Frage von Roac1, 158

Welche alternativen Reitweisen gibt es für mein Pferd?

Hey,
ich komme mit meinen Fragen mal hierher, vllt. kann mir ja jemand helfen.

Ich besitze seit 2 Jahren eine 16jährige Holsteinerstute.
Leider war sie schon immer in einem sehr schlechten muskulären Zustand und nach einer Sehnenverletzung stand sie jetzt 6 Monate und darf langsam wieder geritten werden.

Leider finde ich nicht die richte Art zu reiten für uns.

Sie lässt sich nicht ohne Druck an den Zügelreiten, egal wo ich war, alle englischen Trainer, Ausbilder haben mir zu 'mehr Druck' geraten oder sind selber mit extrem staker Hand geritten. Auch wenn sie dann am Zügel ging, reell war das nie.
Die Folgen für mein unachtsames Verhalten musste ich selber tragen.
Ein halbes Jahr ging es gut, dann begann sie sobald man kleinsten Druck auf den Kopf (egal ob mit oder ohne Gebiss) zu steigen.

Ich hatte überlegt auf Western umzusteigen, da mir die Einstellung zum Englisch Reiten nicht gefällt.
Leider senkt sie ihren Kopf nicht ab und Belastet nur die Vorhand und drückt den Rücken weg. Mein Trainer sah hier keine Chance, auch sei ihr Exterieur nicht geeignet (langer Hals, langer Rücken, fast 1.75m groß).

Jetzt suche ich nach anderen alternativen Reitweisen, mit denen ich Muskeln aufbauen kann, bzw. Ihr entgegenkommen kann, was Rücken etc angeht. Und was sie losgelassener und lockerer macht? Was anderes als Englisch/ Western/ Barock etc.?
Kennt ihr außerdem vllt. Tipps für muskelaufbauende Boden-/ Longenarbeit? Ausbinden lässt sie sich leider nicht und ohne Ausbilder läuft sie (auch nach 2 wöchigem Longierkurs) wie ein Hirsch...

Die andere Alternative wäre verkaufen, denn so langsam verliere auch ich die Lustund den Spaß  an der Arbeit mit ihr....

Danke schon mal im Voraus!

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Roac1,

Schau mal bitte hier:
Krankheit Englisch

Antwort
von LyciaKarma, 49




Leider war sie schon immer in einem sehr schlechten muskulären Zustand 

Was hast du denn bisher dagegen gemacht, außer reiten und ausgebunden longieren?




Ein halbes Jahr ging es gut, dann begann sie sobald man kleinsten Druck auf den Kopf (egal ob mit oder ohne Gebiss) zu steigen.

Du hast das ein halbes Jahr mit dem armen Ding machen lassen? Kein Wunder.. Weißt du, womit sie steigt? Mit Recht.




Jetzt suche ich nach anderen alternativen Reitweisen, mit denen ich Muskeln aufbauen kann, bzw. Ihr entgegenkommen kann, was Rücken etc angeht.

Und wie wärs, wenn du dem Tier erstmal Muskeln gönnst? Da kannst du sonst reiten, was du willst und es wird nichts werden..




Ausbinden lässt sie sich leider nicht und ohne Ausbilder läuft sie (auch nach 2 wöchigem Longierkurs) wie ein Hirsch...

"Leider"? Natürlich macht sie das nicht. Da machst du ja genau das, was du eigentlich nicht willst. 



Die ziehen mit Gewalt den Kopf des Pferdes runter, das hat auch nichts mit Rücken aufwölben oder dehnen zu tun, Letzteres geht nämlich gar nicht.  

http://www.abload.de/img/ausbinder687h.jpg

Folglich wird ein Pferd sich entweder auf das Gebiss legen oder hinter dem Gebiss verkriechen, denn sonst wird es ständig einen Ruck ins Maul bekommen.  

Versuch mal, den Kopf auf die Brust zu legen und gleichzeitig ein Hohlkreuz zu machen - das geht, tut aber weh. Viele Pferde drücken aber den Rücken mit Ausbindern durch, was zu einer extrem schmerzhaften Übersäuerung der Muskeln und einer Überdehnung der Oberlinie führt.  

Außerdem geben Ausbinder nicht nach, wie es eine gute Reiterhand kann. Das Pferd wird fixiert. Versuch du mal, ohne den Kopf zu bewegen, ein paar Runden zu laufen. 

Die richtige Lösung ist ein Kappzaum zum Longieren. Reiten mit Hilf(losigkeit)szügeln ist genauso schädlich wie Longieren mit den Teilen.  

Hier würde noch interessieren, was das für ein Longierkurs war. 




Die andere Alternative wäre verkaufen, denn so langsam verliere auch ich die Lustund den Spaß  an der Arbeit mit ihr....

Das Pferd wirst du nur schlecht verkauft kriegen und ehrlich gesagt sehe ich auch keinen Grund, wieso das Pferd dafür büßen soll, wenn du es nicht richtig gemacht hast.


Hol dir einen passenden Kappzaum, den Longenkurs von Babette Teschen und fang nochmal von vorn an. Und zwar ganz ohne Reiten, sondern mit Spazieren gehen, Longieren, Schritt bergauf und bergab, Doppellonge, Stangentraining usw usw. 

Nach ca einem halben Jahr, wenn dein Pferd gut Muskeln bekommen hat, kannst du wieder ans Reiten denken.


Ich persönlich mag akademisch/klassisch barock sehr gern, weil hier absolut auf den Ausbildungsstand des Pferdes geachtet und sehr schonend ausgebildet wird. 

Ich gehe davon aus, dass sie eingehend untersucht wurde. Zahnarzt, manueller Therapeut, Sattler.

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 83

was sehr schön gewesen wäre, das wären ein paar fotos von dem pferd gewesen.

und aus deiner frage entnehme ich: irgendwas klemmt bei DIR, was nicht passt.

warum hast du dieses pferd, ausgerechnet dieses gekauft? was für ambitionen hattest du? was hat dich nach dem probereiten so überzeugt, dass es dieses pferd sein musste?

das andere - holsteiner sind nun mal so gebaut.

wenn du dir diese stute anschaust - so ähnlich stelle ich mir deine vor, nur im mittelstück weicher.

http://www.pferde.de/fm/pferde_goja.a.54.de/pf_thumb_width_600/DSCN0241.JPG.JPG

wenn natürlich dein pferd hundert meter auch nur vom ansatz von etwas entfernt ist, was man als oberlinie bezeichnet, dann wirst du bei diesem pferd nie die gewünschte aufrichtung erreichen. dazu brauchst du eins, wo ordentlich pferd vor dir hast - bei deiner scheint der blick ins innere der erde völlig unblockiert. je mehr aufrichtung du erreichen willst, desto unterhals. ist nun mal bei solchen pferden so.

ein dressurpferd wird deine stute ihr lebtag nicht mehr. der lange hals bedingt nun mal die vorderlastigkeit. dass allerdings deine trainier nicht wissen, wie man ein solches pferd so arbeitet, dass es mit der hinterhand last aufnimmt - das ist ein unding.

ein vorschlag wäre da: lerne vorwärts-abwärts reiten - egal in welcher reitweise. nicht die pferdenase am boden, sondern auf unterer bughöhe.lass die zügel weich, in der hand nachgeben, mit dem bein von hinten herantreiben. nur schritt und leichttraben. zunächst mal, damit sie den unterhals verliert.

besorg dir ein podest später von 1,30m länge, für den anfang reicht ein stück baumstumpf von 40cm durchmesser und 25cm höhe. es gibt eigentlich kein pferd, das nicht gern podestarbeit macht. du fängst damit an, dass du das pferd mit den vorderbeinen hinaufsteigen lässt. damit nimmt die hinterhand zwangsläufig last auf. ebenso, wenn dein pferd durch rückwärts gehen wieder hinabsteigt. vorderhandwendung,indem das pferd mit der hinterhand ums podest läuft. schult den gleichgewichtssinn und entlastet die vorhand.

später übst du dann mit dem "richtigen" podest die versammlung, indem du das pferd mit allen vier beinen auf das podest steigen lässt.

wichtig ist wirklich, dass dein pferd endlich lernt vorwärts abwärts zu gehen und mit der hinterhand last aufzunehmen. nach dem sehnenschaden hast du nämlich sonst in 1/2 jahr ein rentnerpferd. - und ehrlich gesagt - mit der vorgeschichte findest du auch keinen käufer mehr für die stute.

ich würde dir dringend raten, dir von peter pfister das buch ranchreiten zuzulegen. das ist eine reitmethode, bei der die fähigkeiten und möglichkeiten jedes einzelnen pferdes individuell analysiert werden und die reitmethode auf das pferd abgestimmt wird.

es gibt kein richtig und kein falsch. es gibt möglichkeiten, die dein pferd hat - und manche, die es nicht hat.

ein paar fotos wären trotzdem nicht schlecht. dann könnte man zielgerichteter antworten.

im kommi folgt dann noch ein linkfoto von der arbeit mit dem podest.

das andere, was unbedingt geschehen muss - und das kannst nur du ganz allein - du musst den schalter umlegen und dein pferd wieder positiv wahrnehmen. nur so kann aus dem gegeneinander überhaupt ein miteinander entstehen - das wäre dann die grundlage zum natural horsemanship.

wenn du rückfragen hast - du bekommst gern eine antwort.

Kommentar von ponyfliege ,

so sieht das aus, wenn das pferd dann ganz auf dem podest steht. achte auf die hinterhand (lastaufnahme und gleichgewichtssinn) und die körperhaltung des pferdes (das auch keine schöne oberlinie hat). das pferd ist im gleichgewicht, hat eine gute körperspannung und wölbt den rücken auf. 

http://www.trailrider.de/ci_16643184/small_31985429.JPG

Kommentar von Dahika ,

"ein vorschlag wäre da: lerne vorwärts-abwärts reiten - "

Du weißt aber schon, dass das korrekte V/A nichts mit "Am langen Zügel dahinlaufen" zu tun hat. Ein Pferd, das einfach mit tiefem Kopp am langen Zügel, auch wenn der Kopf nur bis zum Buggelenk geht, dahinläuft, schlufft auf der Vorhand.

Zum korrekten V/A gehört der gehobene Rücken und die pos. Körperspannung. Das Pferd muss in der Lage sein, in Selbsthaltung zu laufen. So ein Pferd ist dann reichlich weiter als bis E ausgebildet.
Meine RL, die immerhin bis S ausbildet, sagte mal, dass das korrekte V/A das Schwerste der gesamten Reiterei sei.

Kommentar von ponyfliege ,

genau das KORREKTE  meine ich. man kann es sich gut auf der homepage von "wege zum pferd" ansehen.

korrektes v/a sollte ein junges pferd als allererstes direkt nach der gleichgewichtskoordination lernen. und der reiter direkt nach den ersten stunden im freien reiten.

alles, was tiefer als buggelenk (oder mehr als etwa 45° zur normalen kopfhaltung) nach unten ist, sollte man dem pferd keinesfalls erlauben - es entspricht der äussersten drohhaltung und die darf man seinem pferd unter dem reiter KEINESFALLS gestatten. der gang wird dann staksg und hoppelig.

ich bin nicht bis S ausgebildet, sondern feld- wald- und wiesenjohnny. mein reitlehrer hat sich (lang lang ists her) die mühe gemacht, das schwerste zuerst zu lehren (v/a und schritt reiten) - mit dem argument,wenn man das erst mal kann, ist erstens alles andere kein problem mehr und zweitens benötige man das, um sein pferd generell unter dem sattel gesund zu erhalten.

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 16

Was meinst du mit "alternativer" Reitweise? Es gibt alternative Reitweisen, die bloßer Fleischtransport sind. Rai-Reiten, Halsringreiten, etc...

Dann gibt es "alternative"  Reitweisen, die so alternativ gar nicht sind. Das wäre dann die klassischen Reitweisen nach P.Karl, Branderup, oder die altkalifornische Westernreitweise.

So wie du das Pferd beschreibst, ist es mit zuviel Hand geritten worden. Und dagegen wehrt es sich. Es hat kein Vertrauen in die Hand.

Wenn das Pferd aber dabei gesund geblieben  (Stichwort: kissing spines) und osteopathisch durchgecheckt ist, ist gegen die ganz normale englische Reitweise nichts einzuwenden. Die ist ja nicht schlecht, sondern wird oft nur sehr schlecht ausgeführt.

Jedenfalls bringt es deinem Pferd nichts, wenn du es nun am langen Zügel dahinlatschen lässt. Das ist auch nicht schonend, denn was ist schonend daran, ein Pferd auf der Vorhand laufen zu lassen.

Hier passt wieder einmal der Ausspruch:
 "Richtig reiten reicht." Auch bei deinem Pferd.

Antwort
von Tasha, 74

Als Laie fiel mir dieser Satz auf:

"Ein halbes Jahr ging es gut, dann begann sie sobald man kleinsten Druck auf den Kopf (egal ob mit oder ohne Gebiss) zu steigen."

Wurde sie vom TA untersucht und wurden Schmerzen durch den Zügeldruck etc. ausgeschlossen?

Wenn es so massive Verhaltensprobleme gibt, wird ja oft ein Tierarztcheck empfohlen, um auszuschließen, dass das Tier irgendwo Schmerzen hat oder es andere Ursachen als "Ungehorsam" für ihre Verhalten gibt (wie Du scheribst, evtl. falsche Bemuskelung - dafür sollte der TA dann auch entsprechende Übungen nennen können, oder nicht?).

Kommentar von Roac1 ,

Danke für Deine Antwort!
Aber durchgecheckt ist alles... Rücken ist geröntgt, Beine auch, Sattel ist angepasst. Ich habe sie nur leider zu lange mit harter Hand (viel Druck auf den Zügel) geritten, bzw reiten lassen. Sie wurde also sozusagen in diese Position gezwungen und versucht durch das Steigen dem Druck auszuweichen ...

Kommentar von LyciaKarma ,
Rücken ist geröntgt, Beine auch,

War ein manueller Therapeut da, um Verspannungen und Blockaden zu lösen?

Antwort
von Punkgirl512, 63

Longieren mit Kappzaum mit dem Longenkurs von Babette Teschen (www.wege-zum-pferd.de) hilft ungemein schonmal. 

Ansonsten - viele Reiter schwenken Richtung akademischer Reitkunst inzwischen, gerade nach Verletzungen, und weil sie die Schnauze voll haben von vorne ziehen, hinten treiben. 

Dazu gibt es auch inzwischen viele Trainer, die mobil unterwegs sind oder auch Kurse. 

Die Gymnastische Arbeit steht im Vordergrund, ebenso wie die Freude an der Zusammenarbeit daran. 


Nebenbei bemerkt - 2 Wochen Longierkurs, mit was für Ausrüstung denn? Muskulatur braucht etwa 9 Monate, um sich korrekt zu entwickeln, nach 2 Wochen Ausbindern hat das Pferd doch tierische Schmerzen der Muskulatur, da würde ich auch wie ein Hirsch laufen, tut ja eh alles weh. Falsche Longenarbeit!

Kommentar von ponyfliege ,

gell - schlaues pferd, das mit ausbindern gar nicht mehr laufen mag.

Antwort
von Kadidi, 9

L'ecole de légèreté - mein absolutes Vorbild ist Philippe Karl. Ganz toll. So ähnlich wie Western. Das das Pferd den Kopf nicht fallen lässt, ist hierbei nicht schlimm. Hol dir am besten eine Legerete Trainerin. Jedenfalls lässt jedes Pferd iwann den Kopf fallen

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