Vorweg: Das Grundgesetz funktioniert, Meinungsfreiheit ist nicht gefährdet. In einigen Fällen muss man eben mit gesellschaftlichem Gegenwind rechnen, das gehört in einer aufgeklärten Gesellschaft dazu. Der Fragesteller benennt ja selbst im Zitat die "gesellschaftliche Intoleranz".
Gerade rechtskonservative Meinungen und Redensarten werden heute von Teilen der Gesellschaft nicht mehr oder zumindest weniger akzeptiert und bis zu einem gewissen Punkt ist das auch gut so. Die Welt dreht sich weiter und wir leben zum Glück nicht mehr in den 1950ern oder sogar den 1930ern. Gleichberechtigung, Trennung von Kirche(n) und Staat und Selbstbestimmung sind Errungenschaften, die ich nicht missen möchte. Es muss ja nicht jeder alles mitmachen. Anderen Menschen kann man ihre Selbstverwirklichung auch einfach gönnen ohne sich aktiv daran zu beteiligen und mir ist nicht klar, was daran so schwer sein soll.
Thema gesellschaftliche Intoleranz:
im verlinkten Dokument ist auf Seite 21 ein interessanter Graph zum Thema "Meinungsfreiheit". Demzufolge soll der Anteil der Menschen, die glauben, frei reden zu können, ungefähr zwischen 2015 (Flüchtlingskrise, Aufkommen der Pegida Bewegung) und 2020 (Corona und Querdenker) von knapp 70% auf knapp 45% eingesunken sein. Der Einbruch in der gefühlten Meinungsfreiheit scheint damit möglicherweise eher aus dem rechten politischen Spektrum zu kommen.
Nebenbemerkung zu den Querdenkern: Man darf die Coronamaßnahmen kritisch sehen und man darf auch mal kritisch nachfragen. Macht Sinn. Wenn man dann jedoch gegen wissenschaftlichen Konsens auf "alternative Wissenschaften" und Verschwörungstheorien vertraut und auch in Fällen der Unklarheit (z.B. in den ersten Wochen, als man noch nicht wusste, wie das Zeug sich ausbreitet) auf Rücksichtsnahme verzichtet, dann sehe ich das kritisch.
Völlig unverzeihlich finde ich jedoch, dass die Querdenker Bewegung vor dem Schulterschluss mit rechtsextremen nicht zurückgeschreckt ist.
Zuletzt habe ich mir das Institut, von dem die Veröffentlichung stammt, mal angeschaut. Laut Wiki (schlechte Quelle) gilt das Institut als "konservativ geprägt". Naja. Der Autor des Artikels veröffentlicht offenbar auch in einer christlich-konservativen Zeitschrift.
Etwas interessanter ist dann doch die Gründerin des Instituts. Frau Doktor Elisabeth Noelle-Neumann hat offenbar schon im Dritten Reich ihre Karriere begonnen. "Konservativ geprägt" könnte daher mit Vorsicht zu genießen sein.
Ich würde den Artikel daher nur mit kritischer Distanz lesen und im Hinterkopf halten, dass es sich dabei um wissenschaftlich verpackte rechtsextreme Stimmungsmache nach dem Motto "Das wird man doch noch sagen dürfen" handeln könnte.