Wie bringt man dem Pferd geschlossenes Stehen bei?

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7 Antworten

Tja, theoretisch weiß ich es. Ein Pferd steht dann rund und geschlossen, wenn das geradegerichtete Pferd zuvor perfekt an den Hilfen steht und man die ganze Parade frühzeitig einleitet. Die ganze Parade erfordert das perfekte Zusammenspiel aller Hilfen.

Praktisch... übe ich das seit Jahren. Vergeblich. Obwohl mein Pferd professionell beritten worden ist (zwei Jahre zweimal in der Woche, unter meiner RL schnupperte die Stute an der M-Dressur), obwohl ich ewige Zeiten Einzelunterricht bekomme, klappt bei mir die Ganze Parade eher selten.

Natürlich hält mein Pferd an, das macht es auf Stimme, aber die perfekte Ganze Parade funktioniert bei mir von 10 Versuchen vielleicht 1 mal. Eher seltener. Wenn es klappt, dann ist das eine Sektrunde im Stall wert.

Na ja....ich habe eine TV Sendung über die Dressur-EM in Aachen gesehen, wo der Kommentator sagte, dass die Ganze Parade mit doppelter (oder sogar dreifacher) Punktwertung gerichtet würde. DAs war ein Trost, denn dann dürfte sie nicht so einfach sein. Und sie ist auch den Großen im Viereck längst nicht immr gelungen. Oft musste nachkorrigiert werden.

Also tröste dich. Aber gewöhn dir das Zerren ab. Dadurch gelingt es NIE. Meine RL sagt dann immer mahnend/strafend: "Was war jetzt mit der Hand gezogen."  Und glaub mir, mit der Hand geritten, wird nie eine gute Ganze Parade draus. NIe.


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Vom Pferd aus ist ist eigentlich gar nicht, dass man es beibringen muss.
vom Boden, ehrlich gesagt keine Ahnung da habe ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht.

Wenn du mit dem Kreuz durchpariest, ohne vorne rum zu zuziehen, dann steht dein Pferd automatisch geschlossen. Also Kreuz anspannen beide Beine gleichmäßig dran und vorne eine Kurze Parade, und schwups das Pferd steht geschlossen ;) das ist aber eine Übungssache.

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Kommentar von Dahika
27.04.2016, 13:28

Na ja..... hört sich in der theorie einfach an. Ist es aber nicht, und ich bin keine talentfreie Zone.

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für das geschlossen Stehen von unten machen wir es mit unseren Fohlen/Remonten wie folgt:

sie lernen natürlich erstmal, sich artig führen zun lassen und auch anzuhalten - auf Komando.

dann legen wir eine dicke Stange hin nund lassen das Pferdchen direkt davor anhalten - sie verstehen sehr schnell, daß sie korrekt davor stehen sollen.; die Hinterhand kann man etwas touchieren/kitzeln, um sie ran zu holen.
(wir lehren auch das Überschreiten der Stange Fuß für Fuß; immer hübsch mit 3 Atemzügen Pause dazwischen)

später reicht ein Strich auf dem Sandboden
und dann geht es bald einfach so, ggf mit gaanz leichtem  fast unsichbarn Zubbeln

(ABER: wir züchten Verlaßpferde und KEINE aufgedrehten Sportkracher, wie sie die Beurteilungskommisionen sehen wollen....wo die Fohlen gelobt & prämiert werden, die kaum einen Huf am Boden halten können....
und natürlich bist es bei munserer Vorbereitung von klein auf ein leichtes, der remonte zu erkläeren, was gewünscht ist; mal abgesehen vom durchlässigen genick - das saubere Stand ist das Erste das klappt!  Ohne den wird eh nicht aufgesessen...)

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Man bringt es dem Pferd nicht bei. Weder das geschlossenen Stehen, noch das Nachgeben im Genick.

Deine beiden Fragen sind schon " falsch rum". 

Richtig erkannt hast du, dass man das Genock nicht hauptsächlich mit der Hand zum nachgeben bringt. Durch korrektes Treiben mit dem Schenkel und schmeichelnden Sitz animiert man das Pferd, die Hand zu suchen, die dann eine weiche Verbindung hält.

Wem man beides beibringen muss, das bist DU! Aber das geht nicht per Internet, da brauchst du guten Unterricht, und im Normalfall ergänzend ein Buch, damit Du die Zusammenhänge zwischen dem was Du tun solltest, und dem,  wie das Pferd reagiert, überhaupt verstehen kannst.

Richtig erkannt hast du, dass man das Genock nicht hauptsächlich mit der Hand zum nachgeben bringt. Durch korrektes Treiben mit dem Schenkel und schmeichelnden Sitz animiert man das Pferd, die Hand zu suchen, die dann eine weiche Verbindung hält

Durch richtiges, gutes Reiten bringst du das Pferd zum Nachgeben, und wenn es weich durchs Genick geht, kannst du jedes seiner Beine einzeln  bewegen ( bzw hinstellen), wo du es möchtest. Sozusagen, als sei es eine Marionette und Du der Spieler. Es ist viel Geschick nötig, um " alle Fäden richtig in der Hand zu haben" und dadurch etwas gut koordiniert zu bewegen.

Aber das lernt man nicht mal eben wie Autofahren - man braucht dazu Jahre konzentrierten Übens. Deshalb sieht man es auch so selten. Die einen üben noch, die anderen verzichten darauf und tun ihrem Pferd in ihrer Ungeduld  Gewalt an.

"Reiten ist erst dann eine wahre Freude, wenn Du durch eine lange Schule der Geduld, der Feinfühligkeit und Energie gegangen bist, die Dir das Pferd erteilt." ( Autor hab ich vergessen)

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Kommentar von ponyfliege
27.04.2016, 14:36

ich stimme dir völlig zu. bis auf den teil mit dem auto.

schön fahren ist genauso komplex wie schön reiten.

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Auch, wenn man eine ganze Parade top reitet, kommt es immer wieder vor, dass Pferde nicht sauber geschlossen stehen oder bleiben. Da viele die Hilfengebung schon so weit beschrieben haben, wie es ohne Trainer möglich ist, möchte ich noch auf die anderweitigen Themen eingehen, die immer noch offen sind, wenn der Reiter alles gibt, es korrekt zu machen:

- Gesundheit des Pferdes: Manche gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen dazu, dass das Pferd ein Bein etwas aus der Last nimmt. Das sollte man als Reiter respektieren. Ist einfach vieles, was man mit dem beeinträchtigten Pferd macht, Krankengymnastik.

- Geraderichten: Ein Pferd, dessen natürliche oder erworbene Schiefe sehr ausgeprägt ist, kann nicht geschlossen stehen. Hier muss ich nehmen, was ich bekomme und am Geraderichten weiter arbeiten.

- Vorwegnehmen der nächsten Lektion: Sehr oft wird das Stehen nur so geübt, wie es für die Grußaufstellung notwendig ist - ein flüssiger Übergang von der Einreitgangart zum Halten und flüssig in der Folgegangart wieder raus. Wenn das Pferd das Prozedere kennt, wird es schon auf die Hilfe zum weiter reiten warten und auf das kleinste bisschen reagieren. Hier muss ich beim Training unbedingt drauf achten, das Halten nach unterschiedlicher Zeit und wirklich mit einer absolut sauberen Hilfe zu beenden und so lang ich nur atme oder mein Gewicht eine Hilfe zu geben scheint beim Gruß, ist das nicht zu beachten. Das ist eine Übungsfrage.

- Ins Halten gestolpert: Genauso darf ich den Übergang zum Halten nicht zu ruppig reiten. Bekommt das Pferd im letzten Moment erst mit, dass es halten soll, kann ich ihm nicht verübeln, dass es irgendwie ankommt. Ich muss es vorbereiten. Das kann sein, dass ich den Schritt oder Trab zurücknehme, zurücknehme, zurücknehme und dennoch weiter reite bis der Punkt gekommen ist, von dem man weiß, das klappt jetzt. Es ist zu Beginn des Übens oder bei der Korrektur relativ egal, wo das Pferd zu stehen kommt, erst mal muss es sauber werden. Dann ziele ich auf den Punkt hin.

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Das geschlossene Stehen ist - wie Lheurebleue schon geschrieben hat - ein Ergebnis eines korrekten Übergangs zum Halten. Wenn das Pferd durchlässig ist und vor den treibenden Hilfen des Reiters steht, dann kann ich das Pferd durch vermehrtes Treiben (mit beidseitiger Gewichtshilfe und beidseitig treibendem Schenkel) an den durchhaltend bzw. annehmend-nachgebenden Zügel treiben und der Übergang ist dann das Ergebnis von dem sich am Zügel abstoßendem Pferd.

Als Übung um es zu verbessern kann man den Übergang "lang ziehen", d.h. immer wieder während des Übergangs zum Treiben kommen, damit man aus einer Vorwärtstendenz zum Halten kommt. Eine weitere Übung wäre immer gedanklich "einen Schritt weiter reiten" nach dem Übergang zum Halten.

Insgesamt ist also die Vorwärtstendenz auch bei einem Übergang in eine niedrigere Gangart bzw. zum Halten Voraussetzung dafür, dass der Übergang durchlässig wird und im Resultat dann geschlossen steht und durchlässig bleibt. Ein ins Halten gezogenes Pferd ist nicht mehr durchlässig am Maul sondern festgeritten und steht demzufolge auch nicht mehr an den Hilfen (das was du mit im Genick nachgeben meinst).

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Kommentar von Urlewas
27.04.2016, 08:18

Super erklärt.

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Vielleicht lässt du es mal auf eine kleine Erhöhung wie einen Stapel aus geraden Brettern gehen, der recht schmal ist

Oder irgendwas wo es eben forciert wird die Beine enger zusammen zu nehmen.

Dann dort stehen lassen und nach Hause ^^ Nein Spaß.. Dann eben runter und hoch immer wieder mit Pausen oben. Dann vielleicht auf flachen Boden Wassergraben rechts und links ausheben und in der mitte durchlaufen.

PS ich hab keine Ahnung von Pferden und hoffe es hilft trotzdem als Anregung ^^

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Kommentar von Baroque
27.04.2016, 11:16

Hilft leider nicht, denn "geschlossen" stehen, wie wir es von den Pferden möchten, ist, dass sie wirklich auf allen Vieren stehen, Last auf alle verteilt und ein geschlossenes Rechteck bilden. Dabei sollen die Beine eben nicht extra eng oder so stehen, sondern idealerweise möglichst direkt unter ihrer "Aufhängung" bzw. die Hinterbeine ihrer Winkelung entsprechend.

Der Weg dorthin geht über Gymnastizierung, sodass sie so ein "gerades Körpergefühl" bekommen, dass es für sie am angenehmsten ist, die Last wirklich gleich zu verteilen.

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