Hat Faust Gretchen wirklich geliebt?

Vor einiger Zeit hatte ich eine ziemliche Diskussion mit meiner Lehrerin darüber, ob Faust Gretchen wirklich geliebt hat.

Sie war der Meinung (soweit ich mich erinnere), dass er anfangs noch eher von Lust gesteuert war und dann in der ersten Szene in ihrer Wohnung anfängt, wirklich Liebe für sie zu empfinden.

Ich dagegen bin der Meinung, dass er die ganze Zeit nur von Mephisto manipuliert wird. In der Hexenküche wird gesagt:

Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,

Bald Helena in jedem Weibe.

Nach meiner Interpretation soll der Zaubertrank auch sein Verlangen nach Frauen wecken und ihn dazu bringen, sich zu verlieben. Dass ihm dann Gretchen über den Weg läuft und zum Objekt davon wird, ist ein unglücklicher Zufall. Für wirkliche Liebe halte ich das aber nicht, da er eben nur durch den Trank dazu gebracht wird.

Im Nachfolgenden hilft ihm Mephisto weiter, weil er will, dass Faust das Glück und Zufriedenheit findet und zum Augenblicke sagt: "Verweile doch, du bist so schön.". Dann wäre ja die Wette gewonnen und könnte Faust versklaven.

Die ganze Liebesgeschichte halte ich also für sehr wenig romantisch, sondern für die Manipulation des Teufels, die schließlich dafür sorgt, dass ein unschuldiges Mädchen zu Tode kommt.

Gibt es einen Fehler in meiner Interpretation?

Was ist eure Meinung zu der Beziehung?

Deutsch, Schule, Faust, Goethe, Liebe und Beziehung, Literatur, Gretchen, Mephisto
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Wie funktioniert das Allwissen von Gott?

Es gibt ja das bekannte Allmachts-Paradoxon mit dem Stein, aber ich habe eine ähnliche Frage zum Allwissen von Gott.

Wenn Gott allwissend ist, müsste er doch theoretisch auch die Zukunft kennen. Nun habe ich zwei mögliche Modelle für die Zeit bzw. die Zukunft:

  1. Die gesamte Zukunft ist schon längst vorgeschrieben. Es gibt nur eine Vision, die Gott sehen kann. Das entspricht dem Konzept in Watchmen und Gott würde dann der Figur Dr. Manhattan entsprechen, die sowohl Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen kann. Das Problem: Wenn dieses Modell zutrifft, hat Gott keine völlige Allmacht mehr. Ähnlich wie Dr. Manhattan wäre auch er nur eine Marionette, die so handeln muss, wie es vorgesehen ist. Er wäre quasi ohnmächtig.
  2. Es gibt eine unfassbar große Menge an Möglichkeiten für die Zukunft. Jede Entscheidung und jedes Ereignis hätte ja auch anders ablaufe können und so entsteht eine immer größere „Verzweigung“, die wir uns gar nicht mehr vorstellen können. Die Allwissenheit würde dann darin bestehen, dass Gott jede einzelne Möglichkeit sehen kann und darüber Bescheid weiß. Das Problem: Im Falle vollkommener Allwissenheit müsste Gott ja auch wissen, welche Entscheidungen wir (und auch Er) treffen werden bzw. welche Möglichkeit eintreffen wird. Damit fallen eigentlich alle Verzweigungen weg und wir sind wieder bei 1.

Gibt es eine Lösung für dieses Problem? Verstehe ich etwas falsch?

Religion, Christentum, Bibel, Gott, Philosophie und Gesellschaft
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