Die Spaltung, Fragmentierung der Gesellschaft geht weiter ?

In den vergangenen 20 Jahren hat die Anzahl der Beziehungen durch Internet, Smartphone und Social Media enorm zugenommen.

Wie Wiener Forscher berichten, trage gerade diese wachsende Verbundenheit zum Zerfall der Gesellschaft in viele kleine Gruppen mit gleicher Meinung bei.

... in den vergangenen beiden Jahrzehnten gewachsenen Möglichkeiten, steht die mittlerweile viel zitierte Fragmentierung der Gesellschaft gegenüber, die offenbar nicht nur in den mit diesem Phänomen oft in Verbindung gebrachten USA um sich greift.

Nach Ansicht vieler Experten hat sich das zuletzt weiter beschleunigt und auch die Coronavirus-Krise macht in ihrem Fortschreiten deutlich, wie stark ausgeprägt „Filterblasen“ oder „Bubbles“, in denen sich nur noch mehr oder weniger Gleichgesinnte in ihren jeweiligen Ansichten bestätigen, mittlerweile sind.

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Unter der Annahme, dass Menschen von sich heraus einen Zustand suchen, der möglichst wenig Stress bereitet, rechneten die Wissenschaftler ihre Szenarien durch. Dabei zeigte sich, dass die virtuellen Gesellschaften sich entweder als kohärent – also von Zusammenhalt geprägt – oder fragmentiert präsentierten. Letzteres meint die Aufteilung der Bevölkerung in lauter kleine, in sich relativ abgeschlossene Einheiten, die sich untereinander prächtig verstehen, nach außen aber abgeschottet sind.

Der Wechsel zwischen den beiden Formen ging in den Simulationen abrupt vonstatten. Dieser von den Forschern „Umschlagpunkt“ genannte Effekt trat ein, sobald die Anzahl der Beziehungen der Menschen untereinander einen bestimmten Wert überschritt. Die Wissenschaftler erklären das so: Ist man im Schnitt mit relativ wenigen Personen in Kontakt, hält man es eher aus, wenn ein paar davon anderer Meinung sind. „Aber sind plötzlich 20 von 100 gegen mich, halte ich das nicht aus. Ich werde diesen 20 künftig also aus dem Weg gehen. Stattdessen suche ich meine eigenen sozialen Blasen auf. Besonders einfach ist das in der Online-Welt“, so Tuan Pham.

Für Thurner sind diese Ergebnisse ein Warnsignal, folgt doch die schlagartige Fragmentierung zumindest in ihrem Modell und unter diesen Voraussetzungen „so sicher wie ein Naturgesetz“.

Die extreme Polarisierung der Gesellschaft etwa in den USA und der Aufschwung von Verschwörungstheorien im Netz zeige, dass diese Gefahr durchaus real ist.

„Wenn sich alle in ihren Bubbles bewegen und nicht mehr bereit sind, diese Komfortzonen zu verlassen, wie sollen wir als Gesellschaft dann noch Themen ausverhandeln und zu Kompromissen gelangen, die die Grundlage aller Demokratie sind?“, fragt Thurner.

Dem mit einer dem Zeitgeist stark gegenläufigen Reduktion der Kontakte entgegenzuwirken sei jedenfalls „vollkommen unrealistisch“.

  • https://science.orf.at/stories/3203009/
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