Wie stellt man sich im Shintoismus den Tod vor?

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2 Antworten

Hallo und guten Tag,

der Tod spielt in dieser Religion keine übergeordnete Rolle und es gibt auch in dieser Religion kein Jenseits. Ich habe auch schon beides gehört, stelle mir die Kamigeschichte als realistischer vor, da in der Religion die Kami eine übergeordnete Rolle steht. Der Buddhismus steht in Konkurrenz zum Kami, eine Gemeinsamkeit ist ehr unwahrscheinlich!

Für weitere Fragen und Bemerkungen stehe ich gern ezur Verfügung

Mit freundlichen Grüßen

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Kommentar von NellyFilia
10.07.2016, 10:21

Ah, verstehe, vielen vielen Dank! :) Ich halte morgen ein Schulreferat  (9. Klasse) zu diesem Thema, also wäre es nicht falsch beide Aussagen zu erwähnen, oder? Mehrfach fand ich in meinen Recherchen die Aussage 'Im Leben Shintoist, im Tod Buddhist', was mich alles total verwirrt hat. Also danke nochmal für die schnelle Antwort, habe schon kalte Füße bekommen wie ich das nun regeln könnte :) 

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In Japan gibt es zwei dominierende Religionen.

Den Shintô als japanische Ur-Religion und den aus China importierten Buddhismus. Die meisten Japaner gehören beiden Religionen an, wobei man durchaus von "Zweckreligiosität" sprechen kann.

Im Shintô hat rituelle Reinheit eine hohe Bedeutung, deshalb sind rituelle Reinigungen (Misogi) wichtig. Dinge wie Menstruation und Tod stellen dagegen rituelle Unreinheiten (kegare) dar.

Jetzt will aber wohl kaum ein Mensch hören, dass die gestorbene Oma die Familie "verunreinigt" hat und deshalb alle gereinigt werden müssen.

Der in Japan vorherrschende Mahayana-Buddhismus hat dagegen verschiedene Richtungen. Eine davon lehrt, dass ein gläubiger Mensch nach dem Tod in eine Art Paradies gelangen und dort weiter an seinem endgültigen Eingang ins Nirvana arbeiten kann.

Diese Vorstellung ist natürlich sehr viel tröstlicher und so kam es zur "Arbeitsteilung" zwischen den beiden Religionen.

Freudige Ereignisse wie eine Geburt, oder Hochzeiten, werden eher von Shintô-Riten begleitet, während der Buddhismus für den Tod zuständig ist.

Tatsächlich wird die Stellung eines Tempelpriesters (ähnlich wie ein christlicher Gemeindepfarrer) häufig innerhalb der Familie weitervererbt und die Priester verdienen sich ihr Geld vor allem mit Ritualen zu Todestagen, dem Ahnenfest obon, oder eben Beerdigungen.

Daher stammt auch die abfällige Bezeichnung als "Begräbnis-Buddhismus"(sôshiki bukkyô) für eine Entwicklung, bei der die Seelsorge und das Gemeindeleben kaum noch eine Rolle spielen, sondern es eben nur um die Einnahmen durch Totenriten geht.

Insbesondere seit den Tohoku-Katastrophen 2011 engagieren sich buddhistische Organisationen aber vermehrt für die Lebenden und sind in Krisenintervention, Seelsorge und Beratungen tätig.-

Jenseits

Nach Shintô-Glauben wird ein Mensch nach dem Tod
zu einem Kami und kann als solcher verehrt werden. Dieser "Ahnengeist"
kann dann durchaus als eine Art "Schutzgottheit" der Familie angesehen
werden.

Je nach buddhistischer Vorstellung geht er entweder ins
"Reine Land" ein, oder unterliegt weiter dem Kreislauf der Wiedergeburt,
wobei das Nirvana das eigentliche Ziel ist und man hofft, der
Verstorbene werde dorthin gelangen.

Die Religionen waren aber nicht in der gesamten japanischen Geschichte streng getrennt.

Tatsächlich wurden vor der Meiji-Restauration Shintô-Kami als Verkörperungen von Buddhas und Bodhisattvas angesehen. Man verehrte also das gleiche Wesen lediglich in unterschiedlicher Gestalt.

Einen solchen Synkretismus findet man heute beispielsweise noch in der Religion des Shugendo - eine art buddhistisch-shintoistischer Schamanismus.

Während des Pazifikkriegs wurde der Tenno als Abkömmling der Shintô Sonnengöttin Amaterasu Omikami gottartig verehrt und das ganze Land wurde nationalistisch-patriotisch gleichgeschaltet.

Damit der Buddhismus dabei nicht "unterging" unterstützten die buddhistischen Organisationen nicht nur Propaganda und Militarismus, sondern erneut gab es eine ideologische Angleichung zum Shintô.

Du siehst also, die Beziehungen zwischen beiden Religionen sind komplex.

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