unserem "Tod" mit großer Klarheit, was wir da getan haben, was uns seelisch schmerzt. Das könnte man als "Hölle" bezeichnen. - Um auf Seelenebene zu lernen, wie es sich für das Opfer anfühlt bei dem, was wir getan hatten, erwählen wir uns für eine der nächsten Inkarnationen, eine ähnliche Situation oder ähnliche Situationen als Opfer zu erleben. Auch das kann man als "Hölle" bezeichnen.

So ist meine Überzeugung und auch meine Erfahrung.

Zum Begriff "Gott": Ich verstehe es so, dass es offenbar eine große
Intelligenz gibt, die das ganze Universum mit all den Lebewesen darin
"managt". Manche nennen diese große Intelligenz "Gott", "Allah", "Großer
Geist", und in verschiedenen Ländern gibt es in deren Sprache
verschiedene Begriffe dafür, und je nach Sozialisation / Kultur / Glaubensrichtung füllt man diesen Begriff mit Wissen, Vorstellung oder Glauben oder lehnt das ab. Auch das Ablehnen ist ja eine Art glauben. - Dann gibt es Menschen, die "glauben" an die Natur in einer Art, wie es viele mit "Gott" meinen.

Und alles das ist richtig und gut, solange das von mir genannte universelle Gesetz erfüllt oder angestrebt wird.

Klickst Du Dich in meine Antwort an Fentyfenty, findest Du einen Hinweis auf das Buch von Michael Newton mit dem Titel

Die Abenteuer der Seele

Dazu kannst Du auf Amazon auch Kundenrezensionen lesen. Mit gefällt das Buch als Erklärungsmuster für unser Dasein und unsere Seelenreise sehr gut und empfinde es als hilfreich.

‹(•‿•)›

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Kommentar von cyracus ,

Aah - ergänzend: Wenn wir anderen Gutes getan haben, erfahren wir in den nächsten Inkarnationen ebenfalls, wie es sich anfühlt, wenn einem in der Art Gutes getan wird. - Aus all dem lernen wir auf Seelenebene viel über uns, über Menschen insgesamt und über das Leben überhaupt.

Es ist vergleichbar mit einer Art Positiv-Negativ-Konto, und das wird auch Karma genannt.

Antwort
von Maimaier, 41

Was du meinst ist Karma. Wenn jemand ein gutes Leben führt, bewirkt er gutes, was auch nach dem Tod weitergeht. Die Verbrechen oder gute Taten wirken ja auf andere Lebewesen, die dann wieder zurückwirken usw. (Ökosystem, Nahrungskreislauf, Gewaltspirale usw.). Aus einem Grashalm auf dem Komposthaufen wird ja auch wieder neues Leben. Genauso würdest du nicht existieren, hätte es nicht vor tausend Jahren schon Menschen, Bäume usw. gegeben. Jedes Molekül, aus dem du bestehst, hat schon früher gelebt, und wird noch viel öfter leben.

Und die Taten der früheren Generationen wirken heute noch. z.B. 2. Weltkrieg.

Und Buddha meinte bestimmt nicht, man solle nicht an Gott glauben, weil das Leid verursachen würde. Leid wird durch das "Anhaften" erzeugt. Das ist die Vorstellung das Du z.B. nur etwas bist wenn du reich bist. Oder klug/berühmt/mächtig usw. Anstatt zu erkennen das dein Leben mit allen anderen verbunden ist, wechselwirken, erst dadurch Sinn ergeben. Und eben nicht ein Paar Nullen mehr auf dem Bankkonto.

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