Sind diese absurden Handlungen strafbar?

Ich habe vor Kurzem in nem anderen Forum eine rechtliche Diskussion geführt.

Dabei ging es um folgende (absurden) Beispielfälle:

1. A hat die Absicht ihr Baby zu töten. Um dies zu erreichen stellt sie das Baby auf eine Wiese. Ihre Absicht ist es, dass ein Meteorit auf das Baby fällt und es tötet.

2. A hat die Absicht, seine Freundin zu töten. Deshalb gibt er ihr ein Gummibärchen, um sie zu töten. Er hat die Absicht, dass sie an dem Gummibärchen erstickt.

In beiden Fällen ist A bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit extrem gering ist, dass sein Vorhaben gelingt. Er schätzt das Risiko also objektiv richtig ein.

Natürlich gibt es solche Fälle in echt nicht, es handelt sich um eine strafrechtstheoretische Frage.

Gerade deshalb solltet ihr nur antworten, wenn ihr euch mit (Straf-)Recht auskennt.

Zunächst noch zu 2.: Hier würde ich eine Strafbarkeit bereits deshalb verneinen, weil die Freundin sich eigenverantwortlich selbst "gefährdet". Aber lassen wir das mal außen vor.

Meine Frage: Hat A sich wegen eines (versuchten) Tötungsdelikts strafbar gemacht?

Meine Antwort: Er hat sich in beiden Fällen nicht wegen eines (versuchten) Tötungsdelikts strafbar gemacht. Unabhängig davon, ob der Erfolg nun eintritt oder nicht.

Begründung: Ich bin Anhänger der Lehre von der objektiven Zurechnung. Ich stelle mir deshalb die Frage, ob das Risiko, das A durch seine Handlung schafft, unter den genannten Umständen rechtlich relevant ist. Ergebnis: Nein, es ist nicht relevant, da es fernab von jeder Lebenswahrscheinlichkeit ist, dass der Erfolg tatsächlich eintritt. Da A dies auch wusste hat er sich auch nicht wegen Versuchs strafbar gemacht. Anders wäre es, wenn A aus irgendeinem Grund glauben würde, dass es total wahrscheinlich ist, dass sein Vorhaben gelingt.

Wie schätzt ihr den Fall ein? Mit juristischer Begründung bitte :)

Danke für eure Antworten :)

Politik, Recht, Vorsätze, Gesetz, Ethik, Gesellschaft, Jura, Moral, Mord, Strafrecht, Straftat, Totschlag, Versuch
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Ist ein Szenario wie in "The Purge" denkbar?

Ich rede von den Purge-Filmen/Serie.

Dort ist in den USA einmal pro Jahr das Gesetz außer Kraft gesetzt und man darf tun, was man will, auch morden und vergewaltigen. Die Purge soll angeblich die Kriminalitätsrate senken, da die Menschen einmal pro Jahr alles tun dürfen und deshalb in der restlichen gesetzestreu sind. Eigentlich dient sie eher dazu, die Schwachen auszurotten, so die Vermutung der Gesellschaft.

Soweit zum Film/Serie. Ich persönlich halte ein solches Szenario für absolut lebensfremd, ich bin sicher, dass es in der Form nie eintreten wird, auch nicht in Amerika. Der Staat und die Menschen würden sich natürlich selber zerstören, wenn sowas eingeführt würde.

Trotzdem die Frage an euch: Haltet ihr sowas in der Form für denkbar, in Amerika oder sonst wo?

Vielleicht sollten wir die Frage auch etwas ausweiten: Welche Szenarien, die der Purge möglichst ähnlich sind, haltet ihr für denkbar?

Mir fallen zwei ein:

1. Krieg. Im Krieg ist zwar nicht alles erlaubt, aber das Töten von gegnerischen Soldaten ist prinzipiell erlaubt. Natürlich ist der Krieg kein extra dafür geschaffener Tag wie bei der Purge, aber für die beteiligten Menschen ist es ähnlich.

2. Ich halte es für denkbsr, dass es irgendwann wieder Dinge, wie moderne Gladiatorenkämpfe geben könnte. Zwar vielleicht nicht bei uns, aber irgendwo auf der Welt. Das geht ja auch in die Richtung, auch dann falls die Beteiligten freiwillig mitmachen.

Was meint ihr zu den Fragen?

Danke für die Antworten und bleibt gesund :)

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Ist es sozialadadäquat, andere mit dem Coronavirus anzustecken(Beschreibung lesen)?

Die Frage bezieht sich auf den rechtlichen(!) Begriff der Sozialadäquanz im Hinblick auf eine mögliche Strafbarkeit wegen Körperverletzung oder Mord/Totschlag.

Soweit ich weiß, gilt das Anstecken eines anderen mit Erkältungsviren als sozialadäquant/erlaubtes Risiko, sofern es unter sozialüblichen Umständen geschieht. Also z.B. wenn ein Erkälteter zum Einkaufen geht. Auch ein "bedingter Vorsatz" bezüglich Körperverletung oder gar Tötung ändert daran nichts. Anders ist es freilich, wenn jemand z.B. absichtlich angehustet wird.

Anscheinend wird diese Ansicht von manchen Juristen auch auf die Grippe übertragen.

Meine Fragen:

1.Wie seht ihr das generell? Würdet ihr die Ansteckung mit Erkältungs- und Grippeviren unter sozialüblichen Umständen auch als sozialadäquant bezeichnen oder nicht? Begründung?

2. Wo ist da juristisch gesehen die Grenze? Es erscheint ja total willkürlich zu sein z.B. zu sagen "Ab 0.1 Prozent Infektiobssterblichkeit einer Krankheit ist es strafbar." oder sowas. Wie lässt sich juristisch sinnvoll eine Grenze ziehen?

3. Wie seht ihr es konkret beim Coronavirus? Sozialadäquat oder nicht? Und warum?

Mir ist klar, dass beim Coronavirus aktuell(!) eine Strafbarkeit bereits deshalb vorliegen kann, weil z.B. die Quarantäne nicht eingehalten wurde, aber da geht es dann um Vergehen nach dem Infektionsschutzgesetz. Meine Frage bezieht sich aber auf eine mögliche Strafbarkeit wegen Körperverletzung oder Mord/Totschlag.

Jeder darf gerne antworten, besonders würden mich aber Antworten von Leuten interessieren, die Juristen/Jurastudenten sind.

Danke für eure Antworten und bleibt gesund! :)

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Warum ist Pornographie für Jugendliche verboten(Beschreibung lesen)?

Zur Klarstellung: Jugendliche sind Personen, die bereits 14, nicht jedoch 18 Jahre alt sind. Das Pornographieverbot für Jugendliche ist in §184 Abs. 1 Nr. 1 geregelt.

Mir stellt sich aus rechtlicher(!) Sicht die Frage, wieso Pornos für Jugendliche verboten sind.

Als Rechtsgut wird der Jugendschutz angeführt. Häufig wird gesagt, dass Pornographie ein falsches Bild von Sex vermittelt, dass Jugendliche aufgrund von Pornos zu hohe Erwartungen an ich haben etc.

Ich finde diese Argumente nicht schlüssig. Ich muss aber betonen, dass ich 184 Abs. 1 Nr. 1 nicht abschaffen will, Jugendliche brauchen durchaus Schutz. Aber in dieser (pauschalen) Form verstehe ich das Verbot nicht.

Hier eine Definition des BGH von Pornographie:

"Erforderlich ist danach eine vergröbernde Darstellung sexuellen Verhaltens, die den Menschen unter weitgehender Ausklammerung emotional-individualisierter Bezüge zum bloßen - auswechselbaren - Objekt geschlechtlicher Begierde oder Betätigung macht."

Mir ist nicht klar, wie aus dieser Definition die oben genannten Befürchtungen des Gesetzgebers folgen sollen. Die Definition enthält nicht, dass der Sex dort so dargestellt wird, dass Jugendliche eine falsche Erwartungshaltung an Sex haben, z.B. weil die Pornodarsteller ne halbe Stunde "durchhalten", obwohl die Realität anders ist. Das mag häufig so sein bei Pornos, folgt aber nicht aus der Definition.

Auch folgt aus der Definition nicht, dass ein Porno ein falsches Bild von Sex zeigt. Eventuell soll das aus der "Objekttendenz" in der Definition folgen. Dass Personen als Objekte erscheinen folgt in Pornos zwar häufig daraus, dass ein Porno nur den Sex oder zusätzlich eine unwesentliche Handlung zeigt. Der Sex selbst kann aber durchaus realistisch gezeigt sein, auch mit Emotionen etc. Häufig ist das nicht so, aber laut Definition schließt dies Pornographie eben nicht aus, dass auch ein sich wirklich liebendes Paar gezeigt wird.

Zudem bleibt unklar, was rechtlich betrachtet problematisch daran sein sollte, dass Menschen Sex als etwas sehen, dass nichts Emotionales an sich hat, sondern nur der Bedürfnisbefriedigung dient. Da Personen ab 14 prinzipiell die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung haben, dürfen sie Sex auch ohne Emotionen haben und andere dabei als Objekt benutzen, solange sie nicht rechtswidrig handeln. Auf mich wirkt die Verwendung des Wortes "Objekt" in der Definition moraliserend und nicht am Rechtsgüterschutz orientiert.

Kann mir ein Jurist unter Einbeziehung(!) meiner Argumente erklären, wieso Pornographie so definiert ist und wieso sie unter Verwendung dieser Definition für Jugendliche pauschal verboten ist?

Wie gesagt will ich Pornos nicht pauschal für Jugendliche erlauben. Man sollte aber über eine andere Definition nachdenken. Oder 184 As. 1 Nr. 1 als Eignungs-, konkretes Gefährdungs- oder Verletzungsdelikt definieren.

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Welche Maßnahmen würde der Staat bei einem Supervirus treffen?

Mit Supervirus meine ich einen Virus, welcher die Menscheit als Ganzes bedrohen würde. Ein Virus also, der die ganze Menschheit auslöschen könnte.(Der Coronavirus ist nach jetzigem Stand sehr weit davon entfernt, ein Supervirus zu sein.)

Ich habe zwei Fragen:

1. Könnte es einem Virus(oder Bakterium etc.) gelingen, die Menschheit komplett auszulöschen? Einerseits ist die Menschheit ja nicht dumm, und wehrt sich.Andererseit gibt es auch Menschen, die in sehr entlegenen Gebieten/Inseln leben, z B. indigene Völker, die keinen Kontakt zur "normalen" Menschheit haben. Vielleicht könnten diese aber auch durch das Virus erreicht werden, wenn eine Ansteckung über Tiere, bei Inseln z.B. über Vögel möglich wäre?

2. Welche Maßnahmen würde die Regierung von Staaten ergreifen, wenn die Gefahr bestehen würde, dass das Virus die Menschheit ausrottet? Klar, einerseits würden solche Maßnahmen, die es auch beim Coronavirus gibt, ausgeweitet werden. Aber könnte es sein, dass noch viel krassere Maßnahmen, die sogar illegsl sind, ergriffen würden? Ich nenne mal zwei Beispiele, die ich aus dem Spiel "Plague Inc." (ein Spiel, in dem man die Menschheit mit ner Krankheit ausrotten muss)kenne:

a) Die Regierung richtet Menschen hin, die die Krankheit haben.

b) Die Regierung wirft Bomben auf besonders betroffene Städte.

Wäre so etwas denkbar, wenn ein Virus kurz davor wäre, die Menschheit auszulöschen? Falls nein: Was wäre das krasseste, was die Regierungen unternehmen würden? Würde auch Deutschland solch krasse Maßnahmen ergreifen?

Natürlich ist gar nicht klar, ob die Regierungen überhaupt noch zu solchen Maßnahmen in der Lage wären, da sie vielleicht schon selbst längst dahingerafft wären.

Danke für die Antworten :)

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Sollte fahrlässiger sexueller Missbrauch unter Strafe gestellt werden?

Ich rede vom sexuellen Missbrauch von Kindern(§176 StGB). Aktuell ist eine Strafbarkeit nur gegeben, wenn der Täter vosätzlich bezüglich des Alters von unter 14 handelt. Hier die Gesetze:

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176.html

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176a.html

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176b.html

Da viele nicht wissen, was Vorsatz rechtlich bedeutet: Vorsatz liegt nicht erst dann vor, wenn der Täter sicher weiß, dass die Person U14 ist. Es reicht vielmehr aus, dass der Täter dies ernsthaft für möglich hält und sich zumindest innerlich damit abfindet.

Hält der Täter es für ernsthaft möglich, dass die Person U14 ist, aber vertraut ernsthaft und nicht nur vage darauf, dass die Person trotzdem Ü(!)14 ist, so handelt er nur fahrlässig. Ebenso, wenn er nicht einmal die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die Person U14 ist.

Auf Basis dieser Erklärung: Sollte auch fahrlässiger Missbrauch unter Strafe gestellt werden?

Wenn ja, welche Strafe sollte es dafür geben? Vergleicht dafür bitte auch die Strafe, die für vorsätzlichen Missbrauch vorgesehen ist und gebt ein Mindest-und Höchstmaß für den fahrlässigen Missbrauch an.

Ich denke, dass fahrlässiger Missbrauch nicht unter Strafe gestellt werden muss. Falls doch, würde ich sagen geldstrafe bis 3 Jahre Freiheitsstrafe. Das fügt sich ins System ein im vergleich zu den Strafdrohen bei fahrlässiger Körperverletzung und Tötung.

Danke für eure Antworten und viel Kraft jetzt in der Coronakrise! :)

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Sexueller Missbrauch, Schutzalter und Psychologie?

TRIGGERWARNUNG: Wer selbst Erfahrungen mit sexueller Gewalt machen musste, muss damit rechnen, dass es in der Frage Trigger gibt.

Laut 176 StGB liegt das Schutzalter in Deutschland bei 14 Jahren. Jetzt kann man sich freilich fragen, ob dieses spezielle Alter auf einer wissenschaftlichen Basis fußt.

Gibt es psychologische Studien, die sich mit der Frage nach dem "richtigen" Schutzalter befassen? Falls ja, bitte einen Link oder eine Buchquelle etc. posten, falls es sowas gibt :)

Vielleicht auch nur indirekt? Dass z.B. untersucht wird, wie schlimm die psychischen Folgen in Relation zum Alter sind. In Relation zum Verhältnis zum Täter. Zu Persönlichkeitseigenschaften des Opfers. Zum Umfeld des Opfers.

Denn ich als Laie kann mir nur schwer erklären, wieso die Unterschiede in den Folgen für die Opfer so unterschiedlich sind. Im Grenzbereich unseres Schutzalters(12-15) fällt es mir aus ethischer(nicht: rechtlicher) Sicht oft schwer zu sagen, ob das jetzt ein Missbrauch war oder nicht. Im Grenzbereich verschwimmt alles.

Da wäre halt die Psychologie am Zug, um auf wissenschaftlicher Basis festzustellen, unter welchen Konstellationen Traumata entstehen und unter welchen nicht.

Je nach Ergebnis sollte das Schutzalter erhöht, gesenkt oder flexibilisiert werden. Das gleiche gilt für das Strafmaß.

Ich hoffe, es wird deutlich was ich meine.

Danke für eure Antworten :)

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