Frage von kilumin, 140

Ab wann riegelt man und wie funktioniert es richtig?

Gelernt habe ich es folgendermaßen: Man sollte nie eine starre Hand haben, immer leichten Kontakt zum Pferdemaul behalten und das Pferd beschäftigen und zum Kauen anregen. Mir wurde gesagt, das seien halbe Paraden. Außen verwahrender Zügel, innen leichte, feine, halbe Paraden und dementsprechende Schenkel- und Gewichtshilfen. Aber auch mal außen eine halbe Parade geben, um das Pferd aufmerksam zu machen, evtl. etwas zu bremsen und um nicht nur einseitig einzuwirken. Keinesfalls sollte man diese halben Paraden durchgehend machen und rechts und links nur ziehen, da das Pferd im Maul sonst abstumpft und evtl. Schmerzen bekommt. Wäre das dann riegeln?

Und sind die oben beschriebenen Zügelhilfen "richtig"? Habe ich es richtig verstanden bzw. wurde es mir richtig beigebracht?

Eine ganze Parade gibt man mit beiden Händen, vorher bereitet man das Pferd aber mit halben Paraden darauf vor. Außerdem dürfen die richtigen Gewichts- und Schenkelhilfen nicht fehlen, oder?

Mein Reitschulpferd ist sehr sensibel im Maul, die meiste Zeit über läuft sie mir zwar schön am Zügel, aber es gibt Momente, wo sie komplett blockiert, das Genick und der Kopf zu weit oben sind und sie voll im Rücken zu macht. Wie bekomme ich sie dann wieder schön an den Zügel? Und was könnte ein Fehler von mir sein, das sie überhaupt blockiert? Mir wird immer gesagt, "beschäftige sie im Maul, sie soll sich wieder rund machen!", aber wie mache ich das richtig, ohne zu Gefahr zu laufen zu riegeln?

Antwort
von ReterFan, 68

Also erstmal finde ich es toll, dass du dir darüber Gedanken machst.
Im Prinzip ist eine Parade immer ein Zusammenspiel aller Hilfen. Eine halbe Parade ist quasi eine abgeschwächte Form der ganzen Parade. Die ganze Parade führt immer zum halten. Im Großen und ganzen macht man beim reiten nicht sehr viel mit der Hand (immer eher etwas minimalistisch sein) und wirkt niemals rückwärts mit der Hand.

Wenn du das Pferd im Maul beschäftigen willst, lässt du dabei die äußere Hand stehen und kannst dann mit dem inneren Ringfinger etwas spielen. Wenn die Situation sich daraufhin verbessert, kannst du dann wieder damit aufhören. Bei einer halben Parade kann das Pferd dann auch am äußeren Zügel aufmerksam gemacht werden, im Zusammenspiel mit Gewichts- und Schenkelhilfen (aufrichten, Kreuz anspannen, Schenkel am Pferd lassen).

Bei einer ganzen Parade bleiben die Hände dann stehen wo sie sind und du musst mit allem Hilfen in die stehende Hand hineintreiben. Das führt zum stehen, erfordert aber anfangs natürlich etwas Übung.

Riegeln ist ein abwechselndes Rückwärtswirken beider Hände. Bei einigen ist es auch schon von weitem gut sichtbar und leider nicht immer "nur" an den Ringfingern. Wenn ein Pferd nach diesem "Hin und Her" die Nase runter nimmt, hat das weder etwas mit reeller Anlehnung noch mit korrektem Reiten zu tun. Stattdessen schmerzt es im Pferdemaul und lässt es abstumpfen.

Wenn ein Pferd Probleme mit der Stellung hat, sollte man sich demnach auch nicht dazu verleiten lassen, mit der inneren Hand rückwärts zu wirken, denn dadurch wird das Pferd blockiert und kann mit dem inneren Hinterbein nicht korrekt unterschwingen (obwohl das ja das Ziel ist). Stattdessen "bittet" man das Pferd zu der Stellung, indem man erst einmal mit dem inneren Ringfinger leicht spielen kann oder man nimmt die innere Hand in Richtung Knie, denn dadurch wird das Pferd nicht blockiert und kann durchschwingen.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 65

Ja, grob könnte man sagen, eine halbe Parade mit einer Hand, eine ganze Parade mit beiden Händen.

Aber! Die Hand ist nur ein Teil der Parade. Um Bruchteile einer Sekunde: zuerst Kreuz und Schenkel, dann setzt ein kurzes Gegenhalten der Hand ein, um sofort wieder weich nachzugeben.

Diagonale Hilfen, vor allem innerer Schenkel - äußerer Zügel. das macht  man sanft mehrere Male hintereinander, dann stellt man das Pferd behutsam wieder behutsam nach innen, in dem man die Hand seitwärts bewegt, nicht nach hinten ziehen, sonst kann sich das Pferd nicht richtig biegen, sondern das Hinterbein würde  blockiert, weil du es ausbremsen würdest. 

Wir wollen ja das Hinterbein schön nach vorne schwingen lassen. Das geht aber nicht, wenn wir es durch Ziehen am ( vor allem innen) Zügel ausbremsen würden.

Wenn wir treiben und zugleich bremsen, wird das Pferd unwillig aus Verzweiflung ( weil man ja sozusagen Gas gibt und zugleich bremst)) oder es "schleudert die Hinterbeine hinten raus". Dabei wird aus seinem Rücken eine Hängebrücke, was ihm dann weh tut und unserem Hintern auch.

Ich weiß nicht, ob ich das jetzt gut erklären konnte - vielleicht versucht es ja auch noch jemand anders.

Wie man riegelt, willst Du doch hoffentlich nicht wirklich wissen.

Kommentar von kilumin ,

Vielen Dank! Natürlich will ich nicht wissen wie riegeln funktioniert, zumindestens nicht um es danach anzuwenden. Wollte nur gerne den Unterschied zwischen ''Riegeln'' und ''richtig reiten'' verstehen;-)

Kommentar von Urlewas ,

Das Wort " Riegeln" ist ja eigentlich selbsterklärend.

Eben ein Gegenstand, der gefühllos hin und her bewegt wird. 

Antwort
von helloitsme00, 60

Hey:)

Riegeln ist, wenn du abwechselnd links und rechts an den Zügeln ziehst! Normalerweise reitet man ein Pferd an den Zügel, indem man einfach die Hand stehen lässt ( konstante Verbindung ) und an die anstehenden Hand herantreibst. Um die Aufmerksamkeit des Pferds zu erlangen kann man halbe Paraden geben. Wenn dein Pferd den Kopf hochmacht, kannst du mit dem inneren Zügel ein bisschen spielen aber, ganz wichtig, dabei treiben. Ich mache es immer so wenn ein Pferd den Kopf hochreißt, dass ich eine Volte reite. Dadurch, dass man vermehrt mit dem inneren Bein treiben muss, geht dass Pferd meist von alleine an den Zügel ...

Wichtig ist die konstante Verbindung mit dem äußeren Zügel.

Viel Erfolg weiterhin :)

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