Frage von Korkensammler, 232

Bekommen Russen wirklich Ländereien geschenkt?

Zur Zeit geistert in sozialen Netzwerken folgendes Bild:

Es impliziert, daß sehr viele Russen ihr Gemüse selber anbauen und dafür sogar 1-3 Hektar Land bekommen, falls sie noch keines haben.

Leider finde ich dazu sonst kaum Quellen, sondern immer solche Bildchen in unterschiedlicher Aufmachung. Gehört habe ich schon, daß viele Russen eigene Gärten haben, das ist mir klar, aber daß sie Land geschenkt bekommen?

Kann das ein Russe/Russischstämmiger bestätigen oder dementieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von JBEZorg, 94

Abgesehen von den absurden Zahlen von angeblich 1999 stimmt alles mit kleinen Abstrichen. So wie alle diese Bildchen ist es eben stark vereinfacht dargestellt.

1.In der SU gab es tatsächlich ein Programm das darauf ausgerichtet war, dass die Leute was in ihren Datschengärten anbauen um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Land für die Datschen wurde auch tatsächlich unentgeltlch vergeben. Stanadardgrundstücke hatten 600m2. Deswegen hatten sehr viele in der SU solche Grundstücke, de sie mehr oder minder bebaut haben und genutzt haben. Die meisten Leuten hatten nur Sommerhäuser drauf und im Winter wurden die Grundstücke nicht genutzt. Das war eben ganz normaler Sozalismus und nicht das was die Westpropaganda gezeigt hat. Die SU war kein Paradies, aber es gab eben auch gute Seiten.

2.Während der Privatisierung nach dem Zerfall der SU wurde nur eins zu Gunste der Bürger gemacht. Das Wohneigentum und die Datschen haben die Bürger im einfachen Verfahren ohne Bezahlung ins Privateingetum überführen können. Deswegen leben auch so viel Leute in Russland in Eigentumswohnungen und besitzen auch immer noch die Datschengrundstücke. Die Nutzung hat sich natürlich verändert mit der Zeit. Aus Tradition aber nutzen viele die Flächen tatsächlich zum Anbauen von Obst, Gemüse und Kräutern. Und in den schlimmen 90ern haben viel auch aus Not die Grundstücke so nutzen müssen. 

3.Heuzutage haben natürlich die Besserbetuchten grosse Häuser drauf gebaut, bzw. sich grössere Grundstücke zusammengekauft und nutzen die Flächen nicht unbedingt landwirtschaftlich. Viele aber machen aber immer noch aus Traditon den Garten zur Quelle von "Biofutter". Es wird traditionell gerne vieles aus dem Garten für den Winter eingemacht und im Sommer hat man eben frisches Gemüse. Die Zahlen aus dem Bild darüber, dass sich beträchtliche Teile des Gesamtbedarfs an Lebensmittel daraus decken liessen sind natürlich Unsinn. Dazu sind die Flächen zu klein und die Anbaumethoden nicht so fortschrittlich. Dafür is es aber echtes Bio und nicht das was in den Bioläden verkauft wird.

4.Zur Zeit ist die russische Landwirtschaft schnell auf dem Wege der Abdeckung des Heimbedarfs. Es gibt noch kleine Engpässe bei Milch und Rindfleisch. Bei vielen anderen Kernprodukten ist Russland Exportland. Das ist aber eben durch ganz normale Landwirtschaft gewährleistet und nicht durch Privatgärten. Die Zahl von 35 Millinen Privatgärten dieser Art stimmt aber. Was nicht stimmt ist dass die Grundstücke steuerfrei seien. Sind sie nicht. Die Steuern in Russland sind aber recht erträglch.

5.Es gibt zur Zeit ein staatliches Programm, dass die Schenkung von bis zu 1ha Land vorsieht an Bürger in den entlegenen Gebieten in Fernost gegen die Auflage das Land landwirtschaftlich zu nutzen. Es ist wirklich umsonst und steht jedem Bürger Russlands zur Verfügung. Es sind auch im Programm kollektive Anträge zu kooperativen Nutzung vorgesehen, so dass mehere Leute sch zusammenschliessen können um eine grössere zusammenhängende Fläche zu bekomen und zu nutzen. Für die Skeptiker, die überall böse russische Propaganda sehen die Website des Programms auf der man direkt einen Antrag stellen kann: http://xn--80aaggvgieoeoa2bo7l.xn--p1ai/



Kommentar von PatrickLassan ,

Zusammengefasst: Das, was in der Grafik steht, stimmt so nicht.

Kommentar von JBEZorg ,

Zusammengefasst: du versuchst dich rauszuwinden weiles dir wohl physisch Pein tut zuzugeben, dass in Russland bestimmte Dinge besser funktionieren als in Deutschland.

2 von 4 Pukten in dem Bild stimmen. Und zwar die wichtigsten. Bei einem Punkt sind nur die Zahlen falsch, die aber eben die Tatsache nicht negieren, dass es diese Gartenwirtschaften in Russland in sehr grosser Zahl gibt(Nur im engen Kreis meiner Familie 3 davon). Und die Aussage von Punkt 3 baut auf Punkt 2 auf und is eigtl. eine schlichtewiederholung der Aussage.

Du kannst gerne weiter Haare spalten, wenn due die einfache Wahrheit nicht verträgst.

Kommentar von diedie ,

Superbeitrag

Antwort
von Agronom, 97

Auf den ersten Blick scheint da was dran zu sein. Da ich des Russischen nicht mächtig bin, google-translator nur bedingt sinnvolle Ergebnisse liefern kann und ich die seriösität von russischen Nachrichtenseiten nicht beurteilen kann, möchte und kann ich da aber nichts konkret bestätigen.

Dabei geht es aber nur um den östlichsten Föderationskreis "Ferner Osten", der mit 1 Bewohner pro km² viel freie Fläche bietet, jedem soll da 1 ha Land zu Verfügung gestellt werden um dort privat Wohnen und Nahrung produzieren zu können. Das passiert dabei wohl in einem Förderprogramm um diese Region zu "stabilisieren" bzw. Wachstum zu erzeugen.

http://siberiantimes.com/business/others/news/n0329-russia-gives-away-one-hectar...

http://www.themoscowtimes.com/news/article/authorities-in-russias-far-east-try-l...

Antwort
von cherskiy, 66

Das ist richtig, bezieht sich aber auf den Fernöstlichen Föderationsbezirk (Дальневосточный Федеральный Округ). Es handelt sich dabei um 1 Ha. Land, das demjenigen, der sich in der Region dauerhaft niederlassen will, zugeteilt wird. Die Teilnahme an diesem Programm ist aber an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die erfüllt werden müssen, so ist in den enstprechenden Bestimmungen der konkrete Ort, das was angebaut werden soll, Fruchtfolge, Alter, Familienstand des Umzugswilligen udgl. geregelt.

Antwort
von agrabin, 63

Davon hatte ich noch nie gehört. Es scheint aber etwas dran zu sein.

Bekannt ist ja die Datschen-Kultur in Russland. Laut Reiseberichten gibt es diesen Datschen-Gürtel um etliche Städte, ich war leider noch nie da.

Habe diesen Artikel gefunden:

http://www.epochtimes.de/umwelt/umbau-der-russischen-landwirtschaft-auf-dem-weg-...

Auch die Epoch Times war mir nicht bekannt, daher habe ich nachgelesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Epoch_Times

Kommentar von Korkensammler ,

Okay, epochtimes scheint tatsächlich eine seriöse Zeitung zu sein. 

Das mit den Datschen ist mir bekannt, ich war allerdings leider auch noch nicht in Rußland, würde es mir aber mal gerne anschauen.

Dann scheint zumindest das wahr zu sein.

Kommentar von agrabin ,

Es wäre schon interessant zu wissen, wie das gehandhabt wird. Vielleicht antwortet noch jemand, der so eine Datsche hat oder gehabt hat.

Kommentar von BjoernWilhelm ,

Die Epoch Times steht der chinesischen Falun-Gong-Bewegung nahe. Als Quellen für den Artikel werden angegeben:

- "The Bovine" - ein Blog über den Zugang zu Rohmilch, die von den Betreibern als besonders gesund angesehen wird.

- Der Kopp-Verlag - ein deutscher Buchverlag, der sich auf Verschwörungstheorien, Katastrophenprophezeihungen und Weltuntergangsszenarien spezialisiert hat, egal ob antikapitalistisch, islamophob, rechtslastig oder einfach nur abstrus - aber immer "unterdrückte Wahrheiten"

Die Quellen sind schon mal nicht so besonders vertrauenswürdig und das Thema scheint religiös und spirituell bewegte Kreise besonders anzusprechen. Daher wohl auch die besondere Erwähnung bei einer Falun-Gong-Zeitung.

Das ist keine Aussage über die Richtigkeit der Angaben in der Meldung, nur eine Warnung, den angegebenen Quellen nicht blind zu vertrauen.

Antwort
von vanillakusss, 97

Nein, nicht dass ich wüsste.

Früher war es wohl so, dass Siebenbürgendeutsche (aus Rumänien), die nachweislich von Deutschen abstammten, hier entschädigt wurden.

Sie konnten auch lange sehr, sehr günstige Kredite bekommen, deswegen haben sie auch alle große Häuser.

Aber irgendwann ist aufgefallen, dass die Angaben über den Grund und Boden in Rumänien nicht stimmen kann, wenn man das alles zusammen gerechnet hat, müsste Rumänien 10x größer sein.....

Aber früher war es einfach irgendetwas, das man hat beglaubigen lassen, vorzulegen und dann entschädigt zu werden.

Ich weiß es wirklich nicht aber ich bin ziemlich sicher, dass das heute nicht mehr gemacht wird.

Kommentar von vanillakusss ,

Habe ich die Frage falsch verstanden?

Kommentar von PatrickLassan ,

Scheint so. 

Kommentar von vanillakusss ,

Na aber so was von!

Kommentar von Korkensammler ,

Ich bezog das auf die Russen, die in Rußland leben (siehe Bild). Zur Zeit geistern vielerlei Bilder dieser Art durch das Internet, die Rußland mehr oder weniger zum Schlaraffenland hochstilisieren. 

Mal ist die Rede von kostenlosem Ackerland, dann wieder von freiem Strom oder utopisch hohem Kindergeld.

Die Reaktionen darauf sind sehr kritiklos, oftmals wird das ohne hinterfragen 1:1 geglaubt, aber niemand kann mir eine Quelle bieten, nichtmal eine russischsprachige die man dann ja übersetzen könnte.

Deshalb kommt mir das eben ein wenig spanisch vor. Keine Ahnung, wer diese Bildchen zusammenstellt...

Antwort
von Biberchen, 86

diese Statistik bezieht sich auf Russland, nicht auf Deutschland! Steht ja auch oben drauf "RUSSLAND"

Antwort
von karapus001, 36

Also ich selber habe mitbekommen, dass die Leute Land geschenkt bekommen, wenn sie sich dort niederlassen lassen und anbauen. Das Ziel darin besteht, dass man die großen Flächen, wo wenig Leute wohnen, man ausnutzt.

Aus Bekanntenkreisen oder vor Ort war/weiß ich nicht.

Antwort
von Lifesawave, 71

Hey, ich glaube es ist so, dass wenn ein/e Russe/Russin zu erst zum Beispiel nach Deutschland zieht und dann wieder nach Russland zurückkehrt, der Staat es tatsächlich fördert und das eventuell mit diesem steuerfreien Grundstück.

Antwort
von zersteut, 83

Halt ich für ein Gerücht!

Theoretisch könnte jede Russe 1-2 Hektar Land bekommen groß genug ist es dafür..... 

Kommentar von JBEZorg ,

Ist aber keins.

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