Hallo Juicfruit,
Eine komplizierte Sache, so eine Erektile Dysfunktion (ED) in jungen Jahren. Die Prozentzahlen die ich gebe sind nicht 100% korrekt und auch nicht immer unumstritten (besonders in der Sexualforschung geht es da ja häufig drüber und drunter, wenn es um die Methodik geht)! Deswegen sieh sie bitte eher als "Richtzahlen". Je nach Quelle, die du befragst, könnte das auch um +/- 10% schwanken.
Zunächst einmal das wesentliche
Das Versagen der sexuell-körperlichen Reaktion ist etwas mit einer Verhältnismäßig hohen Prävalenzrate. Im Alter zwischen 20 - 30 liegt diese Rate bei Männern bei etwa 25%. D.h. 25% erleben früher oder später mal, dass ihre Erektion nicht so will, wie sie wollen und auch massive Stimulation nichts an der Situation ändern.
Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose. D.h. man checkt grundsätzlich erst alle Organischen Optionen. Medikamente? Gefäße? Schwellkörper? Alles okay?
Das wirklich Problematische ist das, was bei dir aktuell passiert. Eine "nicht-organische Sexualstörung" ist etwas, wo man selbst auch - ohne es zu merken- häufig viel dazu tut. Wenn jemand nicht sexuell traumatisiert ist, entstehen sexuelle Funktionsstörungen meistens aufgrund negativer Gedankenspiralen, die verschiedene Ursachen haben.
Zum einen wäre da z.B. auf die Fixierung von sexueller Befriedigung durch den Mann auf den Penis, Männlichkeitsvorstellungen etc. Die Vorstellung keine sexuelle Interaktion haben zu können, wenn die Erektion nicht funktioniert. Eine nicht funktionierende Reaktion ist somit eine Darstellung des Versagens der eigenen "Männlichkeit". Die Reaktion der Frau tut natürlich auch viel dabei. Ist sie enttäuscht? Macht sie sich lustig? Häufig jedoch reagieren Frauen mit Verständnis (bestimmt nicht der erste und nicht der letzte schlaffe Penis, den sie sieht) und die negative Emotion geht nur von eigenen Gedanken aus. Man schämt sich, fühlt sich in seinem Selbstwert gekränkt, in seinem Selbstbild betrogen. Allerdings ist das fehlen der Möglichkeit, da "ruhig" drauf zu reagieren relativ normal. Menschen sind immer völlig schockiert, wenn etwas nicht mehr funktioniert, was eben noch wunderbar geklappt hat [Schonmal Jemanden gesehen, der sein Ladekabel vergessen hat und das Akku des Smartphones geht plötzlich aus?]
Wichtig ist also jetzt für dich erstmal folgendes:
Du stehst auf einer Art Scheideweg. Wenn die Sache [andere] psychische oder organische Ursachen hat, dann wird das ein Arzt schon rausfinden, wenn du weiterhin mit den Beschwerden zu Spezialisten geht.
Wahrscheinlicher ist es aber, dass es halt einfach mal nicht funktioniert hat und kein Grund zur Beunruhigung ist. Du bist jetzt schon den Weg der Vermeidung ("Vermeidungsverhalten") gegangen: Du vermeidest Sex, Sex als Begriff wird zunehmend Angstbesetzt, Versagensängste schweben um das ganze Thema, deine Sorgen überwiegen Vorfreude und Lust. Das führt auch zu Veränderungen in Hirnstrukturen.
Einen Alternativvorschlag hätte ich da für dich: Versuch dich damit auseinander zu setzen, wie es wohl geht, dass du "cool" reagierst, wenn es das nächste mal passiert? Was sind deine Qualitäten, außer Penetration? Vielleicht verschafft es dir ja auch einen ungeheuren Kick zu sehen, wie sie trotzdem Befriedigt wird? Du hast mehr als einen Penis und eine Frau, die von dir den Oralverkehr ihres Lebens bekommt, wird sich über "keinen Sex" wohl nicht beschweren. Wahrscheinlicher ist auch, dass es bei dir mit der Erektion wieder klappt, wenn du ihr Lust bereitest und dabei die Gedanken so ein bisschen von dem "Klappt es? Klappt es nicht?" abgelenkt werden.
Auf jeden Fall: Keine Angst haben. Eine "unheilbare" sexuelle Dysfunktion hinsichtlich der Erektion gibt es nur, wenn du dich deinen Denkmustern ergibst. Im Zweifel helfen dir psychologische Psychotherapeuten in einer Sexualambulanz weiter.
Liebe Grüße & viel Glück & viel Spaß :)