Hat jemand Erfahrungen mit Face 2 Face Fundraising?

3 Antworten

Ich habe den Job gemacht und würde ihm keinen weiterempfehle. Weshalb ich frühzeitig abgereist bin hat mehrere Beweggründe. 

Einer davon war, dass ich mein Gesicht für Worldvision verkauft habe, obwohl ich nicht die geringste Ahnung hatte,

was Worldvision ist, was es unternimmt und wo und für welche Projekte das ganze Spendengeld hinströmt.

Ich stellte mir also die gleichen Fragen, die sich auch die Leute auf der Straße stellten.

Worldvision ist scheinbar sowohl in Teilen Afrikas als auch Asien tätig. 

Wir haben nur Swasiland und Sierra Leone erwähnt,

weil das auch die Länder waren, woher die Patenschafts-Kinder stammten.

Asien wurde also völlig ignoriert. Es ging nur um die armen, hungrigen "Negakinder". 

Es kann sein, dass ich in der Hinsicht als deutsche einfach keinen Spaß verstehe, aber "Heil Schrieb" ist echt nicht im geringsten lustig.

Doch das war alles was zählte, egal auf welche Weise, der Schrieb musste fallen.

Wir hatten weder eine Infomappe oder jegliches um den Leuten unsere Einsatzorte zu zeigen. Ebenso bestanden keine Unterlagen um 

den Leuten die abbuchbaren Zahlungen (monatlich, vierteljährlich) etc. zu erklären, was ich meiner Meinung nach unheimlich

wichtig finde, da man die Leute ansonsten auf verbale Weise viel zu leicht manipulieren kann. Das darf nicht der Sinn und Zweck sein 

bei solch einer gemeinnützigen Organisation. Alle anderen Werber von Greenpeace, SOS Kinderdörfer etc. hatten solch Infomaterial schon

und dementsprechend auch eine Ahnung davon, für was sie sich stark machten.

Im Nachhinein stellte ich fest, dem Teamleiter wurde Infomaterial ausgehändigt , wir haben nur bis zum letzten Tag nie etwas davon zu sehen bekommen.

So hatten die Leute nicht einmal die Wahl  sich von Worldvision ein Bild zu machen. Sie waren zu 100% auf unsere Worte angewiesen.

Nur was erzählt man den Menschen, wenn man selbst nicht einmal irgendetwas über die Organisation weiß?

Am Abend habe ich mich persönlich schlau gemacht über die Lage und die Entwicklung der entsprechenden Einsatzorte und musste feststellen,

dass so viele Zahlen und Statistiken, die uns genannt wurden nicht im geringsten der Wahrheit entsprachen.

(Jede 3. Sekunde stirbt ein Kind in Afrika, 48% der Bevölkerung in Afrika ist von Aids betroffen, Worldvision alleine habe die Rate der Aidsinfizierten um 28% senken können etc.)

Im Nachhinein schäme ich mich so, weil nicht nur ich, sondern alle von uns die Leute von vorn bis hinten belogen und betrogen haben.

Wir profilierten uns mit dem Elend, der Not und der Armut anderer, was zudem auch noch dramatisiert und zahlentechnisch manipuliert wurde.

Rein von der Planung muss ich wirklich sagen, dass mir so eine unseriöse, unprofessionelle  Organisation wie diese noch nie zuvor unter die Augen gekommen ist.

An meinem 1. Arbeitstag trug ich ein XL-Worldvision T-Shirt, da alle anderen dreckig und verschwitzt von den Vorgängern waren und nichts gewaschen wurde.

Da mir kein eigener Ausweis zugstellt wurde, hat man uns einfach einen beliebigen anderen gegeben, der unseren Gesichtern ähnelte.

Auf der Straße stellte mich dann ein Mann zur Rede, weshalb ich einen gefälschten Ausweis trage, weil ich natürlich meinen eigenen Namen zuvor gesagt hatte.

Das ist nicht nur ein Missbrauch von Ausweisen und Personalien, wodurch Face to Face Fundraising sich strafbar macht, sondern vor allem ich mich selbst und das 

an meinem allerersten Arbeitstag.

Die nächste Woche lief ich nur noch mit T-Shirt durch die Fußgängerzone, ohne mich in irgendeiner Weise ausweisen zu können.

Unsere Aufgabe bestand darin Patenkinder zu vermitteln und Starthlefer für die Projekte zu finden.

Die ganze Thematik ist eine sehr ernste Sache, weshalb ich es mehr als unangebracht fande, während der Arbeitszeiten Cannabis zu konsumieren.

Es kann nicht sein, dass man den Leuten von armen Kindern in der 3. Welt erzählt, die am verhungern und verrecken sind, während man selbst völlig bekifft ist.

Ich selbst wurde von einer Fußgängerin darauf angesprochen, dass man sich nicht wundern braucht, dass niemand spenden will, wenn hier manche wie Assoziale

in Jogginghose, 1 Woche ungewaschenen, schuppigen, fettigen Haaren und roten Augen durch die Gegend laufen und für Kinder in Afrika werben.

Ich kann verstehen warum mit mir 10 weitere abgereist sind, denn wer nur ein Hauch Moral und ein Gewissen besitzt, übt diesen Beruf nicht länger als die Probewoche aus.

Als Zielgruppe wurden uns alte oder schüchterne Menschen empfohlen, die sich verbal nicht gut genug wehren können,oder nicht mehr alles ganz verstehen.

So etwas betrügerisches, unehrliches habe ichselten zuvor erlebt.

Ich habe dort gearbeitet. Sehr schlimme Umstände. Das hätte ich mir aber auch bei den Verdienstmöglichkeiten, vorher schon denken müssen. Bis Nachts in der Kälte gestanden, bei fast utopischen Zielsetzungen. Wir wurden alle um Geld betrogen u.s.w. NICHT ZU EMPFEHLEN !!!

Wenn du Glück hast, schickt man dich "nur" mit einer Sammelbüchse los, um "Face to Face" Spenden einzusammeln.

Hoffentlich kommst du nicht noch auf die Idee, da selbst etwas zu bezahlen (für das SEMINAR ???)

Was möchtest Du wissen?