Frage von Prometheus12347, 75

Stumpfen wir immer mehr ab?

Verlieren wir durch die riesige Flutwelle von schrecklichen Dingen, die die Medien uns tagein tagaus zeigen, immer mehr unser Mitgefühl? Sind wir bald alle gefühlslose Psychopathen? Werden Dinge wie Mord, Vergewaltigung, Elend und Krieg für uns immer weniger bewegend und uninteressanter? Sind wir schon so weit, das wir vollkommen Gefühlstod sind?

Ich bemerke immer öfter, das wenn ich Nachrichten sehe oder Zeitung lese, das ich weiß, das all diese Dinge unmoralisch, Krank, abscheulich und schrecklich sind, aber ich spüre kaum oder fast keine Gefühlsregung. Ich habe in den Nachrichten gesehen, das von einer Frau berichtet wurde, die ihre Kinder umgebracht hatte und ich spürte nichts, sondern wusste nur durch den gesunden Menschenverstand, das das abscheulich war.

Bin ich ein Soziopath? Oder sind wir mitlerweile alle so? Wie kann sich das ändern?

Antwort
von Eselspur, 44

Es gibt einen guten Songtext dazu, der ist allerdings glaube ich von 1984. - Es ist immer Aufgabe, wieder zurück zu Menschlichkeit zu bewegen!

STS: KALT UND KÄLTER

Du sagst, es is vorbei mit uns, dei' Liebe is ned mehr so gross
I sag, das hab i kommen seh'n es tut ma leid, i wünsch dir was
Vor fünf Jahr wär i tausend Tode bei so einer Erklärung g'storb'n
Und heut bedeutet das ned mehr als hätt i in der Loterrie verlor'n

Wenn i heut vor an Auftritt steh, und tausend Menschen sind im Saal
Dann schwitzen meine Händ ned mehr, und meine Nerven sind aus Stahl
Ka Zittern und ka Beebn mehr, ka Angst und ka Entschweben mehr
Und irgendwie komm i damit ned klar, es is ned mehr wie's früher war

Und i wer' kalt und immer kälter
I wer' abgebrüht und älter
Aber das i will i ned, und das muss i jetzt klär'n
I möcht lachen, tanzen, singen und rear'n
Angst und Schmerzen soll'n mi wieder würg'n
Und die Liebe möcht i bis in die Zehenspitzen spür'n

Im Fernsehen sag'n Politiker, wie schwer es is uns zu regier'n
Dann siehst, wie in Äthiopien die Kinder wie de Flieg'n krepiern
I spür zwar und ganz leisen Schock
Doch mit'n Pivo in der Hand denk i :
Was soll i ändern an die Probleme von a'm so fremden Land

Und i wer' kalt...

Der Chef vom Kreml raucht a Camel und trinkt dazua a CocaCola
Der Cowboy in Amerika liebt Krimsekt und frisst Kaviar
Doch wir wissen, wann die zwei sich streiten, druckt einer auf den Knopf
Und die Bomb'n fallt mit Sicherheit uns ohne Warnung auf den Kopf

Und i wer' kalt...
Antwort
von maewmaew, 46

natürlich stumpfen menschen immer mehr ab, das ist ganz natürlich. menschen sind sehr anpassungsfähig und zu um sich an etwas anpassen zu können muss man die fähigkeit haben sich an bestimmte gegebenheiten zu gewöhnen. menschen gewöhnen sich an alles mögliche, das leben auf dem land oder in der grosstadt, natürliche gegebenheiten und auch an dinge die andere menschen tun, dabei spielt es absolut keine rolle an was man sich gewöhnt, es kann sehr scharfes essen sein, extrem warmes oder kaltes wetter oder eben auch mord und totschlag. wenn man also etwas bestimmtes jeden tag sieht, hört, liest, fühlt oder erlebt dann wird dies irgendwann zur normalität und damit auch bis zu einem gewissen grad belanglos, bzw. die gefühlsreaktionen darauf werden immer weniger.

wenn du für dich selbst daran etwas ändern willst, schau mal 1 jahr lang kein fernsehn, lies keine zeitung und vermeide jede art von nachrichten. wenn du dann nach diesem jahr die nachrichten schaust und siehst was in der welt grad alles so übles abgeht wird dich das sehr wahrscheinlich hammermäßig schokieren.


Antwort
von technikexperte, 75

Ich fürchte, das sind Attribute der gegenwärtigen Zeitphase. Wenn man seine Emotionen nicht justieren kann auf diese Darstellungen in den Massenmedien wird man wohl nicht umhinkommen, Dir zuzustimmen. Aber es ist gut, dass Du das bemerkst. Und wenn ich davon ausgehe, dass andere Menschen ebenso empfinden, ist noch nicht alles verloren. Psychische Gegenwehr ist Gebot in der heutigen Zeit, das kann nur der Einzelne...

Antwort
von Nachtzirkus, 71

Ich würde sagen, dass eher das Gegenteil eintrifft: Wir werden immer weicher. 

Es passierten doch schon immer wirklich schlimme Ereignisse. 

Aber das ist sehr subjektiv und ich glaube, dass man das auch gar nicht so auf die gesamte Menschheit verallgemeinern kann. Außerdem reagiert auch jeder Mensch anders auf bestimmte Informationen. 

Kommentar von Prometheus12347 ,

Bin ich also Krank?

Kommentar von Nachtzirkus ,

würde ich nicht unbedingt sagen, du reagierst halt nicht wie die Allgemeinheit auf solche Ereignisse. Aber mir gehts auch wie dir. 

Antwort
von superlolly, 69

Ich persönlich lese solche Nachrichten nicht mehr.. :S

Antwort
von MrCrow667, 49

Hm, in gewisser Weise ja. Durch die ständige Berichterstattung an negativen Ereignissen werden viele innerlich immer abgebrühter. Es ist schon fast alltäglich, was wir da hören und lesen. Hierzu passt das Leid "Kalt und kälter" der Band STS, wo es unter anderem heißt: 

"Dann siehst, wie in Äthiopien die Kinder wie de Flieg'n krepiern
I spür zwar und ganz leisen Schock
Doch mit'n Pivo in der Hand denk i :
Was soll i ändern an die Probleme von a'm so fremden Land"

Antwort
von zeytinx, 67

Manche realisieren nicht das es wirklich passiert es sie höhren es glauben es aber so richtig verstehen sie es nicht.. Würden sie es erleben würden sie "zerstört " am biden liegen und heulen

Antwort
von MadXMario, 31

Die Erklärungsansätze meiner Vorposter würde ich nicht unbedingt teilen. Wen kratzt es ob irgendwo in Ruanda Genozid begangen oder Flüchtlinge zu tausenden auf Booten rüber nach Europa schippern. Tatsache ist, würden uns die Nachrichten permanent psychisch belasten, wären wir nicht mehr lebensfähig. Nein, du vergisst die schlechten Nachrichten genau so schnell wieder, wie du sie vernommen hast. Jetzt zu deiner Frage, warum sind wir so und sind wir wirklich gegenüber dem Schlechten auf der Welt blind? Nein, nur die wenigsten von uns sind soziopatisch veranlagt. Es hängt viel mehr damit zusammen, dass nur ein Bruchteil der Nachrichten die über Print- oder Telemedien gesendet werden, dein direktes Leben tangieren. Glaub mir, wenn ich direkt neben dir ein afrikanisches, ausgehungertes Kind zusätzlich mit einer Machete zersetze oder du Flüchtlinge mit eigenen Augen aufgehängt am Stacheldraht siehst, kommst du ganz schnell aus deiner Lethargie heraus.

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