Frage von Imago8, 117

Warum so viele Rehe?

Ich bin immer mal wieder in der Abenddämmerung in der Flur unterwegs und sehe fast immer sehr viele Rehe. Vor kurzem konnte ich von einem (!) Punkt aus im Umkreis von ca. 300 Metern 17 Rehe sehen, davon bildeten 13 eine große Gruppe, die sich am Rand eines Ackers aufhielt.

Der Lebensraum ist ein Mosaik aus Äckern und ein paar kleinen Waldresten (Landschaftsschutzgebiet) mit mehreren kleinen Sümpfen bzw. Wasserlöchern.

Sind solche Gruppengrößen zu dieser Jahreszeit normal? Oder ist das ein Zeichen für Unterbejagung? Hochsitze gibt es dort alle 200 Meter, aber einen Jäger habe ich dort noch nie gesehen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von antnschnobe, Community-Experte für Tiere, 52

Das läßt sich ganz einfach beantworten:

Im Herbst und Winter schließen sich die Rehe zu größeren Rudel zusammen, die ab dem späteren Frühjahr wieder aufgelöst werden.

Der Jäger hat damit überhaupt nichts zu tun.
Auch ist die Winterfütterung nach Bundesland stark reglementiert.
Außerdem dürfen an Fütterungen (nicht zu verwechseln mit Kirrungen!) keine Rehe erlegt werden!

Kommentar von antnschnobe ,

Merci für den Stern.

Antwort
von Schwoaze, 79

Ist das nicht großartig?  Die Beschreibung der Landschaft ist für die Rehe doch ideal. Du wirst vielleicht auch bemerkt haben, dass sie sich hauptsächlich auf Feldern aufhalten, wo noch nix wächst, d.h., die braun sind und wo sie nicht gut sichtbar sind. Rehe sind so wunderschöne Tiere!

Das Rudel auf dem Bild habe ich in meiner Gegend aufgenommen.

Kommentar von Imago8 ,

So ähnlich sieht unsere Landschaft auch aus. Ich mag Rehe auch. Meine Frage geht eher in ökologische/biologische Richtung.

Mir kommt die Anzahl recht hoch vor und ich wollte wissen, wie üblich das ist und womit das vielleicht zusammenhängt.

Kommentar von Schwoaze ,

Als Laie weiß man ja nicht, wie viele solcher Rudel es gibt. Ich denke, die Jäger werden nichts unversucht lassen, den Bestand zu kontrollieren. Das ist meine geringste Sorge.

Kommentar von Imago8 ,

könnt es auch sein, dass aus irgendwelchen Gründen in unserem Gebiet zu wenig gejagd wird?

Kommentar von Schwoaze ,

Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Antwort
von voayager, 49

Das hat 2 Gründe: 1. päppeln die Jäger die Rehe durch Winterfutter und sonstiges Kraftfutter auf, dann kommt 2. hinzu, dass sie bis jetzt keine natürlichen Feinde haben.

Der Rehbestand ist in unseren Wäldern viel zu hoch, der Waldschaden durch Wildverbiß zuweilen beachtlich. Die Jäger allein sind an einem hohen Wildbestand interessiert, damit sie so genug zum Abknallen haben und zudem sie so leichter Wild vor ihre Büchse bekommen.

Es wird höchste Zeit, dass Wolf und Luchs vermehrt Einzug in unsere Wälder erhalten, sofern diese an Areal es hergeben, damit die beiden Beutegreifer mal tüchtig aufräumen.

Kommentar von Imago8 ,

Rehe haben natürliche Feinde: vor allem Füchse, Luchse und Wölfe. Wobei die beiden letzteren sehr selten sind, was sich aber bei Wölfen in den nächsten Zeit wohl ändern wird. Und ich würde den Menschen auch zum natürlichen Feind des Rehes zählen. Aber das ist wohl Geschmackssache.

Die Gegend in der ich die Rehe beobachte, wird kaum bis garnicht forstwirtschaftlich genutzt, dafür umso mehr landwirtschaftlich.

Wieviel den Rehen hier gefüttert wird, weiß ich leider nicht. Wäre mal interessant zu erfahren. Kirrungen gibt es einige, aber wann und wieviel da gefüttert wird: keine Ahnung.

Kommentar von voayager ,

Wenn du deinen Wald näher ergründest, wirst du bestimmt die oftmals zahlreichen Futterkrippen sehen.

Kommentar von Imago8 ,

wie gesagt, ich weiß, wo sie sind, aber nicht, wieviel da gefüttert wird. Kontrolliere das ja nicht jeden Tag...^^

Kommentar von voayager ,

Eine Wildfütterung sollte garnicht sein, sie ist nicht naturgerecht.

Kommentar von Raketenfritze ,

Es ist auch nicht "naturgerecht", dass wir Menschen versuchen, aus jedem Quadratmeter den maximalen Ertrag zu quetschen und damit vielen wildlebenden Tieren die Lebensgrundlage entziehen oder Missverhältnisse zwischen den Arten schaffen... Eine ursprüngliche Naturlandschaft wirst du hier bei uns nicht mehr finden, alles hat der Mensch kultiviert, das bringt Eingriffe in allen Bereichen mit sich, um das System als Ganzes für uns nutzbar und ökologisch wertvoll zu halten.

Kommentar von voayager ,

Das ist ja alles richtig, ändert aber nix an der Tatsache, das umsetzbare Forderungen aufgestellt werden müssen, andernfalls vwerfallen wir in einen bloßen Fatalismus. Die Umweltschutzverbände gehen dabei voran, indem sie als Taktgeber des Machbaren auftreten. Ein verbot der Wildfütterung gehört auch dazu.

Wer garnichts mehr fordert, der entzieht den Umweltschutzverbänden die Grundlage.

Kommentar von Raketenfritze ,

Die Frage ist, inwiefern in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht, nur dann müssen nämlich überhaupt umsetzbare Forderungen aufgestellt werden. Diese Frage beantworten unterschiedliche Seiten auf unterschiedliche Weise, allgemein gesprochen hast du aber recht, ohne ein klares Ziel vor Augen sollte man nicht handeln.

In Bezug auf die Umweltverbände stellt sich mir eher die Frage, ob das, was machbar ist, auch sinnvoll ist, das ist eher der Kern einer möglichen Diskussion und auch näher am ursprünglichen Sinne der Frage.

Und wenn die Existenzgrundlage der Umweltschutzverbände tatsächlich Forderungen von außerhalb sind, dann würden sie eben mit den Forderungen verschwinden, weil sie dann ihren Zweck erfüllt hätten.

Antwort
von emily2001, 64

Hallo,

weil sie keine natürlichen Feinde mehr haben (Wolf oder Luchs)...

Emmy

Kommentar von Imago8 ,

Danke für die Antwort, auch wenn sie mir nicht wirklich weiterhilft.

Der Wolf ist ja schon auf dem Weg. Die nächsten Wolfsgebiete nur 100 km von hier entfernt. Könnte u.U. nicht mehr lange dauern, bis es auch hier welche gibt.

Kommentar von Dackodil ,

Ein natürlicher Feind ist allgegenwärtig.

Menschen essen von jeher auch gerne Rehwild.

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