Frage von Mytime2000, 150

Vater droht Familie weil ich schwul bin?

Hallo Leute,

Und zwar wissen mein Vater und meine Mutter jetzt dass ich schwul bin. Mein Vater hat mich und meinen Freund (sind 6 Monate zusammen) immer mal in der Stadt getroffen und er hat es uns beiden angemerkt. Als ich es ihm dann gesagt hatte, war er komplett am Boden zerstört und total aufgelöst - er konnte weder sprechen, noch trinken, noch richtig atmen. Sei größtes Problem ist wahrscheinlich, dass es seine Freunde mitbekommen, die (wie mein Vater auch) aus Südeuropa kommen und Homosexualität verboten/nicht erwünscht ist. Er droht meiner Mutter, sich von ihr zu trennen und meinen Bruder mitzunehmen, damit er nicht auch noch "schwul wird". Meine Mutter steht also zwischen zwei Stühlen ... ich habe meinen Freund schon ungefähr 2 Wochen nicht gesehen und meine Eltern verbieten mir nicht direkt den Kontakt zu ihm, aber mein Vater "erpresst" mich indirekt, indem er droht, dass meine Familie kaputt geht und alles darum herum. Was sollte ich jetzt machen? Hier ist ein komplettes Chaos los ... P.S.: Ich bin 16 und mache gerade meik Abi (11. Klasse) und mein Bruder ist 13 ...

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Antwort
von holjan, 18

Auch wenn alle hier recht damit haben, das dein Vater sich unmöglich verhält, Homosexualität nichts Schlimmes ist und es völliger Quatsch ist, das du deinen Bruder irgendwie anstecken könntest, so bleibt natürlich zu bedenken, das dein Vater kulturell anders geprägt ist - vermutlich spielen hier auch gewisse Religöse Sichtweisen eine große Rolle.

Natürlich würdest nicht du die Familie zerstören, sondern das übertriebene (religiös/kulturell bedingte) Ehrgefühl deines Vater wäre es, was die Familie zerstört.

Die große Angst vor den Freunden/Bekannten als ehrenlos dazustehen, weil er seinen schwulen Jungen gewähren lässt, dürfte für ihn nahezu unüberwindbar sein. 

Man könnte meinen dein Vater würde nun geprüft werden was ihm wichtiger ist. Sein Gesicht zu wahren vor Freunden die aus kulturellen/religiösen Gründen Homosexualität als Todsünde und Schande betrachten  oder aber zu seiner Familie und somit auch zu dir zu stehen und salopp gesagt darauf zu schxxßen, was die Freunde davon halten.

Als Deutscher der mit hier üblicher Kultur und Religion aufgewachsen ist, erscheint es einem natürlich als klar und deutlich, das du dein Recht auf Glück beanspruchen solltest - im Notfall auch gegen den Willen deines Vaters.

Dass das aber aus deiner Sicht sicherlich nicht so einfach ist, ist etwas, das man natürlich auch bedenken muss. Auch wenn der Vater sich schlimm verhält - er bleibt der Vater und die Familie ist wichtig und die Angst, das sie zerbricht ist natürlich groß.

Hier ist guter Rat teuer. Ich weiß nicht ob dein Vater mit Fakten zum Umdenken bewegt werden könnte. Sprich Aufklärung über das Thema Homosexualität.

Wüsste er das man sich seine sexuelle Orientierung nicht aussuchen kann, sollte ihm klar werden, das du dagegen auch nichts tun kannst und niemand Schuld ist - es also auch keinen Grund gibt sich dafür zu schämen.

Wüsste er, das Homosexualität nicht ansteckend ist, wäre ihm sicherlich auch klar, das es keinen Grund gibt, deinen Bruder z.b. von dir zu trennen.

Würde ihm klar werden, was ein Leben in Ignoranz der eigenen Gefühle und Bedürfnisse bedeutet, müsste er, so möchte man meinen, verstehen, das er Umögliches von dir verlangt bzw. sowas einfach nicht verlangen kann und darf.

Ob er überhaupt dafür zugänglich ist ist fraglich. Wenn man es aber versuchen will ihm zu verdeutlichen, was Homosexualität tatsächlich ist, wäre es sicherlich sehr hilfreich, wenn ihm das jemand vermittelt, deren Wort er wert schätzt. Jemand aus der gleichen Kultur oder gleicher Religion - jemand mit Autorität, jemand zu dem er aufblickt. So jemanden zu finden ist mitunter aber nicht einfach.

Ich würde dir auf jeden Fall raten Hilfe von außen anzustreben. Eine offizielle Stelle (Jugendamt z.B.),. Ob es Organisationen gibt, an die man sich wenden kann weiß ich nicht. Hab kurz mal sporadisch gegoogelt. es gibt zig Berichte dazu, aber nirgends fand ich Adressen/Telefonnummern für direkte Hilfe oder Rat.

Hast du mal versucht Rat in entsprechenden Foren zu finden? Also LGBTQ Foren in denen sich vielleicht auch Leute tummeln, die eine ähnliche Geschichte haben.

Vielleicht haben die ja Adressen zur Hand, die dich unterstützen können.

Ich wünsche dir viel Glück

Kommentar von don2016 ,

@holjan...hättest du mal andere Antworten gelesen   (das gehört für meine Begriffe hier auch dazu) ,  daß wir nicht alles doppelt reden, würdest du deinen letzten Abschnitt anders geschrieben haben; ich habe diesbezüglich informeirt, ansonsten hast du auch gute Argumente dabei; dennoch Kultur und Religion hin und her, für mich hat die Liebe des jungen Menschen, seine Orientierung erste Priorität; der Vater lebt auch hier in Deutschland und hat sich unseren Statuten anszupassen und nicht der Sohn der Steinzeitreligion aus dem Abendland, bzw. egal woher...  liebe Grüße aus Köln

Kommentar von holjan ,

Ich verstehe deinen Standpunkt und teile ihn sogar, jedoch ändert das nun mal wenig an den tatsächlichen Umständen, denen der Fragesteller ausgesetzt ist.

Der Vater hat dazu eben offensichtlich eine andere Meinung, ob wir das nun gut finden oder nicht. Natürlich sollte er sich anpassen an örtliche Gegebenheiten, nur offensichtlich tut er das nicht und man wird das auch nicht erzwingen können.

Auch wenn es für uns unverständlich scheint, wie ein Vater so reagieren kann, so ist es nun aber auch nicht überraschend, das Immigranten ihre kulturellen und religiösen Gepflogenheiten und Wertevorstellungen nicht beim Grenzübertritt ablegen.

Es ist in vielen Immigranten-Familien nun mal üblich, das für uns rückständig scheinende Wertevorstellungen auch weiterhin Bestand haben, das Ansehen und Familienehre über alles gehen, eben oft auch über die Liebe und Pflichtbewusstsein gegenüber den eigenen Kindern stehen.

Das müssen wir weder gut finden noch nachvollziehen können, aber das muss eben auch berücksichtigt werden, bei der Lösungsfindung. :)


Antwort
von Giwalato, 33

Hallo Mytime,

ich frage mich, wieso Dein Vater auf eine so absurde Idee kommt, daß Deine Mutter für Deine Homosexualität verantwortlich sein soll. 

Das ist für mich so ähnlich, wie wenn ein Mann seiner Frau Vorwürfe macht, daß sie ein Mädchen geboren hat. Heute weiß man, daß die Gene des Vaters für das Geschlecht des Kindes ausschlaggebend sind.

Homosexualität ist keine Frage der Sozialisation oder Erziehung, sondern eine genetische Veranlagung wie auch die Linkshändigkeit. 

Deshalb braucht sich Dein Vater keine Gedanken darüber machen, daß Du Deinen Bruder damit "anstecken" könntest. 

Es ist auch nicht auszuschließen, daß die homosexuelle Veranlagung aus der Familie Deines Vaters kommt, auch wenn sie dort nicht offen gelebt, sondern verheimlicht würde.

Du bist intelligent und offen und wünscht Dir, daß Du so akzeptiert wirst, wie Du bist. Laß Dich von Deinem Vater nicht verunsichern und schon gar nicht erpressen. Du bist ok, so wie Du bist.

Alles Gute,

Giwalato 

Antwort
von Anonymvl15, 52

Also zuerst mal finde ich es gut dass du das nicht verheimlichst dass du schwul bist. Ich versteh die Menschen nicht die Homosexualität schlimm finden. Mach deinem Vater klar dass es da wo er her kommt zwar verboten ist aber nicht da wo er jetzt lebt und dass es viele Menschen gibt die Homosexuell sind und dass das auch überhaupt nicht schlimm ist und von der Gesellschaft auch akzeptiert wird. Erklär ihm alles was ihn überzeugen könnte und dann wird das alles nicht so schlimm sein wie es jetzt scheint.  Er ist dein Vater vielleicht ist er anfangs etwas geschockt aber das legt sich und er steht irgendwann hinter dir. 

Antwort
von don2016, 19

lieber Mytime2000, in deinem Fall (ich habe schon mehreren Muslime und streng Gläubigen in Sachen Homosexualität Tipps gegeben, s.a. mal meine Antworten) würde ich den Kontakt zu deinem Freund nicht abbrechen; wenn es z.Z. problematisch ist, mache es vorübergehend heimlich, aber füge dir und deinem Liebling nicht unnötige Schmerzen...Herzschmerzen zu, das brauchst du nicht; geh hin...und treffe deinen Freund umarme ihn und zeig ihm weiterhin deine Liebe, daß ihr zusammen gehört;  du mußt dir nicht selbst wehtun, du hast nix Schlimmes gemacht, nix Verbotenes, du hast nur deine Liebe mit deinem Freund geteilt; diese homosexuelle Liebe ist eine von vielen Liebesarten (nennen wir es ma so) und absolut normal; da wo es Sünde ist, besagt das der Steinzeitglaube, wie bei deinen Eltern, besonders deinem Vater;

...aber wir leben hier in Deutschland, hier herrschen andere Gesetze und vor allem bist du hier frei, frei in deiner sexuellen Orientierung, ohne Zwnag, ohne Verbote; ja...und es ist:  keine SÜNDE homosexuell Liebender zu sein; das sind immer die Predigten von Scheinheiligen, hier auch von Bibelablesern (so nenne ich sie, diese Pharisäer); laß dich auf keinen Fall von deinem Vater erpressen, er hat was von Unrecht, er ist absolut homophob von seinem südländischen Glauben her...das ist nicht normal...; er schadet derzeit eure ganze Famlie und dich auch beim Lernen usw.;

...rede nochmal mit deiner Mutter und zwar rate ich dir folgendes: es gibt in jeder größeren Stadt Beratungsstellen für Homosexuelle, für deren Eltern, für alle Betroffenen: z.b. hier in Köln ist das : Rubicon, die arbeiten auch mit Huk e.V. zusammen, die sind auch bundesweit; ich rede hier von Köln, weil ich nicht weiß, wo ihr lebt...entweder frage mich ma, ich kann nachfragen, wer bei euch in Frage kommt... in eurer Gegend, wenn du mir die Stadt nennst...oder du suchst selber im Internet nach Rubicon und rufst dort ma an;  du und deine Eltern...ihr bekommt dort Hilfe, ganz sicher; es ist für mich die beste Beratung, die man in deiner Situation bekommen kann; sei so gut und rufe da an oder schreibe mir, gerne per PN;

...ich wünsche dir erstma viel Kraft, daß du mit deinem Freund alles durchstehst und dein Vater, durch das oder die Gespräche mit "Fachleuten" Vernunft annimmt; was der vor hatte, kann er gar nicht realiseiren und deine Mutter zu verlassen, ist doch unterste Schublade...sorry...was ist das für ein Mensch ?

...es wird alles gut werden, für dich und deinen Freund;  eure Liebe wird  weiter gedeihen und du bald wieder ein glücklicher Junge zusammen mit deinem Liebling sein; es gibt nix Höheres als die Liebe (außer Gesundheit)... ganz liebe Grüße aus Köln

Kommentar von Mytime2000 ,

Vielen, vielen lieben Dank für diese Worte und deinen Rat! :) Ich werde am Montag ersteinmal das Jugebdant kontaktieren und Rat erbitten, ohne Name und Adresse zu nennen. Und dann versuche ich mein Glück bei einer solchen Gruppe, die du mir beschrieben hast. Danke vielmals :)

Kommentar von don2016 ,

...gerne, es freut mich immer wieder, wenn ich helfen konnte... liebe Jung; wenn du noch weitere Fragen hast, kannst dich gern melden...und viel Erfolg auch beim Jugendamt, liebe Grüße

Antwort
von macqueline, 39

Mach dein Abi und studier oder mach eine gute Ausbildung, damit du selbstständig leben kannst. Es ist möglich, dass sich dein Vater 'berappelt', wenn er sich etwas an die Situation gewöhnt hat. Wenn nicht, dann lebt euer Leben.

Mein sehr lieber Neffe ist schwul, er ist mit seinem Partner seit  über 25 Jahren zusammen. Seine mittlerweile verstorbenen Eltern hatten beide akzeptiert, jedoch in der Familie nie darüber gesprochen. Erst jetzt gehen wir offen damit um, aber für die Eltern war es offenbar unmöglich.

Antwort
von petrapetra64, 8

Ich denke, dein Vater braucht einfach seine Zeit, damit klar zu kommen. 

In Südeuropa mag Homosexualität noch nicht so normal zu sein, aber seine Familie sitzen zu lassen, das ist noch was viel schlimmeres bei seinen Freunden. Und ob dein Bruder mit ihm mitgehen mag oder lieber bei euch bleiben mag, das kann dein Bruder selbst entscheiden. Daher wird er seine Drohung nicht wahr machen, er schadet sich nur selbst. 

Laß ihm einfach noch etwas Zeit und lebe die Beziehung mit deinem Freund vorerst heimlich weiter, treffe dich aber weiter mit ihm. Ich denke, die Zeit wird vieles bereinigen. So verliert dein Vater aber nicht das Gesicht vor seinen Kumpels, so lange er selbst damit noch nicht klar kommt. 

Antwort
von Nirakeni, 28

Es ist gut, dass du dich jetzt erst einmal zurückhältst. "Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird" heißt ein Sprichwort. Warte erst einmal ab wie sich die Lage entwickelt. Möchte deinem Vater sagen, dass sich Jugendliche in deinem Alter oft "ausprobieren" und sich vieles in deinem Leben noch ändern kann. Er sollte es nicht als Katastrophe ansehen. Versteh mich richtig, vielleicht bleibt deine Veranlagung so, vielleicht auch nicht. (Jetzt empfindest du es so und ich kann das akzeptieren).

Vielleicht sprichst du mal aus dieser Sicht mit deinem Vater. Das würde ihn bestimmt erst einmal beruhigen.

Alles Gute!

Antwort
von shadowhunter109, 10

Du solltest dich trotzdem mit deinem Freund treffen! Zeig ihm das er dir auch in solchen Situation sehr wichtig ist. 

Das Verhalten deines Vaters ist einfach...ekelhaft. Das er sowas zu seiner Frau sagt-.- Sie sollte sich eher von ihm trennen. Und das er deinen kleinen Bruder mit nimmt...haha bei geschiedenen Eltern bekommt in den aller seltensten Fällen der Vater die Kinder:) Wenn er dann vor Gericht mit dem Gründ kommen würde: "Aber SIE hat einen Sohn von mir schwul gemacht und wird das jetzt mit ihm auch machen!" Ich würde das feiern xD So peinlich.

Vielleicht hört das ja dann aber auf und er gewöhnt sich dran. Wenn nicht dann soll er sich halt scheiden lassen und alleine leben. 

Kommentar von don2016 ,

lieber shadow...sehr gute, passende Worte, gefällt mir, liebe Grüße

Antwort
von Duftbaumstock, 27

Ich finde das Verhalten deines absolut inkorrekt. Wie sind im 21. Jahrhundert, da sollte man tolerant sein. Selbst wenn die Freunde deines Vaters denken, dass dies verboten gehöre, haben sie ein Problem in Ländern wie DE oder AU z.B.

Antwort
von jimpo, 19

Sag Deinen Eltern, daß Sie Dir die Gene mitgegeben und Du am allerwenigsten beteiligt bist.

Antwort
von echolot19, 19

mach dein Ding, genauso!

Eine dich  liebende Mutter wird dich unterstützen.

Viel Glück dabei

Antwort
von ForTheAnimals, 24

Dein Vater ist einfach ein Idiot (sorry für die harten Worte). Wenn er in einer homophobe Umgebung leben will, dann muss er wohl in sein Heimatland zurück. Zu Mal Homosexualität weder ansteckend ist, noch deine Mutter dafür etwas kann. All das spricht leider für einen sehr niedrigen Bildungsstand deines Vaters. Auch kann er deinen kleinen Bruder nicht einfach mitnehmen, nach einer evtl. Scheidung.

Dein Mutter sollte sich am Besten Hilfe holen. Es gibt überall Bertungszentren für Frauen und auch für Frauen, die auf Grund von kulturellen Unterschieden Probleme haben.


Kommentar von don2016 ,

...auch gut formuliert...liebe Grüße aus Köln

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