Am Wochenende waren wir in einer evang. Kirche zu einem Konzert mit Kirchenchor, Orgelspiel usw. Es war sehr schön. Ein "Programmpunkt" war dann das gemeinsame Beten. Da wir atheistisch erzogen wurden, haben wir keinen Bezug zum Gebet. So taten wir, als ob wir beten würden, aber es war schon ein komisches Gefühl. Irgendwie hat man dann Schuldgefühle wegen Heuchelei, Unehrlichkeit usw. gegenüber dem "imaginären" Gott und anderen Besuchern, obwohl man ja eigentlich niemanden kennt und später wahrscheinlich nie wiedersehen wird.

Während die anderen beten, kann man ja im Stillen über was nachdenken. Mitsprechen gehört sich als Atheist eigentlich nicht. Gemeinsames Aufstehen und Hinsetzen ist allerdings anzuraten, das gebietet die Höflichkeit. Mitsingen hingegen halte ich - so man es will und kann - für o.k. Kirchenmusik gehört auch für einen Atheisten zum europäischen Kulturgut und ist per se kein religiöses Bekenntnis.

Nein, ich spreche nichts mit, an das ich nicht glaube. Wenn ich z.B. in der kath. Kirche bin (ich bin ev.) mache ich auch das Kreuzzeichen nicht.

Man braucht auch als Katholik nicht mitzubeten oder singen. Das ist jedem selbt überlassen.

Gott erwartet nichts und straft auch nicht. (Das tun nur Pfaffen, Päpste, brutalmöglichste Abklärchen und sonstige Parasiten)
Das zuvor, um theosophische Niederungen zu umschiffen.
Wenn du die Frage stellst, ob du etwas sagen sollst, was du nicht meinst, darf ich dich dann fragen, ob du auch nur lebst, weil du nicht zu widersprechen wagtest?
Ich bin in einer kommunistischen Diktatur, namens DDR, aufgewachsen. Dort war es usus ohne Widerspruch zu leben. Die Alternative hieß Ausgrenzung und im Extremfall Knast.
DanebenDenke am 17. Juni 2008 00:29 Meine ganze Familie hat einen meiner Spitznamen voll akzeptiert. Ich heiße bei allen "Alien". Bei den meisten Gesellschaften stelle ich mich auch liebend gerne so vor. Wie gesagt, das bisschen Sterben..... Who really cares...
DanebenDenke am 17. Juni 2008 00:34 Ha! Da guckst!! Was Wissen vom Glauben alles kann. Ätsch!!
Muß ich das jetzt verstehen ?...
DanebenDenke am 17. Juni 2008 00:49 Wenn du es nicht verstehen willst, warum liest du es?
@DanebenDenke: Das war ne Daneben-Denke ;) Gott straft schon auch. Nur die nicht, die das ANgebot von Jesus für sich angenommen haben. Ganz persönlich. Unabhängig von einer Kirche etc. FÜr die heißt es dann (Jesajabrief): "Die Strafe liegt auf ihm (Jesus) auf dass wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt." Aber Gott zwingt niemandem, seine Schuld abzugeben und dieses einmalige Angebot anzunehmen. Das darf jeder frei entscheiden. Aber muss dann mit der Konsequenz leben.
Auch wenn man zu anderen Gelegenheiten eine Kirche besucht (Taufe, Hochzeit usw.) muss man gar nichts. Wenn Du nicht weißt, was Du beim Beten der anderen mit Deinen Händen machen sollst, lege sie einfach übereinander ohne sie zum Beten zu falten. Du musst nicht so tun, als würdest Du mitsprechen. Wenn ich eine katholische Kirche besuche, knie ich mich niemals hin, dass wird von Nichtkatholiken auch nicht erwartet. Du wirst sehen, dass einige stehen bleiben. Du solltest aber schon aufstehen, wenn während der Andacht alle aufstehen. Wenn Du Freude am Singen hast, sing' mit, ansonsten lass es sein. Eins sollte man noch beachten. Wenn Du in eine Reihe trittst, das Gesicht immer zum Altar hin wenden, anders als bei Konzerten oder sonstigen Vorstellungen, da wendest Du Dein Gesicht zu den Leuten hin, an denen Du Dich vorbei drängelst. Das ist aber keine Kirchenregel, sondern ein normaler Knigge. Viel Spaß beim nächsten Konzert in der Kirche!
Starbuck am 17. Juni 2008 08:43 Sehr schöne Antwort!
Was tut man als nicht gläubiger in der Kirche? Taufe oder so? Denke man kann e sgetrost auslassen wenn man nicht kann/will. Aufstehen sollte jedoch noch drin sein.
Wie gesagt, wir waren wegen des Konzerts in der Kirche.

wer nicht dahintersteht muss auch nicht mitbeten ...
wieso Du dann allerdings überhaupt in die Kirche gehst, verstehe ich nicht so ganz
Das Konzert hat uns interessiert. Wir mögen auch klassische Musik.
Ringelkatze am 17. Juni 2008 00:16 Achso, demnach geht es nur um den Ort Kirche und Ihr seid nicht "in der Kirche", wenn ich das richtig deute?
Richig gedeutet.
Ringelkatze am 17. Juni 2008 00:34 Gut, dann kann ich alle hier schon stehenden Antworten nur unterstützen :-)
(Bin auch nicht mehr in der Kirche, weil ich nicht glaube und gehe auch nur, wenn es etwas Spezielles ist, Konzert, Ausstellung o.ä. ODER mich (meist in anderen Ländern) die Architektur interessiert. Und die Atmosphäre mag ich nach wie vor.)
Das sind auch genau unsere Beweggründe dahin zu gehen.

naja wenn man nicht glaeubig ist kann man ja so vieles, respekt ist hier die antwort

Wenn Du nicht mitbeten möchtest, hör doch einfach wach zu und erlebe es.
Veilleicht ist ein Satz für Dich drin, der Dich an diesem Tag anspricht. Da lohnt es sich dann, noch ein Bisschen nachzudenken.

Besonders bedeutsam hierbei ist für mich die Unehrlichkeit gegenüber sich selbst. Auch Atheisten sollten sich selber treu bleiben. Ich würde ja auch nicht auf einer Atheistischen Veranstaltung ein "atheistisches Glaubensbekenntnis" ("Es gibt keinen Gott!") sprechen, nur weil die anderen es sprechen.
Aber ich kann dir sagen: Das "Beten" eines Atheisten schadet nicht ... vielleicht hat ja doch jemand am anderen Ende zugehört! Auch wenn es nur ein "ungläubiges Stammeln" war. So long! ;-)

Ich denke, nur um beim frommen Gehabe mitzumachen, ist keine Entscheidung nötig mitzubeten. Solche nachgeplapperten Gebete sind sowieso leer und sinnlos. Sie bringen nichts, außer dass sie dich Spucke kosten und ein schlechtes Gewissen. Apropro schlechtes Gewissen. Sollte das Gewissen uns nicht daran erinnern, dass da doch eine Kraft dahintersteckt? Eine Kraft, die in die unsichtbare Welt hineingesprochen, unglaubliche Dinge in Bewegung setzt? Was ist, wenn die Bibel doch recht hat und es einen Gott gibt? Sind es nicht solche Gedanken, die im Unterbewußtsein rütteln. Ich rede nicht von Religion oder einer Kirchenzugehörigkeit, sondern von einer persönlichen Beziehung zu Gott, dem Schöpfer allen Seins. Wenn du das erkannt hast, würde ich aus tiefsten Herzen mitbeten - nicht nachplappern wie es auch einige Kirchengänger mit dir getan haben, die aber deswegen keine Schuldgefühle hatten, sondern sich auf ihr Frommsein etwas eingebildet haben, weil sie das Gebet auswendig wissen oder so "gut" sind und sogar in die Kirsche gehen. Wer weiß, was sich da für Gedanken abspielen. Darum finde ich deine ehrliche Art sehr bewundernswert. Nur mit ehrlichem Herzen kann man sich Gott nahen und ihn finden. Das wünsch ich dir.
Danke für diese hilfreiche Antwort.

Ich lese aus Ihrer Frage etwas anderes heraus, als in den anderen Beiträgen anklingt.
Sie sagen, Sie seien atheistisch erzogen, nicht dass Sie Atheisten sind. Das gleicht der Tatsache, dass mancher christlich erzogen, aber dennoch kein Christ ist.
Sie scheinen sich selbst aber nicht sehr sicher zu sein.
Ein solches wie von Ihnen beschriebenes Erlebnis kann durchaus der Auftakt zu einem Selbstfindungsprozess sein.
Das muss nicht in einer christlichen Kirche enden, kann aber.
bei all diesen Dingen darf man Nichtwissen nicht mit Ablehnung verwechseln.
Es steckt viel Weisheit im Gebet und es ist gewiss keine Beleidigung für Christen und ihren Gott, wenn jemand, der bislang keinen Kontakt damit hatte, ein gebet mitspricht.
Danke auch für Ihren Beitrag.
Ich würde da "pragmatisch" nach Lust und Laune verfahren: wenn ich mich danach fühle bete ich mit - auch wenn der Glaube fehlt.
Und wenn der fehlenden Glaube größer ist als die Lust, dann lass ichs bleiben.
darf ich mal direkt nachfragen, wohin Sie in Ihrem Leben schon gekommen sind mit diesem lustigen Lust-Prinzip??

So tun als ob, ist immer Unsinn, nicht nur in der Kirche. Niemand nimmt es Dir übel, still da zu sitzen und die anderen im Gebet nicht zu stören.

Ich war einmal katholisch, selbst zu dieser Zeit habe ich die Formel in dem Teil wo ich gelobe der "heiligen Katholischen Kirche" immer treu und dienstbar zu sein und sie als Sakrament zu sehen nicht mit gesprochen - ich habe sogar für die Pfarrer sichtbar das Bekenntnis deutlich unterbrochen und meinen sonst offenen Mund geschlossen - aus Protest.
Glauben ist wichtig, aber Kirche ist mir noch keine vorgekommen, die von der Struktur her gut aufgezogen gewesen wäre.
Auch beim Vater unser bete ich nur mit, wenn ich gerade in diesem Augenblick davon überzeugt bin.
Durch meine Arthrose erlaube ich mir sogar frei zu entscheiden, wann ich aufstehe und knie ;-)
Danke.

Ha! So läuft das! Du betest nicht mit und schon hast du Schuldgefühle und dann, dann haben sie dich! aufgeregte Geste mach Lass dich nicht einlullen und steh dazu nicht zu beten und zu singen.
> Ha! So läuft das! Du betest nicht mit und schon hast du Schuldgefühle und dann, dann haben sie dich!
Die Kirchenmitglieder? Die können dir bzw. Micha doch in diesem Fall egal sein. Du wendest dich ja mit dem Gebet direkt an Gott, und der kriegt ja mit, ob du ihn direkt ansprichst oder nur an ihm vorbeiredest ;-).
Nur so tun als ob und selbst nicht wirklich dabei sein, macht mitunter schon der ein oder andere Christ. Das sollte man sich als Atheist nicht abgucken ;-)

Das ist deine Endscheidung, aber es ist schon eine Art der Freundlichkeit mit zu beten.
wenn du nicht gläubig bist aber in die kirche gehst solltest du respekt den menschenn gegenüber zeigen und auch mit singen,knieen und dass beten was du beten kannst; so wie touristen in den thai-ländern auch die tempel betreten und sich diesen roten punkt auf die stirn malen lassen; ich persönlich kanns nich leiden wenn in der neu-russischen-orthodoxen-kirche in berlin touristen und schaulustige die kirche ohne kopftuch und ohne langen rock betreten(bei frauen), es ist zwar NEU-russisch-orthodox aber dennoch russisch-orthodox...

Dein Gefühl ist richtig. Ein Gebet ist wertlos, wenn das Herz nicht mitbetet.
Vielen Dank für die tolle Antwort !