Was soll ich bei einem Probereiten für ein eigenes Pferd fragen und beachten?

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6 Antworten

Nirgendwo wird leider so viel getrickst und gelogen wie beim Pferdeverkauf. Da wird unter Umständen wilden Pferden einfach mal zwei Tage kein Wasser gegeben, damit sie matt genug sind, oder sie werden den halben Tag die Führmaschine gesteckt, ein paar Stunden vor dem Probereiten so lange geritten, bis sie müde sind und alles brav tun, was der Käufer dann möchte. Manch einer scheut auch vor Beruhigung- und Schmerzmittelgabe nicht zurück und bedient sich noch so manch anderer mieser Tricks.

Deshalb ist es wichtig, dass Du jemanden mitnimmst, der sich auskennt. Am besten Deinen Trainer/ Reitlehrer oder aber jemanden, der wirklich Pferde-kundig ist. Bloß keinen Schwätzer mitnehmen, so jemanden, der Dir in alles reinredet, über Dich und Deine Fragen hinwegredet und alles an sich reisst. Das hilft Dir am Ende auch nicht weiter.

Beim Pferdekauf empfiehlt es sich meist, ein bisschen früher zu kommen, als verabredet. Wird das Pferd da nämlich gerade noch durch die Hall müde gescheucht, oder steht noch zum Trocknen unterm Solarium (vielleicht wurde es heftigst bewegt und anschließend gewaschen, damit man den Schweiß nicht sieht) ist das nicht unbedingt ein gutes Vorzeichen.

Mir ist immer wichtig, dass ich nicht ein bereits gesatteltes Pferd vorfinde, sondern sehe, wie es sich beim Putzen und Satteln verhält. Mit bestimmten Unarten komme ich klar, die bekommt man in den Griff, wenn das Pferd zum Beispiel eines dieser Hammelpferde ist, die nicht still stehen bleiben wollen, oder signiert gerne den Kopf putzen lassen wollen, oder an den Ohren empfindlich sind - aber echte Bösartigkeit, nach dem Putzenden ständig beißen oder treten wollen, oder Anzeichen von Sattelzwang beim Satteln, das sind heftige Malus-Punkte, die man nicht sieht, wenn das Pferd schon gesattelt wurde.

Ich finde auch immer gut, wenn das Pferd von der Person vorgeritten wird, die es auch sonst reitet. Dann weiß, ob es bis jetzt einen schwachen oder starken Reiter gehabt hat und wie es bis jetzt vermutlich immer geritten worden ist. Außerdem sieht man den Bewegungsablauf und das Pferd im Ganzen und kann sich auch schon mal ein gutes Bild von ihm machen.

Und an der Stelle, an der mir schon vieles gar nicht gefallen hat, steige ich zum Beispiel gar nicht erst auf, sondern bedanke mich freundlich beim Verkäufer, dass er sich die Zeit genommen hat, aber dass der Funken leider nicht übergesprungen ist. War aber alles gut, reite ich das Pferd natürlich. 

Wichtig ist, dass man sich Zeit lässt. Dass man sich nicht von all denen, die am Rand stehen, mental unter Druck setzen lässt und so entspannt wie möglich das Pferd ausprobiert. Reite solange Schritt wie Du magst. Fühle Dich ins Pferd, in seine Bewegungen und trab erst dann an, wenn Du Dich wohlfühlst. Lass Dich vom Verkäufer zu nichts antreiben. Bleib locker. Wenn Dein Trainer dabei ist, lass Dir von ihm oder ihr ruhig helfen. Am Ende geht vielleicht auch Dein Trainer noch einmal auf`s Pferd und probiert dessen Möglichkeiten und Eignung für Dich.

Du musst Dich auf dem Pferd wohl fühlen. Es muss noch nicht alles funktionieren, aber Du musst Dich wohlfühlen und das Gefühl haben, die Aufgabe dieses Pferd dauerhaft reiten zu können, bewältigen zu können.

Ich selber habe im Herbst letzten Jahres erst meinen Wallach gekauft und so manches Kuriose bei meiner Pferdesuche erlebt aber schlussendlich haben wir ihn gefunden. Ehrlich gesagt, war er so gar nicht das, was ich eigentlich wollte, aber ich habe mich wahnsinnig wohl auf ihm gefühlt und da war egal, dass er noch so grün war und vieles noch nicht beherrschte - die Chemie war vom ersten Moment an bei uns beiden da und ist es auch heute noch - zum Glück.

Doch egal wie verliebt und euphorisch Du bist: Verzichte niemals auf eine große Ankaufuntersuchung! Diese Untersuchung ist jeden Euro wert. Und wenn etwas gefunden wird und der Tierarzt Dir vom Kauf abrät - Hör auf ihn, egal wie verliebt Du bist. Und hör auch auf Deine Berater. 

Viel Glück!

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Kommentar von friesennarr
05.07.2016, 12:14

Nirgendwo wird leider so viel getrickst und gelogen wie beim Pferdeverkauf.

Und wehe man ist ehrlich, dann wird einem daraus auch noch ein Strick gedreht - eigene Erfahrung.

Glaub mir, die Kunden sind teilweise noch viel schlimmer als die Verkäufer.

Ansonsten DH.

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Für Gesundheit und Exterieur nimmst du dir bitte jemanden mit, der das auch beurteilen kann.

Fragen mußt du dir aufschreiben, sonst vergisst du die hälfte.

Die Aufzucht, die Herkunft, die Verwendung bisher, evtl. Verletztungen, besondere Vorkommnisse, Krankengeschichte, Werdegang (Koppel, Beritt, Reiten). Zuverlässigkeit u.ä. kann sie dir sagen, wird aber bei dir erst mal anders sein.

Was ist mit "unfug" gemeint, sowas wie Handstand drauf machen, oder unten durch krabbeln, oder kitzeln und er legt sich auf den Rücken? Oder was?

Als erstes mal muß man einen Eindruck bekommen vom Pferd, seiner derzeitigen Haltungssituation und seiner Reitbarkeit.

Sollte das Pferd in die engere Wahl kommen, dann kommt man nächstes mal mit Fachmann im Gepäch wieder und wenn man dann sagt man würde es nehmen wenn die AKU o.k. ist - dann kommt noch der TA und macht eine AKU - dann weist du so ungefähr was auf dich zu kommt.

Wenn es möglich ist, das Pferd öfters besuchen und auch evtl. mal unangemeldet dort vorbei sehen.

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Wenn du sicher sein willst, dass das alles geht, was du da aufführst, würde ich kein junges Pferd nehmen, sondern eines, was Du ausgiebig testen kannst. Mit einem Pferd, welches das Springen kennt,  darfst du auch beim Probereiten über ein paar Sprünge nehmen.

Kannst dich ja auch mal ohne Sattel drauf setzen - wenn das dem Pferd sichtlich unangenehm ist, wird es für deinen " Unsinn" wohl eher nicht geeignet sein.

An sonsten hast du ja jetzt schon genügend Rat 😊

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Wenn Du herausfinden willst, ob ein Pferd springbegabt ist, musst Du den Eigentümer einfach danach fragen. Beim Ausprobieren des Pferdes, kannst Du dann darauf bestehen, wie es sich anstellt, wenn es eine Cavalettireihe springen soll oder Du nimmst direkt einen kleinen Sprung. Da gibt es so viele Möglichkeiten. Wenn Du dies nicht vor Ort machen magst, dann frage den Besitzer, ob Du das Pferd zuhause "ausprobieren" darfst über einen abgesteckten Zeitraum von z.B 4 Wochen. Dort kannst Du dann in Ruhe und mit einem Reitlehrer herausfinden, ob das neue Pferd zum springen geeignet ist.

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Kommentar von friesennarr
05.07.2016, 12:19

Niemals nie würde ich eines meiner Pferde zum "austesten" geben - niemals.

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Natürlich solltest Du fragen ob Du mit dem Pferd springen kannst - wenn Du springen möchtest.

Desweiteren solltest Du fragen ob das Pferd nur in der Gruppe  oder auch alleine ins Gelände geht. Frage nach wie sich das Pferd im Gelände benimmt: ist es schreckhaft oder eher eine Lebensversicherung.

Beschreibe der Besitzerin genau was Du unter Unfug verstehst. Mein Pferd würdest Du unter diesem Aspekt nicht so einfach bekommen.

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Kommentar von iwantu
05.07.2016, 08:40

Mit unfug meinte ich einfach so etwas wie mit Halsring reiten, ohne Sattel reiten... Ich wusste nicht wie ich es nennen sollte :  )

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Kommentar von friesennarr
05.07.2016, 08:45

Einen Geländeritt kann man ja in der Testphase auch noch machen, dann weis man noch besser bescheid - auf Aussagen vom Besitzer kann man sich das schlecht verlassen, man müsste das sehen.

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Also, für das Probereiten eines Pferdes würde ich immer einen Reitlehrer und einen Tierarzt mitnehmen.

Der Tierarzt kann das Pferd dann genau untersuchen und seinen momentanen Gesundheitsstand beurteilen.

Der Reitlehrer, der natürlich sehr gut ausgebildet sein soll, kann beurteilen, wie gut ihr zusammen passt. Ich finde Reitlehrer haben da ein ganz gutes Händchen für.

Fragen die du stellen solltest, sind über die Herkunft und die Aufzucht des Pferdes, über die Ausbildung und über irgendwelche Weiterbildungen in Form von Lehrgängen usw.

Dann solltest du auf jeden Fall fragen, ob das Pferd Vorerkrankungen, Allergien oder Ähnliches hat, bestimmtes Futter braucht...

Auf jeden Fall darauf achten, wie das Pferd gehalten wird, wie es sich führen / putzen / satteln usw. lässt und wie es sich verhält, wenn man aufsteigen möchte.

Wenn du mehrere Pferde hast, die du dir in nächster Zeit anschauen magst, dann würde es reichen, wenn du erstmal alleine gehst und den Reitlehrer & Tierarzt erst bei den Pferden mitnimmst, die in die engere Auswahl kommen.

Habe auch ein Auge auf die Besitzerin, wie verhält sie sich, wenn du ihr Fragen stellst, kann sie diese sofort beantworten?
Ist es dir möglich noch ein paar Mal zum Reiten vorbei zu kommen, bevor du dich entscheidest? Darfst du auch mal Springen & ins Gelände, Longieren & Bodenarbeit machen?

Ich würde auch einfach mal spontan unangemeldet vorbei kommen und schauen, ob dann alles okay ist, bzw. wie sich die Besitzerin verhält, wenn du einfach ohne Termin dort bist ( falls sie dann natürlich gerade anwesend ist ).

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Kommentar von friesennarr
05.07.2016, 12:09

Zum Probereiten nimmt man i.d.R keinen TA mit - es sei den er ist ein guter Kumpel und geht aus freundschaft mit. Der TA kommt erst wenn das Pferd in die engere Wahl kommt.

Reitlehrer machen das so gut wie nie unentgeldlich und wenn man 4 oder 5 Pferde anguckt, dann wird das richtig teuer.

Ansonsten hast du schön nachgeplappert.

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