Wie hieß die Götterwelt in der altägyptischen Religion?

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4 Antworten

Die Gottheiten des Alten Ägypten hatten nach religiöser/mythologischer Vorstellung ihren Wohnsitz vor allem im Himmel. Außerdem wohnten Gottheiten in der Unterwelt (unterirdisch, in der Erde vorgestellt). Als Herrscher der Unterwelt galt der Gott Osiris. Himmel und Unterwelt waren Bereiche des Jenseits (zu Jenseitsvorstellungen insgesamt: http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/jenseitsvorstellungen-aegypten/ch/a47a921e411c676b8ef4f2c4ddea1fce/). Auf der Erde traten die Gottheiten bildhaft in Erscheinung, ohne an sich dort zu wohnen. Durch Verehrung, insbesondere Tempel mit Kultbildern, war eine Gegenwart von Gottheiten ähnlich wie im Himmel denkbar.

Erik Hornung, Zum altägyptischen Geschichtsbewußtsein. In: Archäologie und Geschichtsbewußtsein. Herausgegeben von Hermann Müller-Karpe. München : Beck, 1982 (Kolloquien zur Allgemeinen und vergleichenden Archäologie ; Band 3), S. 17 Anm. 28: „Die ägyptischen Götter wohnen an sich nicht auf Erden, sondern im Himmel und in der Unterwelt, [ ... ]. Daher muß ihnen der Tempel als ein irdischer 'Himmel' zubereitet werden;“

Das Himmelsgewölbe wurde vom Körper der Göttin Nut dargestellt.

Eine genaue Entsprechung zum Olymp in der griechischen Mythologie hat es nicht gegeben. Dort galt der Olymp (Ὄλυμπος [Olympos]), der höchste Berg Griechenlands, als Wohnsitz zumindest der Hauptgottheiten. Allerdings gab es weitere Wohnsitze. Hades wohnt nach religiöser/mythologischer Vorstellung in der Unterwelt, deren Herrscher er ist. Seine Ehefrau Persephone (auch Kore genannt) ist dort mit ihm zusammen. Kirke, die zauberkundige Göttin und Nymphe, hat einen großen Palast auf der Insel Aiaia. Die Göttin und Meeresnymphe Kalypso bewohnt eine Grotte/Höhle auf der Insel Ogygia. Zusätzliche Wohnsitze neben dem auf dem Olymp sind möglich. Beispielsweise hat Poseidon auch einen Unterwasserpalast in der Nähe von Aigai, einer auf der Insel Euboia gelegenen Stadt, Ares hat Thrakien als ein Lieblingsland, in dem er sich gerne aufhält, Aphrodite die Stadt Paphos auf der Insel Zypern, Hephaistos die Insel Lemnos.

Nach Kosmogonien im Alten Ägypten erhob sich in einer Ursprungszeit, als Himmel und Erde noch nicht gertrennt waren, aus einem Urgewässer ein Urhügel. Zu beachten ist auch eine Vorstellung von einem sich immer wieder erneuernden Kosmos, wobei der Sonnengott Re/Ra in einer Barke tagsüber über den Himmel fährt und in der Nacht durch die Unterwelt in einem Fluß.

In Büchern gibt es Informationen zum Thema, z. B.:

Jan Assman, Gott A. Allgemeine elementare Merkmale. II. Kardinaleigenschaften. B. Raum. In: Lexikon der Ägyptologie. Begründet von Wolfgang Helck und Eberhard Otto. Herausgegeben von Wolfgang Helck und Wolfhart Westendorf. Band 5: Erntefest - Hordjedef. Redaktion: Rosemarie Drenkhahn. Wiesbaden : Harrassowitz, 1977, Spalte 758 – 759

„Die besondere Beziehung der G. zum Raum findet in der Tempelarchitektur symbolischen Ausruck, deren Strukturelemente sich beschreiben lassen als Vermittlung zwischen den Polen „innen“ und „außen“ sowie „oben und unten“ auf der Ausdrucksebene, Himmel und Erde, Heiligem und Profanem, Verborgenheit und Offenbarung auf der Inhaltsebene. Der Tempel stellt darauf sowohl als Ganzes eine aus der profanen welt herausgenommene Enklave einer anderen Welt dar, deren Jenseitigkeit sich in wendungen wie „Himmel auf Erden“ und (unter Einbeziehung der zeitlichen Jenseitigkeit) * Urhügel oder „Stätte des Anbeginns“ ausdrückt, als auch eine diesem Opposita vermittelnde Struktur, die in sich noch einmal „Himmel“ (das Allerheiligste) und „Erde“ (Erscheinungshalle und Festhof), Innen und Außen, darstellt, und die Grenze zwischen Götterwelt und Menschenwelt einerseits, den grenzüberschreitenden Weg der G. andererseits artikuliert. Die Bedeutung des Tempels als Wohnung und Weg des G. entspricht dessen doppelten Repräsentation im Tempel, als Kultbild und als Barke. Die Barke ist Ausdruck und Medium der grenzüberschreitenden Bewegung, die in Äg. nicht Sache des Menschen, sondern der Götter ist. Die G. verharren nicht statisch, sondern befinden sich in einer zwischen den Polen Ruhe (Kultbild) und Bewegung (Barke) inszenierenden Seinsweise. Das Jenseits – Himmel, Unterwelt und Tempelinneres – ist zwar die Sphäre ihres Aufenthaltes, das Diesseits aber die Sphäre ihrer Erscheinung, ihrer „Machterweise“ […], ihres Wirkens.“

G. = Gott/Gottheit/Götter/Gottheiten

Äg. = Ägypten

Erik Hornung, Der Eine und die Vielen : altägyptische Götterwelt. 7. Auflage (unveränderter Nachdruck der 6., vollständig überarbeiteten und erweiterten Auflage 2005). Darmstadt ; Mainz : von Zabern, 2011, S. 242 - 245 (VII. Ordnung und Gliederung der Götterwelt . Lokales Ordnungssystem. Exkurs: Der Ort der Götter)

S. 242: „Die älteste Heimat der Götter, die uns greifbar wird, ist der Himmel. Auf der Narmerplatte, zu Beginn der Geschichte, blicken die Köpfe der kuhgestaltigen Himeelsgöttin auf das irdische Geschehen herab [...], auf dem Elfenbeinkamm des frühen Königs Djet (um 2840 v. Chr.) fährt zum ersten Mal eine Gottheit in einer Barke über den HImmel - eine Szene, die in späteren Darstellungen unzählige Male wiederholt wird. Wenn der Verstorbene des Alten Reiches nach einem Zeugnis der Grabinschriften, auf den schönen Wegen der Nekropole „zu den Göttern" geht, werden wir an ein himmlisches Jenseits denken, wie es die Pyramidentexte ausführlicher schildern. Der Himmel, wo die Götter wohnen, ist in diesen Sprüchen das deutliche Ziel für die Jenseitsreise des Königs. Wenn die Texte des Alten Reiches von einem „Gott" auf Erden sprechen, ist wohl immer der regierende König in der Rolle des Schöpfergottes gemeint."

S. 243 - 244: „In den Sargtexten des Mittleren Reiches tritt neben das himmlische Jenseits ein unterweltliches, das die Unterweltsbücher des Neuen Reiches dann in aller Ausführlichkeit beschreiben. Die Zweiheit Himmel/Unterwelt für das Jenseits, nunmehr auch für die Götterheimat, spiegelt sich in zahllosen Redewendungen des Neuen Reiches, aber schon die Pyramidentexte erwähnen "alle Götter, die im Himmel sind und die in der Erde sind" (§ 1522). In Amunhymnus von Kairo (1, 4) ist der Sonnengott "der Größte des Himmels, der Älteste der Erde", ähnlich wie im Grab des Chaemhât aus der Zeit Amenophis´III. „Ältestere von Himmel und Erde". Daß „Erde" hier die Unterwelt meint, wird aus weiteren Aussagen deutlich genug. Amun-Re ist nach einem anderen Hymnus (ÄHG 207) „reich an Erscheinungsformen im Himmel und in der Erde". und auf den Pfeilern im Barken-Sanktuar von Medinet Habu (VII 506 DE) sind „die Götter, die im Himmel sind" und „die Götter, die in der Erde sind" nebeneinander dargestellt. Durch die verwendete Präposition unterscheidet die ägyptische Sprache stets sorgfältig zwischen Wesen, die auf Erden, und solchen, die in der Erde sind, d. h. in der Unterwelt.

Eine genauere Systematik der göttlichen Gegenwart zeigt der Leidener Amunhymnus (ÄHG 138, 15f.) aus der Zeit nach Echnaton. Danach befindet sich der Ba des Schöpfergottes im Himmel, sein Leib in der Unterwelt und sein Abbild (chenti) auf Erden (entsprechend auch ÄHG 98, 37 - 39). So ist die Gottheit in der ganzen geordneten Schöpfungswelt anwesend gedacht, aber in jeweils verschiedener Art und Gestalt. Der bevorzugte Wohnsitz ist immer noch, wie im Alten Reich, der Himmel, daher bezeichnet man bestimmte Grenzbereiche der irdischen Welt, die dem Himmel bessonders nahe sind, als „Götterland". Als sekundärer, vorübergehender Aufenthalt dient die Unterwelt, wo sich Ba und Leib allnächtlich vereinigen. Auf Erden aber wohnen die Götter nur im Bilde - im König als Gottesbild, im Kultbild der Tempel, in den heiligen Tieren, Pflanzen und Gegenständen

Aber das Bild ist für den Ägypter ja nicht „nur" ein Bild, sondern Wirklichkeit und leibhaftige Gegenwart. Der Tempel ist ein „Himmel," auf Erden, der das wirkende Bild der Gottheit enthält und ihr selbst als Wohnsitz dienen kann."

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Die wichtigsten Götter Ägyptens aus einer 3000-jährigen Geschichte aufzulisten, ist keine leichte Aufgabe. Zur Zeit der Pyramiden war z.B. der spätere Reichsgott Amun den allermeisten Ägyptern noch völlig unbekannt. Götter, die beim Volk äußerst beliebt waren, wie der zwergengestaltige Bes, wurden von den meisten Pharaonen einfach ignoriert. Im Folgenden sind daher die bekanntesten und wichtigsten Götter Ägyptens kurz beschrieben, wie man sie auf vielen Tempel- und Gräberwänden sehen kann.

http://www.selket.de/goetter-aegyptens/die-wichtigsten-goetter/

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Einen typischen Namen gibt es nicht. Man sagt dass die ägyptischen Götter im Himmel sowie in der Unterwelt lebten, manche Götter lebten auch auf der Erde.

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Für die konkrete Antwort auf die obige Frage empfehle ich dringend das Werk von Manfred Lurker: "Lexikon der Götter und Symbole der Alten Ägypter" (München 2011 (15 EURO) ) !!

pk

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