Dünne Luft Kolumne- Nur Ironie?

Hallo, ich habe soeben diesen Text gelesen und Frage mich ob er ernsthaft gemeint, oder nur ironisch gemeint ist. Danke im voraus! 

In einem Punkt sind sich Raucher wie Nichtraucher einig: Ein entscheidender Schritt zum Klimaschutz ist getan. Seit fast nirgendwo mehr geraucht werden kann, darf das Land endlich wieder frei atmen. Was viele Raucher anfangs für die kleinkarierte Attacke einiger fanatischer Gesundheitsapostel hielten, war in Wirklichkeit ein groß angelegter Schlag, der in vielen kleinen Schritten vollzogen wurde.

Das diese zum Ziel führen konnten, lag vor allem an der damit einhergehenden Heilslehre, die ein ewiges Leben in einer lichten, duftenden Welt versprach. Sobald sich der Rauch verzogen hätte, würden wir einander endlich wieder riechen (also lieben) können. Wer glaubte, dass die Tabakkonzerne dies verhindern würden, hatte die Macht der Pharmaindustrie unterschätzt. Die Kippe von gestern ist das Nikotinpflaster von heute. Und das trägt man wie ein Statussymbol: jung, erfolgreich, gesund, nikotinfrei.

Aber nicht nur das Selbstbild vieler ehemaliger Raucher hat sich in diesem Jahr verändert. Auch die ehemalige DDR und die alte Bundesrepublik erfanden sich 2009 noch einmal neu. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall war man zu dem Ergebnis gekommen, dass man zwar ein Volk sei. Allerdings atme man hüben immer noch eine andere Luft als drüben. Dass diese Einschätzung widerlegt werden und eine erneute Spaltung des Landes verhindert werden konnte, haben wir maßgeblich einem ganz speziellen Jubiläum zu verdanken. Im Januar 2010 können wir es zum zweiten Mal feiern: Das Ende der dicken Luft. Und zwar hüben wie drüben.

Das Rauchverbot, das am 1. Januar 2008 in fast allen Bundesländern in Kraft trat, hat nicht nur von Ost bis West für glückliche Bronchien, hüpfende Kehlköpfe und krebsfreie Zungen gesorgt. Es hat auch eindeutig zu einem besseren Klima beigetragen. Was, wie wir nach Oslo wissen, nicht nur wettertechnisch, sondern auch sozial verstanden werden will. Seit man einander kein Feuer mehr gibt, schmilzt das Eis deutlich langsamer. Wir werden nicht mehr so schnell miteinander warm. Weil auf die Zigarette danach verzichtet wird, trennen sich immer mehr One-Night-Stands, bevor es zu einer festen Beziehung kommt. Außerdem kommen weniger Kinder zur Welt, seit man - anstatt sich auf die fruchtbarkeitseinschränkende Wirkung des Glimmstängels zu verlassen - wieder vermehrt zur Pille und zu Kondomen (siehe Pharmaindustrie) greift.

Aber die Freude über diese Erfolge ist nicht ganz ungetrübt, wie folgende Meldung aus den schon lange rauchfreien USA zeigt. Dort soll eine 98-jährige Frau (Nichtraucherin) ihre 100-jährige Zimmergenossin (ebenfalls NR) nach einem Streit über das richtige Plätzchen für ein Beistelltischchen erdrosselt haben. Früher hätte man so etwas souverän mit dem Rauchen einer Friedenspfeife beigelegt, heute kommt es stattdessen zu Mord und Totschlag... der Artikel ist in der FR erschienen und wurde von Ricarda Junge verfasst.

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