Es gibt eine alte Geschichte, nach der die Menschen früher vier Beine und vier Arme und beide Geschlechter hatten, aber leider aus dem Himmel gefallen sind und in zwei Teile zerbrachen. Und nun suchen sie nach ihrem jeweiligen Gegenstück, mit dem sie möglichst gut zusammen passen.

Da gibt es aber meist Ecken und Kanten, an denen man feilen müsste.

Das soll man auch, aber immer nur an seinen eigenen Kanten.

Eine nette Geschichte, deren Sinn vor allem darin besteht, den anderen so sein zu lassen, wie er ist. Nur er (oder sie) sollte an sich arbeiten und feilen.

Mir scheint, dass zu viele versuchen, an Dir zu feilen, und instinktiv lehnst Du das ab.

Recht hast Du damit.

Du solltest Dir keine Hilfe holen, Dich anderen anzupassen, sondern wie Du trotz vieler fremder Erwartungen Du selber sein kannst.

In vielen kirchlichen Einrichtungen der Diakonie oder der Caritas gibt es "Lebens- und Erziehungsberatungsstellen". Musst Du mal googlen.

Diese Beratungsstellen sind meines Wissens staatlich refinanziert, kosten Dich also erst mal nichts. Du musst auch kein Christ sein oder werden, um Dich an eine solche Stelle wenden zu können.

Dort findest Du Menschen, die sich qualifiziert mit Dir auseinander setzen und mit denen Du drüber sprechen kannst, was in Deiner Situation das Beste für Dich ist.

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Das sind sinnlose Spekulationen.

Gott ist Gott.
Der Barmherzige, wenn mich nicht alles täuscht.

Lass ihn einfach machen.

Und wenn es so weit ist, werden wir eine Antwort bekommen. Vielleicht.
Vorher ist es absolut müßig, drüber nachzudenken.

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Das, was Du da hinterfragst, ist nicht Dein Geschlecht, sondern Deine Rollenerwartung, also das, was mit dem Begriff Gender gemeint ist.

Sei einfach Du. Es gibt keine Schublade, in die Du reinpasst, also suche Dir bitte auch keine. Sie würde nur klemmen. Du hast unendliche Möglichkeiten. So viele, dass Du nur einen Bruchteil davon realisieren kannst. Lass Dir bitte von niemandem vorschreiben, welchen. Finde es für Dich selbst heraus.

Viel Glück

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Ich weiß immer noch nicht, wie ich mich "als Junge" oder inzwischen "als Mann" zu fühlen habe.

Am wichtigsten ist - finde ich - zu mir zu stehen, wie ich bin, mit allen meinen Ecken und Kanten. Zu meinen Gefühlen.
Und zu lernen, dass die Schubladen, in die mich irgendwer stecken will, mir am berühmten Ar..h vorbei gehen.

Das heißt: Ich habe z.B.meinen Kleiderstil. Wenn es die Situation erfordert, mit Hemd und Krawatte, aber ansonsten so, wie ich mich wohlfühle.

Ich möchte ich sein und nicht das Zerrbild irgendwelcher Klischees.

Wenn ich nicht zu mir stehe: Wer sollte es denn sonst tun?

Und wie sollten andere zu mir stehen, wenn ich ihnen gegenüber immer als jemand ganz anderes auftrete?

Solange Du nicht tief in Dir drin den Wunsch hast, eben ganz klar einen männlichen Körper zu haben, hast Du m.E. mit Transgender nichts zu tun.

So wie ich Dich verstehe, bist Du mit Deinem weiblichen, etwas maskuliner ausgeprägten Körper völlig zufrieden. Das ist doch ok.

Du bist 14 und versuchst, eine Rolle zu erfüllen/zu finden.

Spontan würde ich fragen: Was würde sich ändern, wenn Du nicht nach einer Rolle suchst, sondern nach Dir selbst?

Was würde sich ändern, wenn Du nicht Instagram-Videos zum Maßstab nimmst, sondern nur Dich selbst, Deine Gefühle, Deine Wünsche, Deine Träume?

Du bist noch jung. Und Leben bedeutet, bis an sein Lebensende zu sich zu finden und sich zu verändern.
Schau einfach, wo Menschen sind, bei denen Du Dich wohl fühlst. Beziehungen und Freundschaften sind wichtig (Bettgeschichten weniger). Aber es müssen Beziehungen sein, die Du willst und die Dir gut tun, und keine, die Du nur eingehst, um einem oder einer zu gefallen und Dir sein oder ihr Wohlwollen zu erkaufen.

Und dann wirst Du herausfinden, wer Du bist. Nimm Dir Zeit dafür, mindestens bis 18, aber es kann auch länger dauern.

Dich gibt es ganz konkret. Und hinter einer diversen Welt zu stehen und dafür einzutreten, das ist das eine. Aber sich den Schubladen unterzuordnen, das ist das andere - davon würde ich eher abraten. Du bis Du - und nicht ein Stempel auf einer Schublade, in die Du Dich steckst oder andere Dich stecken.

Wenn Du damit ein tieferes Problem ist, würde ich Dir den vertrauensvollen Besuch bei einem Kinderarzt / einer Kinderärztin empfehlen und unter deren Schweigepflicht darüber sprechen. Die kennen Dich möglichweise schon etwas länger, die wissen auch, welche Hilfen sie Dir empfehlen und können, und sie können eine Art Schaltzentrale sein, zwischen den Hilfen, die Dir unsere Gesundheitssystem freundlicherweise bereit hält (Psychologie, Psychotherapie), damit Du Deinen Weg findest und damit glücklich werden kannst.

Und da würde ich sagen: Immer erst die "Diagnostik" und erst dann auf die "Nebenwirkungen" von "Therapien" schauen - als sich von möglichen Nebenwirkungen verrückt machen lassen, die zu Hilfen gehören, die für Dich gar nicht infrage kommen. Einen Schritt nach dem anderen.

Und immer Du selber bleiben.

Dir alles Gute!

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Das zuständige Friedhofsamt anrufen.

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Die Fragestellung führt auf völlig falsche Fährten.

Wissenschaft ist die systematische Neugier, zu erklären, wie die Welt funktioniert. Dabei kommt Gott nicht vor und kann Gott nicht vorkommen, denn man will ja verstehen, wie etwas funktioniert. "Gott macht es so", ist gerade keine Erklärung, sondern die Verweigerung einer Erklärung.

Wichtig ist: Gott ist Gott. Wer ihn zum Bestandteil einer wissenschaftlichen Erklärung macht, behauptet damit, Gott wissenschaftlich analysieren und manipulieren zu können. Das wäre Gotteslästerung. Leider machen sich das viele fromme Menschen nicht klar und verlangen so von der Wissenschaft etwas, was sie gar nicht leisten kann, und was Gott gegenüber gotteslästerlich wäre.

Was den Koran betrifft: Dass im Koran Dinge erzählt werden, die auch in der Wissenschaft beschrieben werden, bedeutet nicht, dass Wissenschaft im Koran wäre.

Steht im Koran was über Eiszelle und Spermium? Steht da was, wie sich bei der Vereinigung der beiden die halbierten Chromosomen wieder zu einem ganzen neuen ergänzen? Steht etwas, wie sich die Zellen teilen? Wie irgendwann Hormone produziert werden, die zu einem geschlechtlich unterschiedlichen Körper führen? Steht was darüber drin, was passiert, wenn jemand die Hormone nicht verwerten kann und chromosomal männlich ist, sich vom Aussehen dennoch weiblich entwickelt und im Extremfall ganz normal beides ist?

Steht im Koran etwas darüber drin, dass bei bis zu 40 % der Schwangerschaften der kleine Embryo vor dem Erreichen der 12. Schwangerschaftswoche abstirbt?
Was genau soll daran wissenschaftlich sein, wenn Schwangerschaften in einer Koransure enthalten sind?

Es ist das Grundprinzip von Naturwissenschaft, dass sie über Gott keine Aussagen machen kann und darf.

Sobald ein gläubiger Mensch (egal welcher Religion) von einer Naturwissenschaft genau das verlangt, vergewaltigt er die Naturwissenschaft ebenso wie den Glauben seiner eigenen Religion.

Der Sinn meines letzten Satzes ist leider sehr vielen Menschen nicht bewusst.

Und darum gibt es eine Menge Widerstand, wenn religiöse Menschen von der Wissenschaft etwas verlangen, was diese nicht leisten kann.

Und mit Deiner Frage trägst Du zu genau diesem Widerstand bei.

Das heißt, Du förderst genau das, was Du beklagst.

Lebe fröhlich Deinen Glauben. Und lass die Wissenschaft ihren Job machen.

Dann wird Dich auch die Wissenschaft fröhlich glauben lassen.

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Jeder Mensch trauert anders.

Du trauerst genau so, wie Du trauerst. Und das ist gut so.

Du hast genau Deine Beziehung zur Oma und Dein Bruder hat genau seine Beziehung zur Oma, und jeder trauert so, wie es seiner Beziehung zur Oma enspricht.

Jetzt kann man die Trauer vergleichen und auf die Wahnsinnsidee kommen, die Trauer zu bewerten und und vom anderen eine bestimmte Art des Trauerns zu fordern.

Oder man kann sich die unterschiedliche Art des Trauerns zu nutze machen.

Dein Bruder darf ruhig ein wenig "durch den Wind" sein und sich drauf verlassen, dass Du es gerade nicht bist und auf diese Weise ein wenig auf ihn achten kannst.

Wenn Ihr beide gleichermaßen durch den Wind wäret, hättet Ihr doch ein echtes Problem. :-)

Trotzdem ein bis zwei Lieblingsgedanken:

Man kann Tränen als Kontrollverlust auffassen, hassen und versuchen, sie deswegen zu unterdrücken. Oder man kann sich sagen: Jede Träne verbindet mich auch über den Tod mit der besten Oma der Welt. Ich weine sie für meine Oma und das ist gut so.
Und so bekommen die Tränen einen ganz eigenen positiven Wert. Vielleicht hilft dieser Gedanke beim Trauern.

Und das andere: Wenn man jemanden vergisst, ist auch sofort die Trauer zu Ende. Die Oma will man aber nicht vergessen. Wünscht man sich trotzdem, dass die Trauer weg soll, zwingt man sich selber in eine Falle, aus der es kein Entrinnen gibt. Dagen hilft nur: Die eigene Trauer einfach so wahrzunehmen und anzunehmen, wie sie gerade ist.

Dir alles Gute!

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Wenn Du spielst, dann spiele bewusst und genieße es.
Und stell Dir eine Uhr, wann Du was anderes machen möchtest.

Und darauf freue Dich - und mach es!

Ich merke es selber: Wenn ich im Beruf genügend eingespannt bin, fallen einige sehr zeitintensive Dinge, die mit Computer und Internet zu tun haben, einfach hinten runter und ich staune, wie lange ich ohne ausgekommen bin.

Von daher würde ich von dem Vorhaben abraten, mit Spielen aufhören zu wollen.

Und ich würde raten: Was würdest Du alternativ gerne tun?

Wenn Du das weißt: Setz Dir einen Termin, verabrede Dich dazu und mach es einfach.

Und Du wirst merken: Das Videospielen wird ganz von alleine weniger.

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Wenn jemand Macht ausüben will, wenn jemand auf andere Menschen herabschauen möchte, dann ist ihm oder ihr fast jedes Mittel recht.

Und Gott und Religion sind leider recht effektive Mittel, sowohl um für Mitmenschlichkeit und Gleichberechtigung einzutreten, aber eben auch um im Gegenteil Macht auszuüben.

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Wenn ich das richtig in der Erinnerung habe, ist nicht mal die Mathematik unumstößlich, sondern hängt davon ab, welche Axiome man zu Beweiszwecken akzeptiert oder nicht.

Auch wenn es hier anders gesagt wurde: Mathematik ist keine Naturwissenschaft.
In der Natur gibt es keine Punkte oder Geraden, sondern immer nur gewisse Annäherungen. Mathematik ist reine Phantasie.

Und in dieser Phantasiewelt einigt man sich auf klar umrissene Axiome und schaut, was sich daraus alles ableiten lässt.

Und weil in dieser Phantasiewelt exakt gearbetet werden kann, gibt es auch exakte Ergebnisse.

Diese Phantasiewelt ist sehr gut geeignet, Modelle für unsere "Realität" zu entwickeln und sie zu beschreiben. Aber in der Realität können wir immer nur im Rahmen der jeweiligen Messgenauigkeit arbeiten, und was feiner ist als diese Messgenauigkeit, können wir nicht erfassen. Schon allein darum warten in der Realität immer wieder Überraschungen auf uns und alle Erkenntnis bleibt immer nur vorläufig. Manche Erkenntnisse sind nun schon so lange unverändert, dass sie irgendwie als "bewiesen" gelten. Aber auch da kann sich durch Veränderung des Messbereiches irgendwann eine völlig neue Erkenntnis auftun. So ist das Leben.

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Ob das viele Frauen attraktiv finden oder nicht, ist doch egal. Du schaffst sie sowieso nicht alle.

Wichtig ist doch, ob Du eine Frau findest, die Dich so nimmt, wie Du bist.
Die anderen können Dir doch den Bucken runter rutschen - und würden Dich nur unglücklich machen.

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Eine der biblisch-jüdischen Antworten ist:

"Der ganze Mensch ist eine Seele."
Wobei das ganze mit der Atmung, dem Geist zusammenhängt

Das ist eine Gegenposition zu einer eher griechischen:

"Die Seele ist das Eigentliche und sie ist in den Leib eingesperrt."

Ich persönlich würde niemandem glauben, der behauptet zu wissen, was mit der Seele genau nach dem Tod passiert.

Muss man das wissen? Was würde das ändern?
Und kann man sicher sein, dass es genau so ist, wie man meint, es glauben zu müssen?

Wenn man sich klar macht, dass es allenfalls um eine Bildersprache gibt, in der sich eine Hoffnung auf das "danach" ausdrückt, dann scheint mir das völlig ausreichend. Mehr als die Bilder haben wir nicht.

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Bitte rufe bei der Telefonseelsorge an.

Ich glaube, da ist so viel zu besprechen...

"Ehebruch begangen": Das hört sich merkwürdig an.

Könntest Du das auch anders beschreiben?

Z.B., dass Du Zärtlichkeit vermisst und brauchst und in der Begegnung mit einem anderen Menschen bekommen hast?

Warum bekommst Du diese Nähe nicht in Deiner eigenen Beziehung?

Du bist wichtig und wertvoll! Vergiss dies bitte nicht!

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Angst ist in dieser Hinsicht ein schlechter Ratgeber.

Begegne einfach jedem Menschen so, wie Du selber Dir wünschst, behandelt zu werden: Mit Respekt.

Dann werdet Ihr bei einem Fettnäpfchen gemeinsam drüber lachen können.

Manche Menschen haben keine Lust, andere respektvoll zu behandeln und wollen nur pro forma und speichelleckerisch keinen Anhalt zur Kritik bieten...

Noch schlimmer sind Menschen, denen die anderen eh egal sind und das auch raushängen lassen.

Wenn man Dir Deinen Respekt abspürt, wird man Dir nicht böse sein, zumal unsere Sprache in sich die Fettnäpfchen in einer Weise trägt, die man nie ganz vermeiden kann.

Martin Luther formulierte wegen solcher Zusammenhänge mal sein "Südige tapfer".

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Der Begriff der "Antithesen" stammt noch aus einer Zeit, als Christen sich als die Krönung der religiösen Evolution empfanden und der Meinung waren, deswegen alle anderen Religionen abwerten zu müssen.
Dass das Judentum die Mutterreligion ist und Jesus sich mit seinen Äußerungen völlig im Rahmen der jüdischen Diskussionskultur bewegte, kam den Christen schlicht nicht in den Sinn.
Es ist auch in der jüdisch-talmudischen Tradition völlig selbstverständlich, dass die unterschiedlichen Meinungen der Rabbinen zitiert werden und dass der Refernt dann seine eigene Meinung beisteuerte: "Ich aber sage Folgendes dazu: ..."
Weil es aber doch der Gottessohn war, der so sprach, hat man ihm angedichtet, dass _sein_ "Ich aber sage euch" die gewissermaßen absolute Überbietung alles vorher Gesagten sein müsse.
Was leider zu viel Antisemitismus und Judenfeindschaft geführt hat.
Wichtig wäre dabei auch die Beobachtung, dass Jesus ganz offensichtlich auch mal gerne zugespitzt und grotesk übertreiben hat, um wachzurütteln.
Um so bescheuerter, wenn die heute nicht so wahrgenommen sondern wortwörtlich interpretiert wird.
Übrigens: Wenn gesagt wird, man solle den anderen Backen auch hinhalten, ist damit nicht verboten, schneller zu sein, wenn der andere es ausnutzt und zuschlägt. Er sollte halt die Gelegenheit bekommen, auch auf den nächsten Schlag zu versichten. Wer diese Gelegenheit nicht nutzt, soll umgekehrt nicht ermuntert werden, sinnlos weiter zuzuschlagen.
Aber das ist ein anderes Thema.

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Sorry, aber manche der Antworten bisher wären m.E. besser unterblieben.
Richtig, dass es für manche Tumorarten Richtwerte gibt, wie lange man damit leben kann. Im Einzelfall kann das ganz anders aussehen, länger und auch kürzer.

Für den Opa wäre mir wichtig, dass er Kontakt zu einem "Spezailisierten ambulanten Palliativdienst" aufnimmt, damit er seine letzten Tage auf eine möglichst gute Weise leben kann.

Jetzt zu Deinen Tränen: Ja, Tränen gelten heutzutage leider immer noch als peinlich und als "weiblich". Lass Dich davon nicht abhalten.

Alle Gefühle, die Du hast, sind Deine persönlichen ganz männlichen Gefühle.
Und das ist gut so.

Vielleicht hilft Dir der folgende Gedanke: Alle Tränen, die Du weinst, sind deine ganz persönlichen männlichen Tränen für den besten Opa der Welt.

Diese Tränen sind etwas, das Dich mit Deinem Opa verbindet, auch dann noch wenn er einmal gestorben ist.

Was Du jetzt erlebst, das ist Trauer. Je mehr Du Dich gegen diese Trauer wehrst, desto stärker wird diese Trauer ihr Recht einfordern.

Und wofür hat man einen Freund oder eine Freundin, wenn man sich nicht bei ihr auch einmal ausheulen darf?

Aber Du musst nicht die ganze Zeit trauen und heulen. Du darfst auftanken, Du darfst Dir Zeit nehmen für schöne Dinge, und Du darfst Dir bewusst Zeit nehmen für die Trauer. Du Darfst mit Deinem Opa darüber sprechen, und ihn fragen, ob er auch darüber mit Dir sprechen möchte. Meine Erfahrung zeigt mir: es ist leichter, mit jemandem darüber zu sprechen, als wenn der das Sprechen darüber verweigert.

Meine Faustformel lautet: wer miteinander weinen kann, der kann auch miteinander lachen!

Umgekehrt bedeutet das: wer miteinander nicht weinen kann, der wird - wenn überhaupt - nur sehr verkrampft miteinander lachen können. Und die verkrampfter die Situation ist, desto weniger gerne besucht man den Betreffenden, desto öfter und länger bleibt man weg, und alles wird schlimmer.

Ich hoffe, dass Dein Opa nicht an einer Demenz leidet. Dann kannst Du ihn nämlich fragen, was in seinem Leben wichtig war. Dann kannst Du ihn fragen, was er Dir gerne noch erzählen möchte. Dann kannst Du ihm sagen, wie lieb Du ihn hast.

Du darfst ruhig auch einmal zocken, aber du sollst Dir auch klarmachen: je mehr Du versuchst, Dich bewusst abzulenken, desto schlechter ist hinterher Dein Gewissen, dass Du das getan hast.

Du darfst aber umgekehrt denken: "das mit der Trauer ist Sch...ße und zieht mich auch runter, aber ich tue jetzt bewusst etwas Schönes, damit ich die Trauer für den Opa und zusammen mit dem Opa besser aushalten kann." Wenn Du es so herumsiehst, dann arbeitest Du nicht gegen die Trauer, sondern Du akzeptierst Deine Trauer und arbeitest mit der Trauer. Es ist Deine Trauer, und du versuchst einen Weg zu finden, mit deiner Trauer in einer guten Weise umzugehen. Dazu gehört, auch mit anderen Menschen, mit den Eltern oder Geschwistern oder deiner Freundin darüber zu sprechen wie es dir geht. Aber dazu gehört auch mit diesen Menschen über andere Dinge zu sprechen und ganz normal zu leben. Denn genau darum geht es doch: dass du es schaffst, auch mit deinem Opa zusammen in dieser Situation zu leben. Miteinander in guter Weise zu leben. Zu lachen, zu weinen, Pläne zu schmieden, über Dinge zu trauern, von denen ihr abschiednehmen müsst. Und je besser ich das gelingt, desto besser werdet ihr die Tage, die jetzt vor euch liegen, in Erinnerung behalten.

Manchmal passiert es, dass die betreffende Hauptperson nicht darüber sprechen kann oder will. Das macht es für alle Beteiligten deutlich schwerer. Vielleicht könntest du dann versuchen, deinem Opa zu erzählen, wie es Dir damit geht. Wenn das geht, ist das gut, wenn das nicht geht, wird es deutlich schwerer. Dann nutzt die Zeit auch mit den anderen Menschen die du hast, um darüber zu sprechen aber eben auch um ganz normal weiter zu leben. Das darfst du.

Ich wünsche Dir und Diner Familie mit einer Freundin und Deinem Opa alles Gute und viel Kraft zum leben, lieben, lachen, weinen: nutzt die Zeit in einer guten Weise.

Alles Gute und viel Kraft.

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Das ist eine spannende Frage.

Irgendwie steckt in uns Christen immer noch drin, dass wir uns im Rahmen einer "religiösen Evolution" für die höchste aller Religionen halten.

Und das macht es dann natürlich schwer.

Zumal in einer Welt nach 9/11 - und nach einer globalen Ausbeutung der Erde durch westliche Länder, die dadurch einen Wohlstand erreicht haben, den sie sich ungern wieder nehmen lassen.
Beides scheint mir zusammen zu hängen.

Eine Ideologie der Menschenrechte, die gerne davon spricht, diese Menschenrechte aber bei denen, die für unseren Wohlstand arbeiten und nähen und ernten, ignoriert und Menschenrechtsverstöße bewusst in kauf nimmt. Hauptsache billig.

Davon kann man gut ablenken, indem man auf die patriarchalen Strukturen im Islam zeigt (und die eigenen patriarchalen Strukturen mal so eben ignoriert). Sündenböcke sind immer gut fürs eigene Selbstbewusstsein.

Hinzu kommt, dass ein gewisses Maß an Testosteron den muslimischen Männern nicht abzusprechen ist und bei westlichen eher Weichei-Männern und Frauen nicht sehr auf Gegenliebe stößt. Gekoppelt mit den bescheuerten Raketen auf Israel, die den Konflikt auf ihre Weise ziemlich bescheurt am köcheln halten und sich so um den eignen möglichen Wohlstand bringen - und beim Wort "Islam" sofort die Assoziation "Terrorist" aufblitzen lassen.

Hinzu kommt bei allen monotheistischen Religionen, dass sie den eigenen Glauben für den einzig wahren Glauben halten - und den Widerspruch der anderen natürlich nur sehr ungern hören.

Und wenn im Koran steht, dass die Bibel nicht recht hat, sondern im Zweifel nur der Koran, löst das bei den Christen auch nicht gerade Begeisterung aus.

Und wenn diese Christen zugleich der Überzeugung sind, dass die Bibel auf jeden Fall (egal, was wirklich drin steht), ein perfektes Buch ist, dann muss der Koran zwangsläufig weniger perfekt sein.

Für mich ist der Schlüssel zu allem die Erkenntnis, dass niemand von uns genau weiß oder wissen kann, wer oder wie genau Gott ist. Es gibt keine objektive Möglichkeit, dies festzustellen. Sondern es bleibt immer nur eine ganz persönliche Glaubenserkenntnis. Die kann man bezeugen, aber nicht beweisen.

Wenn man das klar hat, könnte man sich friedlich zusammen setzen und gegenseitig auffordern:
Erzähl mir von Deinem Glauben. Ich glaube zwar anders. Aber lass uns die Gemeinsakeiten suchen. Mit den Unterschieden werden wir leben können

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