Wie steht der von John Stuart Mill entwickelte Utilitarismus zu geistig Behinderten?

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1 Antwort

Ich finde hier gibt es einen hohen Interpretationsspielraum und man kann sich trefflich darüber streiten/debattieren.

Wenn man das Zitat fortführt, schreibt er. "Und wenn der Narr oder das Schwein anderer Ansicht sind, dann deshalb, weil sie nur ihre eigene Seite der Angelegenheit kennen. Die andere Partei hingegen kennt beide Seiten."

Meines Erachtens geht es in seiner Aussage eher um das Recht auf Wissen als um qualitative Einordnung von Lebewesen und das höchste Ziel des Utilitarismus: Glück bzw. im größeren Umfang Allgemeinwohl.

An deinem Beispiel durchgespielt: 

Jemand hat eine geistige Behinderung, ist es besser ihn zu belügen, dass er ganz "normal" ist (vllt. zufriedener Narr) oder auf ihn einzugehen/ihm Möglichkeiten aufzuzeigen, aber offen zu ihm zu sein (vllt. unzufriedener Sokrates). Was macht ihn glücklicher und wäre er als "zufriedener Narr" tatsächlich glücklich, obwohl es eigentlich nur der Schein von Glück ist?

Natürlich könnte man argumentieren, dass das Glück der Allgemeinheit eingeschränkt wird, dadurch das man auf Behinderte eingehen muss, allerdings ist die Frage, ob dann nicht das Gesamtglück des Behinderten schwerer wiegt als die kleine Einschränkung der Einzelnen.

Wenn man die Wahl hat, hunderte Menschen zu erschießen, um tausende geistig Behinderte zu retten: Welches Leben wiegt dann höher? Was würde Mill zu diesem konstruierten Fall sagen?

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@Supercat1995

Streng utilitaristisch betrachtet:  100 werden erschossen, denn 1.000 überleben und damit ist der Gesamtnutzen/-beitrag zum Allgemeinwohl höher.

Aber ich verstehe worauf du hinaus willst - nehmen wir mal 1.000 Gesunde & 1.000 Behinderte. Wer soll einschätzen, welches Leben wertvoller ist?, Mills würde wahrscheinlich sagen, diejenigen, welche "beide Seiten" kennen und besser zum Allgemeinwohl beiträgt. Aber wie soll man im Endeffekt feststellen wer das ist.

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