Frage von joschybuschy, 109

Frühstudium obwohl ich noch nicht ganz in der Oberstufe bin. Gibt es hier Leute mit Erfahrung?

Hi,

ich bin momentan in der 9. Klasse eines Gymnasiums. Da ich in Bio ziemlich gut bin, nehme ich am Drehtür-Modell teil. D.h. ich habe Biologie in der 11. Klasse. ein Biolehrer meinte neulich schon, dass ich selbst für die 11. Klasse einen hohen Vorsprung habe. Er erzählte mir von einer Schülerin, die mal ein Frühstudium begonnen hat. Also an der Uni ein Studium neben der Schule laufen hatte. Ich sollte mich mal darüber informieren und das doch eventuell auch machen.

Das Problem ist jetzt, dass die Teilnehmer in der Oberstufe sein sollten und mindestens 15 Jahre alt sein sollten. Ich bin offiziell ja noch keins von beidem. Mein Lehrer meinte dann, dass ich dort einfach mal eine Mail hinschreiben sollte und meine Lage schildern sollte.

Ich hasse so etwas total. Ich hasse es, wenn ich Leuten erklären muss, dass ich jünger bin als es eigentlich scheint und dass ich mehr kann, als ich eigentlich sollte. Ich habe immer irgendwie so eine Sonderrolle.

Mein Lehrer meinte auch, dass ich zwar in der Schule auch diese Sonderrolle habe, weil dort viel weniger Menschen sind. Diese Programme sind ja für "besondere Menschen". Daher die Frage hat hier jemand schon ein Frühstudium gemacht und weiß, wie alt so die meisten Menschen sind, die das machen

Antwort
von CharlieLoveU, 54

Hallo,

Ich habe selber mal an so einem Projekt teilgenommen, allerdings nur zwei Semester lang. Ich war da in der 10. und bereits 15. An meiner Schule gab es aber auch zwei Schüler, die bereits in der 8. beziehungsweise in der 9. Klasse waren. 

Wie alt die anderen Schülerstudenten so sind, kann ich dir aber leider nicht sagen, da ich in meinen Veranstaltungen die einzige war. Allerdings hatte ich nie Probleme irgendwie Kontakte zu knüpfen, sondern relativ bald in jeder Veranstaltung jemanden, der mir Material und sowas geschickt hat, weil ich keinen Zugriff auf die e-learning Plattform hatte. Tatsächlich ist den meisten Studenten nicht einmal bewusst gewesen, dass ich keine reguläre Studentin bin, wie sich in Gesprächen immer wieder gezeigt hat. Und solange das niemandem bewusst auffällt, merkt man auch kaum, dass man eine Sonderrolle hat - zumindest nicht, wenn man nicht gerade seine Matrikelnummer angeben muss, die man nicht hat oder eben der Zugriff auf irgendwelche Materialen fehlt.

Gerne kannst du mir eine Freundschaftsanfrage schicken und ich dir per Privatnachricht noch genaueres erzählen, weil das jetzt hier zu weit führt und ich auch nicht unbedingt weiß, was genau dich interessiert. 

Wenn du Lust auf ein Frühstudium hast, dann mach es. Egal wie lange du das durchziehst, es ist auf jeden Fall eine gute Erfahrung und sei es nur, um einen Studiengang für sich auszuschließen oder um einfach noch was anderes zu machen, als immer in die Schule zu gehen. Wenn du allerdings keine Lust drauf hast, dann lass dich da nicht zu zwingen oder drängen, denn das bringt absolut nichts.

Liebe Grüße, 

CharlieLoveU

Antwort
von Ramteit, 40

Zunächst einmal mein Kompliment für deine Bescheidenheit! Und mein Verständnis dafür, dass Du Dich nicht zu etwas drängen lassen möchtest, was Du nicht willst, sondern dass Du gerne auch mal "chillen" möchtest.

Nun zu Deiner Frage: ich war seinerzeit daran beteiligt, in NRW für Schülerinnen und Schüler (in der Regel Oberstufenschüler), die eine besondere Begabung für Musik ( ein besonderes Instrument) oder auch für Mathematik hatten, die Möglichkeit zu eröffnen, bereits während ihrer Schulzeit die Hochschule zu besuchen, um mit dem Studium ihres "Spezialgebiets" zu beginnen. Alle Rückmeldungen, die wir seitens der Schulen wie auch der Hochschulen erhalten haben, waren positiv! Voraussetzung war allerdings, dass ein auf die jeweiligen Schüler/-innen zugeschnittenes Konzept entwickelt wurde, denn da die Hochschule ja nicht auf dem Gelände der jeweiligen Schule liegt, die Teilnahme an den Hochschulveranstaltungen also mehr Zeit beansprucht als 2 oder 4 Unterrichtsstunden in Biologie, wurden auch andere Unterrichtsfächer tangiert usw.usw.

Mein Vorschlag: lass Dir Zeit und sammle weiter Informationen. Nimm auch das Kontaktangebot von CharlieLoveU an. Frage bei der in Betracht kommenden Uni nach deren Erfahrungen usw. Da ich sicher bin, dass Deine Begabung / deine Intelligenz sich nicht auf ein einziges Fachgebiet beschränkt, wirst  Du die richtige Entscheidung treffen  - und sei es auch erst für die Zeit in der gymnasialen Oberstufe.

Viel Glück und viel Erfolg!

Antwort
von mathe4ever, 22

Hallo du :)

Ich habe auch so ein Schülerstudium angefangen. Wenn du bereits sehr viele Kenntnisse in Biologie hast, ist das sicher das richtige für dich.

Ich weiß nicht, wo du lebst, aber bei mir ist es so, dass sich das Angebot des Schülerstudiums an Schüler ab der 10. richtet und damit alle Schüler jeden Alters, obwohl das Angebot auch als "Studieren ab 16" bezeichnet wird, da die meisten in der 10. ja 16 sind. Ich war damals erst 11, als mir das vorgeschlagen wurde, also auch deutlich unter 16 Jahren.

Ich habe damals mit Chemie angefangen und nur ein Modul gehört. Ein Vollzeitstudium neben der Schule geht natürlich nicht. 

Allerdings habe ich damit recht schnell wieder aufgehört. Der Hauptgrund war bei mir der mangelnde Ehrgeiz.

Du musst damit rechnen, dass du nicht mehr vollständig in der Schule anwesend sein kannst, weshalb dieses Angebot nur Schülern erlaubt wird, bei denen die Schule der Meinung ist, dass sie durch das Schülerstudium nicht in der Schule abfallen.

Bei mir war es so, dass ich eigentlich nur an einem Tag in der Woche eine Stunde hätte früher gehen müssen. Das war mir natürlich auch gestattet, aber ich selbst wollte das nicht, da ich eh bereits eine Sonderrolle in meiner Klasse hatte. Ich wollte niemandem erklären, warum ich dann auch noch einmal die Woche früher gehe. Das hätte meinen Beliebtheitsgrad sicher nicht gesteigert.

So im Nachhinein hätte ich darauf eigentlich pfeifen können, da mich eh niemand in meiner Klasse wirklich mochte, aber als das aktuell war, hat mich das sehr belastet.

Also bin ich die letzte Stunde immer noch in der Schule geblieben und so jedes Mal 20 Minuten zu spät zur Vorlesung gekommen. Ich war zwar sehr gut in Chemie und auch deutlich über dem Niveau der 10. Klasse allerdings fehlte mir einfach das Grundwissen aus der Oberstufe. Es wurde in meinem Modul im Schnelldurchlauf fast alles Oberstufenwissen in 4 Wochen nochmal durchgenommen. 

Hier kam dann mein mangelnder Ehrgeiz ins Spiel. Eigentlich hätte ich mich deutlich mehr mit dem Stoff auseinandersetzen können, mir Oberstufenbücher in der Schulbibliothek ausleihen usw. und ich denke ich wäre dann sehr gut mitgekommen. 

Mir war das Schülerstudium aber nicht wichtig genug und so habe ich es dann nach ungefähr 1,5 Monaten wieder aufgegeben.

Bevor ich das Schülerstudium angefangen habe, habe ich aber mit meinen Eltern Beratungsgespräche in der Uni gehabt. Bei uns in der Uni gab es dafür eine sehr nette Ansprechpartnerin. Außerdem gab es Einführungsveranstaltungen für die Schülerstudenten. Dort wurden eine Menge Informationen ausgegeben und einige noch aktuelle Schülerstudenten und auch solche die inzwischen schon normal studierten haben sich vorgestellt und über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichtet. 

Frag doch mal nach ob es sowas an der Uni an die du gehen würdest auch gibt.

Du klingst, als würdest du so ein Schülerstudium wirklich gern machen und du scheinst ja auch schon mit dem Oberstufenstoff recht vertraut zu sein. Wenn du dann noch ein wenig Fleiß und Ehrgeiz mitbringst und dir deine Lehrer und deine Uni keine zusätzlichen Steine in den Weg legen wirst du das sicher schaffen. :)

Für mich war es auf jeden Fall eine gute Erfahrung. Und die wird es, wenn du das machst, egal ob erfolgreich oder nicht für dich sicher auch.

LG 

mathe4ever

PS: An meiner Uni war/ist es auch so, dass die Schülerstudenten alle Prüfungen so oft wiederholen dürfen wie sie wollen, während normale Studenten in der Regel für Modulprüfungen 2-3 Versuche zur Verfügung haben. 

Antwort
von Kuhlmann26, 40

Wir haben ein merkwürdiges Schulsystem. Das Normale ist der Durchschnitt und alle die davon abweichen, bekommen ein Sonderrolle und werden in eine Schublade gesteckt, entweder die der Hochbegabung oder die der Versager.

Du musst versuchen, bei diesem Spiel nicht mitzuspielen. Auch wenn der Lehrer es gut meint, ist er einfach nur hilflos. Die Strukturen in der Schule erlauben ihm einfach keinen "normalen" Umgang mit den unterschiedlichen Talenten. Unterschiedlichkeit ist ein Störfaktor; man hat sich die Vergleichbarkeit auf die Fahnen geschrieben, weil man damit die Konkurrenz fördern kann.

In Russland, auf der Krim gibt es eine Schule, da rennen Studenten rum, die sind 11. In Worten: ELF! Nicht wenige eigenen sich den Schulstoff, den andere in 10 oder 11 Jahren lernen, innerhalb eines Jahres an. Manche brauchen zwei Jahre, Wenige vier. Und der größte Witz ist, es gibt keine staatlich geprüften Lehrer. Die Schüler sind ihre eigenen Lehrer. Da wärest Du einer von vielen und somit nichts Besonderes.

Wenn Du nach Schitinin Schule googelst, wirst Du fündig. Auf YouTube gibt es ein Video mit deutschen Untertiteln. Die sind zwar voller Rechtschreibfehler, aber nur deshalb, weil sie von einem Russen stammen; dennoch ist alles verständlich. Es gibt auch englischsprachige Berichte über die Schule.

Lass Dich nicht zu etwas drängen, was Du eigentlich gar nicht willst. Es ist natürlich traurig, dass Deine Talente verkümmern, trotzdem solltest Du nur Dinge tun, die Du selber willst und nicht die Erwartungen anderer Leute erfüllen.

Gruß Matti 

Antwort
von LittleLolly96, 60

Nein ich habe kein Frühstudium gemacht, aber ich studiere Pädagogik und beschäftige mich dabei gerade mit einer Studie über hochbegabte Kinder, die schon früh ein Studium begonnen haben.

Die Ergebnisse der Studie waren wie folgt: Die Jugendlichen haben sich trotz ihres sehr jungen Alters perfekt eingefügt und teilweise sogar an der Universität noch Semester übersprungen. Jugendliche dagegen, die ihre Begabung ignorierten und die nicht entsprechend gefördert wurden, litten später u.a. an Depressionen, konnten keine Beziehungen mehr aufbauen und hatten kein Vertrauen mehr in ihre persönlichen Fähigkeiten.

Das heißt nicht, dass du Depressionen bekommst, wenn du die Möglichkeiten nicht wahrnimmst, allerdings glaube ich nicht, dass es dir schaden würde. Manchmal muss man eben einfach über seinen Schatten springen und tun, was man für das beste hält. 

Kommentar von joschybuschy ,

ich weiß ja gar nicht, ob ich das wirklich machen will. Der Gedanke kam ja eher von meinem Lehrer... das selbe bei dem Unterricht in der 11.. Wir haben mal das Thema Langeweile angesprochen und dann kam das gleich und irgendwie wurde ich da total reingedrängt. Also ich finde das gut, weil mir das ja auch Spaß macht, aber ich habe oft das Gefühl, dass ich nur wegen meinem IQ mehr machen MUSS als andere. Wieso darf ich nicht auch mal chillen oder so?

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